»Sicherheitsbedenken unbegründet« oder doch »Datengau« bei Studivz?

Don Alphonso serviert derzeit an seiner blogbar Direktlinks ins Image-Grab der Studivz, die Meute ist sich uneins, ob das Enthüllung oder Olle Kamellen sind. Derweil blogt der frischgebackene Datenschutzbeauftragte der Studivz darüber, daß »die Suche nach einem beliebigen Code, wie beispielsweise Ev4M21/Z3uP7KA-5819, der Zahlen und Buchstaben enthält, viele Millionen Jahre benötigen« würde. »Die Kombination des von [Studivz] verwendeten Codes ist bedeutend komplexer als die Kombination aus PIN und TAN beim Online Banking« — sicher ist eben sicher.
Gut, daß man, wenn man »…/Ev4M21/« schon kennt (Existenz eines solchen Albums durch Veröffentlichung z. B. bekannt geworden oder durch Leute, die es sehen dürfen, bekannt gemacht), nur noch »Z3uP7KA-5819« erraten muß und ferner, wie Don vorführt, bei in kurzer zeitlicher Abfolge hochgeladenen Bildern sich nur 3 Zeichen vorne sowie der Teil hinterm Bindestrich ändern, naja. In Kombination mit der nicht übermäßigen Webserverperformance kann man das derzeit wohl als »sicher« in dem Sinne bezeichnen, daß praktisch jede Bruteforce-Attacke zu lange dauert. Blöd wird’s nur, falls das lange versprochene »studiVZ – on SpeeeeED!« tatsächlich noch mal kommt.
Man kann nur hoffen, daß der »bedeutend komplexere« Code für’s Verstecken der Bilder vor neugierigen Direktzugriffen korrekter ist als der, der die Mitglieder in Gruppen aufzählt. Denn bei meinen Streifzügen durch Studivz sind mir mehrfach die Nutzerzähler ausgetickt, siehe Bild oben. Für 31 Mitglieder einer Gruppe braucht man keine 162 Seiten mit je 12 Bildern — falls doch, muß mein bc(1) kaputt sein.
Personalie am Rande, damit’s nicht untergeht: Ehssan Dariani, kürzlich noch als CEO im JobTV, weilt im wohlverdienten Gründerurlaub.
So zumindest deutet Don an und bestätigt auf Nachfrage das in die Welt gesetzte Gerücht:

Soweit ich aus gewöhnlich gut unterrichteten Quellen weiss, sollen ihm die Gesellschafter Ende letzter Woche gesagt haben, dass es so nicht weitergeht, und er solle mal ne Pause machen nach dem Jahr. Es gab Mitte letzter Woche noch ein paar Rettungsversuche […], und irgendwann war wohl allen Beteiligten klar, dass es kein Spass mehr wird. Es kann gern mal einer in Berlin anrufen und nach ihm fragen. *g*

 
Gut, als Gründer wird er sicherlich noch erkleckliche Anteile halten, insofern wird er seine ehemaligen »25.000 Euro Schulden« (Netzzeitung) sicher abzahlen können, falls nicht schon geschehen, wenn die restlichen Gründer und Investoren den Briefkasten bis Jahresende zu Geld machen.
Sollte ihnen das nicht gelingen, könnten Aushilfsadmins¹ zum Jahresende, vielleicht, das Thema der Datensicherheit bei Studivz noch einmal völlig neu beleuchten — und ob jene auf Don Alphonso (»Das sind daten, da hängen Leben dran«) hören?
Wir werden es erfahren ;)
¹ Dank an YAMB.BETA² für den Hinweis auf den CCC.

Der Herr Dittes & Studivz

Ist dies noch eine Geschichte voller Mißverständnisse?
Ausnahmsweise bin ich da selbst drüber gestolpert — trotzdessen schlägt es schon Wellen in der Blogosphäre. Wie steht »Kollege Dittes« zu Studivz, gibt es da arbeitsrechtliche, finanzielle oder sonstige Verbindugen?
Was das Bild soll? Keine Ahnung. Kollege Dittes dementiert einstweilen. So ist das eben in Kleinbloggersdorf …
[B]Nachtrag, 2006-11-21: Nach Lesen des Dittes-Blogs und genauem Ansehen des Bildes, liege ich wohl falsch mit meiner Vermutung: »Und bevor jetzt die Frage kommt: NEIN, ich bin nicht Mitarbeiter der ganzen Networks, nur weil ich ein T-Shirt davon habe. Ich bin in keinem der social Networks angestellt und war es auch nie.«.
Ich habe mich von dem Studivz-Logo und dem gut nachgemachten Balken »Profilbild:« auf seinem Bild ins Bockhorn jagen lassen. Sauber aufgelaufen, Hrmpft. Aber gute Arbeit, sieht ziemlich echt aus ;)

Studiverzeichnis: Neue Fragen zur Finanzierung des VZ

Wie angekündigt noch ein Exkurs in Datensicherheits- und Finanzierungsthemen bei Studivz.
Warum ich auf Datenschutz und Finanzierung so rumreite? Weil mindestens Studivz bei weitem nicht so (daten-)sicher ist, wie die Betreiber gerne glauben machen wollen — siehe jüngstes Mißgeschick Ehssan Dariani betreffend, wo eine gelöschte Nachricht durchaus peinlichen Inhaltes (von Ehssan Dariani an Kolja Hebenstreits schwarzes Brett bei Studivz geheftet; Kolja ist seines Zeichens Freund und Mitinvestor bei Studivz) noch Stunden wenn nicht Tage nach der Löschung jedem Studivz-Nutzer angezeigt wurde.
Auch bleiben Fragen offen, wie die Beziehung von Studivz zu Parship nun wirklich aussieht, es gibt widersprüchliche öffentliche Aussagen dazu:

