Hinterher ist man ja immer schlauer. Das ist so, das war so, es wird auch wohl so bleiben. Aber man kann ja mal träumen, wie etwas wäre, was nicht ist, und auch nicht sein wird.
Dieser Lust am Denkbaren, und doch Unmöglichen, hat sich Spiegel Online einmal hingegeben. »Was wäre, wenn … Helmut Schmidt noch – oder wieder? – Kanzler wäre?« Spannende Frage; neben vielen anderen Dingen hätten wir, glaube ich – und beteilige mich damit unbeteiligterweise an der Denksportaufgabe –, kein vom Bundesverfassungsgericht mit Ansage zu kassierendes Nichtrauchergesetz. Nicht, weil Schmidt in der Öffentlichkeit ohne Glimmstengel kaum denkbar ist. Sondern, das glabe ich denn auch, Schmidt eine andere Auffassung von Staat hat. Kein »mal gucken, was geht, Nachbessern können wir immer noch«, wie es heute Usus ist (was leisten all die Anwälte mit Abgeordnetenstatus eigentlich? Also, für den Staat meine ich, nicht, was sie sich leisten); ich glaube nicht, daß derlei unter Schmidt eingerissen wäre, wie es das unter seinen Nachfolgern ist.
Was ich in dem Zusammenhang aber schon bemerkenswert finde: Dauerkanzler Kohl, obwohl länger im Amt als sein Vorgänger Schmidt – und als Kanzler der Einheit auch nicht grade ohne hinterlassenen Eindruck in der Gechichte – wird scheinbar nicht als Gedankenoption zu real-existierenden Kanzlerinnen gesehen. Jener ist, medial zumindest, wirklich a. D.
So sehr ich Schmidt schätze, vielleicht wäre ein wenig mehr an weniger Öffentlichkeit doch am Ende mehr. So, daß man das »Außer Dienst« auch ernst nehmen, ja, vielleicht sogar glauben, könnte.
