Tja, nun habe ich – leider? – kein Parteibuch, welches ich demonstrativ zurückgeben könnte, aber die Causa Güldner, nämlich ein Kommentar von Matthias Güldner in der Welt Online in seiner Eigenschaft als »Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft«, soll hier doch wenigstens kurz Erwähnung finden. Der Herr Güldner schrieb unter dem eloquenten Titel »Zur unerträglichen Leichtigkeit des Internet« unter anderem:
[…] Die Auseinandersetzung um die Internetsperren dreht sich im Kern aber gar nicht um die – bisher konsensuale – Bekämpfung der Kinderpornographie. Es geht vielmehr knall hart um Definitionsmacht in Zeiten der Virtualisierung der Welt. Ihre Anhänger kämpfen mit hoch effektiven Mitteln für die Rechtsfreiheit ihres Raumes. Wer sich in ihre Scheinwelt einmischen will, wird mit Massenpetitionen per Mausklick weggebissen.
Alleine »Massenpetitionen weggebissen« — Herr Güldner, Ihr Demokratieverständnis scheint unausgeprägt; nur papierne Eingaben sind gut, nur Zustimmung akzeptabel? Gibt’s bei den Bremer Grünen das Rotationsprinzip noch? Falls ja, wäre eine Rotation angezeigt, das Mandat scheint Ihnen nicht zu bekommen.
Und auf welchem Klo haben Sie gelesen, die Petitenten träten für »die Rechtsfreiheit ihres Raumes« ein? Das ist nämlich genau die Scheißhausparole, die Ihre Kollegen in Berlin (und München) auch immer wieder gerne in die Kameras und Mikrofone absondern, wenn wirkliche Argumente wieder einmal »aus« sind. Mitnichten ist das Internet ein rechtsfreier Raum – daß es, ganz im Gegenteil, überregulierter als die reale Welt ist, könnten Sie ergooglen; aber, ach, ich möchte nicht Schuld am Fall eines weiteren Baumes dafür sein, daher: »Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein rechtsfreier Raum« auf telepolis – und »wir« möchten wahrscheinlich auch gar nicht (ich kann für mich dies jedenfalls verneinen). Ohne die Geltung von Recht und Gesetz auch »im Internet« wären weder eCommerce noch überhaupt irgendwelche Dienste machbar. Erstaunlich, diese Haltung, für jemanden Jahrgang 1960. Außer für die Selbstdarstellung, nutzen Sie das Internet überhaupt?
Die Tatsache, dass diese Community viel Zeit in virtuellen Räumen verbringt, spielt dabei eine große Rolle. Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert. Anders kann die ignorante Argumentation gegen die Internetsperren gar nicht erklärt werden.
Nun könnte ich ja kontern, wer Stoppschilder vor Verbrechen für Verbrechensprevention hält, scheint das Problem nicht begriffen zu haben. Aber hoffentlich hat Ihnen das schon wer anders – traditionell auf Papier – nahezubringen versucht.
Auf Ihren ulkigen Verweis – nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich – auf die Strafgesetzgebung zu Mord gehe ich nicht weiter ein, das dürfte selbst Ihnen klar werden, daß das mehr so daneben war. Ich weiß ja auch nicht, wann Sie sich mal mit der aktuellen Faktenlage in Deutschland beschäftigt haben – Ihre Zeit als »Consultant beim britischen Kinderhilfswerk (Save the Children, U.K.) in London« liegt ja vielleicht schon zwei, drei Monate zurück – und vielleicht sind Ihnen ja wirklich Presseberichte zum Thema entgangen, in denen es unter anderem heißt: »Denn die viel zitierten Erfahrungen aus Skandinavien sind nur begrenzt übertragbar«. Wie sonst könnten Sie gestern noch behaupten:
Aber in Skandinavien wurden schon positive Erfahrungen mit vergleichbaren Gesetzen gemacht.
Vollkommen verquer ist denn auch der Schlußsatz; auf welchem Planeten sind Sie nur Sonntag morgen aufgewacht?
Die Glorifizierung des Internet wird vergehen. Der politische Makel, mehr auf den Trend gesetzt zu haben als auf die Bekämpfung realer Menschenrechtsverletzungen, würde dagegen lange haften bleiben.
