Leerverkaufsshopsysteme

Offensichtlich wird auch im Einzelhandel mit immer härteren Bandagen gekämpft — nicht wirklich kundenfreundlich, aber damit muß man sich wohl abfinden.
Vorgeschichte: heute morgen zeigte die allmorgendlichen Shift-Reload-Aktion zwecks Findung eines lieferbaren LCD-TVs (ich habe mich nach längerer Suche auf den 42LG7000 oder 47LG7000 eingeschossen, um die 76er 100hz-16:9-Rohre auf’s Altenteil schicken zu können) ein neues Angebot an.
Auf die Lieferbarkeit lege ich Wert, da einerseits Geräte in dieser Größe üblicherweise per Spedition verschickt werden (die dann nur montags bis freitags auch ausliefert) und andererseits ich nicht unendlich auf das Gerät warten will; nicht zuletzt könnte der Händler in der Wartezeit ja insolvent werden und mit – auch meinen – Steuergeldern werden ja nur unfähige Manager gefallschirmt, Privatleute hingegen, die bei insolvent gewordenen Händlern konjunkturwirksam werden wollten, tauchen nicht auf dem Berliner Radar auf.
Gut. Also schaute ich freudig nach, denn sowohl der Preis aus auch die weiteren Konditionen (recht günstiger Versand, verglichen mit bis zu 80 EUR bei anderen Anbietern; Bezahlung ber Kreditkarte – und damit relativ sicher, schnell und komfortabel – möglich) paßten.
Ware in den Warenkorb gelegt, angemeldet – als wiederkehrender Kunde benötigte das ja nur einen Klick –, Konditionen durchgelesen, zwischenzeitlich anderen Verpflichtungen nachgekommen. Bei Wiederaufnahme des Bestellvorganges freudig überascht gewesen, daß die Session nicht, wie bei vielen anderen Shopsystem schon nach teils exorbitant kurzer Zeit, verfallen war. Zahlungsweise ausgewählt, final auf »bestellen« geklickt — und Aus die Maus: »Dieses Produkt ist nicht mehr vorrätig. Sie müssen es vom Warenkorb entfernen.«
Danke, Anke Otto!
Vielleicht ist dies in weniger zivilisierten Gegenden als OWL ja an der Tagesordnung, aber selbst während meiner Zeit in Hamburg oder Würzburg – wobei ich denen natürlich keinen geringeren Zivilisationlevel als OWL andichten will; man nehme das als rethorische Wendung ohne geografischen Hintergedanken

¹

– ist es mir nie passiert, daß ein anderer Kunde von mir in meinen Einkaufswagen gelegte Ware an sich nahm und damit zur Kasse sprintete. Ich denke daher, niemand kann es mir verdenken, daß mir ganz spontan das unschöne Wort vom Lockvogelangebot einfiel; ein solches Verhalten empfinde ich als zutiefst kundenunfreundlich.
Ja, der gesamte Vorgang zog sich über eine Stunde hin, vom in-den-Warenkorb-legen über das Anmelden für den Bestellvorgang über die Prüfung der Konditionen und zwei Käffchen beim lokalen Kaffee-Dealer bis zur Auswahl der Bezahlform. Aber in all der Zeit war das Gerät virtuell in meinem Einkaufswagen, das Shopsystem hat die Session nicht invalidiert in der ganzen Zeit. Hat der Otto-nahe Shop discount24 derlei wirklich nötig? Gibt es keine Mindestmenge für angebotene Waren in einem (Online-) Shop?
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¹ Sorry für den Disclaimer, aber man sollte ja vorsichtig sein mit Aussagen über Land und Leute ;)

»Familienministerin setzt Internet-Filter durch«

Das ist doch mal eine Aussage:

Deutsche Serviceprovider werden “noch in dieser Legislaturperiode” damit beginnen, Internet-Adressen mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren. […]
“Ich habe mich”, sagte Familienministerin Ursula von der Leyen in Berlin, “mit meinen Kollegen Wolfgang Schäuble und Michael Glos geeinigt.” […] “Noch in dieser Legislaturperiode” werde ein Filtersystem durch die deutschen Serviceprovider (ISPs) umgesetzt, das künftig den Zugriff auf solche Seiten und Angebote verhindern soll.

