Nun amtlich: R. I. P., United Mobile

Tja, nicht alle totgesagten leben überhaupt noch:

Wie die Schweizer Internetseite 2lounge.ch aus einem Schreiben des Verwaltungsrates der United Mobile AG vom 14. Juli an ihre Gläubiger zitiert, ließ dieser die Bücher prüfen und sah sich genötigt, umgehend Konkursantrag beim Fürstlich Liechtensteinischen Landgericht in Vaduz zu stellen.

Quelle: teltarif.de

 
Das war’s dann also ersteinmal mit United Mobile; schade eigentlich, schade auch um (nicht nur) mein Guthaben. Und schade um den ersten (*hüstel*) »globalen« Data-Roaming-Anbieter.
Peinliches Detail am Rande: www.icqsim.com rennt noch, versucht man, sich anzumelden, kommt bei mir:

Secure Connection Failed
www.united-mobile.com uses an invalid security certificate.
The certificate is not trusted because the issuer certificate has expired.
The certificate is only valid for imode.foto-postkarte.de
The certificate expired on 12/24/2005 12:59 AM.
(Error code: sec_error_expired_issuer_certificate)

 
Und warum werden lt. whois die Nameserver ns.mobilis.de und ns3.mobilis.de verwendet? www.mobilis.de gibt:

Wir müssen uns leider von Ihnen verabschieden.
mobilis wurde zum 31.10.2003 eingestellt.

 
Ziemlich fader Nachgeschmack; nicht nur, daß – as usual – die Kunden von der Hotline angelogen wurden …

Zucht und Ordnung

Jetzt ist die Story Braunschweig gegen Flashmobs also auch auf Golem.de angekommen. Fein, fein. Interessantes, für mich neues, Detail:

Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus forderte nach der Syltparty via Bild bereits, Derartiges zu verbieten. “Es ist nicht hinnehmbar, dass Tausende unorganisiert feiern und anschließend die Gemeinschaft den Dreck wegräumen und die Folgen bezahlen muss”, sagte er. Wenn es keine Handhabe gebe, Initiatoren solcher Partys die Kosten in Rechnung zu stellen, müsse die Möglichkeit einer Gesetzesänderung geprüft werden.

 
Da habe ich doch mal ‘ne Frage: wenn Tausende organisiert feiern, sagen wir anläßlich eines Fußballspiels des lokalen Fußballklubs gegen eine andere Mannschaft und dabei Müll außerhalb des Stadions anfällt, parkende Autos oder öffentliche Installationen im Umfeld durch Besucher beschädigt werden, vielleicht gar zwei, drei ordnungssichernde Hundertschaften ausschwärmen — wer zahlt das alles eigentlich? Der Veranstalter, sprich der lokale Klub oder zumindest dessen Verband, der sich u. a. die Verwertungsrechte sichert, ja?
Weil, grade nach Veranstaltungen hier im Heidewaldstadion liegt immer wieder Müll auf dem Grundstück oder steckt in der von der Stadt aufoktroyierten Hecke, dann kann ich die Hansels, die dann immer die Zufahrtsstraßen absperren und mich anhalten, ja nächstes Mal gleich zum aufräumen am nächsten Tag »einladen«, fein ;)

Schon wieder fremdbestimmt?

Vor gut neunzehn Jahren betrat ich »das Netz der Netze«, damals über den Anschluß einen kleinen store-and-forware-Teil mit dem damals angesagten (außerhalb der Haustiernetze – Fido, Maus, Zerberus und Co. –; deren (Ex-)Nutzer mögen den Seitenhieb des arroganten SubNetters verzeihen ;)) Protokoll UUCP. Und ja, damals schon konnte ich »richtige« eMail, wie sie heute allgegenwärtig ist, empfangen. Also, hätte können; so richtig viele Leute mit den gleichen technischen Möglichkeiten kannte ich ja nicht. Aber immerhin, von meinem $LOGIN@$KISTE.informatik.uni-hamburg.de-Account konnte ich mir schon Mails nach Hause schicken (wusel%hactar@malihh.hanse.de; der berühmt-berüchtigte %-Hack, um an eine Domain-Site angeschlosssene domainlose Kisten zu erreichen — wer erinnert sich noch an pathalias? ;)) — und von zu Hause sogar antworten.
Ich weiß nicht, wieviele hunderte oder, über die Jahre mögen es auch tausende gewesen sein, Mark ich in diesen Spleen, in dieses Hobby gesteckt habe. Eigene Fernlinks per ISDN – Stundenpreis des Nachts(!) für Fernzone 3 lag bei ca. 20 DM, also gut 10 EUR –, ganztägig teils im Stundentakt bedient; vollkommen braindead, wenn ich darüber heute so nachdenke …
Was ich andeuten will: ich fühle mich schon als, wenn nicht Ureinwohner, so doch ziemlich alten Bewohner des deutschen Teils des »globalen Dorfes«. Und da frage ich mich, was den AK Zensur reitet, solche Überschriften sich aus dem Kopf zu drücken:

