»Wir haben noch nie in einen so tiefen Abgrund geschaut« — so »ein Banker« lt. Spiegel Online. Das ist ja mal ein Ding.
Da winseln sie nun um staatliche Stütze, die werten Bänker. Und das blöde daran ist, daß nichteinmal zwingend jene, die diesen Mist eingebrockt haben, ihn nun ausbaden müssen. Und neu sind die Probleme mit sich verzockenden Bankmanagern nicht. Nur die Summen, für die nun auch in Deutschland lautstark nach der schützenden öffentlichen Hand gerufen wird, die doch gefälligst bitte nun schnell mal die paar Milliarden Stütze locker machen soll, die werden immer abenteuerlicher.
Ich will hier eigentlich nicht den Lafontaine geben, aber: was genau an materiellen Gütern erhält die Bundesrepublik Deutschland im Austausch für die Bürgschaft? Warum übernimmt nicht dieser Staat anteilig soviel Bank, wie er sichern muß, um das fragile Gebilde der Phantasiegelder im internationalen Bankengewerbe nicht noch weiter zu belasten, als unvermeidbar es durch die Spekulanten in ihrer geplatzen Blase schon belastet ist?
Und welche Lehren werden gezogen, welche notwendigen Einschnitte wird man weltweit beschließen, damit »investoren« nicht wieder enttäuscht sein müssen?
Euro schmiert weiter ab
Der Euro hat am Montagmorgen erneut nachgegeben. Gegenüber dem US-Dollar näherte sich die Gemeinschaftswährung der Marke von 1,36. Investoren seien enttäuscht, dass es in Europa nicht zu einem Rettungspaket für die Finanzbranche wie in den USA komme, sagten Händler.
Ich bin übrigens von den Investoren wie unfähigen Bänkern enttäuscht, aber das nur am Rande. Nun verstehe ich nicht wirklich, was »sie« da »auf dem Parkett« da treiben, Ein Artikel der Wirtschaftswoche bringt da für mich Erstaunliches zu Tage:
Leerverkäufer – an der Wall Street Shortseller genannt – stoßen Aktien ab, die sie sich zuvor geliehen haben, und kaufen sie später möglichst billig an der Börse zurück, bezahlen mit den günstiger erworbenen Papieren ihre Aktienschuld und kassieren den Rest als Gewinn. „Man konnte mit Leerverkäufen eine Bank kaputt schießen“, sagt Franz Waas, Chef der DekaBank in Frankfurt. „Das musste unbedingt gestoppt werden.“
Hmm, wie muß Klein Fritzchen sich das in der realen Welt wohl vorstellen? Er leiht sich ein Auto bei [insert-AviSixHerz-here] und verkauft dies beim Barankäufer um die Ecke. Abends ist dies Auto dort nur noch für 90% der Summe erhältlich, die er kassiert hat und er kauft mit dem vorher vom Barankäufer erhaltenen Geld die Karre zurück, gibt sie abends beim Vermieter ab, zahlt den Mietpreis und freut sich über rd. 5% Nettogewinn — so in etwa läuft das doch ab, oder?
Nur: in der feststofflichen Welt geht das nicht. Ein vermietetes Auto kann man (zumindest in Deutschland) nicht legal von einem Dritten erwerben, eine vermietete Wohnung schon mal gar nicht; mal ganz davon abgesehen, daß ein gebrauchtes Gut von jedem halbwegs das dritte Schuljahr überstanden habenden Menschen für weniger eingekauft werden dürfte als das, was der unterste wahrscheinlich erzielbare Verkaufspreis sein soll. Wenn ich mir nun ausmale, was man, genügend liquide Mittel vorausgesetzt – die bekommt man ja ggf. aber auf Pump – mit diesem reinen Wettgeschäft an Schindluder treiben kann – zumal Aktienkurse, so habe ich das jedenfalls mal gelernt, sich an Angebot und Nachfrage am Markt orientieren –, so muß eine Lehre aus der »Bankenkrise« doch sein, daß man derlei Spekulationen wetweit untersagt, oder?
Ein anderer WiWo-Artikel macht mir aber ob der enthaltenen Zahlen Angst:
Und wie sieht es im Kern der Krise – am US-Immobilenmarkt – aus? 14.000 Milliarden Dollar machen die Hypothekenkredite der privaten US-Haushalte aus. Nach offiziellen Daten zum 30. Juni sind mehr als zehn Prozent der Kreditnehmer in Verzug oder bereits in der Zwangsversteigerung.
14.000.000.000.000.000 Dollars, davon 10% – eine Null weg –, das sind noch immer 1.400 Milliarden oder 1,4 Billionen Dollars, wenn ich mich nicht mit den Vorkommastellen jetzt vertue … R-e-s-p-e-k-t.
Leicht absehbar also, dass selbst 700 Milliarden Dollar nicht reichen würden, um die halbtote Finanzwelt wieder lebendig zu machen. Um die Banken wenigstens von der Intensivstation wegzubekommen, werden weitere Infusionen notwendig sein. Und bis der Patient geheilt sein wird, werden ihm auch danach noch langjährige Kuren verschrieben werden müssen.
Und wieder will ich dem geflüchteten Ex-Bundesminister nicht das Wort reden, aber, mal ernsthaft: wer hat denn da was kontrolliert/reguliert?
