Träume, Schäume

Nur mal kurz, ich muß eigentlich ins Bett … Isotopp träumt schon vom Sechsparteienparlament, dazu möchte ich dann doch zwei, drei Worte bei viel zu hoher Umgebungstemperatur verlieren.

Diese Situation ist es auch, die mich ein Vollprogramm bei den Piraten (noch) nicht sehr vermissen läßt. Und die mich ein wenig komisch gucken läßt, wenn man der Piratenpartei das Fehlen eines Vollprogrammes vorwirft. Nein, die Piraten werden nicht allein regieren, nicht dieses Mal und wahrscheinlich niemals. Als Partei sind die Piraten in ein Zeitalter des Pragmatismus und in ein Parlament von Koalitionen geboren worden. Ein Vollprogramm wäre da in meinen Augen aktuell eher hinderlich als nützlich.
Und selbst wenn die Piraten ein Vollprogramm hätten, dann bräuchten sie meiner Meinung nach eines, das ganz klar und von vorne herein zwischen harten Punkten und weichen Punkten unterscheidet – also zwischen Punkten, die die Piratenpartei hart vertritt und Punkten, die in einer Koalition als Richtungsvorgaben oder Präferenzen, aber nicht als Punkt-Positonen anzusehen sind.

 
Pragmatischer Standpunkt, aber reicht das alleine aus? Wie stehen die Piraten denn zur Kernenergie (mich interessiert hier insbesondere, wie sie hinsichtlich der langfristig ungelösten Endsorgungsfrage zu aktuellen, zukünftigen und ggf. neuen Laufzeiten für Atommeiler stehen)? Wie wollen die Piraten in einer Koalition – als vermutlich fünftes Rad am Wagen – die Sicherung der »Sozialen Sicherungssysteme« fortführen?
Oder: Wie gedenken – Wunschdenken! – die gewählten Piraten, die grundgesetzlich verankerte Unabhängigkeit der Abgeordneten im real-existierenden Gruppenzwang Namens »Fraktion« oder»Koalition« zu leben?
Ich denke, bei all den hehren Festtagsreden von der Brücke aus, in Berlin anlandenden Piraten würde ein Kulturschock drohen. Und daß die Mandats-, Amts- und Würdenträger eben nicht binnen einer Legislatur korrumpiert würden, vermag ich nicht zu glauben.
Mit Fundamentalopposition bekommen die Piraten ihre Themen eben nicht durch; dies gelänge nur durch Beteiligung an einer Regierung. Gleich welche Koalitionspartner, keiner würde einer – dem Worte und meines Erachtens nach auch dem Geiste des Grundgesetzes nach – freien Mandatsausübung der Piraten zustimmend gegenüberstehen: Es gibt niemand gerne die Simonis.

Organisationen sind für diese Generation kein Selbstzweck, werden selten zu Institutionen. Organisationen sind ein Werkzeug, um Mehrheiten deutlich zu machen und Diskussionen zu kanalisieren, Meinungspools zu repräsentieren und mögliche Konflikte, aber auch Kompromisse leichter sichtbar zu machen.

 
Die zwangsweise etablierte Organisation, nämlich die Bundespartei der PIRATEN, mag nicht als Selbstzweck gedacht sein; ohne diesen Korpus gibt es aber auch keine Piraten im Parlament. Nach der Wahl einzelner Individuen zum Piraten-Abgeordneten (still day-dreaming) allerdings hat diese Organisation keinen (formalen) Einfluß mehr auf das, was diese Abgeordneten tun – oder lassen. Das ist einerseits gut so und es wäre vieles in meinen Augen besser, wenn von den gewählten Abgeordneten deutlich mehr komischen Konstrukten wie dem Fraktionszwang den Stinkefinger zeigten — dazu allerdings wäre eine eigene Meinung unerläßlich, dies allerdings ist keine Wahlvoraussetzung …

Die Piratenpartei ist also ein Werkzeug. Sie erlaubt – wenn alles klappt – meinesgleichen und mir, im Parlament direkt zu reden und Gesetze zu machen. Wir haben versucht, mit den Vertretern der etablierten politischen Parteien zu reden […] aber wir sind nicht verstanden worden oder aus anderen Gründen ignoriert worden. Wir haben versucht, unseren politischen Willen in Demonstrationen und Petitionen deutlich zu machen und die Politik so in unserem Sinne zu beeinflussen, aber das hat auch nichts bewirkt. Also ist klar, daß nur eine neue politische Partei das geeignete Werkzeug ist.