Netzgemeinde bleibt dialogbereit
Von Alvar Freude am 8.07.09 20:03 | 0 Kommentare | 1 TrackBack
Gespräch mit Familienministerin von der Leyen am gestrigen Tag ergebnislos

 
Ich mag mittlerweile der Alm-Öhi sein, kann schon sein; aber ich, für den Teil der »Netzgemeinde«, den ich verkörpere, bin sicherlich viel, aber nicht »gesprächsbereit«; nicht bereit zu »Gesprächen«, die der Selbstdarstellung Politikern dienen anstatt der Diskussion in der Sache. Nicht bereit dazu, meine Lebenszeit sinnlos an Betonköpfen abzuarbeiten. Selbst wenn SIE morgen Killerspiele oder den SPIEGEL auf die BKA-Liste setzen — mir geht das am Gesäß vorbei, da ich, auch berufsbedingt, seit über 10 Jahren meine eigenen Nameserver betreibe und, natürlich, erst einmal diese frage, bevor ich mir Sex, Lügen und Video von T-Online & Co. einheimse. Dazu bedarf es keiner kriminellen Energie – die ich im übrigen eher denen nachsagen würde, die, nicht selten besseren Wissens, Gesetze verabschieden, die einer rechtlichen Prüfung im Nachhinein nicht standhalten –, gesunder Menschenverstand reicht da schon. Für Franziska Heine hoffe ich, es gab wenigstens leckere Schnittchen in Hilfszensurministerium BMFSFJ; ein Ergebnis haben ja auch diese »Gespräche« für die Gegner der Sperrinfrastruktur – überraschenderweise – nicht gebracht.
Eines wäre aber schon schön: wenn – heute der AK Zensur, morgen sicher wer anders – Dritte sich nicht immer berufen fühlten, für eine imaginäre homogene Gruppe, die sog. »Netzgemeinde«, sich erdreisteten, Aussagen abzugeben. Ich habe den AK Zensur weder gewählt noch legitimiert, für mich zu sprechen. (Und, just in case: nein, auch die Piraten sprechen nicht für mich; mag sein, daß ich einige Positionen teile – die SPD hat sich ja aus dem demokratischen Lager verabschiedet in die Abhängigkeit von Koalitionsverträgen, bei den Grünen muß man abwarten, was sie z. B. für Hamburg im Bundesrat bzgl. ZugErschwG machen –, aber ich bin kein Pirat und kann mir derzeit auch nicht vorstellen, einer zu werden. Eines der Grundübel, die aus meiner beschränkten Sicht zur heutigen Situation führten, ist das eingefahrene Lager- und Parteiendenken in Deutschland. Alleine, wenn ich die »etablierten Parteien« über die Linke reden höre, diese Spilitterung in »alle demokratischen Parteien« vs. die Linke — verdammtnochmal, diese komische Gruppierung ist zur Wahl zugelassen worden, das bedeutet für mich per se deren Demokratiekompatibilität. Sicher mag man der »SED-Nachfolgeorganisation« skeptisch gegenüberstehen wie man es auch der »Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit« (WASG) um den »flüchtigen Finanzminister« gegenüber sein sollte. Aber vor der Wahl etwas zu Wahl zu stellen und nach der Wahl diese Gruppe als »undemokratisch« zu diffamieren? Wie »demokratisch« war denn der Umgang der Y-SPD in Hessen mit ihren Kritikern? Aber ich schweife ab …)
Nein, nein; mit Leuten, die mich aufgrund meiner kritischen Haltung zur untauglichen Symbolpolitik – die einzig aufgrund des näherrückenden Wahltermins forciert wird – als Kinderpornokonsumenten diffamieren – bzw. durch geschickte, rechtlich unangreifbare Formulierung diesen Eindruck grade nicht nicht zu erwecken versuchen – brauche ich ncht zu sprechen; solche Verbalentgleiser und Internetausdrucker haben mir nichts zu sagen, und ich ihnen nichts, was nicht strafrechtlich relevant wäre.
Mit Leuten, die hochdotierte Experten in der Sache ignorieren und nur einen höflichen Nebensatz, daß derlei Sperren eine vollkommene Wirkungslosigkeit nicht bestätigt werden könnte, als Quintessenz in die Welt tragen — was sollte ich mit jenen bereden?
Und wie sollte ich »Volksvertretern« begegnen, die nach einer Abstimmung zu Protokoll geben, daß sie nur für ein umstrittenes Gesetz gestimmt haben, weil ja das Bundesverfassungsgericht sehr wahrscheinlich dieses Gesetz wegen Unvereinbarkeit mit der Verfassung beanstanden und einschränken oder außer Kraft setzen wird? Das ist ein Demokratie- und Dienstverständnis, mit dem ich nicht klar komme; für mich gehört »so jemand« nicht in ein deutsches Parlament.
Insofern: der Worte sind genug gewechselt. Jetzt zählen Taten, insbesondere die Einreichung einer gut ausgearbeiteten Verfassungsbeschwerde und – ganz wichtig – die, im positiven Wortsinn, Agitation im öffentlichen Raum anläßlich der Bundestagswahl. Das Bild »Ausfahrt nicht verpassen« finde ich vonder Aussage her hervorragend — Respekt. In dem Tenor braucht’s jetzt, es ist immerhin schon (fast) Mitte Juli, an jeder Kreuzung ein Plakat, in der Nähe jedes großformatigen Konterfeis von CDU, SPD und CSU eines … (Über die – falsche – Verwendung des Begriffs »Zensur« sollte im übrigen nicht mehr diskutiert werden. Schließlich ist die Rente ja auch sicher und die Mehrwertsteuer wurde nach 2005 nur um 2 oder 0 Prozent erhöht …)