Studivz-Blog, 17.11.2006 Spiegel-Online, 15.11.2006
»Warum hat studiVZ in Rom, Paris und Barcelona die gleichen Anschriften wie Parship?
StudiVZ und die dazugehörigen internationalen Seiten haben ihren Sitz in Berlin. Für administrative Zwecke hielten wir es für sinnvoll, vor Ort eine Anschrift zu haben. Parship als befreundetes Unter- nehmen, mit dem wir über unseren Gesellschafter Holtzbrinck bekannt sind, hat uns gestattet, seine Postanschrift ohne Gegenleistung zu nutzen. Es bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen und natür- lich gab und gibt es nie einen Austausch von Daten. Um künftig Missverständnisse zu vermeiden, werden wir uns von diesen Anschriften in Kürze trennen.«
»SPIEGEL ONLINE: Könnte es nicht zu Irritationen führen, dass die Adressen der StudiVZ-Depen- dancen in Paris, Barcelona und Mailand mit denen der dortigen Filialen der Online-Partnerbörse Parship übereinstimmen? Manche Nutzer sind besorgt über die Sicherheit ihrer privaten Daten – ist da ein Austausch zu erwarten?
Ehssan Dariani: StudiVZ hat seinen Sitz in Berlin. Zu administrativen Zwecken brauchen wir für die internationalen Seiten vor Ort eine Anschrift. Parship hat uns als befreundetes Unternehmen, mit dem wir über unseren Gesellschaf- ter Holtzbrinck verbunden sind, pragmatischerweise gestattet, ihre Anschriften für StudiVZ zu verwenden. Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen geschweige denn irgendein Austausch von Daten.«

Wir merken uns, am 15.11. im Interview mit Spiegel-Online hieß es noch, die Adressen seien notwendig, im eigenen Blog heißt es nur zwei Tage später, man dachte, man bräuchte Briefkästen im Ausland, werde sich davon nun aber trennen. Für eine Briefkastenfirma, die die StudiVZ Ltd. in England unbestritten ist, bemerkenswert.
Auch mutierte die Aussage »Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen« zu einem »Es bestehen keinerlei Geschäfts- beziehungen« — ulkig, daß ein Unternehmen seine Postadresse einfach so ohne Geschäftsbeziehung einem anderen überläßt, zumal man nun auch nicht mehr über Holtzbrinck »verbunden« sondern nur noch »bekannt« ist. Ein Schelm, der Böses …
Aber egal; Fakt ist, daß die ausländischen Dependancen nur auf dem Impressum der Landesausgaben existieren — gesteuert und betrieben werden sie, lt. den Aussagen von Studivz, sämtlichst aus Berlin, Deutschland. Immerhin mal eine klare Ansage aus dem Hauptquartier der Nebelwerfer.
Damit kommen wir zu den Details der Finanzierung Studivzs; im Blog wird ausgeführt:

Wer ist Gründer von studiVZ?
Ehssan Dariani und Dennis Bemmann haben das Unternehmen im Oktober 2005 gegründet und Michael Brehm hat das Gründerteam Anfang 2006 komplettiert.
Wer finanziert studiVZ?
Es handelt sich um Privatpersonen und Unternehmen, die nachfolgend aufgelistet sind:
Aaron Voloj Dessauer
Christian Vollmann
Christophe Maire
Dario Suter
European Founders Fund GmbH (Marc, Oliver und Alexander Samwer)
Holtzbrinck Ventures GmbH
Kolja Hebenstreit
Lukasz Gadowski
Matthias Spieß
Oliver Jung
Peter Schüpbach
Wer sind diese Investoren?
Es sind dies erfolgreiche Internet-Unternehmer, Freunde und zwei Venture Capital Funds.
Wie viel Geld wurde studiVZ zur Verfügung gestellt?
Insgesamt haben alle Gesellschafter € 2,5 Mio. für den Aufbau von studiVZ bereitgestellt. Davon stammen € 2,0 Mio. von Holtzbrinck Ventures GmbH (August 2006). Darüber hinaus gab und gibt es keine weiteren Vereinbarungen.
Für was wird das Geld verwendet?
studiVZ ist von einem kleinen studentischen Projekt zu einer richtigen Firma gewachsen. Das heißt es wurden im Laufe der Zeit 50 Mitarbeiter eingestellt, Büroeinrichtungen beschafft und die ganze Infrastruktur eingerichtet. Zudem werden wir einen erheblichen Teil der Gelder für den Aufbau einer neuen Server Infrastruktur verwenden und in die laufende Erweiterung der Plattform investieren.

 
Beachtlich. 2,5 Millionen Euro wurden bislang in dieses »studentische Projekt« gesteckt, ohne aktuell sichtbaren Weg in eine Gewinnzone; Stand heute verbrennt Studivz jede Sekunde Investorenkapital. (Auch das merken wir uns mal für das folgende Finale dieses schier endlosen Artikels.)
2,0 Millionen Euro von Holtzbrinck, die 500.000 Euro dürften, wenn man Don Alphonso glauben mag, von der Gebrüder-Samwer-Firma stammen – initial kamen von Lukasz Gadowski und »einem zweiten Geschäftsführer von spreadshirt« 5.000 Euro Startkapital, wie man schon im Blog lesen konnte. (Die 5.000 Euro bitte auch mal auf den Stack legen, brauchen wir gleich wieder.)
Noch beachtlicher erscheint mir ja, daß eine Finanzierung mit 5.000, 500.000 (Faktor 100 zur ersten Finanzierung) und 2.000.000 Euro (Faktor 4(!) zur zweiten, 400 zur ersten) – die Gründer brachten demnach nur die Idee mit, kein hartes Kapital – so vollkommen selbstlos ohne erhebliche Mitspracherechte oder Anteilsübereignungen vonstatten gegangen sein soll:

Gibt es irgendwelche speziellen Vereinbarungen mit den Investoren?
Die Finanzierungen, die wir durchgeführt haben entsprechen den üblichen Standards für junge Unternehmen. Es bestehen für die Gesellschafter von studiVZ keine weitergehenden Rechte als die normalen Gesellschafterrechte.
Wer hat heute die Mehrheit an studiVZ?
Das Gründerteam hält nach wie vor die Mehrheit am Unternehmen und bestimmt damit die Strategie und die Entwicklung von studiVZ alleine.