Hmm, da meiner Erinnerung nach die Bundes-Grünen nur eines nicht getan haben, nämlich für dieses rein populistische Gesetz gestimmt – es gab lt. Abgeordnetenwatch keine JA-Stimme aus der Grünen-Fraktion, wüßte ich schon gerne, wie Sie dies jetzt gemeint haben; die Bundes-Grünen haben jedenfalls nicht auf diesen Trugschluß, den Sie »Bekämpfung realer Menschenrechtsverletzungen« nennen, »gesetzt«.
In aller Schärfe verwahre ich mich gegen Ihre Formulierung »die ignorante Argumentation gegen Internetsperren kommt von Menschen, die es sich in virtuellen Räumen bequem gemacht haben und übersieht die Opfer in der realen Welt«; schon wer im Ränkespiel um die Beliebtheitsumfragen – um nichts anderes geht es Frau von der Leyen augenscheinlich – »ignorant« ist und wer konstruktiv, wäre Ihnen bei einer Recherche jenseits der BILD-Zeitung klargeworden.
Und hätten Sie die »Massenpetitionen« gelesen, so hätten selbst Sie nicht umhingekonnt zu bemerken, welchen Stuß Sie da geschrieben haben¹. Frau von der Leyen benutzt, in engem Schulterschluß mit dem überwachungshungrigen manisch-präventiven Innenministerium, das Leid der mißbrauchten Kinder, um mit Populismus Politik zu machen — über die Hintergründe dieses Tuns mag ich nicht spekulieren.
Gestatten Sie mir die abschließende Bemerkung, daß ich es beschämend finde, daß Sie offensichtlich sachlich nichts beizutragenhaben und außer plumpen, alte Vorurteile bedienenden, Verbalinjurien gegen einen Teil der Gesellschaft, den Sie offensichtlich weder kennen noch kennen wollen – bemerkenswert für jemanden Ihrer Generation, die ich bislang auch grob als die meine ansah –, nichts zur Diskussion beizutragen haben. Sofern das die offizielle Haltung der Fraktion der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft darstellt: Respekt. Sie haben sich etabliert.
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¹ https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860: »Text der Petition
Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.
Begründung
Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.«
Auf der Suche nach etwas mit Grünem Wiedererkennungswert stieß ich auf die Kampagnenbeweihräucherungsseite¹ der Grünen.
Und ja, ich mußte ganz heftig lachen, als ich direkt unter »unser Profil auf MeinVZ« den Fingerabdruck samt Text »DEINE DATEN GEHÖREN DIR« lesen durfte. Wahrscheinlich »muß« man als Partei bei »MeinVZ« sein (»Edelprofil«, versteht sich); gut, ich »muß« bislang zum Glück nicht und potentielle Kontakte aus dem *VZ-Imperium werde ich auch ganz tapfer nach Facebook einladen, wo ich wenn, dann sozial kontakten möchte. (Wer die Historie verfolgt hat, weiß, daß ich gewisse Vorbehalte gegen [studi]*VZ hege …)
Wobei es letztlich eher egal ist, ob Face- oder Fakebook; ich finde die Kombination von *VZ-Profil und einer Datenschutzkampagne einfach … sehr gefühlvoll, da ich mit *VZ eigentlicht zuletzt nur Datenschutzthemen verbinde. (War da nicht was mit neuen AGBs?)
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¹ Mann, Mann, Mann, welche krude Software verbricht den solche Links wie http://www.gruene.de/einzelansicht/artikel/die-neue-kampagne-ist-da.html?tx_ttnews[backPid]=10 und was soll das – offensichtlich überflüsslige – &cHash=…? :(
… muß ich dann mal wieder Google zollen: sie hosten da ein Projekt, für welches es für ihr eigenes Handy-OS, Android, keine Clients gibt. #fail auf der einen Seite, aber irgendwie auch so angenehm un-Apple …
Gut, das Vodafone-Blog gibt nun nicht ganz das her, was ich mir wünschen würde, aber, so stand es auch irgendwo, es ist ja nichts weiter als ein Mittel der Unternehmenskommunikation und insofern sind Loblieder auf neue VF-Features halt so hinzunehmen wie anderswo überbordende Werbung (wobei letztere AdblockPlus per Pattern-Matching meiner Wahrnehmung entzieht).