Fonera 2: Lessons learned

Ich schreibe dies über einen Schlepptop, der per Ethernet mit einer Fonera 2 verbunden ist, an welcher per USB ein Huawei E160-3G-Stick angeschlossen ist mit einer Tchibo-SIM samt 5-GB-Datenflat. Es funktioniert – auf Anhieb mit der Firmwareversion 2.2.0.0.
Neuere Versionen funktionieren mit dieser Kombination nicht; leider hat das Entwicklerteam sich Anfang 2009 gedacht, daß es doch viel nutzerfreundlicher wäre, wenn jener nicht seine, vielleicht gar unbekannten, Daten eingeben müßte sondern einfach seinen Mobilzugang aus einer Liste auswählen könnte. Für Deutschland aber ist diese Liste arg kurz und längst nicht vollständig; für andere Länder taugt die Quelle auch nicht wirklich.
Kleiner Tipp daher für Leute, die diese Kombination – Tchibo-Internet-Flatrate-Tarif mit 3G-Modem an Accesspoint – nutzen wollen: achtet darauf, daß Euer APN korrekt eingestell ist (derzeit »webmobil1«). Denn, anders als zumindest ich es gewohnt bin, nimmt Tchibo bzw. o2 (Germany) auch andere APNs an, die Verbindung wird dann erst vor dem Ausgang ins Internet geblockt – bislang kannte ich nur die Variante des Verbindungsabbruchs bei falschem APN …
Mit APN “webmobil1”:

Selected device eth0, address 192.168.10.225, port 38564 for outgoing packets
Tracing the path to probe-us1.0xdecafbad.net (208.91.129.153) on TCP port 22 (ssh), 30 hops max
1 192.168.10.1 1.803 ms 1.168 ms 1.148 ms
2 82.113.122.185 810.180 ms 735.091 ms 936.821 ms
3 82.113.123.226 600.407 ms 832.806 ms *
4 OSRMUN1-Vl212.net.de.o2.com (82.113.122.53) 796.330 ms 855.301 ms 460.492 ms
5 IARMUN1-Gi0-2-199.net.de.o2.com (82.113.122.2) 740.127 ms 892.438 ms 857.284 ms
6 xmwc-mnch-de01-chan-3.nw.mediaways.net (195.71.164.209) 619.104 ms 1551.962 ms 683.984 ms
[...]
16 hotel.turbovps.com (208.91.129.130) 655.660 ms * 1049.125 ms
17 208.91.129.153 [open] 1382.966 ms 2390.673 ms 1080.543 ms

 
Mit APN “surfo2” (Standard für o2 seit ca. 2008; “internet” ist eine andere viel benutzte Einstellung, IIRC):

Selected device eth0, address 192.168.10.225, port 60577 for outgoing packets
Tracing the path to probe-us1.0xdecafbad.net (213.134.45.154) on TCP port 22 (ssh), 30 hops max
1 192.168.10.1 1.553 ms 1.245 ms 1.196 ms
2 82.113.103.225 620.902 ms 386.762 ms 618.808 ms
3 82.113.107.194 759.432 ms 867.596 ms 601.450 ms
4 82.113.103.26 563.609 ms 884.781 ms 539.424 ms
5 213.134.45.154 [closed] 1182.596 ms 746.681 ms 641.468 ms 

 
Wer also per UMTS/GRPS mit einer Fonera 2 und USB-Stick online gehen will, sollte genau drauf achten, ob auch wirklich die für seinen Tarif benötigten Credentials eintragbar sind — dies ist in neueren Releases derzeit nicht mehr der Fall, für mich funktioniert wie gesagt die Version 2.2.0.0 zufriedenstellend.

