Die Telekom und der Datenschutz

Datenschutz bei der Telekom im Angebot, das wollte ich mir vorgestern schon nicht entgehen lassen, aber, leider, leider, gegen 15 Uhr war er schon alle-alle. So wie dann auch meine Telekommunikationsanbindung, jenes Bild war ironischerweise das letzte, was ich noch aus dem Internet bekam — und dann ging nix mehr, auch kein Speichern des Screenshots auf den remote eingebundenen Blog-Storage war mehr möglich …
Offensichtlich hat die Telekom derzeit wohl Probleme mit ihrem Onlinekaufmannsladen, denn zwischenzeitlich war Datenschutz wieder verfügbar, dann wieder alle — und jetzt hat man die Notbremse gezogen: Wartungsarbeiten.
Naja, wenn’s dem Datenschutz dient ;)

Demagogie, der Leyensche Politikstil

Narf. Von der Leyen verunglimpft mal wieder Internetnutzer:

“Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft”, erklärte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen dem Berliner Radiosender Radio Eins […].

 

Zum nachhören: Radio Eins

Widerwärtig und unerträglich ist meines Erachtes derzeit primär eines: die von gefährlichem Halbwissen gefärbten Äußerungen der Demagogin von der Leyen.
Nicht alles, was hinkt, Frau von der Leyen, ist ein Vergleich. Zunächst einmal sind »Sperren im Internet« mal wie mobile, unbewachte »Durchfahrt verboten«-Absperrschranken auf einsamen Landstraßen, aber auch mal wie der biometrisch gesicherte Zugang zu Hochsicherheitsbereichen ausgeführt. Das Umfahren einer »Durchfahrt auf Wunsch Frau von der Leyens verboten«-Schranke auf einer einsamen Landstraße dürfte jedem Ihrer sich fragen sollenden Zuhörer gelingen — und exakt so verhält es sich erst einmal auch mit Ihrem vertraglichen Zaubertrick zur Unsichtbarmachung des fortgesetzten, durch Ihr Handeln nicht beeinträchtigten, Kindesmißbrauchs.
Es ist bei weitem nicht ungewöhnlich, daß ein Provider auf DNS-Ebene (genau, Frau von der Leyen, das »ist was Technisches«) Probleme hat, die Eintragung alternativer Nameserver dürfte selbst dem typischen CDU-Wähler BILD-Leser heute keine schlaflosen Nächte bereiten — in anderen Ländern haben landesweite Zeitschriften (vgl. Eintrag »December 13, 2006«) entsprechende Hinweise publiziert. Sie bezeichnen also, werte Frau von der Leyen, die gemeinen italienischen Internetnutzer, die zufällig den besagten »La Repubblica«-Artikel gelesen haben, als »schwer Pädokriminelle«. Das nenne ich … gewagt.
Frau von der Leyen, Sie propagieren leider derzeit ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, bei dem – auf dem argumentativen Rücken geschundener Kinder – nicht weniger als die Grundlage geschaffen werden soll, um im deutschen Internet generelle Zensurmöglichkeiten, vergleichbar denen in China, zu etablieren — und die Einführung chinesischer Zensurtechnik forderte man denn auch jüngst gleich mal im hessischen Innenministerium, wie berichtet wird.
Hören Sie, Frau von der Leyen, bitte auf, willkürlich Internetnutzer als »schwer Pädokriminelle« zu verunglimpfen, kaufen Sie endlich technischen Sachverstand ein — und falls Sie nach wie vor darauf bestehen, chinesische Zustände nach Deutschland zu bringen, seien Sie gefälligst konsequent und kassieren diese hirnrissige Beschränkung auf nur wenige große Provider. Es ändert an der Unwirksamkeit gegen das Grundübel des Kindesmißbrauchs zwar so wenig wie Ihre Sperrphantasien per se, aber es nähme der unheiligen Aktion den Makel des puren Populismus.

