schuelerVZ: Guerilla-Marketing ja, aber …

In einer Antwort auf einen Eintrag im Blog des Handelsblatts, in dem es um die »Enthüllungen« Don Alphonsos zu angeblichen Marketingaktionen von schülerVZ gingt, wird eine Mail vom »SchulerVZ-Sprecher Julian Artopé« zitiert, der die Inhalte des »Alphonso‐Papiers« als keine s*VZ-Planung darstellt:

Was Rainer Meyer auf der blogbar behauptet entspricht, wie desöfteren in der Vergangenheit, nicht auch nur ansatzweise der Wahrheit.
Das sog. “interne Papier” kommt von einem Freund eines externen Graphikers. […] Da er Lust hatte auch konzeptionell tätig zu sein hat er uns und Freunden von sich ungefragt diesen Entwurf weitergeleitet.
Dass der für uns vollkommen inakzeptabel ist und auch intern nicht diskutiert wurde, sollte schon allein daran ersichtlich sein, dass es bei studiVZ/schülerVZ nie Anglizismen wie “mehr power. mehr schülerVZ.” gab oder geben wird.

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Desweiteren betreiben wir zwar Guerilla-Marketing, allerdings sind die dort dargestellten Punkte doch arg flach. Wir haben bei schülerVZ wirklich einen klaren Bildungs- und Gestaltungsanspruch, der schon allein durch unser Team (unter anderem besetzt durch ehemalige Landesschülervertreter mit Erfahrung und Verantwortung für Schülerbelange) durchgesetzt wird.

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Insofern wäre es schön, wenn nicht alles aus Kleinbloggersdorf für bare Münze genommen würde. Eine kurze Nachfrage an presse@studiVZ.net ist ja schnell geschrieben…

 
Dazu zwei Anmerkungen:
[sup]*1[/sup] Anglizismen sind nicht vollkommen verpöhnt, den »Campus Captain« hat man, nach Aussage von einem der Gründer, in voller Kenntnis der sprachlichen Herkunft eingeführt.
[sup]*2[/sup] Wie paßt das zu den aufgezeigten Gesetzesverstößen? Ein »Bildungs- und Gestaltungsanspruch«, unterfüttert durch »ehemalige Landesschülervertreter mit Erfahrung und Verantwortung für Schülerbelange« schützt offensichtlich nicht vor der Zurschaustellung des Bekenntnisses »Eure Gesetze machen unserer dicken Portokasse keine Angst«. Klar, mit Speck fängt man Mäuse — und so macht man dem Nachwuchs auch schnell klar, wie wichtig es ist, daß sich alle an gemeinsame Normen halten …

Kleine Korrektur …

In seinem Artikel schreibt Nils Jacobsen (Chefredakteur von Yeald.de und Freier Wirtschaftsjournalist in Hamburg):

Während das Kultvideo noch als Geschmackssache abgetan werden konnte, waren Darianis nächste Schlagzeilen nicht weniger als ein veritabler PR-GAU. Mitte November wurde bekannt, dass der StudiVZ-Gründer im Juli eine ungeheuerliche Party-Einladung im Stil der Nazipublikation “Völkischer Beobachter” verschickte, die auf die URLs voelkischer-beobachter.de und voelkischerbeobachter.de verlinkt war. (Die URLs sind inzwischen verkauft worden.)

 
Mit dem Nachsatz irrt der Autor, wie man für die eine als auch die andere Domain selbst nachprüfen kann.
Den maßgeblichen Daten des whois-Dienstes zufolge ist Ehssan Dariani weiterhin der Halter der Domains voelk‐ ischer-beobachter.de und voelkischerbeob‐ achter.de.
Man darf gespannt sein, ob die nächste Einladung zur Geburtstagsfeier wieder ein Projekt Darianis featured — oder ob er sich doch wird durchringen können, diese Domains einfach mal zu kündigen …