 
Bevor ich über die technische Umsetzung phoilosophiere, erst noch ein spannendes Detail, wieder berichtet von Spiegel Online:

Berlin – Irgendwann im Laufe der Pressekonferenz im Familienministerium werden die Fernsehteams gebeten, ihre Kameras abzuschalten. Man werde nun, erklärt Pressesprecherin Iris Bethge, Material zeigen, das man nicht weiterverbreiten dürfe. […] Dann ruft Bjørn-Erik Ludvigsen von der norwegischen Kriminalpolizei einen Internet-Browser auf und zeigt ein paar Webseiten – live. Die erste ist beunruhigend: Nackte Kinder posieren da für die Kamera, in Hochglanzoptik. […] Dann öffnet der Polizist weitere Seiten – und die ersten Journalisten im Saal wenden gequält den Blick ab. Obwohl die Vorschaubildchen auf den Banner-Seiten und Startbildschirmen klein sind und der Beamer nicht allzu stark, ist deutlich zu erkennen, dass hier Kinder beim Sex mit Erwachsenen zu sehen sind. […]

 
Es wurde dem Bericht nach also in Deutschland verbotenes (kinderpornografisches) Material im Beisein der Bundesfamiliienministerin von einem norwegischen Polizisten deutschen Journalisten zugänglich gemacht? Starker Tobak, wie ich finde — die dürfen das? Und tut das Not? Darf eine Zeitung einen Passanten live überfahren (lassen), um einem Leser zu zeigen, wie grausig das ist? Schade, daß augenscheinlich kein Anwalt geladen war …
In jenem Spiegel-Online-Artikel wird auch über die Technologie berichtet, die angeblich in Deutschland zu Einsatz kommen soll:

Hybrid-Filter
Prinzip: Dieses System kombiniert Filter auf IP- und URL-Ebene. Ein verdächtiger IP-Bereich ist vorab definiert. Erst wenn Nutzer Daten aus diesem Adressbereich abrufen, läuft die aufwendige Analyse des Datenverkehrs an. Sie durchsucht die Anfragen auf blockierte URLs. Folge: Der Rechenaufwand ist geringer als bei der Sperre auf URL-Ebene, die Kollateralschäden nicht so groß wie bei der Blockade von IP-Adressen.
Probleme: Das Verfahren ist recht aufwendig, außerdem könnte die Detailanalyse des Datenverkehrs deutschen Datenschutz-Grundsätzen widersprechen. Ein vergleichbares System soll in Deutschland nun aber installiert werden – die beteiligten Ministerien sind sicher, alle juristischen Probleme ausräumen zu können.

 
Naja, in gut einem Monat werden wir sicherlich mehr wissen, denn »bis Anfang März soll eine “verbindliche Abmachung” mit allen großen deutschen Internetprovidern stehen« — anders als bei der rechtlich fragwürdigen Vorratsdatenspeicherung wird das für die Provider auch eine relativ billige Lösung:

Ernsthafter Widerstand gegen von der Leyens Initiative ist trotz dieser Fragen nicht mehr zu erwarten – nachdem man die Provider offenbar überzeugt hat und sich die Kosten nach Aussage der Ministerin in Grenzen halten werden (sie spricht von Investitionen um die 40.000 Euro).

 
Schnäppchen. Immerhin sollte darüber seine Umgehung durch andere Nameserver nicht so einfach möglich sein — anders als bei der Flop-Aktion seinerzeit aus Dueseldorf.
Wie auch die amtierende Bundesfamilienministerin, so möchte auch ich mich nicht auf Nebenkriegsdiskussionen einlassen; während sie ihr »Thema nicht verwässern« will, stehe zum Ansatz »wehret den Anfängen« — ist die Technologie zur Einschräkung des unbeschränkten Internetzugriffs erst einmal installiert, wird wieder eine Folgeregierung wieder Nägel mit Köpfen machen und ggf. erst auf den Spruch des höchsten deutschen Gerichts hin ablassen. Darum, denk’ ich an Deutschland in der Nacht …

Kritische Infrastruktur

Gut, ich weiß natürlich, daß traceroutes nicht prinzipiell eine Ferndiagnose erlauben. Aber ich denke schon, daß fehlende Antworten von twitpic.com bei diesen tcptraceroute-Werten auf schlichte Überlastung hindeuten:

Tracing the path to twitpic.com (67.210.227.170) on TCP port 80 (http), 30 hops max
[...]
16 cr2-pos-0-0-3-0.londonuk1.savvis.net (204.70.192.9) 22.646 ms 22.596 ms 21.848 ms
17 dcr1.sfo-so-4-0-0.sanfranciscosfo.savvis.net (204.70.194.45) 133.801 ms 130.507 ms *
[...]
21 unknown.xeex.net (216.152.253.6) 127.920 ms 140.237 ms 152.508 ms
22 67.210.231.38 161.532 ms 134.918 ms 134.731 ms
23 67.210.227.170 623.828 ms 613.592 ms 579.267 ms
24 * 67.210.227.170 [open] 415.652 ms 346.856 ms