 
Mal davon ausgehend, daß Isotopp nicht auf einem »aussichtsreichen Listenplatz« für die PIRATEN geparkt wurde, ist der Satz »sie erlaubt […] meinesgleichen und mir, im Parlament direkt zu reden und Gesetze zu machen« mehr Milchmädchen als ich derzeit ausrechnen kann. Es gibt, jenseits der Wahlen alle 4, 5 Jahre, keine Einflußmöglichkeit von außen ins Parlament. Natürlich würde ich mir wünschen, daß das PIRATEN-Mitglied unterhalb der Legislaturperiode über Eingaben an PIRATEN-Abgeordnete Gesetzesvorhaben einbringen könnte, deren Verlauf beeinflussen. Aber wird, ja, kann, das im bundesdeutschen Politikapparat so funktionieren?
Ich denke nicht, Tim.
Anfang Oktober 2009 sind wir schlauer.

Zu doof für DiSEqC :(

(Blogged via flickr)

Nachdem ich mir nun den zweiten Abend die Blöße gebe, werde ich notgedrungen doch mal im VDR-Portal nachfragen müssen, wie man einen 2/1-DiSEqC-Schalter (2.0) vor einen 9/8-DiSEqC-Multischalter (2.0) hängt … #peinlich

Kamera: HTC HTC Magic

Alice und die Bandbreite

Tja, es ist nun ein paar Tage länger her als zwei Wochen nach Schaltung des Anschlusses, doch noch immer »dümpelt« jener bei ~6 MBit/sec statt der versprochenen »bis zu 16 MBit/sec« rum — und ja, technisch sind dort 16 MBit/sec möglich, zumindest lt. a) Wegeinformation und b) Verfügbarkeitsabfrage Telekom. Warum Alice’ toller Automatismus nicht, wie versprochen, nach 14 Tagen die Leitung auf das technisch machbare hochgefahren hat — es wird mir nachher die Hotline erklären müssen …

Peter Hintze? Da war doch was?

Ach ja, das Sommerloch. Der Hintze will einen deutschen Roboter auf den Mond schicken – nette Idee, solange er das in Kohlscher Manier pseudo-privat finanziert, soll mir das recht sein. Aber: »Peter Hintze«? Der stand doch schon mal weiter vorne? Indeed, Wikipedia vergißt (hoffentlich) nicht:

Hintze war von 1990 bis 1992 Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU. 1992 wurde Hintze als Nachfolger von Volker Rühe zum Generalsekretär der CDU gewählt. Zu einer großen Kontroverse führte 1994 seine „Rote-Socken-Kampagne“ gegen das „Magdeburger Modell“. Diese Kampagne trug auch dazu bei, die im Wahlkampf in Führung liegenden Sozialdemokraten und ihren Spitzenkandidaten Rudolf Scharping abzufangen und der CDU unter Helmut Kohl den Wahlsieg bei der Bundestagswahl 1994 zu sichern. Gleichermaßen begünstigte diese polarisierende Kampagne das Image der PDS.[1] Als Hintze 1998 mit einer „Händedruck-Plakatkampagne“ an die alte Strategie anknüpfen wollte, wurde er aus den eigenen Reihen heftig kritisiert. Hintze wurde zum Teil für die Wahlniederlage und den Regierungswechsel mitverantwortlich gemacht. Nach zunehmenden Druck aus der Partei[2] trat Hintze nach der Wahl von seiner Position als Generalsekretär zurück.

 
Soso. Der abgehalfterte Ex-»General« möchte also wieder in die Schlagzeilen? Gerne doch: »Der kleine Peter Hintze möchte aus dem Kinderparadis abgeholt werden, ich wiederhole: der kleine Peter …«

Abrechnung mit Android

So geekig-geil ich auf [m]ein erstes Android-Gerät war, so ernüchtert bin ich dann doch vom – bar bezahlten¹ – HTC Magic der zensurgeilen Vodafone.
Pros & Cons