Die Akustik auf Klos …

… ist nicht zwingend geeignet für ein Interview. Den Beweis lieferte jüngst wieder Martin Oetting. Dank des Einsatzes recht guter Kameras allerdings ist zumindest das Bild ansehnlich.
Das stilsichere Klo-Interview Martin Oettings mit Ehssan Dariani (»ConnectedMarketing.tv | Folge 13: Ehssan Dariani«) erfolgte in Anspielung des Dariani‐»Interviews« aus dem Spätsommer 2006:

Am vergangenen Wochenende hatte ich bei einer Party von Lukasz Gadowski und Kolja Hebenstreit die Gelegenheit, Ehssan Dariani von StudiVZ zu interviewen.

 
Am Anfang des Interviews wird vom Interviewer wie Interviewten spöttisch auf das seinerzeit im – heute nicht mehr existenten – studiVZ-Blog verlinkte »Interview« Ehssans mit einer sicht- und hörbar nicht mehr nüchternen Frau auf einem angeblichen »Party-Klo« im berüchtigten Berlin-Mitte Bezug genommen (chick auf mitte party // WC on ).

Wolkenbruch

Nachdem es sich heute morgen langsam einzuregnen begann, kam es heute abend dann wieder zu einem stärkeren Regen, ausreichend, den Satellitenempfang zu verunmöglichen.
Runde 12 l/m² hat es seit 20 Uhr geregnet — mit 24 l/m² in den letzten 24 Stunden nähert sich die Menge an Niederschlags dem bisherigen Maximum des 18.01.2007 …
Die Vorhersagen lassen erahnen, daß jetzt die Zeit ist, die Vorräte an Sonnencreme aufzustocken – mit ausreichend Zeit, auch auf Sonderangebote warten zu können.

Update (20070508 22:25):

Es wurden letztlich gut 30 l/m² an diesem Tag, nicht schlecht, Herr Specht.

Klimawandel?

Hmm. Trockener April. Lt. meiner Orca-basierten Aufzeichung der Daten meiner Wetterstation, hat es in KW 14 (hmm, ich gestehe, ich habe bislang nicht überprüft, ob diese Angabe überhaupt der maßgeblichen Norm ISO 8601 genügt — aber Excel tut das eh’ nicht, why bother?) zuletzt Niederschlag hier in Gütersloh‐Süd gegeben. Und man hört ja allenthalben von der schlimmen globalen Erwärmung (hätte ich nicht Immobilien als auch Freunde und Verwandte im Norden, fände ich den Gedanken, die Küste demnächst schon in Porta Westfalica zu haben, durchaus reizvoll). Und wie mir meine Pumpe neuerdings bestätigt, läuft unser bei Einzug gespülter Brunnen auch langsam leer (die Abschaltung wg. unter 400 l/h löst im 5‐Minuten‐Takt aus) …
Aber ist es wirklich dermaßen ungewöhnlich, 4 Wochen ohne Niederschlag im April in Deutschland? Laut dem UN‐Bericht ist eine Klimaänderung nicht mehr aufzuhalten, nur noch abzumildern. Insofern mag das aktuelle Wetter einen Vorgeschmack geben auf Deutschland im Jahre 20XX, lt. tagesschau.de wird in besagtem Bericht dargelegt, daß »die globale bodennahe Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 um 0,6 Grad steigen« werde — schon das ist unvorteilhaft. Allerdings weist mein Graph auch schon im letzten Jahr

[sup]*[/sup]

mehrwöchigen Nicht‐Niederschlag aus, ca. 2 Wochen jeweils im März und Mai 2006 …
Zugegebenermaßen ungewohnt sind aber Berichte über sowohl eine Wasserknappheit als auch Notstands‐Überlegungen vor Beginn des Sommers in anderen europäischen Ländern – zu sehen z. B. in der tagesschau vom 30.04.2007 …

… oder in verschiedenen Artikeln im Spiegel, auch über Auswirkungen für die Schifffahrt in Deutschland.