 
Krass. Da pumpem zwei Venture Capitalists 2,5 Millionen Euro in eine Copycat — und sichern sich dafür keinerlei Mitspracherechte an »Strategie und Entwicklung«? Holtzbrinck vermag ich nicht einzuschätzen, vielleicht sind das ja eher Mäzene denn Heuschrecken; aber Samwers? Die wollen Rendite sehen, siehe Spiegel-Onlne:

Die größte virtuelle Studentenparty Deutschlands wird derzeit noch auf Pump finanziert. Weil die Seite werbefrei und umsonst ist, müssen andere für die Gehälter aufkommen: unter anderem die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. […] Auch mit dem Studiverzeichnis wollen die Geschäftsleute hoch hinaus. Man erwarte rund 25 Prozent Rendite, kündigten die Brüder in einem Interview mit dem “Tagesspiegel” an.

 
Ob sich das mit dieser »Strategie« umsetzen läßt?

Wie will studiVZ in Zukunft seinen Betrieb finanzieren?
Ziel ist es, die Plattform weiterhin kostenfrei zu halten. Um dies zu erreichen wird studiVZ sich in Zukunft über Werbung finanzieren. Dies könnte beispielsweise mit Bannern oder anderen anzeigeähnlichen Formaten geschehen. Die Daten unserer Nutzer bleiben dabei stets bei studiVZ.

 
Gut, aber auf dem Datenschatz aufbauend kann man ja, ohne wortbrüchig zu werden, vielleicht zielgruppengerichtete Werbung den Werbetreibenden anbieten, Motto: »Ihr sagt, wen wir bewerben sollen und wir schalten die Werbung anhand des Nutzers Präferenzen«.

Was passiert mit den Daten, wenn die Mehrheit der Anteile nicht mehr von den Gründern gehalten wird?
Wenn sich die gesellschaftsrechtlichen Mehrheitsverhältnisse bei StudiVZ verändern, ändert das absolut gar nichts am Schutz und der Sicherheit der Daten nach den in Deutschland geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Denn die Mitglieder von StudiVZ übergeben ihre personenbezogenen Daten nicht irgendwelchen Einzelpersonen von StudiVZ (wie z.B. den Gründern oder anderen Gesellschaftern), sondern der StudiVZ als Gesellschaft (sog. juristische Person). Etwaige neue Gesellschafter dürfen mit den Daten also auch nicht anders umgehen, als die bisherigen, da der gesetzliche Datenschutz in Deutschland immer und für alle gleich gilt.
Gilt das auch, wenn ein ausländischer Gesellschafter hinzukommen würde?
Ja, denn wer wie StudiVZ ein deutschsprachiges Studenten-Netzwerk von Deutschland aus betreibt, unterliegt automatisch den strengen deutschen (und europäischen) Datenschutzgesetzen. Das gilt unabhängig davon, ob ein ausländisches Unternehmen einen kleinen oder einen großen Anteil an StudiVZ hält.

 
Nunja, nochmal zum mitmeißeln, die berliner Studivz Limited ist »Zweigniederlassung« der britischen Studivz Limited:

Neueintragung vom 12.04.2006
HRB 101454 B:
studivz Limited,
Voigtstr. 38
10247 Berlin
Firma: studivz Limited Sitz: Berlin; Zweigniederlassung der unter der Firma studivz Limited in Birmingham, Vereinigtes Königreich, bestehenden Hauptniederlassung (Companies House Cardiff No. 5607971). Gegenstand: Gegenstand der Zweigniederlassung: Entwicklung und Vermarktung einer Kontaktmanagement- und Kommunikationsplattform auf der Basis des sogenannten Social Network Mappings im Internet. Stamm- bzw. Grundkapital: 3.000 GBP […] Rechtsform: Gesellschaft britischen Rechts mit beschränkter Haftung, Rechtsbereich England und Wales (private company limited by shares). Gegründet am 31.10.2005.

 
Wir überschlagen mal eben … 3.000 britische Pfunde (GBP) entsprechen bei ca. Faktor 1,5 (1,47741 lt. XE.COM) 4.500 Euro-Talern. (Wieviel hatte die erste Finanzierungsrunde gebracht? 5.000 EUR, da passten quasi 4.500 EUR Gründungskapital und 500 EUR Reise- und sonstige Kosten rein. Die 5.000 EUR können damit vom Stack runter.)
Auch vielleicht interessant (siehe http://wck2.companieshouse.gov.uk/), daß unter der Adresse

69 GREAT HAMPTON STREET
BIRMINGHAM
B18 6EW

 
unter der »STUDIVZ LIMITED« mit Nummer 05607971 eingetragen ist in England (»Branch Details: There are no branches associated with this company.«), auch schon andere Firmen in Deustchland auffällig wurden:

# Armin Says:
September 16th, 2005 at 23:24
Ich weiss gar nicht wie jemand die Serioesitaet von AIDA Media Ltd anzweifeln kann. Das ist doch total die Weltfirma (laut www.aidamedia.de):
—
European Headquarter / Hauptsitz
AIDA MEDIA Limited
69 Great Hampton Street
Birmingham
und
Niederlassung Germany, München
—
Wow, beindruckend. Oder auch nicht:
Laut Companies House gibt’s die Firma noch nicht lange:
Date of Incorporation: 28/01/2005
Und unter der Adresse “69 Great Hampton Street” sind massenhaft Firmen registriert, das ist eine Briefkastenadresse fuer eine dieser Ltd-ist-billiger-und-internationaler-Firmen.
Blender.