Dabei wollte ich eigentlich nur das Bild vom treibenden Airbus zum Tweet sehen:

http://twitpic.com/135xa – There’s a plane in the Hudson. I’m on the ferry going to pick up the people. Crazy.

about 2 hours ago from TwitPic

 
Immerhin, twitter selbst scheint unbeschwert zu funktionieren …

Bandbreitenkonjunktur

Mich läßt das breitbandige Konjunkturpaket nicht ganz los – dabei ist die 50-MBit/sec-Vorgabe schon über einen Monat alt –; heute hat dann auch Golem.de das Thema am Wickel. Noch einmal zur Rekapitulation, die Eckpunkte des Konjunkturpaketes II bezüglich Breitbandausbau:

  • fächendeckende Versorgung
  • mit mindestens 50 MBit/sec
  • bis 2018

Da geht einem doch das Herz auf. Und die Altmetallsammler werden sich schon mal die Hände reiben — all das Kupfer, was nun durch Glas ersetzt werden muß …
Denn 50 MBit/sec, die laufen ja nicht frei auf der Straße rum. Die gibt’s auch nicht mal eben schnell, dafür sind richtig fette Maßnahmen notwendig. Nämlich kurze Kupferstrecken; so unter 500 Metern sollte sich die gesamte Kupferdoppeladerstrecke bewegen, sonst wird das nichts mit 50 MBit/sec — bei heutiger Technik, aber es sind ja auch noch 10 Jahre Zeit …
Unverständlich in dem Zusammenhang sind mir zwei Punkte:

  • Warum trommeln die Lobbyisten schon wieder für Rundfunkfrequenzen aus der digitalen Dividende?
  • Der Staat besaß die Infrastruktur schon einmai (Deutsche Bundespost), wie sollen die Investitionen getätigt werden, soll die Bundesnetzagentur selbst Netzbetreiber werden?

Zum ersten Punkt, den Funkfrequenzen, möchte ich nur zwei Zitate aus dem Golem-Artikel bringen:

Dazu müssten aber freigewordene Rundfunkfrequenzen für die Breitbandnutzung freigegeben werden. “Wenn die politischen Weichen gestellt sind und die Bundesnetzagentur Wort hält, kann schon im Herbst dieses Jahres mit dem Vergabeverfahren begonnen werden”, sagte der VATM-Geschäftsführer [Jürgen Grützner].

 

Die Bundesregierung will eine flächendeckende Versorgung mit 50 MBit/s pro Kunde bis zum Jahr 2018 erreichen. Dies kann nach Ansicht des VATM nur über direkte Glasfaseranschlüsse möglich sein.

 
Mit anderen Worten: der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, VATM, pocht schon mal auf Funkfrequenzen – ob sich damit überhaupt sinnvoll Internetzugänge realisieren lassen, sollen Pilotversuche im laufenden Jahr erst zeigen.
Man beachte, daß beim Pilotversuch von E-Plus »nur« stinknormales HSPA mit 7,2 MBit/sec Zellengeschwindigkeit zum Einsatz kommt — diese Bandbreite müssen sich die 50 »ausgewählten Familien und Betriebe« teilen. (Daß rechnerisch dann nur noch 0,144 MBit/sec pro Teilnehmer übrig bleiben – Worst-case-Rechnung – und daß im Radius von 20 km um den Sendestandort nicht zwingend jeder mit vollem Durchsatz wird rechnen können — Details.) T-Mobile hingegen setzt die schon länger – auf den regulären Frequenzen – von Airdata benutzte Technik UMTS-TDD ein; lt. einer Pressemitteilung aus 2005 sind bei T-Mobile Czech Republic »Sektorengeschwindigkeiten von bis zu 4,5 Mbps zu erreichen (die durchschnittliche Anwender-Erfahrung liegt bei 512 Kbps)« — auch das klingt mehr nach Breitband in der gültigen Definition des Bundeswirtschaftsministeriums denn nach einer richtig Multimegabit-Anbindung.
Nach dem Klarstellen des Anspruchs auf Frequenzen aus der digitalen Dividende stellt der Verband dann aber selbst klar, daß das vorgegebene Ziel, sprich besagte 50 MBit/sec als Basiszugang, über Funk gar nicht realisierbar ist … Mithin ist diese Diskussion als abgechlossen zu betrachten; das politische Ziel ist via Funk nicht erreichbar, also bedarf es auch keiner Vergabe von Funkfrequenzen. Danke, VATM, für diese Klarstellung.
BTW: Warum müssen eigentlich es Mobilfunkbetreiber sein, die die Internetinfrastruktur auf Basis von HSPA über Rundfunkfrequenzen in der Fläche aufbauen? Derlei impliziert Carsten Ahrens, Geschäftsführer von Ericsson in Deutschland jedenfalls:

