Schon lustig, sich die Trackback-Schlagzeilen zum Artikel von Golem.DE zum DeNIC-#FAIL heute anzusehen. »Kein DNS, kein Internet« — naja, ganz so schlimm war’s dann ja doch nicht, allerdings dürfte es etliche – fälschliche und doch korrekte – Mailbounces gegeben haben, denn augenscheinlich ist ein Großteil der Domains mit der Endung .de heute vom DeNIC aktiv aus dem Netz gekegelt worden. Wohl unabsichtlich (alles andere wäre wohl auch gegen die Verträge zwischen den Domaininhabern und der DeNIC), aber dennoch so geschehen.
Und dank der munteren «Verlinkung« waren ggf. auch Adressen aus anderen Domains betroffen:
Failed to fetch http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu/pool/main/w/whois/whois_4.7.30_i386.deb Could not resolve 'de.archive.ubuntu.com'
$ dig a de.archive.ubuntu.com ;; ANSWER SECTION: de.archive.ubuntu.com. 450 IN CNAME ubuntu.mirror.tudos.de. $ dig a ubuntu.mirror.tudos.de. ;; AUTHORITY SECTION: de. 4920 IN SOA f.nic.de. its.denic.de. 2010051253 7200 7200 3600000 7200
Für Nicht-Techniker: Der Name »de.archive.ubuntu.com.« verweist eigentlich auf einen (verallgemeinert) Rechner namens »ubuntu.mirror.tudos.de.« — der zuständige Dienst der DeNIC allerdings sagt: »Es gibt keine Domain tudos.de.« Und wenn es kein tudos.de gibt, kann es auch keine Namen »unterhalb« dieser Domain geben (lies: Namensbestandteile links von tudos.de).
Es handelt sich um den Vorfall heute nicht um einen Nameserverausfall, denn Ausfälle kompensiert das Domain Name System (DNS) ganz hervorragend; das, was heute die DeNIC als verantwortliche Betreiberin der de.-Zone und deren Nameservern fabriziert hat, ist der GAU, der Größte Anzunehmende Unfall eines Domainbetreibers: DeNIC hat für (eine noch unbekante Anzahl, um nicht zu sagen) nahezu alle bislang gültigen Domains mit der Endung de. die Information verbreitet: »Diese Domain gibt es nicht.« Und da am Domainnamesystem dann doch irgendwie alles hängt, hätte man theoretisch heute auch die Domain google.de erwerben (via @netzpolitik können. Gut, nicht rechtsverbindlich, aber der Schaden, den die DeNIC heute verursacht hat, dürfte nicht gering sein: Das das Surfen nicht mehr klappte, naja, notfalls kauft man die Bild, den Spiegel oder Focus halt an der nächstbesten Tanke. Beim Onlinebanking an einem Mittwoch vor einem Brückentagwochenende ist das vielleicht kritischer. Richtig böse ist aber der Mailbereich: da etliche Domains als nicht existent ausgewiesen wurden, werden alle Mails an diese Domains – und im Falls von Anti-Spam-Maßnahmen auch ggf. von diesen – unzustellbar gewesen sein. googlemail.de, web.de, gmx.de, t-online.de — sofern betroffen (über den Umfang habe ich bislang nur wenige Infos), ging da wohl mailmäßig gar nichts mehr. Und aufgrund von weiteren Automatismen werden als unzustellbar zurückkommende Adressaten aus regulären Maillinglisten i. d. R. automatisch ausgetragen (nein, keine Angst, bei Spamversendern bleiben die Adressen dennoch drin …) — der Benutzer muß sich ggf. neu eintragen, und das vielleicht, ohne es zu wissen (für den Mailinslistenbetreiber existiert seine Mailadresse ja nicht mehr).
Ich bin wirklich auf das abschließende Statement der DeNIC, deren Ruf als verläßlicher TLD-Betreiber ersteinmal ruiniert ist, gespannt als auch auf die Berichte der Nachwirkungen; bedingt durch technische Kniffe (Caching), können die Auswirkungen auch noch Stunden nach dem Beheben des Problems vereinzelt auftreten.
Aber, um den Kreis zu schließen: »das Internet« funktionierte hervorragend. Nur eine der größten Top-Level-Domains war zeitweise komplett aus dem Netz gekippt …