Gut. Auf Lobo und die Frage, wie er drei iPhones und drei Androiden sinnvoll nutzen will, will ich gar nicht eingehen. Ich habe den Spot heute das erste Mal im TV gesehen – und bin ob des unverständlichen Soundtracks doch noch mal innerlich zusammengezuckt. Brrr. Sicherlich intoniere ich meine Interpretation der Ärzte oder Toten Hosen eher Substandard; aber außer zu beweisen, daß kein Bohlen-Kommentar zu hart sein kann für unfähige Möchtegern-Sänger gleich welchen Geschlechts: was ist die Aussage des Spots? Im ersten Teil verstehe ich immer »you won’t be <whatever>«, im, wohl auf deutsch gesungenen, zweiten Teil verstehe ich »Du wirst König sein« – den Lyrics nach verstehe ich offensichtlich den ersten Teil akustisch falsch. Geht das nur mir so? Irgendwie passen Bilder (warum springt der Typ vom Dach, versucht er sich als Möllemann-Reloaded?) und der Song nicht zusammen; bin wohl nicht Zielgruppe.
Überhaupt, »Generation Upload«. Aber das hatte ich IIRC schon mal abgewatscht, insbesondere unter Berücksichtigung von Vodafones Preispolitik.
Richtig cool fand ich aber folgenden Passus:
Zudem hat Johannes Kleske sich des Themas Produkte angenommen und einen Tarif “Internet” vorgeschlagen, den wir als Idee gerne aufgreifen und jetzt intern diskutieren, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.
Sagt mal, wie blöd ist das denn? Mal abgesehen davon, daß die Beschränkungen über kurz sowieso fallen werden, weil sie nicht akzeptiert und/oder umgangen werden und die avisierten 30 EUR/Monat meines Erachtens viel zu hoch sind (die Trafficbegrenzung sehe ich nicht als Problem; wer wirklich mehr als 5 GB/Monat über 3G-Netze verbraten muß, dürfte auch in der Lage sein, sich zwei 5-GB-dann-Drosselung-SIMs zu holen und am 15. die SIM zu wechseln … Irgendwo muß im Preisgefüge nun einmal eine Trafficobergrenze drin sein, denn sonst hat niemand mehr was von den (max.) 7,2 MBit/sec pro Funkzelle(!); während im DSL-Bereich auf GBit/sec aggregiert wird, ist man im Mobilfunk noch auf deutlich geringeren Bandbreiten. Gib-mir-alles-ohne-Limit wird nur die Netze unbenutzbar machen; Beispiele gab es auf dem Weg vom 300-Baud-Akustikkopplerzugang bis zum flat-tarifierten DSL-16000-kBit/sec-Zugang ja mehr als genug) — muß wirklich erst jemand so einen Unsinn zusammenschreiben, damit Vodafone seine Produkte überprüft? Ich meine, hey, auf dem e-Plus-Netz buhlen wielange nun schon Anbieter mit unter-20-EUR-(5-GB-)Flatrates um die Gunst der Kunden? o2 selber möchte 25,–; bei Tchibo geht’s für 19,95. o2 baut, sehr zu meinem Vergnügen, sein Netz (seit geraumer Zeit) aus, auch der Blödsinn mit HSPA nur in einer Handvoll Großstädte ist zum Glück seit Jahren vom Tisch (habe ich ja auch hier früher oft genug moniert); e-Plus will scheinbar Billigheimer bleiben, ok, wem 384 kBit/sec reichen, der findet auch ein passables Angebot, denke ich.
Und in dieser Marktsituation, mit der neuen Zielgruppe »Generation Upload« vor Augen, da soll man Vodafone glauben, daß ein Blogpost, der weniger fordert als die Marktsituation hergibt, ein Denkanstoß sein soll?
Come on!
Zur Einstimmung vielleicht ein Beitrag von c’t-TV, wo auch eine Geschäftsnummer beim Anbieterwechsel auf Wanderschaft nach Bermuda ging.