Die neue Koalition der Willigen

Lange schon suche ich nach den passenden Worten, zu beschreiben, was ich angesichts der Leyenhaften Stümpereien zur Restasifizierung der Bundesrepublik, die insbesondere von der konservativen Hälfte dieser mittlerweile unheiligen Großen Koalition mit der Brechstange – fachlich wie argumentativ – auf dem Rücken mißbrauchter Kinder noch schnell vor der Wahl vorangetrieben wird, halte.
An Worten, Vergleichen und – meiner Ansicht nach zutreffenden – Bezeichnungen der Akteure mangelt es mir nicht. Allein, es müßten drei sehr versierte Anwälte diese Texte erst korrekturlesen, denn um Verbalinjurien komme ich aus schierer Empörung ob des grotesken Schauspiels derzeit nicht herum. Also halte ich erst mal meine virtuelle Klappe und warte ab, feile weiter an der Worten … und lese um so mehr, was andere hierzu schreiben.
Einen Text möchte ich hier hervorheben, denn er spricht mir weitgehend aus der Seele (wobei, ob ich eine solche als überzeugter Gegner dieser staatlichen Zensurmaßnahmenvorbereitungsaktion noch zu haben beanspruchen darf; wahrscheinlich nicht, als Dagegen-Seiender-Also-Latenter-Kinderschänder. Ganz langsam bekomme ich ein Gefühl dafür. wie es gewesen sein muß in überkommen geglaubten Systemen, in der auch die Gedanken alles andere als frei waren. Danke, lieben Minister Schäuble und von der Leyen.): der Blogebeitrag »“Die argumentative Bringschuld liegt natürlich bei den Kritikern…”« bei Danish.de.
Die Meinung, daß statt nachprüfbarer Daten überwiegend mit Demagogie hantiert und Nebelkerzen nichtnachprüfbarer oder kreativ interpretierter »Fakten» seitens von der Leyen und der trittbrettfahrenden, überwiegend konservativen, Rädelsführer in dieser Diskussion geworfen würden, findet sich oft im Netz; ungleich öfter als der Beweis des als Begründung für die Notwendigkeit von Sperren jetzt und sofort behaupteten exorbitanten Anstiegs von Kinderpornographie im Netz. Folgend einige Zitate aus teils schon älteren Artikeln …

Dass bei einem sensiblen Thema wie dem Kampf gegen Kinderpornografie eine sachliche, an belastbaren Tatsachen orientierte Debatte geführt werden sollte, liegt auf der Hand. […] Den Bürgern wird suggeriert, dass sich die Lage massiv verschlimmert hat. Stimmt das?
Ministerin von der Leyen nennt stets dieselben angeblichen Fakten, um die Dringlichkeit ihres Vorhabens zu belegen. Danach habe das BKA bei der Verbreitung von Bildern und Videos, die den sexuellen Missbrauch von Kindern darstellen, von 2006 auf 2007 einen Zuwachs von 111 Prozent festgestellt. Diese Information klingt brisant, doch beruht sie vornehmlich auf einer falschen Interpretation der BKA-Statistik durch das Bundesfamilienministerium.
Zwar registrierte das BKA von 2006 auf 2007 bei der Besitzverschaffung von Kinderpornografie durch das Internet tatsächlich einen Fallzahlenzuwachs von 111 Prozent (von 2936 auf 6206 Fälle). Dabei geht es aber lediglich um die Menge der eingeleiteten Ermittlungsverfahren und nicht etwa wie dargestellt um Verurteilungen.
Auf Nachfrage bestätigte uns das BKA, dass in die registrierte Steigerung die bis dato größte Ermittlungsaktion „Operation Himmel“ teilweise einfloss, bei der just Ende 2007 12 000 Verfahren wegen des Zugriffs auf dieselben Inhalte eines Servers eröffnet wurden. Nach c’t-Recherchen sind aber hochgerechnet mindestens die Hälfte dieser Ermittlungsverfahren von den Staatsanwaltschaften wieder eingestellt worden, weil der Verdacht fallen gelassen wurde. […] Dennoch trägt ein Teil dieser im Sande verlaufenen Verfahren zu der angeblichen Steigerung des Kinderpornobesitzes um 111 Prozent bei. Eine BKA-Sprecherin sagte c’t dazu lapidar: „Wie unsere Zahlen im politischen Raum genutzt werden, entzieht sich unserem Einfluss.“
Das Ministerium bleibt bei seiner Interpretation der Steigerungsrate. Es handele sich um „nicht zu widerlegende Fakten“, ließ uns Pressesprecher Jens Flosdorff wissen. […] Es sei, fügte er hinzu, nicht auszuschließen, „dass die Zahlen der Polizeikriminalstatistik auch durch verbesserte Ermittlungsmethoden oder ein verändertes Anzeigeverhalten in der Bevölkerung beeinflusst“ würden. Im Klartext: Das Ministerium zieht als Hauptargument „unwiderlegbare Fakten“ heran, die niemand belegen kann.