Gesinnungstäter

»Und ich bin schließlich für die Politik ungeeignet. Viel zu emotional, viel zu ungeduldig, viel zu oft widersprüchlich, viel zu selten Stratege.«
Selten habe ich etwas gelesen, wo ich mich sofort selbst erkannte. Obige Worte schrieb zwar Johnny Haeusler, aber wenn man mich mal fragen würde, warum ich hier nur so affektiert rumschreibe statt – in einer Partei – aktiv zu werden, so wären das die Richtung meiner Erwiderung.
Nicht erst seit jüngsten Verlusten im privaten Umfeld, aber seitdem mehr denn je, ist mir meine verbleibende Lebenszeit – in der Summe unbekannt – wichtig, ja, kostbar.
Ich sehe nicht, daß ich die Muße habe, diese in Diskussionen über Quoten, Zoten, Listenplätze zu verbringen; ich hege auch keine sonderliche Kompromißbereitschaft oder Diskussionfreudigkeit, was meine Ablehnung der Wiedereinführung stasiähnlicher Methoden (Vorratsdatenspeicherung, heimlichen Onlinedurchsuchung, Einführung einer inhaltsbezogenen Filterinfrastruktur), der Vergewaltigung (um nicht zu sagen: Aufkündigung) des »Generationsvertrages« (gesetzlich verbriefter Verzicht auf Rentenkürzungen, pünktlich noch vor der Bundestagswahl dem Heer der Rentner zum Geschenk gemacht), einer Steuerpolitik, die systembedingt immer die höheren Einkommen relativ wie absolut stärker entlastet, … angeht.
Im Job ist das was anderes; zum einen weiß ich da, was meine Position zu sein hat und auch, wofür ich kämpfen, wann ich schlucken muß im großen Kontext. Ich mag Details nicht mögen, aber es gilt da nun einmal, eine Aufgabe zu erfüllen, eine Position zu besetzten und auszufüllen. Dafür werde ich bezahlt, mehr oder weniger.
Privat aber … Ich habe meinen Vater immer bewundert, wie er jahrelang Stunde um Stunde opferte, um den nahezu bayerischen Verhältnissen in meiner ländlichen niedersächsischen Heimatgemeine Paroli zu bieten, der schwarzen Übermacht eine agile Opposition, die den Namen tatsächlich verdienen mag, entgegen zu setzen. Andere motivierte, ebenfalls politisch aktiv zu werden.
Ich glaube, diese Kraft habe ich nicht; oder, vielleicht ist das sogar schlimmer: ich sehe nicht, wozu ich meine Kraft an Windmühlen verschwenden sollte. Wozu sollte ich mich an erkenntnisresistenten Berufspolitikern abarbeiten, was ist mein Erkenntnisgewinn?

Ein Sprecher der Familienministerin bezeichnete die Recherchen Landaus auf Nachfrage von heise online nun als “sehr interessant”. Allerdings seien die Angaben “nicht wissenschaftlich hinterlegt und daher auch in ihrer Entstehung fachlich nicht nachvollziehbar”. Eine seriöse Bewertung seitens des Ministeriums sei so nicht möglich. […]
Generell räumte der Sprecher des Familienministeriums noch einmal ein, dass die Bundesregierung nach wie vor “über keine rechtsvergleichenden Studien zur Strafbarkeit von Kinderpornographie in anderen Ländern verfügt”. […]
Die Faktenlage, auf die sich das Familienministeirum derzeit stützt, ist allerdings generell unter Experten umstritten. […]

