Vor gut neunzehn Jahren betrat ich »das Netz der Netze«, damals über den Anschluß einen kleinen store-and-forware-Teil mit dem damals angesagten (außerhalb der Haustiernetze – Fido, Maus, Zerberus und Co. –; deren (Ex-)Nutzer mögen den Seitenhieb des arroganten SubNetters verzeihen ;)) Protokoll UUCP. Und ja, damals schon konnte ich »richtige« eMail, wie sie heute allgegenwärtig ist, empfangen. Also, hätte können; so richtig viele Leute mit den gleichen technischen Möglichkeiten kannte ich ja nicht. Aber immerhin, von meinem $LOGIN@$KISTE.informatik.uni-hamburg.de-Account konnte ich mir schon Mails nach Hause schicken (wusel%hactar@malihh.hanse.de; der berühmt-berüchtigte %-Hack, um an eine Domain-Site angeschlosssene domainlose Kisten zu erreichen — wer erinnert sich noch an pathalias? ;)) — und von zu Hause sogar antworten.
Ich weiß nicht, wieviele hunderte oder, über die Jahre mögen es auch tausende gewesen sein, Mark ich in diesen Spleen, in dieses Hobby gesteckt habe. Eigene Fernlinks per ISDN – Stundenpreis des Nachts(!) für Fernzone 3 lag bei ca. 20 DM, also gut 10 EUR –, ganztägig teils im Stundentakt bedient; vollkommen braindead, wenn ich darüber heute so nachdenke …
Was ich andeuten will: ich fühle mich schon als, wenn nicht Ureinwohner, so doch ziemlich alten Bewohner des deutschen Teils des »globalen Dorfes«. Und da frage ich mich, was den AK Zensur reitet, solche Überschriften sich aus dem Kopf zu drücken:
Netzgemeinde bleibt dialogbereit
Von Alvar Freude am 8.07.09 20:03 | 0 Kommentare | 1 TrackBack
Gespräch mit Familienministerin von der Leyen am gestrigen Tag ergebnislos
Ich mag mittlerweile der Alm-Öhi sein, kann schon sein; aber ich, für den Teil der »Netzgemeinde«, den ich verkörpere, bin sicherlich viel, aber nicht »gesprächsbereit«; nicht bereit zu »Gesprächen«, die der Selbstdarstellung Politikern dienen anstatt der Diskussion in der Sache. Nicht bereit dazu, meine Lebenszeit sinnlos an Betonköpfen abzuarbeiten. Selbst wenn SIE morgen Killerspiele oder den SPIEGEL auf die BKA-Liste setzen — mir geht das am Gesäß vorbei, da ich, auch berufsbedingt, seit über 10 Jahren meine eigenen Nameserver betreibe und, natürlich, erst einmal diese frage, bevor ich mir Sex, Lügen und Video von T-Online & Co. einheimse. Dazu bedarf es keiner kriminellen Energie – die ich im übrigen eher denen nachsagen würde, die, nicht selten besseren Wissens, Gesetze verabschieden, die einer rechtlichen Prüfung im Nachhinein nicht standhalten –, gesunder Menschenverstand reicht da schon. Für Franziska Heine hoffe ich, es gab wenigstens leckere Schnittchen in Hilfszensurministerium BMFSFJ; ein Ergebnis haben ja auch diese »Gespräche« für die Gegner der Sperrinfrastruktur – überraschenderweise – nicht gebracht.
Eines wäre aber schon schön: wenn – heute der AK Zensur, morgen sicher wer anders – Dritte sich nicht immer berufen fühlten, für eine imaginäre homogene Gruppe, die sog. »Netzgemeinde«, sich erdreisteten, Aussagen abzugeben. Ich habe den AK Zensur weder gewählt noch legitimiert, für mich zu sprechen. (Und, just in case: nein, auch die Piraten sprechen nicht für mich; mag sein, daß ich einige Positionen teile – die SPD hat sich ja aus dem demokratischen Lager verabschiedet in die Abhängigkeit von Koalitionsverträgen, bei den Grünen muß man abwarten, was sie z. B. für Hamburg im Bundesrat bzgl. ZugErschwG machen –, aber ich bin kein Pirat und kann mir derzeit auch nicht vorstellen, einer zu werden. Eines der Grundübel, die aus meiner beschränkten Sicht zur heutigen Situation führten, ist das eingefahrene Lager- und Parteiendenken in Deutschland. Alleine, wenn ich die »etablierten Parteien« über die Linke reden höre, diese Spilitterung in »alle demokratischen Parteien« vs. die Linke — verdammtnochmal, diese komische Gruppierung ist zur Wahl zugelassen worden, das bedeutet für mich per se deren Demokratiekompatibilität. Sicher mag man der »SED-Nachfolgeorganisation« skeptisch gegenüberstehen wie man es auch der »Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit« (WASG) um den »flüchtigen Finanzminister« gegenüber sein sollte. Aber vor der Wahl etwas zu Wahl zu stellen und nach der Wahl diese Gruppe als »undemokratisch« zu diffamieren? Wie »demokratisch« war denn der Umgang der Y-SPD in Hessen mit ihren Kritikern? Aber ich schweife ab …)
Nein, nein; mit Leuten, die mich aufgrund meiner kritischen Haltung zur untauglichen Symbolpolitik – die einzig aufgrund des näherrückenden Wahltermins forciert wird – als Kinderpornokonsumenten diffamieren – bzw. durch geschickte, rechtlich unangreifbare Formulierung diesen Eindruck grade nicht nicht zu erwecken versuchen – brauche ich ncht zu sprechen; solche Verbalentgleiser und Internetausdrucker haben mir nichts zu sagen, und ich ihnen nichts, was nicht strafrechtlich relevant wäre.
Mit Leuten, die hochdotierte Experten in der Sache ignorieren und nur einen höflichen Nebensatz, daß derlei Sperren eine vollkommene Wirkungslosigkeit nicht bestätigt werden könnte, als Quintessenz in die Welt tragen — was sollte ich mit jenen bereden?![]()
Und wie sollte ich »Volksvertretern« begegnen, die nach einer Abstimmung zu Protokoll geben, daß sie nur für ein umstrittenes Gesetz gestimmt haben, weil ja das Bundesverfassungsgericht sehr wahrscheinlich dieses Gesetz wegen Unvereinbarkeit mit der Verfassung beanstanden und einschränken oder außer Kraft setzen wird? Das ist ein Demokratie- und Dienstverständnis, mit dem ich nicht klar komme; für mich gehört »so jemand« nicht in ein deutsches Parlament.
Insofern: der Worte sind genug gewechselt. Jetzt zählen Taten, insbesondere die Einreichung einer gut ausgearbeiteten Verfassungsbeschwerde und – ganz wichtig – die, im positiven Wortsinn, Agitation im öffentlichen Raum anläßlich der Bundestagswahl. Das Bild »Ausfahrt nicht verpassen« finde ich vonder Aussage her hervorragend — Respekt. In dem Tenor braucht’s jetzt, es ist immerhin schon (fast) Mitte Juli, an jeder Kreuzung ein Plakat, in der Nähe jedes großformatigen Konterfeis von CDU, SPD und CSU eines … (Über die – falsche – Verwendung des Begriffs »Zensur« sollte im übrigen nicht mehr diskutiert werden. Schließlich ist die Rente ja auch sicher und die Mehrwertsteuer wurde nach 2005 nur um 2 oder 0 Prozent erhöht …)