Quelle: heise online

 

Missbrauchsopfer kämpfen gegen Netzsperren
“Ursula von der Leyens Kampagne gegen Kinderpornografie nutzt nichts”
Christian Bahls ist missbraucht worden. Im Interview mit Zeit Online sagt er: “Ursula von der Leyens Kampagne gegen Kinderpornografie nutzt nichts und macht mich erneut zum Opfer.”
Zeit Online: Sind Sie ein Opfer von Kindesmissbrauch?
Christian Bahls: Ja. Und das war der Grund, Mogis zu gründen, den Verein Missbrauchsopfer gegen Internetsperren. Am 27. März, als die Kinderhilfe so publikumswirksam im Familienministerium aufgetreten ist, ist mir das Essen hochgekommen.
Zeit Online: Warum?
Bahls: Wegen der Instrumentalisierung dieser lächelnden Kinder und Ursula von der Leyens Aussagen. Nach dem Motto: Mensch, die Kinderhilfe teilt dasselbe Anliegen wie ich, da stelle ich mich doch einmal publikumswirksam neben das Poster. Zu DDR-Zeiten wurde man als Kind auch missbraucht für Propagandazwecke. Daran hat es mich erinnert.
Zeit Online: Warum sind Sie gegen Frau von der Leyens Plan der Netzsperren?
Bahls: Weil er Kinderpornografie nicht bekämpft. Da ist irgendwo im Internet ein Missbrauch dokumentiert und die Bundesregierung schaut weg. Und sagt uns Bürgern, wir sollen auch wegschauen. […] Wenn die zu den 1.500 Adressen gehörenden Server in den USA, Holland, Kanada und Deutschland dichtgemacht würden, die derzeit existieren, wären 90 Prozent der weltweit mit einem Browser erreichbaren Kinderpornografie nicht mehr verfügbar.
Auf der norwegischen Sperrliste, die das Bundeskriminalamt unter anderem verwenden will, sind beispielsweise auch 25 deutsche Server verzeichnet, mit 70 genuinen Domain-Namen. Insgesamt gibt es hierzulande sogar über 200 Domain-Namen. […] Das Bundeskriminalamt müsste nur zu dieser Firma gehen und die Inhaber der Domains ermitteln.
Zeit Online: Woher wissen Sie, dass nicht genau das bereits getan wird?
Bahls: Diese Liste ist vom März 2009. Es gibt auch Listen aus dem vergangenen Jahr. Zwar sind eine Menge Domains inzwischen ungültig, aber viele der Domains sind immer wieder dabei und noch aktiv.
Zeit Online: Meinen Sie, Frau von der Leyen weiß das?
Bahls: Ich habe ihr eine E-Mail geschrieben, dass es laut der norwegischen Liste einen aktiven Server gibt, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5 Prozent in Deutschland steht, höchstwahrscheinlich in Kiel. Das BKA behauptet, dass es nicht weiß, wo die Server sind. Möglicherweise benutzen die nur Windows und haben keine Ahnung, wie man solche Sperrlisten sachgerecht auswertet.
Zeit Online: Aber können die Sperrlisten nicht ein Instrument von mehreren sein im Kampf gegen diese Kriminalität?
Bahls: Wir sind für die effiziente Bekämpfung von Straftaten nach Paragraf 184 b. Dazu gehört aber, dass man die Inhalte aus dem Internet entfernt und die Inhaber der Server bestraft. […] Der Missbrauch muss unterbunden werden. Das aber geschieht nicht dadurch, dass die Bundesregierung ihren Bürgern Scheuklappen aufsetzt.
[…]
Zeit Online: Ich bin beeindruckt, wie offen Sie mit ihrer Geschichte umgehen…
Bahls: Das ist Wut. […] Die Diskussion, wie sie gerade läuft, ist nicht hilfreich. Die ist schlimm für die Opfer, ihnen wird damit noch ein zweites Mal wehgetan. Ich fühle mich wieder zum Opfer gemacht. Ich fühle mich in der Debatte für ein politisches Ziel missbraucht.
[…] Die Inhalte werden weiter verbreitet. Statt nur Listen auszutauschen, könnte man doch mit vereinten Kräften daran arbeiten, diese Inhalte dauerhaft aus dem Netz zu entfernen. […]
Das BKA ist noch dazu […] Ankläger, Ermittler und Richter in einer Person. Wo bleibt da die Gewaltenteilung, wenn kein Gericht eingeschaltet wird? Wo bleibt die grundgesetzliche Rechtsweggarantie? […] Es wird eine schleichende Internetzensur aufgebaut, keine Strafverfolgung. Das alles ist nur möglich, weil das Tabu Kinderpornografie instrumentalisiert wird: Das ist so böse, da darf man gar nicht offen drüber diskutieren. […]