 
Ich will gar nicht auf die Verwandschaftverhältnisse im Hause Albrecht oder Schäuble eingehen; jeder hat in Deutschland das Recht, den Beruf zu ergreifen, den er gerne möchte. Ich aber habe weder Zeit noch Lust (das mit der Zeit ist vorgeschoben), neben dem Bestreiten des Lebensunterhaltes, mir noch politische Grabenkämpfe anzutun — auch bei den Piraten, die ich skeptisch-wohlwollend beäuge, zeichnet sich ab, daß ein Konsens nur auf einem sehr kleinen Nenner zu finden sein wird. Wobei, das ist, denke ich, aber ganz normal für ein Sammelbecken Unzufriedener. So im Kleinen habe ich meine Erfahrungen ja gemacht, in einem Netzwerkverein Ende der Achziger, Anfang der Neunziger; und selbst dort hatten die Wünsche der Mitglieder eine erstaunliche Bandbreite, war die Findung des Kurses nicht immer einfach. Es wird spannend bleiben zu beobachten, wie lange Basisdemokratie bei den Piraten gesetzt bleibt, wann bzw. wie die Emanzipation des Vorstandes, der Aushängeschilder von der Masse geschieht.
Erbost, das muß ich sagen, hat mich aber das Vorgehen der Regierungsparteien, die ein auf allen Ebenen – außer der Beantragunsgebene – kritisch hinterfragtes Gesetz, trotz einer rekordverdächtigen Unterstützung der Petition dagegen, in unreiner parlamentarischer Form beschlossen haben. Unerträglich ist es für mich, daß hier im Wissen um die Problematik und potentielle Grundgesetzwidrigkeit bzw. fehlende Gesetzgebungskompetenz dennoch für das Gesetz gestimmt wurde – mit so dreisten »Erklärungen« wie

Providerverträge existieren&können heimlich erweitert werden.Ist Euch das lieber?Das Gesetz ist def.das geringere Übel&verhindert Ausweitung

4:59 AM Jun 17th from Netvibes

 
oder

Mit dem Gesetz zur Blockierung von Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten wird – anders als von vielen Kritikern dargestellt – keine unmittelbare Zensur geübt (die Seiten sind ja weiterhin erreichbar), […], sondern es wird versucht ein gutes, richtiges Ziel mit falschen, unzureichenden und äußerst fragwürdigen Mitteln zu bekämpfen. Darüber kann ich den Kopf schütteln, mich ärgern, laut sagen, dass das Mist ist, aber es ist eben keine Gewissensfrage, sondern ein Streit über den richtigen Weg. Wäre allerdings die DNS-Sperre mit einer unmittelbaren Einleitung von strafrechtlicher Verfolgung verknüpft worden, hätte ich dem aus den gleichen Gründen wie bei der Datenvorratsspeicherung meine Stimme verweigert. […]
Ich hoffe, dass ich Ihnen meine Kriterien (Ethik und Grundrechte) deutlicher machen konnte und dass dieses Gesetz nach den drei Jahren, auf die es befristet ist, in den großen Parlamentspapierkorb wandert.

 
oder gleich der institionalisierten Variante »gemäß § 31 GO-BT« … Jaja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Unerträglich ist für mich daran, daß jeder popelige Autofahrer, der ein Rotlicht mißachtet und erwischt wird, persönliche Konsequenzen – Bußgeld, Punkte in Flensburg – erdulden muß; für die Politiker, die reihenweise und nicth selten mindestens fahrlässig Arbeit für Verfassungs-, Finanz- und Verwaltungsgerichte produzieren, winkt nur die ungekürzte Pension, sollten sie dermaleinst nicht wiedergewählt werden …
»Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.«¹

Graswurzel vs. Rhetorikseminar

In der Zwangspause, die ein Medion-Vista erzwingt, während die 190-GB-Partition defragmentiert wird (in Vorbereitung einer Partitionsverkleinerung, die Vista bislang nur um 88 GB ermöglicht, trotz nur 30 GB benutzten Platzes), hatte ich mal wieder Zeit, meinen Feedreader zu checken: Isotopp führt gestern in Langform aus, was ich mit …

http://is.gd/1cSR3 – ein Lehrstück in Sachen Rhetorik. #zensursula

2:29 AM Jun 25th from twhirl

 
… schon antwitterte:

Wenn Leute kritisieren, daß wir rethorisch schlecht sind, wenn Leute kritisieren, daß wir unsere Meinung nicht aggressiv genug vortragen und wenn Leute kritisieren, daß wir uns zu oft unterbrechen lassen, dann meinen sie das.
Das da oben ist die Message, die die Piraten, der AK Zensur und alle anderen hätten kommunizieren müssen. Der Fehler ist nicht, daß wir nicht auf die Argumente der Gegenseite eingehen. Der Fehler ist genau, daß wir es tun. Das ist kein Diskurs, der mit uns geführt wird und es ist kein Diskurs, den wir führen müssen. Wir reden nicht mit einer Gegenseite, wir reden mit einer Öffentlichkeit, auch wenn Interview drauf steht. Und wir müssen denen unsere Thesen füttern – Frau von der Leyen hört sowieso nicht zu. Das hat sie ja oft genug bewiesen.