 
Wir halten also mal fest: Studivz Ltd. Berlin ist eine Zweigniederlassung (scheinbar im englischen Register nicht als solche gemeldet) der studivz Limited Birmingham, UK. Es handelt sich um eine »Gesellschaft britischen Rechts mit beschränkter Haftung, Rechtsbereich England und Wales (private company limited by shares)«; ob Studivz Berlin eine separate Firma darstellt, ist mir derzeit nicht klar. Die Mutterfirma ist in jedem Falle schon heute eine britische Limited, die Frage nach ausländischer Beteiligung ist insofern müßig, da das Ganze eben schon seit Gründung auf eine britischen Firma zurückgeht. Sollte nun die Datenverarbeitung, sprich z. B, in Form der Datenbank, durch eben diese britische Firma Studivz Limited, nicht mehr in Deutschland sondern z. B. in England vorgenommen werden, welches Datenschutzrecht greift dann? Wenn die Daten in Deutschland gar nicht mehr verarbeitet (sondern nur durchgeleitet) werden? Ich fürchte, siehe S.W.I.F.T. und der Flugpassagierdaten: jedenfalls nicht mehr die »strengen deutschen Datenschutzgesetze«, hinter denen sich Studivz, nebelkerzenwerfend, verbal versteckt. But IANAL, vielleich weiß in der Blogosphäre das ja jemand auf Anhieb?
Abschließend möchte ich noch kurz über die Nachhaltigkeit der bisherigen Finanzierung philosophieren; bei “laufende Einnahmen = Null”, wie lange reichen also die 2,5 Millionen, die Studivz Ltd. mal hatte?
Was wissen wir denn aus Veröffentlichungen?

  • Einzahlung 500.000 EUR ca. Anfang 2006
  • Einzahlung 2.000.000 EUR ca. August 2006
  • Loadbalancer, mehrere Server, Hoster ist O2
  • ca. 50 Mitarbeiter derzeit; alle nationalen Sites werden aus Berlin gemanaged
  • erneut neue Bürofläche
  • Laptop scheint generelles Arbeitsmittel zu sein

Wenn jeder der 50+ StudiVZ-MA auch nur 1.000 EUR/Monat bekommen soll (brutto; netto für Arbeitnehmer ca. 750 EUR, Lohnkosten für Arbeitgeber geschätzt 1.300 EUR), liegen die Kosten für den Arbeitgeber bei ca. 1.300 * 50, d. h. 65.000 EUR je Monat nur für die 50, »fast rund um die Uhr« arbeitenden Mitarbeiten (Geschäftsführung und leitende Angestellte nicht berücksichtigt; auch die werden von mehr als nur der Idee leben wollen). 1.000 EUR für »fast rund um die Uhr« erscheint mir noch fast tief gegriffen, aber ok, es sind evtl. ja nur stud. Nebenjobs … Die 2.000.000 EUR der Holtzbrink-Finanzierung reichten dafür dann 30 Monate — ohne Personalwachstum, Hardwareinvestitionen, Kosten für das Hosting, laufende Kosten für Büro, Reisen, …
Setzt man Don Alphonsos Burnrate von 100.000 EUR/Monat an, was ich, s. o., für durchaus realistisch halte, sind die 2.000.000 von Holtzbrinck in 20 Monaten weg, die 500.000 aus der Samwer-Finanzierung dürften bei Einstieg von Holtzbrinck schon deutlich dezimiert worden sein. Vier Monate der 20 sind verstrichen, spätestens im Frühjar 2008 läuft die USS Studivz damit dann auf dem Pleite-Riff auf. Das werden Samwers European Founders Fund GmbH als auch die Holtzbrinck Ventures GmbH schon vor der Finanzierung durchgerechnet haben — da fragt man sich doch, wie in Zeiten von Popup-Blockern und ausgefuchsten Adzappern teils schon in den Browsern man mit »Werbung« (Dariani in ziemlich jedem Interview, u. a. auch bei Job24) tatsächlich Geld verdienen will?
Linkzirkus: Dariani-Auftritt bei JobTV24 · Mediendschungel · KASI-BLOG (talking itallianenglish) · »SZ: SZ: Aufruhr im Studenten-Netz« · NYBlog ESP · Blogbar

Studiverzeichnis: Natursekt, Führerbilder & die Privatshpäre

Über Geschmackt läßt sich bekanntlich streiten, oder auch nicht — je nachdem, wie man das Sprichwort kennt. Und wie in unserer Gesellschaft, so sind auch im sog. »Studivz« allerhand verschiedene Vorlieben und Typen vertreten …
Eine, sagen wir, interessante Variante, über die ich bei den Recherchen zu Studivz stolpern durfte, ist die Urophilie, der sich im VZ die »Natursekt Freunde« vorgeblich hingeben. Immerhin 37 Leute lt. Übersichtsseite — nicht viel, vergleichen mit der angeblichen über einer Million »eingeschriebenen« Teilnehmern. Wie dem auch sei, dank dieser Gruppe und der Recherche zu »Natursekt« bei Google und Wikipedia habe zumindest ich wieder was gelernt:

Da Süßstoffe nicht verdaut werden, sind entsprechend gesüßte Getränke in der Urophagie beliebt, um den Geschmack des Urins zu versüßen. Nikotin oder Kaffee sowie einige andere Nahrungs- und Genussmittel wirken sich dagegen negativ auf den Geschmack des Urines aus.