Quelle: golem.de

 
Wenn man dies liest, dann erscheint einem der Vorstoß von der Leyens, zeitlich wie energetisch wie sorgfältige und umsichtige Arbeitsweise eines Studenten, dem am Vorabend der Abgabe seiner Semesterarbeit das heutige Datum bewußt wird … Oder, um einen Vergleich aus der Arbeitswelt zu bemühen: eine Woche vor dem Bewertungsgespräch fällt es siedendheiß ein, daß da ja noch eine Aufgabe vergessen wurde, da muß es nun aber schnell gehen — wobei ich nicht implizieren möchte, Frau von der Leyens Motive seien alles andere als so, wie sie vorgibt, sie wären es.
Ich finde es aber auffallend, ja, weit mehr als nur bemerkenswert, wie schnell dieses Vorhaben aus dem Familienministerium im Wahljahr 2009 in die Diskussion eingebracht wurde, Kritiker als Mittäter oder »Reichsbedenkenträger« abgebügelt wurden und entgegen der Kritik aus dem Justizministerium die Linie gradezu stur verfolgt wurde. Und alles unter dem Tarnmäntelchen der Bekämpfung der Kinderpornographie — zumindest für die breite Masse, denn sich selbst schließt der Bund, wieder einmal, von derlei lästigen Verpflichtungen aus: (Wobei, Disclaimer, ich keinesfalls zu unterstellen beabsichtigte, die Akteure wollten den Zugang für sich selbst lieber ungefiltert und ohne lästiges Logging.)

Die Internetsperren der Bundesfamilienministerin werden immer offensichtlicher zu einer rein symbolischen Aktion. Staatliche Provider und kleinere Firmen sollen nach Angaben des Spiegel von den Sperren ausgenommen werden.
Die Bundesregierung will offenbar staatliche Internet Service Provider an den Hochschulen und Behörden von der Errichtung von Internetsperren ausnehmen. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll auch für Anbieter, die weniger als 10.000 Nutzern gegen Entgelt einen Zugang anbieten, die Sperrverpflichtung nicht gelten.
[…] Staatlichen Hochschulnetze und Behördenprovider sowie Hunderte regionale Anbieter müssen nicht tätig werden. Laut dem Bericht sind damit mehrere Millionen Internetnutzer von der Sperrpflicht ausgenommen.
Begleitet von Protesten haben sich fünf große Provider am 17. April 2009 verpflichtet, die von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen geforderten Internetsperren künftig einzurichten. Kritiker meinen, die Sperren seien im Kampf gegen Kinderpornografie nicht hilfreich und führten zu einer Zensurinfrastruktur.

 
Ins gleiche Horn stieß auch grade – man lese und staune – eine andere Ministerin:

Bundesjustizministerin Zypries befürchtet, dass die Internetsperren sehr schnell auf Websites ausgeweitet werden, die nichts mit Kinderpornografie zu tun haben. “Ich gehe davon aus, dass dadurch Begehrlichkeiten geweckt werden”, sagte sie.

 
Und praktischerweise werden die Zugriffe auf die Stopp-Seite nun auch protokolliert — mit weitreichenden Folgen:

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zu Internetsperren gegen Kinderpornografie beschlossen. Teil der Vorlage, die noch in dieser Legislaturperiode vom Bundestag beschlossen werden könnte, ist auch das Mitloggen der Nutzerzugriffe auf die vom BKA zur Sperrung festgelegten Websites. Jeder Klick auf einen Link im Internet könnte so zum Risiko werden, meinen Kritiker. […]
Schleswig-Holsteins Landesdatenschützer Thilo Weichert bestätigte Golem.de, dass damit das Mitloggen von Nutzerzugriffen auf blockierte Seiten Teil der Gesetzesänderung werde. “Das ist genau so”, sagte er. “Damit würde sich jeder Internetnutzer schon der Gefahr einer Strafverfolgung aussetzen, wenn er eine ihm noch nicht bekannte Adresse aufruft”, hatte Weichert zuvor kritisiert. “Ich hoffe, dass der Bundestag dies nicht beschließen wird”, sagte Weichert.

