Eigentlich ignoriere ich solche Helden der Landstraße mittlerweile und geben ihnen statt der mit + markierten Adresse den Catch-All-Account »anbieter-ist-ein-idiot-der-rfc822-nicht-verstanden-hat@«, alternativ auch gerne mal »ungueltig@«; aber nachdem sich nun O2 die »Europa-Rechte« am Palm Pre gesichert hat und der/die/das Pre eine valide Alternative zum iBrick oder den noch nicht wirklich ausgereift scheinenden Androiden zu sein scheint, muß ich die Internet-Kompetenz auch dieses Anbieters einfach thematisieren. Continue reading “They’ll never learn”
Echtes Schnäppchen
Ein wahres Schnäppchen bietet Tchibo den ultramobilen Surfern zum »tchibofonieren« (»tchibosurfen«?) an. Nur 9,95 im Monat für 500 MB mobiler Datentransfer (mit Fußnoten), überschießenden Datenhunger läßt sich Tchibo mit nur 0,24 EUR/MB vergolden — bei einer Taktung von 400 MB (=> 500 MB und 1 Byte geladen => 9,95 plus 400 MB * 0,24 EUR/MB, so von der Idee her) …
Schluß mit den rechtsfreien Räumen!!!!1!!elf!
Tja, schon 1983 polterte Strauß gegen die rechtsfreien Räume. Ich denke, die einzige sinnvolle Erwiderung gegen die Dummdreist-Aussagen bzgl. angeblicher rechtsfreier Räume ist das, was Wolfgang Wieland in der Debatte zur #zensursula-Gesetzgebung abschließend gesagt hat:
Schöne neue Welt, die vor uns liegt, …
… so schön, daß man davon kalte Füße kriegt. Ist schon lustig, diese informationelle Selbstbestimmung; man mag den Gedanken nicht, daß $Obrigkeit das Liebesgetuschel am Telefon mithört oder … you get the idea. Wie aber steht man zu bei Google einsehbarem Stromverbrauch des eigenen Haushaltes?
Bislang traten die SWG (Stadtwerke Gütersloh) nicht an mich heran, sie würden gerne ihren Stromzähler in mein Netz hängen, damit der ihnen meinen Verbrauch liefert — ich wüßte auch da schon spontan nur »geht wo Ihr wohnt« als lokalkolorierte Antwort. Aber nebem meinem Energieversorger, der zumindest jährlich meinen Verbrauch ja kennt, auch noch viertelstündlich Google diese Werte bereitzustellen, damit ich sie mir dort ansehen kann? Äh, ich denke nicht, Tim.
Was packt man in Sarkophage?
Vielleicht bin ich einfach nur altmodisch, vielleicht steigt mir auch die Hitze aus dem Medion-Monster-Laptop P7610 zu Kopfe — aber so überrascht wie Spiegel online wäre ich jetzt nicht:
Vatikan: Knochenreste im Grab des Apostel Paulus entdeckt
Überraschende Botschaft aus dem Vatikan: Im Sarkophag des Apostels Paulus sind Knochenreste gefunden worden – und diese wurden nach Angaben von Benedikt XVI. wissenschaftlich untersucht. Der Papst ist überzeugt: Es handelt sich um die menschlichen Überreste des Heiligen.
Mal ernsthaft, was hat der Vatikan denn im Sarkophag vermutet? Den Beweis von Gottes Existenz? Einen Einkaufszettel für Wal*Mart? DIe Lottozahlen des Deutschen Lottoblocks bis Dezember 2011?
VATaMich …
Selten so gelacht:
Der VATM empfiehlt den Betroffenen, der Telekom die rote Karte zu zeigen und die Marketingaktion des Ex-Monopolisten zum Anlass zu nehmen, ganz auf den Telekomanschluss zu verzichten und sichere Alternativen bei anderen Anbietern zu wählen.