 
(Quelle: Wikipedia) Ich hoffe nur, daß die Bilder und Klarnamen frei erfunden sind, denn jetzt würde ich wohl weder N. Sch., N. E., B. K. und all den anderen noch vorurteilsfrei begegnen können — Toleranz hin oder her, Urin statt in das WC in jemandes Gesicht ist einfach nicht mein Ding. Mit solchen und ähnlichen Vorlieben würde ich auch nicht hausieren gehen, aber dazu später mehr.
Wenig appetitlich ist auch eine andere Gruppe, über die ich gestolpert bin — weniger wegen der Beschreibung, als vielmehr wegen der gewählten grafischen Repräsentation. (Zur Vermeidung rechtlicher Probleme wurden die Grafiken für die Wiedergabe auf dieser Seite teilweise verpixelt.)
Nun gut, auf braune oder auch nur vermeintlich braune Gruppen innerhalb des Angebotes von Studivz wurde ja schon hingewiesen; das Bild jedenfalls ist aus meiner laienhaften Sicht rechtlich problematisch. Generell scheint es mir, nach den verschiedensten Berichten über rechte Gruppen im Studivz, angebracht, auf das Beispiel der Stadt Stolberg hinzuweisen, also darauf, daß totschweigen brauner Aktivitäten den rechten Strömungen eher hilft.
Vorzugsweise verwendet man aber unmißverständliche Worte und Taten; daß die Aktion voelkischerbeobachter.de nur dumm war, hat, zumindest lt. Pressesprecher, ja auch Ehssan Dariani mittlerweile eingesehen. Bleibt abzuwarten, ob und wann Studivz mal aufräumt.
Es stellt sich mir generell die Frage, auch im Hinblick auf weitere Gruppen, die mit fragwürdigen Bildern glänzen, inwiefern unter Gesichtspunkten des Jugendschutzes dieses Angebot ohne funktionale Kontrolle der eingestellten Inhalte weiterlaufen kann.
Eine Gruppenbeschreibung lautet beispielsweise:

Die Welt ist ein Jammertal, doch zum Glück gibt es etwas schönes und zwar: Bukkake!
Wer als Mann Spaß daran hat, Frauen ins Gesicht zu ejakulieren und wer als Frau Spaß daran hat, sich von Männern ins Gesicht besamen zu lassen, der/die ist hier genau richtig!
Gerne werden Vorschläge für Sperma-Parties oder Gruppensex-Abende entgegen genommen!

 
Geschmacklich wohl unterschiedlich zum eingangs genannten Natursekt, besteht lt. Wikipedia-Artikel eine Verbindung beider Sexualpraktiken zu BDSM. Toll, und schon wieder was dazu gelernt, was ich gar nicht wissen wollte ;)
Sollten die Studivz-Macher jemals daran denken, auch Schüler anzusprechen, sähe ich hier zumindest ein massives Problem — wobei auch derzeit nur eine einmal lesbare eMail-Adresse ausreicht für eine Anmeldung. Aber gut; ich überlasse die investigative Verarbeitung der Inhalte der Studivz-Gruppen dann doch lieber weiter Don Alphonso, der die Systemprobleme, die Datensicherheit und die Verkaufsgerüchte umfassend behandelt. Ich fokussiere mich im Folgenden auf zwei Themen: informationelle Selbstbestimmung und wie man sie im Internet nicht praktizieren sollte sowie, in einem folgenden Blogeintrag, Fragen zu Finanzierung sowie Eigentums- und Machtverhältnissen bei der Studivz (Ltd.).