 
Damit wäre dann – wie gewünscht – chinesisches Niveau erreicht. Vielleicht war es doch keine so gute Idee der stärksten Partei nach dem Ergebnis der Bundestagswahl 2005, in eine Große Koalition unter der Führung der Spitzenkandidstin der zweitstärksten Partei, einer ehemaligen Bürgerin der DDR, einzusteigen; das, was dieser Tage in Berlin jedenfalls auf den Weg gebracht wird, empfinde ich in Art und Umfang als die Errichtung einer modereren Staatsicherheit durch die kalte Küche. Unprotokolliertes, ungefiltertes Surfen demnächst also – wie in manchen Ländern, die man mit Deutschland eigentlich nie ein einem Atemzug nennen möchte – nur noch in schmuddeligen Hinterhofkaschemmen oder im – kamerüberwachten – öffentlichen Raum, z. B. einer Bibliothek.
Denk’ ich heute an Deutschland in der Nacht, …

Bekenntnisse eines Amokläufers

Sie ist schon erstaunlich, diese »öffentliche Meinung«; heute hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, eine Unterhaltung mit anhören zu müssen, in der es sich um den Amoklauf bei Stuttgart drehte.
Der Amokläufer sei nicht akzeptiert gewesen — doch, doch, der war doch im Sportverein.
Aber er habe vor Kurzem seine Mitgliedschaft beendet — jaja, das stimme.
Und dann habe er sich »an den Computer« gesetzt, damit sei es dann losgegangen – jaja, schlimm.
Nun denn, dann ist es wohl an der Zeit, die Welt vor mir zu warnen — ich sitzte jeden Tag mehrere Stunden »am Computer«!

Nunja, ein nicht unsignifikanter Anteil davon ist beruflich motiviert, aber mach’ das doch mal Volkes Schanuze klar.

Amokläufermaterial erster Güte quasi. Und ich habe auch schon Ego-Shooter in Gruppen gespielt!

Gut, das war vor Jahren, in Amsterdam, in einer geschlossenen Gesellschaft, und nach kurzer Zeit bin ich mit einigen anderen auf ein Multiplayer-Autorennen geschwenkt, da das erschießen und erschossen werden weder meine ästhetische Ader reizte noch die Animation derart aufwendig war, daß es meine technische Neugier geweckt hätte. Aber, hey, I did shoot the Sheriff (eigentlich schoß ich mehr auf so alles, was sich bewegte — oder unbeweglich rumstand), ich bin Killerspiel-Zocker (i. R.)!

Das mit dem Sportverein, naja, da bin ich mehr auf der sicheren Seite; ich wurde schon für meine 25jährige Mitgliedschaft geehrt.

In Abwesenheit, wie ich aus einem Zeitungsausschnitt Jahre später erfuhr.

Weiter so, Deutschland! Und Bayern macht wieder mal den populistischen Vorreiter. Nur nicht von Fakten verwirren lassen, wenn’s auch mit Scheißhausparolen geht …
_____

Nachtrag: Golem.de: »CDU NRW spricht Bayerns Innenminister Medienkompetenz ab« — immerhin. Ach so, und: Willkommen im Wahljahr 2009, dem Jahr der Umweltprämie und weiteren, noch kommenden politischen Unsinns!

UWP-neu: verfrühter Aprilscherz des BAFA

Das ist mal eine extravagante Ausrede:

31.03.2009: Umweltprämie: 75.000 Reservierungsanträge eingegangen
Die zum Start der Online-Antragstellung aufgetretenen technischen Probleme konnten weitestgehend behoben werden.
Tagsüber ist weiterhin zu Spitzenzeiten mit Engpässen bei der Weiterleitung der Anträge durch Internetprovider an den Umweltprämienserver zu rechnen.
Dieses Bandbreitenproblem liegt nicht im Eingriffsbereich des BAFA.
Wir bitten Antragsteller, soweit möglich auf Zeiten mit geringerem Auslastungsgrad auszuweichen (z. B. spätere Abendstunden).

 

Ja, nee, iss klar; natürlich stammt die sofortige Meldung …

Willkommen auf dem Antragsportal für die Umweltprämie!
Leider konnte Ihre Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht bearbeitet werden. Bitte versuchen Sie es in ca. drei Minuten erneut.