Das kann ich nicht einmal mehr müde wiehern; aber Recht hat er schon, der VATM-Sprecher: sichere Alternativen sollte man sich suchen und nicht auf Service-Versprecher hereinfallen. Doch: woher nehmen wenn nicht stehlen? Werde wohl ein Angebot von congst*r (kann mir nicht merken, wie die T-Com-Billigtochter grade heißt) zur Absicherung des ja sich hinziehenden Alice-Zuganges buchen … Ich wette, die liefern. Wird sicher spannend sein zu sehen, wie Alice auf Zusendung von congst*r-Rechnungen reagieren wird. (Vermutlich so, wie auf alles, was keine Einzugsermächtigung ist: gar nicht, geht direkt in den Shrinter :()
»Es kann doch nicht sein …«
… daß Politiker im Jahre 20089 so verbohrt sind und fortgesetzt Unsinn verbreiten. Ist aber so:
Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat sich dafür ausgesprochen, die […] vorgesehene Sperrung von Internetseiten auch auf andere kriminelle Seiten auszuweiten. “Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden”, sagte Wiefelspütz der “Berliner Zeitung” (Samstagsausgabe). “Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.” Er könne sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken, sagte der SPD-Politiker: “Eine Zeitung darf ja auch keinen Mordaufruf veröffentlichen.”
Langsam wird es Zeit, daß der Verfassungsschutz die einschlägig ausfällig gewordenen Politiker mal zu überwachen beginnt; das, was hier veinszeniert wird ist nichts weniger als der Versuch, die Meinungsfreiheit final zu kassieren.
Dieses senile Gefasele von einer »Welt ohne Recht und Gesetz«, es geht mir langsam auf den Zeiger. Wider besseren Wissens wird immer und immer wieder das Märchen in die Boulevardblätter gebracht, es gäbe einen dringenden Handlungsbedarf wegen dieses ach-so-rechtsfreien Raumes.
Fakt, das sollte selbst Herr Wiefelspütz zu begreifen in der Lage sein, vielleicht sagt’s ihm endlich mal jemand, ist nun einmal, daß manigfaltig bestehende Gesetze auch das Leben und Handeln im Internet regulieren. Ob Wiefelspütz einer alten Dame auf der Straße die Handtasche klaute oder, technisch aufwendiger, dies über das Internet realisierte — würde man seiner habhaft und ihm die Tat nachweisen können, würde er dafür sich zu verantworten haben, vor ordentlichen Gerichten. Naja, also würde er jedenfalls als Nicht-Abgeordneter.
Nicht alles, das zeigt Wiefelspütz wieder einmal eindrucksvoll, was hinkt, ist ein Vergleich. Aber bleiben wir auf seinem Niveau; was passierte denn, würde »eine Zeitung einen Mordaufruf« veröffentlichen (abgesehen davon, daß dies durchaus schon passiert sein dürfte; als Abdruck eines entsprechenden Schreibens zu einem Artikel — Details)? Würde dann diese Zeitung sofort, ohne Prozeß und für alle Zeit, verboten? Also, Unwahrheiten darf eine Zeitung auch nicht veröffentlichen — und tut es denn wissentlich oder unwissentlich doch immer mal wieder. Komischerweise wird hier aber nicht die Zensurschere rausgekramt, sondern das Mittel der Wahl heißt Gegendarstellung (und, zivilrechtlich, ggf. Schadensersatz).
Was die SPD nun also propagiert – Wiefelspütz spricht ja nicht als Privatier, sondern als Innenexperte der SPD-Bundestagsfraktion zu den Medien – ist, daß eine Zeitung bei Veröffentlichung z. B. eines Mordaufrufs sofort und komplett verboten wird (der »Zugriff« auf »den Inhalt« wird »erschwert«). Denn es kann ja nicht sein, daß für Veröffentlichungen im Internet nicht das gleiche Recht und Gesetz Anwendung findet wie auch außerhalb des Internets — und umgekehrt.