Informationelle Selbstbestimmung

Was war das damals für eine Aufregung, als der Staat jeden Bürger befragen wollte … »Damals«, das klingt, grade wenn man die munter in kommerziellen Verzeichnissen wie Studivz bereitwillig jedermann publik gemachten Datens(ch)ätze sich ansieht, so nach vorvorletztem Jahrtausend wie Geschichten von Nero, Cäsar oder den alten Griechen.
Schon komisch, und ich wiederhole mich hier wohl, aber es ist schon ziemlich unverständlich, warum viele ihre persönlichsten Daten (Geburtsdatum, Heimatort, Hobbies, Vorlieben usw.) einfach so ans virtuelle schwarze Brett hängen. Und dann die Fotos. Witzig war vieles sicherlich. Damals, als man es tat. Gruppendynamik, Alkoholenthemmung, was es auch immer war. Aber, Jungs und Mädels, wollt Ihr wirklich, daß jedermann Eure Eskapaden mitverfolgen kann? Daß jeder ein Bild von Euch bei der – augenscheinlich berechtigten – polizeilichen Puste-Aktion sehen kann? Sehen kann, wie Ihr, mit Flasche in der Hand, im der Kofferablage eines Zuges sitzt, wohl auch nicht mehr ganz nüchtern?
Ich kann nur raten, durchforstet Eure online verfügbaren »Fotoalben« und weißt Freunde und Bekannte darauf hin, daß Ihr eine Bildveröffentlichung ohne Euer vorheriges Einverständnis nicht gestattet. Und wenn sich damit jemand nicht abfinden kann: Ihr müßt euch das nicht gefallen lassen. Wenngleich direkt die Rechtsmittelkeule rauszuholen langfristiger Freundschaft vielleicht im Wege stehen mag — in ein, zwei, drei Jahren steht Ihr vor ‘nem Personalchef und müßt dem das Foto mit dem Sitzplatz in der Kofferablage erklären (oder auch nicht, weil Ihr deshalb schon rausgekickt wurdet im Aussiebungsprozeß). Ihr. Nicht der, der Eure Bilder veröffentlicht hat. (Ich erwähnte schon, daß man schon selbst nicht alles veröffentlichen sollte?)
Klasse finde ich ja auch Teilnehmer, die sich mit einem vermeintlich lustigen Foto und ihrer ganzen Vita präsentieren — wohl bekomm’s. Vielleicht vor dem nächsten Schlückchen nochmal drüber nachdenken, daß mit derlei vielen Daten (vollständiger Name, Studienort, Heimatwohnort, Geburtstag, ggf. Vereinsmitgliedschaften) jedermann die Möglichkeit gegeben wird, mit diesen Daten, die ein flüchtiger Besucher auf den ersten Blick zu sehen bekommen, weitere Recherchen zu betreiben. Nachfragen bei ehemaligen und aktuellen Nachbarn ggf. nicht ausgeschlossen, Stalker sollen sowas machen; neugierige Zeitgenossen auch. Nie war es einfacher, auch eigentlich private Informationen zu sammeln …
Warum werden die gebotenen Möglichkeiten zum Erhalt der Privatshäre nicht angenommen? Ein positives Bespiel habe ich hier gefunden — Unbekannten werden keinerlei persönliche Details preisgegeben, so sollte meines Erachtens jeder sich Fremden gegenüber präsentieren, sei es im Studivz oder anderen Kontaktbörsen.
Was auch immer Du also in Diensten wie Studivz & Co. tust: sei geizig mit Deinen Daten und restritiv hinsichtlich der Einstellungen zur Sichtbarkeit für Fremde.
Lade nicht jedes Bild, zeige es Dich oder andere in »lustigen« Posen, hoch, wenn es auch jemand sehen könnte, der vielleicht in zwei Jahren Dein Chef/Deine Chefin sein könnte.
Auch wenn Du Dich in der Gruppe stark oder bestätigt fühlst: wenn Du nicht möchtest, daß Dein Bäcker Dich im Laden fragt, ob er Dich gleich anpinkeln darf, trage Dich nicht mit eigenen Foto und Klarnamen in Gruppen wie »Natursekt Freunde« ein (auch wenn das alles ganz anders gemeint war: werde das Gerücht, daß Du auf angepinkelt werden stehst, in Deinem Heimatort mal wieder los) …
Und, um ein aktuelles Beispiel zu bringen, gib’ selbst regionalen TV-Sendern kein Interview …

Blogger und Hoster — zwei Welten?

blogger.de ist down. Seit Freitag morgen, mit einem kurzen Funktionsintermezzo zwischen Freitag 17:55 und Samstag später Abend. Und wieder geht das öffentliche Waschen der Schmutzwäsche los, denn auf dem eigens eingerichteten Protokoll-Blogeintrag »Hetzner: Protokoll eines Scheiterns«, rechnet der Betreiber von blogger.de mit seinem Hoster Hetzner ab.

Bei Hetzner stehen für Blogger.de und Blogscout.de insgesamt fünf ihrer Rootserver. Bislang war ich sehr zufrieden und habe Hetzner sogar weiterempfohlen: […]
Nach den Erfahrungen der letzten Tage bin ich jedoch ziemlich ernüchtert. Ich hatte mich damals extra gegen 1&1, sowie Strato entschieden, weil ich lieber einen “kleinen” Hoster unterstützen wollte. Hinzu kommt, dass die Preise von Hetzner (im Gegensatz zu z.B. HostEurope), es mir überhaupt erst ermöglichen, die Dienste durch Werbung zu refinanzieren.
An dieser Stelle möchte ich protokollieren, wie schwierig sich die Kommunikation mit Hetzner gestaltet hat.

 
Es folgt eine Darstellung des bisherigen Mailwechsels mit dem Hoster, eine Interpretation des Betreibers — und ein Verweis auf das Forum des Hosters, wo der Vorfall durch Hetzner-Kunden ebenfalls behandelt wird, teilweise durchaus mit einer anderen Brille als der des blogger.de-Betreibers.
Kommentar eines Selbsthosters (ich habe eigene – ausgelutschter Kram von eBay – Hardware im Housing in einem Datacenter stehen): der Supportablauf via eMail liest sich wenig professionell — granted.
Aber ansonsten muß man dem Betreiber von blogger.de, lt. Selbstdarstellung im Hetzner-Forum ist »Blogger.de ein Hobbyprojekt, welches neben einer ganz normalen Arbeitswoche gestemmt wird«, auch ein gewisses Maß an Versäumnissen ankreiden — nicht zuletzt, wenn es sich um ein Hosting von 9000 Blogs handelt, wie im Hetzner-Forum anklang:

Wenn der Server jetzt erstmal wieder einigermaßen läuft, werde ich sicherlich ein Raid installieren. Ich will ja einen möglichst zuverlässigen Dienst anbieten. Wie schon gesagt: bisher wusste ich nicht, dass da zwei Platten drin sind.
Und sicher hast Du Recht, dass die Platten in dem Sinne defekt sind, dass sie in dem Rechner nicht laufen. Ich meinte das in dem Sinne, das smart, dmesg, oder andere Dinge, keinen Hinweis auf einen Defekt der Platte brachten. […] Klar, hätte ich mehr Zeit in die Problemlösung stecken können, als der Server noch lief. […]
Und unter den Voraussetzungen war ein Reset alle paar Wochen zu verschmerzen.

