Bonner Legendenbildung bei König #Drosselkom

Man hat in Bonn lt. Golem.de neue Argumente gefunden, warum die Telekom nun mit “drosseln, was verbindet” als neuem Slogan assoziiert werden will.

Der Pressesprecher der Telekom wird demnach wie folgt zitiert:

Auch ein Restaurantbesitzer wird sein ‘All you can eat’-Angebot überdenken müssen, wenn einige Kunden daraus ‘You can eat it all’ machen. Fakt bei uns ist: Drei Prozent der Kunden verursachen mehr als 30 Prozent des Datenvolumens. Das bedeutet für die Kunden: Lieschen Müller subventioniert bisher den Heavy User.

Was die Telekom damit indirekt zugibt: es gibt etliche Nutzer, die unter dem Volumenkontingent bleiben — für diese Lieschen Müllers hat die Deutsche Drosselkom Telekom aber im Gegenzug keinen Mindermengenrabatt vorgesehen. Hier nimmt man gerne in Kauf, daß der Kunde drauf zahlt — nur Kunden, die die vertragliche zugesicherte Leistung auch nutzen, die mag man bei der Telekom nicht.

Interessanter Nebenkriegsschauplatz: Darf die Telekom eigentlich erheben, wer wieviel pauschal bezahlten Traffic ‘verursacht’? Das sollte mal juristisch beleuchtet werden — nach meinem Kenntnisstand dürfte die Deutsche Telekom genau diese Daten gar nicht haben, außer von Call & Surf- oder Fiber-Anschlüssen, wo ggf. die Drosselung schon seit längerem drin steht.

Gut, zugegeben, jede Mischkalkulation geht den Bach runter, wenn statt gemittelten sagen wir 30% nun 60% oder 90% des pauschal angebotenen Gutes über den Tresen gehen. Was die Telekom aber in den Drossel-AGBs als Volumengrenze vorsieht, sind nur rd. 1,4% des möglichen Datenvolumens eines 16 MBit/sec-Anschlusses im 30-Tage-Monat. Ja, das monatliche »Inklusiv-Volumen« eines Telekom-Privatkunden-DSL-Anschlusses ab Mai ist nach rd. 0,4 Tagen, also rd. 10 Stunden mit maximaler Bandbreite, verbrauchbar (Downstream; durch den Upstream verringert sich die Zeit noch etwas). Sofern das die bisherige Kalkulationsgrundlage war, nunja.

Und dennoch, viele werden auch in Zukunft darunter bleiben, nicht nur Omi Müller. Viele werden aber, wie ich, deutlich drüber sein:
Im März habe ich über VDSL (21/2) in Gütersloh 844.844 MB (ohne T-Entertain), in Berlin (VDSL/ADSL) 72.254 MB verbraucht. Mit bislang 629.377 MB zu 48.338 MB sieht es diesen Monat etwas moderater aus; In Berlin lebe ich unter der Woche und alleine, in GT sind zwei Jugendliche mit Handy/Laptop/Tablet (YouTube, …) und der gelegentliche abendliche maxdome-Film (in HD, weil in SD sieht es einfach nur scheiße aus :() mit am Start; natürlich auch (Server-) Backups … Hingegen rechnet sich die Internet-Flatrate (bei Alice) am NGN-Anschluß in der Praxis eher nicht: 971 MB im letzten Monat sind ziemlich eindeutig ;)

Ich hab’s ja schon mal angesprochen: ich bin sehr gespannt, wie die Telekom denn die zwingend notwendige Einzelverkehrsaufstellung für den Kunden nachprüfbar gestalten will — wer Päckchen zählt, muß auch die Abrechnung überprüfbar machen. Insbesondere, wenn Verkehre angeblich aus der Berechnung rausfallen. (Und derzeit ist m. W. Entertain nicht vollkommen auf VLAN8 beschränkt, z. B. NTP der Receiver läuft IIRC über VLAN 7 und damit im »gezählten« Bereich.)

Das, was derzeit geplant ist, muß jedenfalls verhindert werden, denn es wäre der Türöffner für alle anderen Anbieter, es der Telekom gleichzuziehen und Angebote Dritter nach Gutdünken zu behindern.

Für die Telekom hingegen führt ein klarer Weg aus der Netzneutralitätsfalle: sie muß *jeden* Verkehr in die Berechnung einbeziehen, d. h. nach 75 GB (also schätzungsweise unter einer Woche, wenn man, wie meine Kids, TV-Serien per Entertain aufnimmt) geht Lovefilm genausowenig wie maxdome oder Filmload — oder Live-TV per Entertain. (IP-Telefonie mit < =64 kBit/sec je Richtung kann aud beiden Seiten priorisiert werden, paßt also locker in die 384 kBit des Drosselkom-DSLs. Dies passiert übrigens schon heute mit Entertain; von meinen noch 22 MBit/sec technisch verfügbarr Bandbreite habe ich z. T. deutlich weniger als 16 zur Verfügung, wenn die programmierten Aufnahmen der Kinder laufen --- dann meldet auch maxdome, daß HD leider auf meiner Leitung nicht möglich ist ... Und Vectoring wir daran nichts ändern (900m Leitungsweg); nur FTTx, sei es als Glasfaser ins Haus oder, per Outdoor-DSLAM, zumindest an die Straßenecke, kann das ändern.) Dann ist Entertain zwar als Produkt tot, aber wenn es, wie geplant, bevorzugt wird gegenüber Mediatheken oder anderen Streaming-Diensten, wäre das für den noch immer größten Hecht im Teich ein unverhältnismäßiger Wettbewerbsvorteil.