SPD, die Zensurpartei. Weiter so! Noch zwei Jahre, dann könnt Ihr Euch die 5-Prozent-Hürde von unten ansehen …
Schwarzer Humor
Das Thema ist eigentlich ernst, aber ich mußte dennoch schmunzeln beim Lesen folgender Kommentare zu einem law blog-Beitrag:
3. Servus meint: (27.5.2009 um 18:48)
Tja… die Stoppschildgeschichte… ist doch so, als würde ich einen Sichtschutz aufstellen, um nicht mehr sehen zu müssen, wie der Nachbar von gegenüber jeden Abend seine Kinder vergewaltigt… kann ja keiner ertragen, dieses Elend…
7. Stefan meint: (27.5.2009 um 19:00)
@3
das verstehst du falsch. dein nachbar hat seine kinder bisher nur vergewaltigt, weil er dir eine show bieten wollte.
sobald der sichtschutz steht hört er damit auf.
Viel besser kann man die Groteske, die von der Leyen da angezettelt hat, aus meiner Sicht nicht beschreiben. ’nuff said.
Nichts sagend
Als sie Kinderpornografieseiten sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich habe diese Inhalte ja nicht konsumiert.
Als sie Raubkopiererseiten sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich habe ja nicht raubkopiert.
Als sie Blogs mit gesellschaftskritischen Inhalten sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich war ja nicht gesellschaftskritisch eingestellt.
Als sie die Seiten von Oppositionsparteien und Gewerkschaften sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich war ja nicht in der Gewerkschaft oder in so einer Partei.
Als sie das Grundgesetz ausser Kraft gesetzt haben, gab es kein Medium mehr über das ich hätte etwas sagen können.
Denkt mal drüber nach…Quelle: Beitrag in einer Mailingliste
Traue keiner Statistik …
… die Du nicht selbst gefälscht hast, dieser Ausspruch wird Churchill angedichtet.
Heute wurde nun der Beweis erbracht, daß mein »repräsentativen Umfragen« generell mißtrauen sollte — sofern man nicht der war, der für die Formulierung der repräsentativ zu stellenden Fragen zuständig war:
Es war eine tolle Schlagzeile, die am Wochenende verbreitet wurde, und sie lief entsprechend gut in den Medien: 92 Prozent der Deutschen seien dafür, dass Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt gesperrt würden. Quelle: eine repräsentative Umfrage des über Zweifel erhabenen Instituts Infratest Dimap. […]
Christian Bahls, Gründer von Mogis, wurde als Kind selbst missbraucht und hält die Sperren nur für ein Deckmäntelchen, mit dem das Problem nicht ernsthaft bekämpft wird.
Auch Mogis also gab bei Infratest eine Umfrage zu dem Thema in Auftrag. Jeder kann das, der ein paar Hundert Euro zahlt. Nur die Fragen waren dieses Mal etwas andere. Die Ergebnisse übrigens, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegen, sind es auch – sie sind genau entgegengesetzt. […] Das Ergebnis: Nur fünf Prozent der insgesamt 1000 Befragten sind für eine solche Lösung, mehr als 90 Prozent also lehnen Netzsperren ab.
Danke, Christian Bahls/MOGIS. Schöner hätte man, denke ich, die 92%-Aussage nicht zerlegen können in das, was sie letztlich ist: Propaganda ohne Inhalt.
Fragt sich nur, ob »mein Abgeordneter« (und alle anderen auch) das mitbekommt, an einem heißen Tag vor einem laaaangen Wochenende … Auf einen Rückhalt in der Bevölkerung für ihr unausgegorenes und sachlich fehlgeleitetes Vorhaben jedenfalls dürfte die Bundesfamilienministerin nach diesem eindeutigen Umfrageergebnis – dafür-und-dagegen – nun nicht mehr argumentativ bauen. Aber mit Fakten darf man teilweise Politikern ja nicht kommen. »Verwirren Sie mich nicht mit Fakten, ich habe mir schon meine Meinung gebildet« ;)