Update (20070505 07:50):

Pünktlich zum Morgenkaffee ist zu vermelden, daß es in Ostwestfalen zu regnen angefangen hat. Nicht unbedingt ergiebig (die gemessenen 1,0 mm (entspricht 1,0 l/m²) sind noch weit entfernt vom diesjährigen Maximum von 26,9 mm in 24 Stunden am 18.01.2007), aber immerhin. Die Frage ist nur, ob es sich hier nun April-typisch einnäßt oder der (Früh-)Sommer bald wieder durchstartet …

[sup]*[/sup] Natürlich reicht ein Jahr Rückschau nicht aus, um Wetterphänomene wirklich zu vergleichen. Absolut gesehen war dieser April 2007 unzweifelhaft der trockenste Monat seit Begin der Wetteraufzeichnung.

Projektunblog

Ein Vierteljahr ist vergangen, außer Standbildern von Bauschutt tut sich nicht viel auf www.westeins.de (aus statistischen Gründen diesmal kein Link).
Wenn man aus dem »Projektblog« des seinerzeit gehypten WAZ‐Projekts »WestEins« auf die Aktivität hinter den Kulissen schließen darf, ist das Projekt mittlerweile sanft entschlummert. Wie zwischenzeitlich auch Lyssas Lounge, das ehemals vielverlinkte Blog der als inhaltlich verantworliche Macherin für WestEins verhafteten verpflichteten Frau Borchert.
Lediglich die Kommentare hauchen dem »Projektblog« noch etwas Aktivität ein — ich lasse die aktuell letzten hier mal als Screenshot für sich selbst sprechen:

s*VZ

Viel wurde hier und anderswo (Technorati und Gooooogle haben auch noch ein paar Fundstellen) im vergangenen Jahr zu und über die ehemalige Berliner Gruschel‐WG geblogt und geschrieben; mit der Übernahme durch den Holtzbrinck‐Verlag wurde es, vom Entrüstungs‐Blogsturm im Wasserglas bzgl. der neuen AGB mal abgesehen, eher ruhig.
Die drei Frührentner – von welt.de liebevoll als »ein Jungmanger, ein Verrückter und ein Technikfreak: die StudiVZ-Gründer Michael Brehm, Ehssan Dariani und Dennis Bemmann« betitelt –, treten nur noch selten in Erscheinung.
Nun denn, sie können ja auch eigentlich nichts rei dafür, jetzt Millionäre zu sein (ob sich Dariani nun einen Bentley gekauft hat oder nicht, ist da eher nebensächlich) – orginell war die Idee nicht (die hatte, samt Layout, Facebook vorher, und auf finanziellen Gewinn was die Unternehmung nicht getrimmt. Ob und wie Holtzbrinck, der neue Eigentümer, aus studiVZ, sei es die Limited oder das Portal, Geld rausholt, kann den Gründern (Dariani ist/wurde mittlerweile aus dem operativen Bereich ausgestiegen) mittlerweile eigentlich egal sein:

Vor einem Jahr tüftelten die Gründer noch zu dritt Tag und Nacht in Darianis WG-Zimmer in Berlin-Mitte. Heute sind sie Millionäre und beschäftigen 100 Programmierer, Kundenbetreuer und Marketingexperten. Im Januar kaufte der Holtzbrinck-Verlag die Netzgemeinde für eine Rekordsumme von 85 Millionen Euro, obwohl StudiVZ bislang keinen Cent Gewinn macht. 50 Millionen zahlte der Verlag sofort, der Rest ist erfolgsabhängig.

