Vectoring: Exklusivität nicht notwendig?

Aktuell habe ich einen VDSL25- und einen VDSL100-Zugang parallel; non-Vector und Vector …

Allenthalben wird darüber geredet, daß für [V]DSL[2] mit 100 MBit/sec G.vector notwendig wäre; das berühmt-berüchtigte Vectoring, bei dem DSLAM und Modem Störimpulse zu kompensieren versuchen. Nebenbedingung bei G.vector: angeblich müssen alle Kabel in das Vectoring einbezogen werden, da es sonst nicht funktioniere.

Warum das ein Problem darstellt, dürfte einleuchten: während bislang jeder Anbieter sich ›eine‹ Glasfaser zu einem sogenannten Kabelverzweiger (Kvz) und/oder einem Hauptverteiler (Hvt) legen lassen und ›daneben‹ dann DSL-Technik aufbauen konnte, um über die sogenannte TAL (Teilnehmer­anschluß­leitung) Kunden direkt zu versorgen (die TAL wird dabei für ca. 10 EUR/Monat von der Telekom gemietet), geht das bei Vectoring nicht mehr.
Beim Vectoring muß, wie gesagt, das ganze Kabelbündel, was raus zu den Teilnehmern geht, von einem Bauteil gesteuert werden, sodaß auf der jeweiligen Leitung Störsignale kompensiert werden können. Heißt: Einzig die Deutsche Telekom, der die gesamte, staatsfinanzierte, Kupferinfrastruktur sowieso im Zuge der Privatisierung geschenkt wurde, ist dann noch in der Lage, technisch [V]DSL anzubieten. (In Ausnahmefällen mag es auch andere Anbieter geben, die den Zuschlag für einen Vectoring-Ausbau erhalten haben; dort wiederum muß dann die Telekom von jenem Anbieter die [V]DSL-Technik als Vorleistung einkaufen. Diese Fälle sind aber die klare Ausnahme.)

Kurzum: auf der »letzten Meile« gibt es keinen Wettbewerb mehr; ob ich in Gütersloh VDSL50 oder VDSL100 von Vodafone, o2, 1&1 oder der Telekom buche: technisch werde ich auf Telekom-Technik geschaltet, nur der Weg, den die IP-Pakete gehen, der unterscheidet sich evtl. noch.

Anders ist es derzeit noch im sogenannten Nahbereich, ca. 550m um die Hauptverteiler herum. Dort darf derzeit VDSL nur direkt aus der Vermittlungstelle angeboten werden und auch nur über die zugeordneten »Nahbereichs-Kvz«, und die Kvz im Nahbereich dürfen z. Zt. nicht mit VDSL-Technik »überbaut«, aufgerüstet, werden. (Technisch wurde früher oft neben einen Kvz, der rein passiv arbeitet, also keine Technik beinhaltet, für VDSL ein sogeanntes Multifunktionsgehäuse, MFG, direkt daneben gebaut; im MFG steckt die aktive [V]DSL-Technik, inkl. Lüfter zur Wärmeabfuhr, und die Leitungen wurden vom Kvz ins MFG reinverlängert.) Auch diese Anschlüsse hat die Telekom ins Visier genommen und möchte nun den quasi-exklusiven Zugriff auf alle Hvt-Bereiche für den Vectoring-Ausbau haben. Das hieße aber auch, daß alle Mitbewerber, die aus einem Hvt heraus VDSL mit eigener Technik anbieten, diese abbauen müßten und ihre Kunden auf ein VDSL-Vorleistungsprodukt der Telekom umstellen. Und da sie die VDSL-Technik nirgendwo anders mehr einsetzen können – die normalen Kvz sind ja schon verteilt –, kommt das einer Enteignung nahe (wären die Gerätschaften nicht schon steuerlich abgeschrieben) — kein Wunder, daß einige Mitbewerber, die noch Infrastrukturausbau betreiben (o2 und Vodafone haben die Segel ja schon gestrichen), dies als schlechten Scherz empfinden. Drüben bei Teltarif ist das noch mal etwas ausführlicher erklärt.

So, und nun, nach langer Vorrede, komme ich wieder auf den Titel zu sprechen: Benötigt Vectoring wirklich den exklusiven Zugriff?

