… Ehssan Darianis ist ein »Essay: Vom “Völkischer Beobachter” und dem Versagen der Deutschen in Umgang mit ihrer Vergangenheit, ihrer Identität und folglich mit der Integration«.
Kurze Replik, in der Blogosphäre wird der Eintrag sicherlich noch gewürdigt werden:
Lt. Essay sieht Ehssan Dariani sich als »Europäer und Kosmopolit«, so »zumindest die sog. “Innen-Definition” meinerselbst«. Über »die “Aussen-Definition”« habe er keine Kontrolle; seiner Ansicht nach sei er darin für die meisten »Deutschen: ein Iraner, Ausländer oder gar Kanacke – oder jemand dem man seine Eltern nicht am liebsten als Freund präsentieren möchte«.
Armer »Dummer Junge«; klingt ein bißchen nach »ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert«, oder?
Dariani sieht sich »einer Art der “Lynch-Justiz durch den Mob” (J. Lanier)« ausgesetzt, »sei es durch Beleidigungen, falsche Behauptungen in Blogs oder durch einen ausländischen Wikipedia-Beitrag«, der ihn in »die Nazi-Ecke« verortete.
Den »Kampf gegen Faschos«, so Dariani, müsse man durch »Verspottung, nicht durch Dämonisierung« führen, wozu er dann seine Registration einschlägiger Domainnamen zählt:
Verspottung (Satire) bedeutet, dass man Filme dreht wie den von Daniel Levy mit Helge Schneider in der Rolle von Adolf Hitler. Verspottung heisst sich den Sinn und der Wirkung der Beiträge des TITANIC-Magazins bewusst zu werden.
Es heisst aber auch sich die Domains voelkischer-beobachter.de, voelkischerbeobachter.de und voelkischer-beobachter.com zu sichern, wie ich es vor Jahren tat, um zu verhindern, dass sie von Faschos reserviert werden.
Endlich kommt er dann zum Thema, zur Erklärung zu der »Parodie auf den Völkischen Beobachter«, die aktuell die Verbindung zu Parship vergessen macht: »erfreut« üder den Erfolg des Unternehmens und da er »zufällig im Juli Geburtstag habe«, wäre das »internationale Team […] über den Einfall erfreut [gewesen], eine Party-Einladung über die Seite voelkischer-beobachter.de an unsere Freunde und Gesellschafter zu senden«. Die »Parodie« stamme von nicht näher bezeichneten »ausländischen Praktikanten« und sei »auf dem ersten Blick als solcher zu erkennen«.
Den Link zu dieser Einladung sendete ich/wir an alle Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Gesellschafter.
Alle Empfänger, darunter auch »mehrere Deutsche und Ausländer jüdischer Abstammung«, hätten die Botschaft und den »Sinn verstanden«; nur wegen potentieller Mißverständnisse habe man die Seite nach »1-2« Tagen wieder »offline genommen bzw. auf die TITANIC-Seite weitergeleitet«.
Ehssan Dariani ergeht sich dann darin, daß »gegen jeden Anstand und Respekt« diese »privat einzustufende« Einladung nun doch noch, stückweise, an die Öffentlichkeit gezerrt wird. Ehssan weiter:
Ich hätte nichts dagegen diese Einladung zu veröffentlichen, da sie in bester Absicht entstand und nichts zu verbergen da ist. Ich sträube mich allerdings dies zu tun, da es sich um eine PRIVATE Einladung handelt und diese private Angelegenheit nicht Gegenstand der Öffentlichkeit sein darf, […]
Es geht weiter mit dem, für mich nicht nachvollziehbaren, Hinweis, daß »Blogger, die sich bislang besonders über diese Einladung echauffierten, den Delikt begehen die private Post anderer und noch dazu aus zweifelhafter Quelle zu besitzen und weiterzureichen«. Der Vorwurf des Bruchs der Vertraulichkeit einer Kommunikation wiegt schwer; belegt wird er nicht.
In schönster FUD-Taktik wird dann doch noch die Authentizität dessen, was publiziert wird, in Frage gestellt:
Mitunter scheinen auch MANIPULIERTE Versionen des Screenshots in Umlauf gebracht worden zu sein,
Man beachte die bemüht unangreifbare Formulierung: »Scheinen«.
Widersprüchlich bleibt es weiterhin, wenn jeglicher Hauch von Anrüchigkeit durch den Hinweis auf die »Einladung im Namen eines internationalen und teils jüdischen Teams an (wiederum internationale und jüdische) Freunde und Mitarbeiter zu einer offenen Party« zu verscheuchen gesucht, gleichzeitig wird sich darüber echauffiert, daß versucht werde, »aus einer privaten Angelegenheit« etwas zu machen, was angeblich gar nicht da sei.
An spätestens dieser Stelle ist der Hinweis auf das Studivz-Logo im »Kampfblatt der Vernetzungsbewegung Europas« angezeigt. Wie »privat« ist eine Einladung zú einer »offenen« Party auf einer öffentlichen Website (von einen Passwortschutz war bislang nicht die Rede; wenn es an einen kleinen Kreis Erlauchter nur ging, wäre das zu erwarten gewesen), die von der deutschen Niederlassung eines britischen Unternehmens ausgerichtet wurde?
Schlußendlich bedarf auch der Abschluß des Verteidigungsversuches der Kommentierung: es geht nicht darum, daß der »“Völkische Beobachter” […] 61 Jahre nach Stilllegung, eine immer noch vielen Deutschen “Ehrfurcht einflössende” Institution« sei; diese These würde ich im übrigen bestreiten.
Es geht um die Frage, ob es für einen Unternehmensgründer, der in Interviews davon redet,»dass die Leute das Machtergreifen üben« müßten, schicklich ist, sich, lt. heise online im Stile Adolf Hitlers auf einer öffentlichen Website anläßlich seines Geburtstages und des Erfolges seines Unternehmens über die Domain voelkischer-beobachter.de feiern zu lassen. Daß diese Umgestaltung von einem »ausländischen Praktikanten« erstellt worden sei, ändert meines Erachtens nichts an der Geschmacklosigkeit. Derlei wissent- und willentlich ins Netz zu stellen halte ich nach wie vor für problematisch — unabhängig von der Intention. Der abschließende Hinweis auf vermutete »(Parallelen zum Karikaturenstreit?)« ist in meinen Augen nur eine weitere Nebelkerze, von dieser, nochmals als Satire verteidigten, unwürdigen Affäre abzulenken.