Spiegel Online textet:
Solche Angriffe gehören zu den realen Gefahren des Internets, und sie sind nur aus einem Grund möglich: Nicht ausreichend vor Viren geschützte PC lassen Schadcode ein, ein entsprechendes Progrämmchen installiert eine Hintertür, durch die der Virenschreiber jederzeit wieder Zugriff auf den Rechner bekommen kann.
Ohne eine schädliche Monokultur (M$) durch eine andere (Unix/Linux/OSX) ersetzen zu wollen: wessen Verantwortung ist des denn, daß die Situation die ist, die wir alle heute auszubaden haben (all die Einbruchsversuche wie Aug 11 23:55:12 albert sshd[27618]: pam_unix(sshd:auth): authentication failure; logname= uid=0 euid=0 tty=ssh ruser= rhost=8.red-80-35-86.staticip.rima-tde.net user=root eingeschlossen)? Wer hat denn Hausfrauen eingeredet, mit ein bißchen Klicki-Bunti-Oberflächen ist jeder ein fähiger Heimnetzadministrator? Wer hat denn die Integration so weit getrieben, daß schon das vorbeisurfen an befallenen Seiten – oder die schiere direkte Internetkonnektivität per Modem/ISDN-Karte mit Windows – das heimische Windows infizierbar macht bzw. infiziert? (Been there, saw that; placed a router (ISDN) at my elder’s premises …)
Diese Unfähigkeit Microsofts, ihrer, ihrer Marktmacht entsprechenden, Verantwortung für fehlerfreie Software und ein sicheres OS nachzukommen, hat natürlich erst den Markt für Anti-Viren-Programme erzeugt — der perfiderweise jetzt gegen Microsoft zu verteidigen ist, sollten sie z. B. einen Virenschutz so in das Basissystem integrieren wollen wie sie es mit insbesondere dem Browser und dem Medienabspieler schon vorexerziert haben …
Ok, ich denke schon, daß unixodie Betriebssysteme per se sicherer sind als Windows XP (nicht nur in der Home-Fassung); wobei mangels Marktdurchdringung Viren für Linux, OSX oder gar *BSD auf absehbarer Zeit eine Randerscheinung sein dürften, diese These eine solche also bleiben wird. (Gefahr droht dort meines Erachtens eher von plattformübergreifenden Dingen wie Adobe AIR.)
Was mich aber am Spiegel-Online-Artikel stört ist die unterschwellige Schuldabwälzung auf die Endanwender. Denn die wissen i. d. R. nichts von all den perfiden Fehlern, die in ihren Systemen lauern; und die frechen 90-Tage-Gratisversionen, wie sie Aldi & Co. vorinstallieren, helfen da auch nicht wirklich weiter. Der Schutz ist abgelaufen und mit dem – ja nun mangels Schutz latent infizierten – System soll der Kunden nun beim Hersteller per Kreditkarte oder Onlineüberweisung die Vollversion kaufen (abgesehen von perfiden Versuchen, nicht nur einen Virenschutz sondern Supa-Dupa-Rundum-braucht-nieman-Pakete unterzuschieben)? Wer das ohne nachzudenken tut, der frißt wohl auch kleine Kinder …
Immerhin, einem (Ab-)Satz kann ich vollumfäglich zustimmen:
Verwundbar ist das Netz vor allem an seinen Endpunkten. Wer mehr Sicherheit fürs Netz fordert, müsste damit also zunächst einmal bei jedem Nutzer zu Hause anfangen. Der Kampf gegen die echten Gefahren aus dem Internet – Hack-Attacken, Viren, Datendiebstahl, Betrug – aber ist ungleich komplexer und schwieriger, als sich lautstark über Inhalte aufzuregen, die einem nicht passen (“Killerspiele”, “Horror-Videos”, Pöbeleien).
Aber ich denke nicht, daß Schäube oder von der Leyen Spiegel Online lesen; geschweige denn, um diese Wahrheit nicht wüßten …

Ich kann Deinem Argument, dass speziell Microsoft seiner Verantwortung nicht gerecht wird weitestgehend folgen, nichts desto trotz würde niemand einem Autohersteller vorwerfen, dass ihre Kunden den Sicherheitsgurt nicht anlegen. Kein Betriebssystem bietet out-of-the-box ausreichend Sicherheitsmechanismen um blank im Internet zu stehen und nicht Gefahr zu laufen “befallen” zu werden. Ebenso bietet auch Microsoft Windows mehr oder weniger ausreichend Möglichkeiten bei sinnvoller Nutzung im Internet schadfrei zu überleben. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, wann mich auf meiner Spielkonsole mein Virenscanner zuletzt mal angemeckert hat. Unixoide Betriebssysteme haben einen deutlichen architektonischen Vorteil gegenüber Windows, aber auch hier kann man viel falsch machen. Wer als User root seine Mails liest und sich im Web Pornos anschaut wird über lang oder kurz nicht viel Freude haben. Letztendlich sollte jeder selbst für seine Systeme verantwortlich sein und wer so dämlich ist, den Werbesprüchen von Software-Konzernen glauben zu schenken hat zu einem guten Teil selber Schuld. Die Verantwortung alleine den Herstellern zuzuschieben ist mir zu einfach.
Mahlzeit,
Das mag ja stimmen; und wenn auch nicht alles, was hinkt, ein Vergleich ist, so liefert, Stand Vista, der Autohersteller MS seine Fahrzeuge nach wie vor ohne jenen Gurt aus — oder, meinetwegen, ein anderes elementares Ausrüstungsstück für die sichere Fahrt über den Imformation (Super) Highway.
Jein; wenn Du Fachleute ansprichst, gebe ich Dir Recht; die Suggestion, Windows wäre ideal für Jedermann, spricht aber nicht ausschließlich Fachleute an. Ein System für die breite Masse muß anderen Kriterien genügen als eines für Experten. Und bis XP Home surft man, wenn ich das richtig sehe, als erster Nutzer automatisch als »Computeradministrator« (ich halte die Betrachtung von insbes. XP Home aufgrund der Netbook-Welle nach wie vor für legitim) — mit dem IE und all seinen großen und kleinen Problemen.