 
…, die ich derzeit regelmäßig beim Abruf von http://www.ump.bafa.de/ bekomme, von einem bandbreitenproblematischen Provider zwischendrin, aber sicher doch! Genauso wie für die Dürre in Afrika oder den Weltraumschrott …
Wahrscheinlich ist auch ein solcher, und nicht das BAFA oder dessen technischer Dienstleister, für diesen peinlichen Fehler verantwortlich:

Tracing the path to www.ump.bafa.de (194.153.130.79) on TCP port 80 (http), 30 hops max
[...]
10 fra20ip5.versatel.de (62.214.110.70) 63.199 ms 55.077 ms 58.989 ms
11 stu1ivk327.versatel.de (62.214.168.198) 52.013 ms 48.699 ms 48.231 ms
12 www.ump.bafa.de.130.153.194.in-addr.arpa (194.153.130.79) [open] 76.745 ms 58.626 ms 54.277 ms

(Für die technisch nicht so Versierten: der Verwalter des Adressbereichs, in dem der Webserver für die lustige erneut modifizierte »Abwrackprämie« liegt, hat bei der Eintragung der Namensauflösung einen typischen Flüchtigkeitsfehler gemacht — kann natürlich passieren, läßt aber auch tief blicken, was die Sorgfalt bei der Einrichtung dieses Webseite betrifft …)

»Binnenwerbung« nun auch bei Premiere?

Fast vergessen, aber untergehen lassen wollte ich es dann noch nicht:

Als letzte Woche neue Werbeformen im Umfeld bzw. auch während der Übertragung der Formel 1-Rennen von Premiere bekannt wurden, war die Aufregung groß. […] “Es sind auch weiterhin keine Werbeunterbrechungen geplant”, sagte ein Premiere-Sprecher dem “Focus”. Es ist allerdings ein Statement mit geringer Aussagekraft. Denn die in der am 29. März beginnenden Formel-1-Saison angebotenen “Live-Splits” sind rein medienrechtlich auch keine Werbeunterbrechung, weil das eigentliche Programmbild nicht völlig verschwindet. Es wird allerdings stark verkleinert und anstelle des Programmtons hört der Zuschauer die Werbebotschaft.

Quelle: dwdl.de

 
Herrlich, schon die Formulierung der »angebotenen “Live-Splits”«; das impliziert eine Wahloption, die eher nicht existiert. Ich bin mal gespannt, wie viele sich F1-in-RTL-Qualität bei $$$-Premiere gefallen lassen werden …

Formel Farce: Revolutions Reloaded

Ich schrieb’s ja schon vor geraumer Zeit, »mit Sport hat die Formel 1, wie ich finde, weniger und weniger zu tun; sie ist zum Geldverteilzirkus verkommen«. Schöner als dieses Jahr kann man dies nicht bestätigen: »Nur Sieger werden Weltmeister« berichtete Spiegel Online am 17.03.09 (lustigerweise unter »Nachrichten > Sport > Fußball > Formel 1-Spezial« – ob in der Redaktion die Klimaanlage ausgefallen war?) über den Stand der »Entscheidung«; am 20.03.09 kann man dann in der Netzzeitung lesen, »Umstrittene WM-Regel wird “aufgeschoben”«.
Geschäftstüchtig sind die greisen Altvorderen von Formel 1 und FIA ja, und pfiffig obendrein:

Doch für Brawn und seine Mannschaft könnte es noch viel, viel schlimmer kommen. Laut FIA-Reglement darf ein Rennstall in fünf Jahren nur einmal seinen Teamnamen ändern, berichtet ‘motorsport aktuell’. Für jede weitere Namensänderung müssen die anderen Teams sowie Rechteinhaber Bernie Ecclestone einstimmig zustimmen.
Der jetzige Brawn-Rennstall wurde schon vor etwas mehr als drei Jahren von BAR in Honda umgetauft. Für eine weitere Umbenennung benötigt das Team daher die einstimmige Zustimmung. Doch ausgerechnet Ecclestone, der ja eigentlich ein Interesse an einem zehnten Team in der Formel 1 haben müsste, hat laut ‘msa’-Informationen dagegen gestimmt. […]
Aber hat die FIA der Umbenennung nicht bei ihrem Meeting am vergangenen Donnerstag stattgegeben? Ja, allerdings mit dem kleingedruckten Zusatz, dass es sich um ein “neues Team” handeln würde.
Diese zwei Worte bedeuten für Brawn GP beinahe den Untergang. Denn neue Teams kommen nicht an die fetten TV- und Sponsoring-Töpfe aus der vergangenen Saison. Insgesamt werden 500 Millionen Dollar nach einem Erfolgsschlüssel an die Rennställe ausgeschüttet.