Pro Con
Das Magic hat einen grade noch ausreichend großen Bildschirm zum mobilen Surfen Der Bildschirm ist wirklich bestenfalls »grade groß genug«; direkter Support für Flash-Videos existiert nicht (jedenfalls nicht kostenfrei: das gehört aber dazu), PDF-Viewer ebenfalls Fehlanzeige (gibt’s im Market, keines der getesteten taugt auch nur annähernd)
Kontaktverwaltung vorhanden Es existiert kein offensichtlicher Weg, die – umfangreiche und über Jahre gepflegte – Kontaktliste von einem Symbian S60-Gerät zu importieren
Kameramodus und Videomodus vorhanden; Fotos werden automatisch GEO-tagged … Die Kamera ist, im Vergleich zum Nokia N95 (2+ Jahre auf dem Markt!), mehr so eine kostenlose Beigabe; die Steuerung über einzig den Trackball ist fehleranfällig, die Bilder generell out-of-focus. Die Lichtstärke der Kamera hat bestenfalls E71-Niveau, immerhin werden die Farben in etwa korrekt wiedergegeben. Der Videomodus mit weniger als VGA-Auflösung ist 2009 … in-dis-ku-ta-bel
Schon erstaunlich große Auswahl an »Apps« im Android Market Die Qualität der Anwendungen, der »Apps«, schwankt beträchtlich; für einige – für mich als Blogger elementare – Funktionen ist das »rooten«, also die Umgehung einiger Vorkehrungen gegen den UID-0-Zugang seitens des Herstellers notwendig: warranty void
Klein, schlank, wenig Knöpfe, gefällige Bedienung Im Gegensatz zum G1 fehlen dem »G2«/HTC Magic neben dem Hardware-Keyboard auch noch separate Tasten zur Fotografie; leider erwartet manche »App« den Druck auf Tasten, die das Magic und auch das HTC Hero schlicht nicht vorzuweisen haben. Und daß der Startbildschirm und die Telefonapplikation nur hochkant funktionieren … ist ziemlich dämlich, wenn man mit einer Halterung das Magic im Querformat für die Navigation im Auto anbringt :(

Kurzum: DAS Telefon verkörpert auch die aktuelle Android-Generation nicht für mich; der Weg ist latent richtig (wobei ich UID-0 sein möchte ohne Klimmzüge und ohne Garantieverlust), im Prinzip suche ich wohl ein Gerät mit Maemo- oder Android-Unterbau, bedienbar wie das N810 (BTW, der »kapazitive« Touchscreen ist toll, wenn der Androide in meiner Hand ist; an der Windschutzscheibe muß ich eigentlich das Ding mit zwei Händen anfassen, damit das sicher funktioniert … das ist, äh, unvorteilhaft) in der Größe des Magic und mit mindestens den Mulltimedia-/Kamera-Eigenschaften des Nokia N95 – von dessen Cam ich nach wie vor sehr angetan mit, super Ding für ‘ne Telefonknipse –, hachja …
____

¹ Naja, einen ganzen Euro hatte ich, der chronische Kartenzahler, dann grade noch in bar da.

Genau, wehret den Anfängen!

Thomas Oppermann, »Schatten-Innenminister der SPD« (wobei, für Schatten bräuchte die SPD erst einmal wieder Licht am Ende des Tunnels …), teilte Spiegel Online mit:

SPIEGEL ONLINE: Ein Produkt der Innenpolitik der Bundesregierung ist die Piratenpartei. Wie will die SPD die Generation Internet zurückgewinnen?
Oppermann: Die Piratenpartei wird eine vorübergehende Erscheinung sein. Das Internet gehört allen und wir werden es nicht zulassen, dass es sich eine kleine Minderheit aneignet und selbst die Regeln bestimmen möchte. Ich finde die Piratenpartei intolerant.

 
Das klingt aber schon arg nach dem Bock, der den Gärtner gibt: die Piratenpartei erlebt in Deutschland meines Erachtens grade deshalb einen Höhenflug – der, da stimme ich mit Oppermann überein, sich nur schwer über die nächste Legislatur wird retten lassen können –, weil sie als einzige Organisation/Partei merklich dem politischen System und dessen Versuchen, sich »das Internet« anzueignen und mit neuen, aus der Steinzeit entliehenen Regeln, kaputt zu machen versucht, sich entgegenstellt.
Nicht die Piratenpartei versucht, sich »das Internet anzueignen«, diesen Vorwurf müssen sich die Großkoalitionäre schon selbst gefallen lassen. Und den, daß sie nicht wissen, was sie da tun — und trotzdem weitermachen. Extrapoliert man von der grob fahrlässigen Behandlung internet-naher Themen in der bundesdeutschen Politik auf andere Themenfelder, dann wird nur zu klar, daß es eben keine Experten sind, die da Gesetze zum Thema X, Y oder Z machen. Und das Weitsicht für Bundespolitiker bedeutet, daß sie bis zur nächsten Landtagswahl in einem Bundesland planen, bestenfalls bis zum nächsten Bundes-Wahltag.
Und, siehe Beispiel Rente, das ist sogar belegt (2002, 2009). Es wird allerhöchste Zeit: Zeit zum Ändern.