 
Da kann ich ihm nur voll und ganz zustimmen. Die Sendung auf Phoenix ruht bis zur nächsten Platzknappheit noch auf meinem VDR; ich habe nach Alvars erstem Statement, was nun mit dem konkreten Gesetz in D mehr so nichts zu tun hatte, dann abgeschaltet … Und ohne »Internetaktivistin Franziska Heine« (Zeit) zu Nahe treten zu wollen – oder gar behaupten zu wollen, ich könne derlei besser –, das Zeit-Interview war eine saubere PR-Aktion für Albrechts Tochter, leider.
Es wird sich zeigen, ob – unabhängig vom nächsten Gang nach Kalrsruhe – die Graswurzeln gegen Internetsperren, mit ihrem sich angebotenen politischen Piraten-Arm, was bewegen werden können. Mit dem edlen Ansinnen, auf Moderatortenfragen auch konkret zu antworten oder vermeintliche Argumente der Gegenseite in den 15 Sekunden Redezeit zerpflücken zu wollen, werden weder Schlacht noch Krieg gewonnen — abgesehen davon, daß Detailinformationen nicht aus Äther oder Druckerschwärze sich ins Hirn der Massen übertragen lassen. Auch hier kann, ja muß man von von der Leyen lernen, die mit blutigen Vergewaltigungen Neugeborener ein klares, abscheuliches Bild der Öffentlichkeit gegeben hat, gegen welches diese überwiegend – »Pädokriminelle« (und Sperrgegner nach Ansicht der sperrwütigen Kaste) ausgenommen — denn auch Abscheu empfinden mag.
Was »der Bewegung«, also dem lose organisierten, breiten Querschnitt durch die Gesellschaft derer, die sich auch als Netzbürger sehen – auch hierzu hat »Isotopp« nett zusammengefaßt, was mindestens problematisch an der deutschen Politik der Jetztzeit ist –, fehlt, ist ein rhetorisch geschulter, unnerdiger Redner oder, besser noch, eine entsprechende Rednerin, der/die einerseits internetaffin ist und andererseits öffentlichkeitserfahren, als Sprechen/-in. So ‘ne Westerwelle halt, nur nicht ganz so abstoßend-arrogant vielleicht … Verheiratet, zwei Kinder, angestellt, vielleicht aktiv in der Kommunalpolitik, bislang aber in der breiten Öffentlichkeit unauffällig. Irgendwie »aus der Mitte« eben — um »die Mitte« zu überzeugen …

Lessons learned mit Sipgate

Gestern gab’s noch ein Aha-Erlebnis mit Sipgate.de; der Versuch, für die bewußte Naturheilpraxis einen Account samt Gütersloher Rufnummer anzulegen (als Basis für eine etwaige Übernahme der von Hansenet ins Aus gestellten alten Rufnummer), scheiterte an recht profanen Dingen:

  • Da Heilpraktiker Freiberufler sind, existiert keine Gewerbeanmeldung.
  • Da Heilpraktiker per se nicht mehrwertsteuerplichtig sind, existiert keine Anmeldung beim Finanzamt.
  • Da die Anmietung der Räume über den privaten Sektor läuft, existiert keine amtliche Bestätigung, daß die Praxis an genannter Adresse existiert.
  • Da noch kein Telefonanschluß auf den Namen der Praxis am genannten Ort existiert, gibt es keine Rechnung eines anderen Telekommunikationsunternehmens, die Sipgate als Adressnachweis bekommen könnte.

Oder, mit anderen Worten: es war nicht möglich, einen Nachweis zu erbringen – entsprechende Zusicherung samt Unterschrift und Firmenstempel reicht Sipgate nicht –, daß besagte Praxis sich an besagtem Ort befindet. Ohne einen solchen Nachweis allerdings, so Sipgate, sei eine Zuteilung regionaler Rufnummern per Vorgabe der BNetzA nicht möglich.
Faktisch heißt das, daß Sipgate für Freiberufler ohne Meldepflichten als alleiniger bzw. initialer Rufnummernlieferant ausfällt, sofern man Räumlichkeiten außerhalb seiner privaten Meldeadresse nutzt. Zum Vergleich: die einzigen an Alice gefaxten(!) Unterschriften waren auf dem Portierungsformular und der Einzugsermächtigung; dafür gab’s gleich 10 Festnetzrufnummer zum NGN-ISDN dazu … (Ok, einen Unterschied gibt es, denn Alice/Hansenet wird ja eine tatsächliche Leitung an besagte Adresse schalten, derlei Bindung fällt für Sipgate ja weg. Trotzdem für mich erstaunlich, wo sich da Fallstricke auftun können …)

»Was tun?«, sprach Zeus

Man kann so vieles lesen derzeit. Zum Beispiel auch ein Loblied auf die Rechtstaatlichkeit:

Aber es ist Absolut gegen meine Überzeugung sich als Retter der Gerechtigkeit zu verstehen und irgendwelche Aktionen zu starten die nicht rechtstaatlich sind.