Quelle: sport.rtl.de

[/quote]

 
Charmant, oder? Demnach hat Ecclestone wieder einmal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen; die Saison beginnt mit zehn Teams und sollte sie auch mit zehn Teams enden, ist das jedanfalls nicht Ecclestones Verdienst, aber auch nicht sein Schade; sollte das Ex-BAR-Ex-Honda-Team aus finanziellen Gründen aufgeben müssen, ist Ecclestone bestätigt in seiner kolportierten Ansicht, dessen Finanzierung hätte »auf tönernen Füßen« gestanden.
Was für eine bescheuerte Regel ist das eigentlich, daß »ein Rennstall in fünf Jahren nur einmal seinen Teamnamen ändern« dürfe? Interessant wäre wirklich, ob Ecclestone als Einziger dagegen gestimmt habe; wer dazu was findet, bitte in den Kommentaren anmerken. danke.
Apropros anmerken: ja, anmerken sollte man vielleicht, daß »die Königsklasse dem Hockenheimring ein Defizit von sechs Mio. Euro [beschert hat]«, was sogar noch unter dem Defizit durch die Formel 1 beim Nürburgring liegen soll. Und auch in Australien kosteten Ecclestone Rennen mehr, als sie lokal einbringen: »The Melbourne race is also losing money. The 2007 event cost Australian taxpayers 35m Australian dollars (£16m) and this year’s grand prix is expected to total A$40m (£18m).« Danke, kleiner greiser Mann …

Vegetarier …

… zu werden macht einem die moderne (wieso tippte ich hier initial »morderne«?) Lebensmittelindustrie eigentlich recht einfach:

EU-Hackfleisch ist Hackfleisch, das in Betrieben mit einer speziellen EU-Zulassung unter besonderen hygienischen Anforderungen hergestellt wird. Es wird unter Schutzatmosphäre mit einem Gasgemisch verpackt, […]. Dadurch bleibt die rote Farbe des Fleischs länger erhalten, […]. Den eigentlichen Verderb, d.h. die Vermehrung von gesundheitsschädlichen Keimen, hält die Schutzatmosphäre jedoch nicht auf. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bei EU-Hackfleisch ist auf bis zu einer Woche verlängert. Voraussetzung dafür ist allerdings die ununterbrochene Lagerung bei maximal 2° Celsius, auch während des Transports in den heimischen Kühlschrank.

Quelle: Wikipedia

 
Welches moderne Kfz hat doch gleich eine unter-2°-C-Kühleinheit für den Lebensmitteltransport an Board? (Von den bepfandeten Stahlgitter-Einkaufswägen im Supermarkt gar nicht zu reden, die bei sommerlichen Außentemperaturen von z. B. 25° C ebenfalls keine Kühlkettenerhaltungsunterstützung bieten.) Aber, hey, nicht der Hersteller ist für die Aufrechterhaktung der Kühlkette ab Kasse zuständig, woll?

sshfs und die Rote Null

Heute hat mir sshfs mal ein Ei gelegt:

Filesystem Size Used Avail Use% Mounted on
[...]
wusel@death.uu.org: 1000G 0 1000G 0% /home/wusel/death
wusel@hdtvdr.uu.org: 0.0K -0.0K 0.0K 140% /home/wusel/hdtvdr

-60% freier Platz, das ist jetzt doch mal relativ viel wenig frei. Spannend ist auch die Ausgabe von »df -k« statt »df -h«:

Filesystem 1K-blocks Used Available Use% Mounted on
[...]
wusel@death.uu.org: 1048576000 0 1048576000 0% /home/wusel/death
wusel@hdtvdr.uu.org: 0 -0 0 140% /home/wusel/hdtvdr

Nun bin ich baff. Gut, ich habe ja schon was von schwarzen und roten Nullen gehört, aber bei Filesystemen ist mir dies eher neu – zumal eine negative Anzahl genutzter Blöcke ja bedeuten würde, daß man erst was abspeichern müßte, um das Filesystem leer zu bekommen‽ (Und nein, das Ziel-FS ist ein normales ext3, keine experiementellen Geschichten wie zfs oder überbuchtes SoD-NAS …)