Mittlerweile hat sich unsere märchenhafte Odyssee in Alice’ Wunderland in Richtung Happy-End gedreht — vor einer Woche SMSte Alice doch glatt, daß am 15.07.09 der Anschluß geschaltet würde. Und ja, gestern wurde es konkretisiert, zwischen 8 und 12 Uhr soll eine Servicetechniker im Alice-Kostüm kommen und tatsächlich, nur knapp 5 Wochen nach der versprochenen Schaltung binnen dreier Wochen, den bestellten Anschluß bereitstellen. Sogar die Telefonie-PIN gab’s heute auf’s Handy — ob es nun alles gut wird? Ob dann auch die alte Nummer wieder funktionieren wird oder ob Alice, wie im unbeantworteten Einschreiben mit Fristsetzung zu vorletztem Wochenende gefordert, von der Portierung abgelassen hat? Man weiß es nicht. Ich rufe bei den [zensiert] auch nicht mehr an, die Lebenszeit dazu ist mir zu kostbar …
Ich habe mir den Lifestream der Vodafone-Pressekonferenz heute angetan. Ich habe den »Generation Upload« gehört, Bullshit-Bingo gewonnen und von »es ist Deine Zeit« Vodafonies reden hören.
Nun, meine Zeit auf der Website war verschwendet, außer einem Teaser des neuen Image-Films gibt’s da nix, den Verweis auf den 11.7. als Termin, wo es weitere Infos gäbe, finde ich unter dem Aspekt, daß Vodafone hier mir meine Zeit stiehlt, schon frech.
Ganz groß allerdings sind nach wie vor die Fußnoten zu Vodafones Tarifen – man be- und umwirbt eine »Generation Upload«, die sich in sog. Social Networks, in Blog und Microblogs tummelt, die dan Internet in alle seinen Facetten nutzt. Und dann klebt man das an seinen Tarif:
Preise in Euro inkl. MWSt |
Vodafone Mobile Connect |
| L1,2,3 |
Flat1,2,3 |
| Mtl. Paketpreis |
mit Daten-SIM-Karte ohne vergünstigte Hardware oder als Tarifoption8 |
19,95 |
34,95 |
| Mtl. Inklusiv-Leistung5,7 |
Internet-Nutzung im dt. Vodafone-Netz (über APN web.vodafone.de) |
300 MB |
Unbegrenzt4 |
| Nutzung Vodafone live!-Portal |
inklusive |
| Taktung |
100 KB |
| Mindestlaufzeit |
24 Monate |
| Einrichtung |
kostenlos |
[…]
4. Was gilt für die unbegrenzten Inklusiv-Leistungen?
In jedem Abrechnungszeitraum steht Ihnen bis zu einem Datenvolumen von 5 GB die jeweils maximal verfügbare Bandbreite zur Verfügung. Ab 5 GB stehen Ihnen höchstens 64 kBit/s zur Verfügung. Sie dürfen die Vodafone-Karte nur als Endkunde im dafür üblichen Umfang nutzen. Der Weiterverkauf und das unentgeltliche Überlassen des Dienstes an Dritte sind genauso unzulässig wie die Nutzung zum Betrieb kommerzieller Dienste. Sie dürfen die Karte auch nicht für Voice over IP, Instant Messaging und Peer-to-Peer-Verbindungen nutzen. Wir behalten uns vor, nach 24 Stunden die Verbindung automatisch zu trennen.
Tarife von alten Männern mit Kugelschreibern; die »Generation Upload« darf bei Vodafone also rund 175% für einen Laufzeitvertrag zahlen für die gleiche Leistung, die sie für 19,95 EUR/Monat monatlich kündbar bei Tchibo im o2-Netz bekommen kann? Und Instant Messaging – zählt nun twitter zu Instant oder Non-Instant Messaging? – darf sie nicht »uploaden«.
Ich verstehe ja, daß der Image-Film (und Sacha Lobo) teuer war, aber, ernsthaft, Vodafone: wollt Ihr mich wirklich mit den Konditionen halten? Inbound lasse ich meine Rufnummer bei Euch; mobiles Internet aber, zu den Konditionen? Neeee…