 
Weder wurde die Hardware untersucht (»fdisk -l« ist so schwer nun nicht) noch wurden Maßnahmen eingeleitet, den offensichlichen Problemen (Hänger) nachzugehen. Statt dessen wurde sich auf den, bekanntermaßen nicht mehr zuverlässigen, Reboot-Service per Web-Auftrag verlasen. Konsequenterweise wurde auch unter gar keinen Umständen erwogen, auch nach Wahrnehmung eines vermeindtlichen 33%igen Mailverlustes nicht, mal den Support anzurufen.
(Technisch vermute ich mal, daß die Maxtor-Platte(n) sich derart verabschieden, daß nur ein Powercycle (und nicht ein normaler Reboot) sie reanimiert, für unbestimmte Zeit.)
Für ein Projekt, von dem mehrere Tausend Leute abhängig sind, stellt sich mir – unbeleckt der Tatsache, daß ja keiner formal gezwungen ist, zu den Konditionen dort sein Blog zu haben – schon die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Setups und des Vorgehens der Betreiber.
Außerdem fehlt mir die Rechfertigung dafür, den Ausfall, der gegen Zahlung von rd. 120 EUR längst hätte behoben sein können (»Ein Supporteinsatz am Wochenende und nachts kostet 116,- Euro inklusive 15 Minuten Arbeit. Das ist eine Summe, für die ich die Blogger.de-Server für einen Monat bezahlen kann. Aus dem Grund müssen wir leider bis Montag morgen warten, bis Hetzner dann hoffentlich schneller den DB-Server resettet und vielleicht auch gleich schon eine der defekten Platten austauscht.«), publikumswirksam dem Hoster anzukreiden. Unter dem Aspekt der Schadensminderung hätte es entweder eine »Service will be restored on Monday«-Meldung auf den Webservern sein dürfen oder aber eine Beauftragung des Wochenendeinsatzes mit Zahlung unter Vorbehalt, denn die Aufträge sind, lt. neuem Blog ja vor der kostenpflichtigen Zeit erteilt worden. Schuld am Ausfall über das Wochenende hat jedenfalls nicht der Hoster alleine; auch wenn das die Eingangsseite und die Überschrift des Blogeintrags suggerieren. Als Hoster würde ich mir derlei verbitten — und vorzugsweise Blogs aus der Liste der erlaubten Dienste streichen. Gegen derlei, in meinen Augen ungerechtfertigte, negative Publicity kann man nicht anarbeiten.
Zeit für ein neues Startup, BlogHosting 2.0?
Update, 22:15 Na toll, jetzt hat es der, ich bin schon fast geneigt zu schreiben »gewollte Ausfall«, von blogger.de es zum BOO geschafft:

Im Vordergrund steht sein [des Hosters] Bemühen, die Sache ans Laufen zu bekommen. Im Hintergrund möchte man meinen, die lassen ihn bewusst auflaufen. Das ist eine persönliche Meinung, aber bestimmte Tendenzen sind fast nicht anders erklärbar.
Geboot wird hier Hetzner, dem Dirk Olbertz drücken wir die Daumen.

 
Ganz groß, Jungs …

Hmm, ist sehe grade, daß ich eine »Maxtor 6Y080L0« als Boot- und Systemplatte in einer meiner Kisten habe (die auch schon wiederholt stumpf und kommentarlos stehen geblieben ist — trotz SW-RAID-1 mit ‘ner »SAMSUNG SP0802N«, BTW) … Jetzt wüßte ich gerne, welche Maxtor-Modelle das betrifft; für ein echtes Server-Remote-Management wie eine eRIC-Karte war ich bislang auch zu geizig … Any Hints appreciated, werde jedenfalls gleich mal googlen.

SMS-Tricks 1.5

Dreist. Das finde ich nun mal wirklich dreist. Da schaltet man ein wochenlang nicht benutztes Mobiltelefon an und prompt trudelt wieder SMS-Spam ein. Der übliche Sermon von wegen Nachricht hinterlassen und so.
Neu, zumindest für mich: »antworte mit JA oder Stop […] um diese abzurufen.. diese Nachricht ist kostenlos« leutet es mich an.
Hallo? »Stop« zum empfangen? Geht’s noch? Ein bißchen fehlen mir grade zivilisierte Worte …

»Was ist ein Blog?«

Gute Frage. WAZ’ Weblog stellt sie und beantwortet sie auch: »Weblogs sind Tagebücher. In ihnen schreiben unsere Redakteure und bekannte Persönlichkeiten – ungeschminkt und offen.«
Abgesehen davon, daß in Blogs nicht zwingend und ausschließlich nur WAZ-Redakteure schreiben, scheint »offen« das Stichwort zu sein. Denn, wie schon vor ein paar Tagen thematisiert, das Weblog der WAZ ist offensichtlich dauerhaft inhaltsleer.
Offen sind insofern die Themen, die die WAZ gerne ansprechen würde (oder gibt es keine mehr?), offen scheint auch zu sein, welche Redakteure noch, im Vorgriff auf Westeins? ins WAZ-Web-Tagebuch schreiben sollen.
Tja. Waz wohl nix. Zum Glück gibt es ja noch andere Blogs — und neben Studivz auch noch andere Themen.