 
Hachja; da kommen wir in den Bereich, wo ich es satt habe, immer und immer wieder die andere Backe hinzuhalten.
Ich heiße nicht Baader oder Meinhof; aber ich merke, daß meine Geduld mit diesem Unrechtsstaat schwindet. Wenn der Bürger defaultmäßig sich fragen muß »dürfen die das eigentlich?« und – Jahre später, das Unrecht ist ggf. zigtausendfach geschehen und wird weder gesühnt noch geahndet – schlußendlich erfahren muß: »Nein, eigentlich dürfen durften SIE das nicht, aus intransparent-juristischen Gründen war das für die Vergangenheit aber egal, nur in der mittleren Zukunft muß sich was ändern«, dann beginne ich zu verstehen, warum sich jemand komplett gegen das System stellen zu müssen meint …
Und ich meine, es wird schlimmer; Vorratsdatenspeicherung – denn jeder ist erst einmal potentiell verdächtig; mach’s Dir selbst, Unschuldsvermutung – war der vorige Höhepunkt, jetzt wurde, das Petitionsrecht beachtend und gleichzeitig Fakten schaffend, die Einführung einer generellen Zensurinfrastruktur für das deutsche Internet im Bundestag beschlossen — trotz massiver Hinweise von ausgewiesenen Fachleuten, daß dies mit dem ollen Schrieb aus dem letzten Jahrtausend, genannt Verfassung, kollidieren dürfte. Und wer fällt wieder einmal um? Die altersschwache Tante SPD.
In dyfas Worten:

Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.

 
*sigh*
Art. 20 (4) mag noch weit weg sein; aber wird wirklich von jederman erwartet, tatenlos – vom Kreuzchen alle vier, fünf Jahre abgesehen – zuzusehen, wie der Gesetzgeber Mal um Mal gesetzeswidrige Gesetze erläßt — durchaus wider besseren Wissens? Ich denke, die viel beschworenen »Väter des Grundgesetzes« haben wirklich gründlich nachgedacht — was sie allerdings nicht voraussahen ist, daß die Parlamentarier sich für Lobby, Fraktion oder Koalition bis zur Unkenntlichkeit verbiegen werden. Ich denke, es ist mehr als nur an der Zeit, eine Strafbarkeit bei Gesetzeserlaß mit Verstoß gegen das Grundgesetz einzuführen — leider wird auch hier keiner genug Arsch in der Hose haben, dies umzusetzen zu beginnen.