“Dieses Projekt ist also kein Labortest, sondern baut auf kommerziell verfügbarer Technik auf und könnte sofort in Deutschland in der Praxis zum Einsatz kommen, wenn die notwendigen Frequenzen hierzu für die Mobilfunknetzbetreiber verfügbar gemacht werden.”

 
Tja, das Konjunkturpaket II ist noch nicht mal abschließend parlamentarisch besprochen, da wird das Fell des Bären schon verteilt …
Und wo wir grade über Funk sprechen: was wurde eigentlich aus dem Bandbreiten-Reichweiten-Wunder WiMAX? Frequenzen wurden zugeteilt, aber der große Durchbruch ist medial nicht spürbar. Dabei sollte, technisch, WiMAX bis zu 50 km Reichweite bieten – ist das nicht ideal für ländliche Gegenden?
Aber zum zweiten Punkt: wie solle diese Herkulesaufgabe, unterfüttert mit Steuermilliarden – »“Investitionen im hohen zweistelligen Milliardenbereich in Fest- und Funknetze sind in den nächsten Jahren erforderlich, […]”« –, geschultert werden?
Damals, als das Fernmeldemonopol noch in staatlicher Hand lag, war alles einfach: die Bundespost verbuddelte, einem großen Plan folgend, Kupfer, Glas oder Koax-Kabel, die Bürger wurden angeschlossen. Telefon gab’s auch auf der letzten Almhütte, wenn es jemand dorthin bestellte. Telekommunikationsinfrastruktur, das war Infrastruktur und damit Aufgabe des Staates.
Und heute? Wie soll das funktionieren mit 50 MBit/sec-Zugängen flächenmdeckend im Wettbewerb? Schon beim Prototypen eines solchen Ausbaus, der sahnehäubchenartigen VDSL-Ausbau, gab’s Zank und Streit, Kunden, die heute nicht in netcologne-City Köln leben und einen DSL-Zugang mit mehr als 16 MBit/sec wünschen, haben die Wahl zwischen T-Home und … Verzicht. Eigentlich schlimmer noch, sie werden zwangsweise mit T-Entertain versorgt, kostenpflichtig, versteht sich.
Einen VDSL-Zugang über 1&1? Geht nicht, gibt’s nicht. Und es macht auch kaum Sinn, daß jetzt in Summe vier, fünf Anbieter hingehen und quer durch die Republik alle 500 Meter eigene Outdoor-DSLAMs setzen — also entlang *jeder* Straße *jede* 500 Meter vier, fünf solcher hübschen grauen Doppel-/Dreifachkästen. Ich meine, man sollte den Begriff des »Information Superhighway« – »Bundesdatenautobahn« ist glaube ich ein geschützter Begriff – ernster nehmen; Straßen baut auch nicht jeder nach Gusto und im Dutzend billiger. Daß seinerzeit – aus meiner Sicht – der Fehler gemacht wurde und das Teilnehmeranschlußnetz – die heilige Kupferdoppelader in die Wohnungen – bei der Telekom gelassen wurde, wirkt heute noch nach. Ich meine aber, daß Deutschland bei der Telekommunikation einen Schritt zurück machen und das Teilnehmeranschlußnetz der Telekom entreißen muß — oder zumindest andere Rahmenbedingungen schaffen, denn, siehe VDSL-Streit, derzeit skaliert das Modell nicht.

Lotto, online?

Hmm. Wie ist jetzt eigentlich der Status?

15 Millionen Euro im Jackpot. Leider geht online Lottospielen nicht mehr, weil der neue Staatsvertrag Glücksspiele im Internet verbietet. Aus Suchtpräventionsgründen.

