Ich habe nichts gegen rechtschaffene Bäcker. Oder gegen Automobilclubs im allgemeinen.
Wenn aber ein Automobilclub einen Campingplatzführer mit Software herausgibt, erwarte ich im Jahre 2007 schon grundlegende Komfortfunktionen. Zumindest, wenn die olle Software extra kostet, darf man meines Erachtens einen Zusatznutzen erwarten.
Die Software, die man unter Windows mit full-blown Installergedöns installieren muß – unter MacOS X hingegen soll es direkt starten; Linux wird, natürlich, wieder mal mit keinem Wort erwähnt – ist nichts weiter als ein in meinen Augen ziemlich krudes Datenbankfrontend. Freitextsuche: Fehlanzeige. Suche nach Standardfeld »keine Hunde«: nicht vorgesehen.
Man kann Gegenden eingeben, in denen nach Campingplätzen gesucht werden soll. Nur vergißt die Software, z. B. schein’s auch beim Hibernate, gelegentlich diese Auswahl — Super, wenn plötzlich wieder österreichische Plätze angezeigt werden, suchte man doch an der italienischen Riviera.
Ganz groß auch die eingebaute Landkarte — vermutlich aus Angst der Kartenrechteinhaber vor der Benutzung als alternatives Navigationssystem (das ist in etwa so abwegig wie der Glaube daran, daß die Musikindustrie an irgendetwas anderem als der Gewinnmaximierung Interesse hätte, also z. B. so profane Dinge wie Kundenzufriedenheit ihr wichtig wärem), ist sie im selben Maßstab wie die gedruckte Karte, die dem Campingführer beiliegt. Interaktives reinzoomen: no fucking way, also Mehrwert effektiv Null. Ok, von der Markierung der Plätze in der elektronischen Karte abgesehen — die aber eben grob genug ist, daß an einem Ort gteich mehrere Plätze gelistet werden müssen, eine visuelle Auswahl »ok, der ist aber näher am Strand« ist in der Anwendung wiederum nicht möglich. Was verbraucht da aber die satten 300 MB?
Ich kann also nach kabelgebundenem Internet oder Internet per WLAN explizit suchen lassen — nach überhaupt Internetzugang, gleich auf welcher Zugangsart basierend, nicht. Hundefreier Platz – im gedruckten Führer per visual grep relativ schnell zu erfassen – ist nur durch Vergleich der einzelnen Angebote per visial grep der jeweiligen Detailansicht möglich. Das ging schon 1997 besser … Apropros: eine Mehrfachauswahl und dann eine vergleichende Gegenüberstellung der Plätze ist – natürlich – nicht möglich.
Ganz groß ist auch der Button für Google Maps-Koordinaten: erster Klick zeigt die Koordinaten an und bietet die Möglichkeit, direkt Google zu kontaktieren per Browser. Nutzt man dieses, erscheint, bei der aktuell genutzten WLAN-Verbindung, der JavaScript-Hinweis, daß die Verbindung ggf. Geld kosten könnte und sie jederzeit abgebrochen werden kann. Ist, natürlich, nicht konfigurierbar — Nervige Klicks für 100: Was bietet der ADAC-Campingführer als PC-Programm?
Und wer sich nun fragt »Google Maps‽«, dem sei gesagt, daß sich diese erstklassige Software mit 300 MB Plattenplatzverbrauch für eine bessere örtliche Orientierung eben nicht auf das mitgelieferte Kartenmaterial verläßt, sondern eine Google Maps-URL mit stumpf den Koordinaten aufruft. Ja, natürlich nur mit der des aktuell selektierten Platzes, will man mehrere vergleichen, heiß dies, diese in der Liste anzuklicken, auf Detailansicht zu gehen, den Koordinatenknopf zu drücken, den darin befindlichen Link zu klicken, die JavaScript-Kostenwarnung abzunicken und dann … die beiden Karten visuell zu vergleichen.
Seufz. Das alles ging schon im Web 1.0 besser. Von einer Software, die Windows 2000/XP mindestens voraussetzt hätte ich doch deutlich mehr Funktionalität und Komfort erwartet. Ok, ich hatte nichts weltbewegendes für 10 Euro Mehrkosten für die CD erwartet — aber doch wenigstens eine dem gedruckten Campingführer in Funktion nicht nachhinkende Software. (Und warum eine Java-Runtime installiert wird, der ganze Kram dann aber nicht als browsergestützte Anwendung, auch unter Linux lauffähig, daherkommt, verstehe ich auch nicht.)