 
Mittlerweile findes sich Werbung, s. o., auf dem Portal — ob’s das rausreißt?
BigBusiness 2.0 also? Wer weiß; technisch bietet das Portal eigentlich nichts, was es nicht schon seit jahr und Tag gibt – treffen sich bei ilove und dgl. Singles, um Bilder und Texte auszutauschen, tun dies bei StudiVZ halt Studenten. Und diese tun »es« augenscheinlich oft und gerne, anders läßt sich der kometenhafte Aufstieg nicht erklären. Zwar sind nach wie vor alle Zahlen handverlesen, stammen also nicht aus unabhängiger, vergleichbarer Quelle wie z. B. der IVW, aber für irgendwas wird Holtzbrinck das Geld ja in die Hand genommen haben – nur für Excel‐Wunsch‐Tabellen, hoffe ich doch, fließen keine solchen Summen.

studiVZ 2.0: schülerVZ

Lt. Logo zumindest ist studiVZ noch immer »BETA2.0« — dennoch schraubt das Startup seit geraumer Zeit am nächsten Portal, schülerVZ.
Und genau dort bringt sich das Unternehmen mit rechtlich fraglichen Aktionen, »Guerilla‐Marketing« scheint man das zu nennen, ins Gespräch. Das jüngste Sahnehäubchen – aus Sicht der s*VZ-Skeptiker – publizierte dann heute Don Alphonso: »Das “Geheim”papier von StudiVZ«. Lt. diesem stehen noch weitere Marketingaktionen ins Haus — hoffentlich diesmal phantasievoller und rechtkonformer als die dummdreiste Aktion von Anfang dieser Woche …

Mäuse

Mittwoch abend, ca. 19:30.
Da raschelt was. Schemenhafte Bewegungen nehme ich aus dem Augenwinkel wahr.
Sprang nicht grade vor knapp 2 Wochen eine – hübsche, schwarz-braune – Maus aus der Mülltonne uns entgegen in die Freiheit?
Und tatsächlich – flugs die Kamera geholt zwecks Beweissicherung –: wir haben im Garten Untermieter.

(Mangelnde Qualität der Aufnahme rührt primär her von der minderen Qualität des Ausgangsmaterials: MPEG-1-Datenstrom in 640x480x15 von einer Sony DSC-P10. Ausschnittvergrößert und nach 500 kBit/sec‐Flash‐Video konvertiert mit ffmpeg …)

Auf die Globale Erwärmung mag man es nicht zurückführen können; aber die Fauna auch in der Stadt erholt sich offensichtlich – hier in stadtparknähe Gütersloh zumindest konnte ich auch schon Hasen beobachten …

Kommt jetzt die Online-OBU für alle?

Nachdem der Bundesinnenminister klar gestellt hat, welche nächsten Schritte auf seiner Agenda in den Präventivüberwachungsstaat zum Schutze vor Anschlägen stehen, darf man spekulieren, wie es mit dem unbeschwerten unbeobachteten Autofahren weiter geht.
Deutschland sieht sich – prinzipiell – der gleichen Gefahr durch autofahrende Selbstmordattentäter ausgesetzt wie der Irak, Afghanistan oder die USA. Das ist sicherlich unstrittig.
Diese Leute schrecken nicht davor zurück, wieder und wieder Tanklastwagen zu Bomben umfunktionieren und damit regelmäßig erheblichen Sach- und z. T. auch Personenschaden anzurichten (siehe Wuppertal, München, …).
Selbstmordattentäter schreckt man nicht durch Strafandrohung ab – auch dies ist klar: Wen juckt es schon gefahrzulaufen, lebenslänglich in einer Zelle schmoren zu müssen, wenn auf die spektakuläre gewaltsame Beendigung des eigenen Lebens eine metaphysische ewige Existenz analog der im christlichen Paradies winkt?

“Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche. Nach meiner Auffassung wäre das falsch.”