Schmutz, PR und ein Screenshot


Auszug aus angeblichem Orignal-Screenshot, komplett erhältlich an Don Alphonsos Blogbar.
So. Nun ist es draußen.
Don Alphonso hat die Drohung wahr gemacht und eine »Bombe« ins Netz gestellt: den, lt. Don Alphonso, orginalen Screenshot der vieldiskutierten Einladung zu einer Party des Studiverzeichnis‘ im Stile und unter der Domain voelkischer-beobachter.de. Die Rechtfertigung mit Satire bzw. das Eingeständnis, daß jene Partyeinladung ein Fehler gewesen sei, ist im Firmenblog des Studiverzeichnises zu finden. Man bilde sich ein Urteil …

Monstren, Mumien, Mutationen

… so hieß es in meiner späteren Kindheit des Nachts auf dem 3. (Fernseh-) Programm des NDR, wenn 40er-Jahre-Movies liefen. (Ja, ich bin nicht mehr ganz jung). Rückblickend ein nervenschonendes Programm, die Ungeheuer aus dem Amazonas waren aus erkennbarem Plastik statt wie heute als CGI lebensecht animiert (nein, ich spreche nicht von CGI im Webumfeld).
Unter dem Schlagwort allerdings kann man auch gut zusammenfassen, was heute in Kleinbloggerstdorf abgeht:
DonAlphonso:

# Kommentar von DonAlphonso, 15.11.2006, 0:43
Hinweis: gestern hat Holtzbrinck Ventures das PR-Ruder übernommen und auch gleich bei der Gelegenheit Journalisten gebügelt. Sie wussten beispielsweise, dass der Spiegel mit der Geschichte kommt. Den Screenshot bringen sie wegen der internationalen Probleme nicht.

 

# Kommentar von DonAlphonso, 15.11.2006, 0:53
Frankfurter Rundschau und Heise haben auch schon berichtet, und da kommt wohl schon noch was. SPON marschiert morgen ein, heisst es.

 
Bzgl. der Frankfurter Rundschau kann dies bestätigt werden … wenngleich so manches diskussionwürdige Thema nicht angeschnitten wurde; was ist mit der obskuren Partyeinladung (über eine URL mit dem Domainpart voelkischer-beobachter.de)? Warum löscht Studivz nicht augenscheinlich rechtsgelagerte Gruppen, derer es offensichtlich mehrere gibt? Es gäbe noch weitere Fragen … aber die Reporterkaravane muß weiter.

# Kommentar von DonAlphonso, 15.11.2006, 1:22
Geht schlafen, Jungs, geht schlafen. Morgen wird ein langer Tag. Sehr lang.
Und, Dariani: No way. Ausser, Du sagst es ihnen selbst mit Facebook. Ich gebe Dir Zeit bis morgen früh, 7 Uhr.

 
Manche Blogger möchte man latent nicht mal als Freunde haben ;)
Immerhin wurde das Rätsel um die angeblich in Bayern liegenden Rechte am ulkigen Beobachter gelüftet, der lt. Wikipedia initial nur ein »Münchener Beobachter« gewesen sein soll:

# Kommentar von DonAlphonso, 15.11.2006, 1:23
@ Oberlehrer: Völkischer Beobachter ist eine Marke des Eher Verlag Nachf., der im Besitz der NSDAP war und mit allen Rechten auf das bayerische Innenministerium übergegangen ist.

 
Naja, dann ist ja alles klar in der Hauptstadt der Bewewgung …

Whoa! Studivz/Ehssan: »Offener Brief: Fehler und Verantwortung«

Hmm. Nach dem »lesenswerten PR-Rührstück “Ich war gar nie nicht kein Nazi und habe massenhaft Juden im Keller die mir das so auch bestätigt haben”« (DonAlphonso) nun also, nur einen PR-VideoBlog später, Ehssan im Büsserhemd:

Zugleich habe ich zweifelsohne viel Mist gebaut. Einige Aktionen und Verhaltensweisen von mir waren nicht in Ordnung und falsch. Dafür stehe ich ein und übernehme die volle Verantwortung.
Konkret: Die Party-Einladung in Anspielung auf den Völkischen Beobachter war ein Fehler. Dafür und für die daraus entstandenen Missverständnisse möchte ich mich aufrichtig entschuldigen.

 
Auch wenn es nach Nachkarten klingen wird: dies schon vor zwei Tagen statt des Sermons in Eintrag 76 wäre ungleich ehrlicher ‘rübergekommen. Grade nach Eintrag 76 (als Screenshot vorliegend, veröffentlichte Daten sind ja grade im Studivz-Umfeld sehr volatil) vermag ich nun nicht einfach ein »Opps, sorry, wie dumm von mir. Mea culpa.« zu akzeptieren. Wie kommt es zu dem 180-Grad-Sinneswandel?

Weiterhin war der Umgang mit manchen […] und einigen Videos völlig unangemessen und unprofessionell. Auch in dieser Sache möchte ich mich für die entstanden Irritationen ehrlich entschuldigen.

 
Naja, ich war nicht abgelichtet; es stellt sich mir die Frage, ob denn die (unfreiwilligen) Interviewpartner konsultiert wurden und diese Abbitte überbracht?

Im Interesse von studiVZ und den 50 Arbeitsplätzen versuche ich in Zukunft den Ansprüchen an meine Position besser gerecht zu werden. Des Weiteren werde ich mich und meine private Person vom studiVZ Blog deutlich trennen.

 
Danke.

In letzter Zeit waren leider durch kommunikative Versäumnisse unnötige Spekulationen und unwahre Gerüchte entstanden. Datenschutz ist bei studiVZ das Thema, das die höchste Priorität und Aufmerksamkeit genießt: Es wurden und werden keinerlei Nutzerdaten aus dem studiVZ je an Dritte (Firmen, Investoren etc.) aus dem studiVZ weitergeleitet oder zugänglich gemacht.
In den kommenden Tagen werden wir sukzessive auf die Informationsbedürfnisse und offenen Fragen, aber auch falschen Behauptungen reagieren. Morgen Abend werden wir hier über unsere Finanzierung informieren.

 
Man darf also gespannt sein … Auch auf die Gefahr hin, Ehssan Dariani hier unrecht zu tun: das liest sich nicht irgendwie gar nicht wie Ehssan. Wortwahl, Satzbau, der gesamte Stil … Aber hey, Kleinbloggersdorf hat ja professionelle PR eingefordern, wollen wir also mal nicht schon wieder meckern ;)