 
Komisch:

Date: Tue, 13 Jan 2009 03:37:28 +0000 (UTC)
From: support@westlotto.de

[…] vielen Dank fuer Ihre Teilnahme ueber www.westlotto.de. Ihr Spielauftrag wurde von uns erfolgreich an die Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG uebermittelt.
Der Spielschein wurde wie von Ihnen gewuenscht im Rahmen Ihres Jackpot-Abonnements von uns abgegeben. […]

 
Da ich 2008 keine Lust hatte, mich bei einem Dritten in Norddeutschland zu registrieren, um weiter online bei www.westlotto.de mitzuspielen. läuft nur noch dieses vorher abgeschlossene Abo; ich fürchte, ohne Registrierung als Spieler geht auch eine Deaktivierung nicht mehr — wobei, eigentlich dürfte es obiges auch nicht mehr geben?
Naja. Strenggenommen ist’s ja nicht online (ich habe ja nichts aktuell getriggert) und nur diskutativ im Internet (seit wann ist eMail das Internet?) …

Fibrerepublik Deutschland

Surfer, frohlocked!
In einem Wahnsinnsstunt hat die Koalition der Herzen in der Nacht allen Sachverstand über Bord geworfen und das sicherlich schon tagelang herbeigesehnte Konjunkturpaket II geschnürt.
Ich denke, ich werde mir dann 2009 mal ein anderes Auto zulegen, denn beide sind älter als 9 Jahre:

Laut Kauder soll es zudem für jedes 2009 zugelassene Auto einen Zuschuss von 2500 Euro geben, wenn ein Altauto verschrottet wird.

Quelle: Der Westen

 
Vielleicht ist sogar verschrotten gar nicht notwendig:

Neuwagenkauf
Neuwagenkäufer erhalten 2009 eine sogenannte “Umweltprämie” von 2500 Euro, wenn sie einen mindestens neun Jahre alten Wagen abmelden.

 
Aber das sind ja Details am Rande; ob ich nun einen Neuwagen kaufen muß und dafür einen alten »Stinker« (mit grüner Feinstaubplakette — Vorsicht, nicht die Sinnfrage stellen!) nur abmelden oder einfach nur ein Auto auf meinen Namen anmelden und die alte Kiste dafür verschrotten — na, das wird man sicherlich noch in 2009 final ausdekliniert haben. Sofern denn die FDP nicht eh’ alles blockiert.
Krönung der wahltaktischen Floskelflut ist aber aus meiner Sicht das angebliche Ziel bezüglich der »Breitbandversorgung«. Schreibt heise online:

Bis spätestens Ende 2010 sollen bislang nicht versorgte Gebiete leistungsfähige Internet-Anschlüsse erhalten, […]. Bis 2014 sollen dann drei Viertel aller Haushalte mit mindestens 50 MBit/s surfen können, 2018 sollen schließlich alle Deutschen mit dieser Bandbreite ins Internet gehen können.

 
Etwas detailierter steht dazu etwas bei onlinekosten.de:

In seiner ersten Fassung sieht der Plan der Bundesregierung eine flächendeckende Breitbandversorgung für alle Haushalte Deutschlands bis 2010 vor – wobei eine genaue Definition von “Breitband” weiterhin offen ist.

 
Man beachte, das bislang schon 129 kBit/sec »breitbandig« im Sinne der Regierenden war; »leistungsfähig« würde ich heute ab 2 Mbit/sec down bei 0,5 MBit/sec up ansetzen, Tendenz klar steigend.
Wobei, die Definition, wo »Breitband« anfängt, ist ab heute müßig, denn das Regierungsziel nennt neben Versorgungsgrad und Zeithorizont eben auch die Bandbreite: mit nicht unter 50 MBit/sec hat man die Meßlatte mal so richtig in Richtung ISS verschoben. Jetzt frage ich mich nur, ob dieser vermeintliche Mut dieser Regierung nicht einfach der Tatsache geschuldet ist, daß genau diese Regierung das Versprechen der flächendeckenden Verfügbarkeit von Internetzugängen mit mindestens 50 MBit/sec für jeden Bundesbürger ab 2018 schlicht nie wird einlösen müssen?

Redmonds Alleingänge

Das war ja irgendwie klar. Nach der Neuerfindung von Adobe Flash in Form von »Silverlight« hat Microsoft nun den Tagging-Markt im Visier und schickt sich an, mit einem Farbcode neue Maßstäbe zu setzen.
Naja, jedenfalls vermute ich das; als Nicht-Windows-User bleiben mir die Microsoft-Seiten einmal mehr verwehrt, denn … ich habe (oder, treffender, »es gibt«?) kein Linux-Plugin für Microsofts neuste HTML-Hüllen.
Danke, MS. Geh’ doch bitte langsam – ohne Schutzschirm – endlich auch sterben, ja? Dann hätte die Rezession ja doch was Gutes …

Von wegen »don't be evil«.