Der amtierende Bundesinnenminister Schäuble im stern.de-Interview

Nach der neuen Schäuble‐Doktrin der ultimativen Prävention vor Straftaten kann der nächste Schritt nur der Zwangseinbau einer On-Board-Unit (OBU), die jedes Fahrmanöver aufzeichnet und möglichst online ans BKA sendet, sein. Damit wäre es dann möglich – sofern irgendetwas in der Lage ist, die alleine 3,6 Koordinatenmeldungen je Sekunde vom Frankfurter Kreuz (rechnerisch über den Tag, vgl. Wikipedia), die 1,7 Meldungen/Sekunde aus dem Elbtunnel (vgl. Wikipedia), den immerhin 0,25 aus dem Herrentunnel usw., kurzum die vielleicht 10, vielleicht 10.000 Koordinatenmeldungen je Sekunde (60fach je Minute; geringer darf das Intervall zur Verbrechensprävention sicher nicht sein) sinnvoll in Verbrechensvoraussagen umzurechnen – Anschläge mit Fahrzeugen im Bundesgebiet in Echtzeit vorherzusagen.
Die Kosten können gegenfinanziert werden durch den Abbau jeglicher sonstiger Verkehrsüberwachung, diese wie auch das Bußgeldwesen können dann zentral und mit deutlich höheren Trefferquoten, sowohl finanziell effektiver und auch prinzipiell gerechter, betrieben werden.
Zuverlässiger liesse sich das System machen, würde eine Inbetriebnahme des Fahrzeugs erst nach Eingabe des Fahrziels in ein OBU‐integriertes Navigationssystem möglich, wobei der Versuch einer Abweichung von der vorberechneten Fahrtroute als potentieller Anschlagsversuch z. B. durch Stillegung des Fahrzeuges an Ort und Stelle geahndet werden könnte.

TAZ: Auf der Computerfestplatte findet man auch sehr persönliche Details zu Liebe, Gesundheit und Steuererklärung. Wie wollen Sie den “Kernbereich privater Lebens- führung”, dessen Schutz das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe besonders angemahnt hat, beachten?
Schäuble: Ich kenne und respektiere die Rechtsprechung des Bundesverfas- sungsgerichts zum Schutz der Privatsphäre. Aber wir müssen auch sehen, dass dieser Schutz in der Alltagswirklichkeit praktikabel bleibt. Verbrecher und Terroristen sind klug genug, so etwas auszunutzen. Die tarnen ihre Informationen dann zum Beispiel als Tagebucheintrag. So leicht dürfen wir es denen nicht machen.
Der Strafrechtsprofessor Matthias Jahn hat am Dienstag in einem taz-Interview vor der Einführung von Onlinedurchsuchungen eine Grundgesetzänderung gefordert, da es um Eingriffe in die Unverletzlichkeit der Wohnung geht. Sehen Sie das auch so?
Bisher nicht. Aber wir werden prüfen, ob eine Verfassungsänderung nötig ist.
[…]
TAZ: Sagen Sie das jetzt, weil man bei den Mautdaten schon einmal versprochen hat, dass sie nicht für Fahndungszwecke eingesetzt werden, und Sie das jetzt doch planen?
Schäuble: Ja, daraus habe ich gelernt. Ich bekenne, auch, ich habe Ende 2004 der Regelung im Mautgesetz zugestimmt, die eine Verwendung der Mautdaten für Fahndungszwecke ausdrücklich verbietet. Aber wie mein Kollege, der SPD-Abgeordnete Dieter Wiefelspütz, halte ich das heute für einen schweren Fehler.
TAZ: Warum?
Schäuble: Es kann nicht sein, dass der Staat diese Daten hat, sie aber ausschließlich für die Abrechnung der Lkw-Maut nutzt und deshalb einen Mord nicht aufklären kann. Das versteht ja kein Mensch.