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VDSL100 (Outdoor) mit G.vector parallel zu …
Der Punkt ist nämlich der: unbeabsichtigt fahre ich hier derzeit einen VDSL25-Zugang aus dem Hvt, ohne Vectoring, parallel zu einem VDSL100-Vectoring-Zugang. Dies kommt daher, daß mein seit ~2007 bestehender VDSL-Zugang direkt nach dem hiesigen VDSL-Ausbau (Indoor) beauftragt wurde — damals lag ich, knapp 1 km vom Hvt entfernt, im VDSL-Ausbaugebiet, sagte die Verfügbarkeitsprüfung. Ob sich die Regeln später geändert haben oder die Telekom damals nur die technische, nicht die regulatorische Reichweite betrachtete: ich habe jedenfalls mit meiner TAL von 997m (72/48/877m in 0,60/0,50/0,40er Querschnitt — ein Freund hat das vor ein paar Jahren mal rausgesucht) seit ~2007 VDSL.
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… VDSL25 (Indoor) ohne G.vector: alles schick.
An einem Nicht-Nahbereichs-Kvz. Leider nur VDSL25 und dies schweineteuer am ISDN-Anschluß — aber Luxus kostet nun einmal ;-)

Seit Ende 2015 wartete ich darauf, daß ich Vectoring bekommen könnte, denn die Telekom hat die Nicht-Nahbereichs-Kvz in Gütersloh entsprechend aufgerüstet, an offensichtlich strategischen Punkten Outdoor-Equipment installiert und dieses an die Kvz per Glasfaser(?) angebunden.

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Übersicht (Hvt (A), Kvz (E), Outdoor-DSLAM (H), TAEs (G)).
(Wobei, so ganz glaube ich das noch nicht; denn ein Kvz ist passiv, hat nicht einmal Strom; um Glas auf Kupfer umzusetzen, müßte »was aktives« in den Kvz rein, und davon habe ich bei den aufgerissenen Straßen keine Spuren gefunden. Evtl. wurden auch nur Leerrohre verlegt?)

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VDSL100 (Kvz per Glas an Outdoor-DSLAM angebunden?)
Anyway, sowohl VDSL25 als auch VDSL100 laufen ab dem Kvz in ca. 100m Kabelentfernung im gleichen Kabel bis in unseren Keller (3 Familienhaus, mind. 3×2 Doppeladern kommen rein), und das widerspricht klar dem Vectoring-Mantra, daß ausnahmslos alle VDSL-Signale durch ein Gerät ›massiert‹ werden müßten. Und wie man in den Screenshots sehen kann, stammen die VDSL-Gegenstellen von unterschiedlichen Herstellern; das setzt sich auch auf logischer Ebene bei den »Breitband-PoPs« fort: VDSL25/Telekom: BIER75-se800-B222E160705176, VDSL100/1&1: GUTJ00. Kurzum: daß da ein Gerät G.vector auf beide Leitungen zaubert, ist imho ausgeschlossen. (FTR, in Berlin (VDSL50/Telekom) hänge ich an BERR75-se800-B2244460703306 und einem Broadcom-DSLAM.)
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VDSL25 (Indoor, d. h. aus dem Hvt).
Tja, und nun? Ist es im Nahbereich (~100m) doch nicht so wichtig, daß alle Leitungen störungskompensiert werden? Immerhin ist Profil 30a ja schon beim ollen VDSL2 in der Lage, 100/100 zu übertragen … Ist G.vector nur ein großer Bluff, um die Remonopolisierung der Festnetzes zu erreichen? (Gut, der Markt versagt ja (o2, Vodafone bauen kein xDSL mehr aus sondern kaufen nur noch bei der DTAG ein und verkaufen z. T. ihre Infrastruktur sogar an die DTAG), aber darf man es dem Ex- und bald-wieder-Monopolisten wirklich, auch politisch, so einfach machen?!)

Ziemlich erstaunlich finde ich, daß das Vectoring-Signal mein VDSL aus dem Hvt nicht ›wegdrückt‹, wie es z. B. das Outdoor-DSLAM-VDSL mit dem Indoor-(Hvt)-ADSL in Berlin gemacht hat. Sehr bezeichnend hingegen erscheint mir, daß gemäß den Bandplänen ISDN bei VDSL2 nach wie vor ausgespart wird — also auch in Zukunft VDSL-over-ISDN machbar wäre (nur daß die DTAG keinen Bock mehr auf ISDN hat verhindert dies :-().

One Reply to “Vectoring: Exklusivität nicht notwendig?”

  1. Hallo, das Thema der immer beanspruchten Exklusivität treibt mich auch schon etwas um. Ich erinnere mich an die Vorstellung eines Unternehmens auf der Cebit 2015, das dort Vectoring auf einem Teil des Leitungsbündels des KVZ vorgestellt hat. Der Bandbreitenverlust soll nur minimal gewesen sein. Ich hege auch den Verdacht, dass es technisch möglich ist, Vectoring auch ohne die Exklusivität zu betreiben.

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