Wie unter anderem Golem.de berichtet, ist zumindest das amerikanische G1-Modell nichts für Normalverdiener auf Reisen:

Verborgene Automatikfunktionen machen das erste Android-Mobiltelefon schnell zu einer unberechenbaren Kostenfalle. […] Denn ganz gleich, was der Nutzer einstellt: T-Mobiles G1 baut immer wieder Datenverbindungen ins Internet auf. Dadurch entstehen bei einem Auslandsaufenthalt aufgrund der Roaminggebühren besonders hohe Kosten für die mobile Datennutzung.
Ein T-Mobile-Mitarbeiter hat dem Kunden bestätigt, dass das G1 keine Option bietet, derartige Internetverbindungen zu verhindern. Dem Kunden wurde empfohlen, das G1 auf Auslandsreisen zu Hause zu lassen, wenn er diese Kosten nicht tragen wolle. Eine andere Lösung gebe es nicht.
[…] Das australische Magazin APC fand heraus, dass ein aus den USA stammendes G1 beständig Kurzmitteilungen versendet, wenn es mit einer SIM-Karte eines Netzbetreibers außerhalb der USA betrieben wird. Das Mobiltelefon sendet munter Kurzmitteilungen an eine US-Rufnummer von T-Mobile, […]
Nach den Erkenntnissen von APC ist die von T-Mobile auf dem G1 installierte MyFaves-Applikation für den ungewollten SMS-Versand verantwortlich. In MyFaves kann dies nicht deaktiviert werden und es ist auch nicht ohne weiteres möglich, MyFaves einfach zu deinstallieren. […]

 
Wenn man sich jetzt erinnert, daß Google mit die treibende Kraft hinter der Android-Geschichte ist und Google immer wieder mit dem Slogan »don’t be evil« in Zusammenhang gebracht wird, dann wird klar, daß Android nicht wirklich eine Alternative zum vernagelten iPhone und der unheiligen Allianz T-Mobile-Apple (in Deutschland) ist. Es ist nur eine andere Seite des selben Problems: Netzbetreiber wollen keine offenen Systeme, sie könnten dadurch Opfer von Innovationen werden, die ihre Abzocke üppigen Margen bei technologischen Abfalldiensten wie z. B. SMS gefährdeten. Siehe die lustigen Dienstausschlüsse bei insbesondere den Marktführern in D, T-Mobile und Vodafone — kein Chat, kein Sprachdienst-über-IP, …
Krass – mir fällt wirklich kein anderes Wording hierfür ein – finde ich allerdings die kolportiere Aussage von T-Mobile USA:

Dem Kunden wurde empfohlen, das G1 auf Auslandsreisen zu Hause zu lassen, wenn er diese Kosten nicht tragen wolle.

 
Beim US-amerikanischen Rechtssystem würde mich ja brennend interessieren, ob auch mindestens in DIN-A3-äquivalenter Größe beim Verkauf des G1 auf das Detail »nur im Inland zu nutzen, sonst droht Ihnen der Bankrott durch das T-Mobile-Branding« hingewiesen wird?
G1 — mindestens in den USA »more than evil«.

Die späten 70er kommen wieder

Vielleicht habe ich seinerzeit als Krabbelkind zuviel Plüsch eingeatmet — diese Retrowelle in der Möbelindustrie mit Anleihen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren geht meines Erachtens jedenfalls gar nicht.
Schwarz, weiß, geometrische – statt ergonomische – Griffe — all das war doch schon mal da? Und zwar vor so, relativ gesprochen, kurzer Zeit, daß zumindest ich mich noch erinnern kann. An ein schwarzes, geschmiedetes, Wohnzimmertischgestell mit einer riesigen Glasplatte drauf, plüschige Teppiche — nur der Wohnzimmerschrank war nicht, wie im Bild (sorry für die schlechte Qualität, die Kamera im E71 ist leider Crap³) schwarz, sondern mehr so Richtung Buchenfunier (nachgedunkelt durch ein, zwei Lagen Nikotin).
*Brrrr* Dann wird’s wohl doch eine Eigenkreation mit BILLY/BENNO bzw. EFFEKTIV/LACK, zumal ich eigentlich nicht den Gegenwert von zwei bis drei 42″-LCDs noch mal in die für jenen notwendigen neuen Wohnzimmermöbel stecken wollte …