Der amtierende Bundesinnenminister Schäuble im taz.de-Interview

Nach der obligatorischen Grundgesetzänderung im Zuge der Schäuble‐Vision der totalen Terrorprävention, zu der es trotz verbaler Nebelbomben aus allen Koalitionslagern spätestens 2008 kommen dürfte, wird dann neben dem Abschuß von vermutlich entführten Flugzeugen auch die Fernsprengung oder zumindest -stillegung potentiell als gefährlich eingestufter Fahrzeuge an Ort und Stelle auf Bundes- und Landstraßen zulässig sein.
Klingt wie Science‐Fiction, wie aus einem schlechten Film?
Gar undurchführbar auf Grund der schieren Datenmenge?
Nun, falls der amtierende Minister des Inneren wirklich das vorhat, was er jüngst in Interviews gesagt hat (s. oben rechts und rechts) – und daran besteht bislang nicht der Hauch eines Zweifels, Schäuble hat nichts davon abgeschwächt, eher ist das Gegenteil der Fall – und falls sich Frau Bundeskanzler Merkel nicht kurzfristig von diesen Plänen ihres Innenministers distanziert – zumindest die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag verspricht schon jetzt lt. deren Fraktionsvize Bosbach »rückhaltlose Unterstützung« für »jeden einzelnen Punkt […], den Wolfgang Schäuble zur Erhöhung der Inneren Sicherheit vorschlägt« – führt kein Weg an der Ausweitung der Überwachung auf jede Bewegung jedweder Person auf Deutschem Boden vorbei. Anderenfalls liesse Schäuble potentiell doch zu, daß Anschläge passieren, die verhindert hätten werden können – und das wäre, nach Schäubles Auffassung, »falsch«.
Die Vorratsdatenspeicherung in der Telekommunikation kann da nur der Türöffner sein; der von Schäuble schon geforderte Zugriff auf die Mautdaten – die, siehe Wikipedia, im Falle von nicht mautpflichtigen Fahrzeugen (wie PKW, Motorrädern oder LKW unter 12 t) erst einmal gespeichert werden müßten, derzeit werden sie aus Gründen des Datenschutzes sofort wieder gelöscht –, der direkte Zugriff auf die digital gespeicherten Paßfotos und sonstigen biometrischen Merkmale – ursprünglich zu anderen Zwecken von den Bürgern erhoben und von sich im Lande aufhaltenden Ausländern nicht verfügbar –, all das steht schon im Schäuble‐Katalog.
Umsetzung? Kommt. Ehrensache.

Schily² Schäuble: »Außerdem bin ich anständig, mir muss das BKA keine Trojaner schicken.«

Mit der Anständigkeit nehmen es Unions- und insbesondere CDU‐Politiker ja immer sehr genau (vgl. Geißlers Ausspruch aus 1983 und die folgende SPD‐Kampagne »Ich bin ein unanständiger Deutscher« — irgendwo müßte ich den Button auch noch haben …). Gut, das mit dem Einhalten von Gesetzen (s. »Old Schwurhand«, diverse Spendenaffären, Bruch des Amtseides durch Bundeskanzler a. D. Kohl) ist jetzt vielleicht nicht immer ganz einfach, aber als Politiker kann man offenbar auch nicht auf alles Rücksicht nehmen (das ist interessanterweise unabhängig von politischer Couleur).
Nun also wurde er in Berlin beschlossen, der Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung. Dieses durchaus umstrittene Vorhaben ebnet einen Weg, den lt. Interview mit dem stern der amtierende Bundesinnenminister, Wolfgang Schäuble, durchaus zu gehen bereit ist:

Schäuble spricht im neuen stern davon, dass der Grundsatz der Unschuldsvermutung im Kampf gegen terroristische Gefahren nicht gelten könne. “Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche. Nach meiner Auffassung wäre das falsch.”