Alice' Service-Versprecher

Nicht genug damit, daß ich privat einen schweren Verlust zu beklagen habe; Hansenet/Alice hat mir pünktlich zum Wochenanfang eine zwischen die regulierten DSL-Mühlen gefallenen Rufnummer und einen nicht geschalteten Komplettanschluß beschert. Aber der Reihe nach …
Für die neue Gemeinschaftspraxis zweier Heilpraktikerinnnen fungiere ich als technischer Ansprechpartner, im Prinzip von der Deckenlampe bis zur Telekommunikation. Insofern habe ich als Dienstleister jener Praxis mich umgesehen und aufgrund eines – vordergründig – guten Preis-Leistungs-Verhältnisses als zukünftigen IP- und (IP-)Telefonie-Dienstleister Hansenet/Alice empfohlen. Ein fataler Fehler, wie sich noch zeigen soll.
Logistisch sieht es wie folgt aus: es gibt eine alte Naturheilpraxis in GT-Avenwedde, welche aufgelöst wird. Es gibt neue Praxisräumlichkeiten in Gütersloh, konkret am Südring, somit bedient von der gleichen T-Com-Vermittlung wie mein eigenes Heim.
In der alten Praxis existiert(e) ein T-Com-Analoganschluß mit kurzer Kündigungsfrist. In der neuen Praxis hängt eine hundertschaft von Kabeln aus der Wand — Vormieter war ein CallCenter …
Aufgabenstellung für Alice: Aufschaltung AliceComfort ISDN in der neuen Praxis am Südring mit Übernahme der Rufnummer des Analoganschlusses, Wunschtermin 15.06.09.
Eingestielt wurde dies Mitte Mail 2009; die Auftragsbestätigung datiert vom 19.05.09. Das Formular »Kündigung des Anschlusses beim bisherigen Anbieter« wurde am 25.05.09 ausgefüllt und an Alice gefaxt.
Was tut Alice zwischen dem 19.05.09 und dem 15.06.09? Nicht viel, zumindest wird nichts kommuniziert, insbesondere wird kein Termin der (Um-)Schaltung schriftlich bestätigt.
Seit dem 14.05.09 abends allerdings ist die analoge Rufnummer »nicht vergeben« lt. Ansage; Nachfrage bei der Deutschen Telekom ergab einen vorliegenden »Produktwechsel« zum 15.06.09, in dessen Verlauf (da Migration weg von T-Com) am 14.06.09 »abends« der Analoganschluß abgeschaltet wurde.
Alice’ redegewandte Hotline allerdings wollte von einer Kündigung des Analoganschlusses nichts wissen, vielmehr habe man nun mehrfach (auf Rückfrage: regulierte Reaktionszeit Telekom an Alice auf Nachfragen: ~1 Woche) bei der Deutschen Telekom die »Übernahme« des Anschlusses angemahnt; mal schauen, wann die angeforderte schriftliche Bestätigung Alice’, den Anschluß nicht zum 15.06.09 gekündigt/zur Portierung angewiesen/whatever zu haben, ankommt …
Lt. fernmündlicher Aussage der Deutschen Telekom läge ein »Portierungsauftrag vom 22.05.09« für die Rufnummer zum 15.06.09 vor, dem den Telekom entsprochen habe — samt bedauerndem Anschreiben an die Anschlußinhaberin. Ich habe nun eine Zusendung des Portierungsauftrags der Alice an die Anschlußinhaberin getriggert, sobald dieses Schreiben vorliegt, dürfte die Luft für Alice sehr dünn werden.
Alice hätte

  1. einen ULL-Auftrag (oder wie immer Alice einen Komplettanschluß auf Telekom-Cu-DA realisiert) für den Südring stellen müssen
  2. für den Schaltungstermin des neuen Komplettanschlusses am Südring eine Portierung der Rufnummer mit Abschaltung des Analoganschlusses am alten Standort bei der Telekom beauftragen
  3. am gemeinsamen Termin die alte Analognummer auf den neuen NGN-ISDN-Anschluß schalten

müssen.
Was Alice hingegen offensichtlich gemacht hat:

  1. Portierungsauftrag für den 15.06.09 für die alte analoge Rufnummer gestellt
  2. Bereitstellung Alice-Cu-DA am Südring für den 15.06.09 beauftragt
  3. Auf Bereitstellungstermin zu 2. (bis heute) gewartet, während die Portierung zu 1. noch nicht bestätigt war.

Mal sehen, wann das vorlaute Frauenzimmer diesen Ablauf zugibt …

Heute: Freiheit und Demokratie wählen!

Heute wählt Deutschland seine Europa-Abgeordneten. Da wäre es dann – denke ich – schon wichtig, daß »man« keine Partei wählt, die in Deutschland für einen Abbau von Bürgerrechten und/oder die Einführung von Methoden steht, die dereinst, in gar nicht so entfernter Vergangenheit, in totalitären Systemen auf deutschem Boden aufblühten.
Hierzu ein paar aktuelle Zitate zur Meinungsbildung:
SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz:

“Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden”, sagte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz der Berliner Zeitung. […] Er könne sich vorstellen, so Wiefelspütz, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken […].

 
Stellvertretender CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach:

„Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät“, sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach.

 
Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU):

“Sollte […] eine andere Regierung etwas anderes als Kinderpornografie sperren wollen, muss sie ein ganz neues Gesetzgebungsverfahren anstrengen mit Kabinettsentscheidungen, Anhörungen und Petitionen.”

 
Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz:

“Union und SPD behaupten, Kriminalität zu bekämpfen und bekämpfen in Wirklichkeit das Internet und die Freiheit der Menschen”, kritisierte sie in einer Mitteilung.

 
Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck:

„Den Vorschlägen zur Einführung von Internetsperrlisten und den Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur erteilen wir eine klare Absage, da sie rechtsstaatlich und technisch unverantwortlich sind“, sagte er. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Deshalb muss die Verfolgung von Straftaten im Internet intensiviert werden.“

 
DU hast die Wahl. Schon heute, für Europa. Und bedenke auch, welche Koalitionsaussagen für den Herbst in Deutschland im Raum stehen …