 
Basierend auf dieser, imho reichlich verqueren, Logik wird aber die Endlösung der Terrorfrage ziemlich einfach: erst jeden Verdächtigen erschiessen, dann stellen sich mittelfristig weder lästige Fragen zur Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz noch gibt es nach der Ausrottung jeglichen potentiellen Terroristenmaterials auf diesem Planeten eine Terrorgefahr.
Die Auslöschung des menschlichen Lebens wird man doch als Preis für die »Freiheit, die wir früher nicht hatten: weltweit zu reisen, zu kommunizieren, Geschäfte zu machen« gerne bezahlen.
Man darf also gespannt sein, was die Große Koalition, deren SPD‐Justizministerin mit einem Artikel »Warnung vor Überwachungsstaat« am 16.04.2007 auf SPD.de gefeatured wird, sich noch so einfallen läßt. Lt. besagtem Artikel erklärte Zypries, »dass sie sich nicht vorstellen könne, dass der Innenminister, der ja auch Verfassungsminister sei, einen solchen Gesetzentwurf [Fingerabdrücke aus dem Pass in einem Register zu speichern,] vorlegen würde«.
Wenn sie sich da mal nicht irrt, die Frau Minister; schon Anfang April schrieb Burkhard Hirsch in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung unter anderem:

Die Zeit freundlicher Kritik und ständiger Mahnung, bei der Terrorismusbekämpfung Augenmaß zu wahren, geht zu Ende. Nun ist Widerstand geboten. Unter der neuen „Sicherheitsarchitektur“, die der Innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die Verwandlung der Bundesrepublik in einen Überwachungsstaat.
[…]
Der Bundestag verabschiedete im Blindflug das „Otto-Paket“ des Innenministers Schily mit drastischen Ermächtigungen […]. Bei einem Ausländer genügte ein Verdacht, ihn ungeachtet eines Aufenthaltsrechts abzuschieben.
[…]
Auch das reicht offenbar nicht. Der Zollfahndungsdienst soll sogar noch unbekannte Straftaten ermitteln können, also ins Blaue hinein. […] Die Maut-Daten sollen entgegen allen früheren Beteuerungen zur allgemeinen Kriminalitätsbekämpfung genutzt werden können. […]

 
Wirklich überraschend ist allerdings nichts, was seit 2001, als entführte Passagierflugzeuge als Bomben in Häuser gestürzt wurden, beschlossen oder geplant wird; es ist der Versuch zu spüren, alle Daten zu bekommen, um Anschläge wie in New York, Madrid oder London zu verunmöglichen.
Daß dazu im »alten Europa« allerdings auch munter Grundrechte beschnitten oder gleich gerodet werden, erstaunt. Geht es den europäischen Politikern bei der Vorratsdatensammlung und dem peinlichen Schwanz‐einkneifen bei der PNR‐Weitergabe (23 Einzeldaten zu jedem Flugpassagier) wirklich nur nur um den Schutz der Bevölkerung?
Für Deutschland steht zu hoffen, daß Hirsch und andere erfolgreiche Mittel und Wege finden, die Verkehrung zumindest der Bundesrepublik Deutschland in eine technologisch aufgewertete Variante Ozeaniens aus Orwells Roman »1984« zu verhindern.
Hirsch beschließt seinen Gastartikel mit den Worten:

„Man bekämpft die Feinde des Rechtsstaats nicht mit dessen Abbau, und man verteidigt die Freiheit nicht mit deren Einschränkung“, hieß es in einem Aufruf der Humanistischen Union von 1978. So ist es, und so bleibt es.

 
Aufgrund der politischen Entwicklungen prangt daher – farblich gewagt – nun ein Banner »Stoppt die Vorratsspeicherung!« bis auf weiteres auf blogdoch.net, verlinkt auf die Iniative des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat), einem bundesweiten Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internet-Nutzern, der die Arbeit gegen die geplante Vollprotokollierung der Telekommunikation koordiniert.
Unter der URL http://www.vorratsdatenspeicherung.de/ findet sich auch ein Link zur Teilnahme an einer Sammelklage gegen die Vorratsdatenspeicherung vor dem Bundesverfassungsgericht. Nachdem die Bundesregierung heute den Entwurf dazu also, allen Bedenken und Protesten zum Trotz, verabschiedet hat, ein überlegenswerter Schritt, wie ich finde. Oder, um nochmals Burkhard Hirsch zu zitieren: »Nun ist Widerstand geboten.«