G.vector auf twitter

Meine Kritik am Vorstoß der Deutschen Telekom, sich über den Vorwand, »Vectoring« (nach G.vector aka G.993.5) ginge nur auf dem gesamten Kabelbündel, womit entbündelte Leitungen, die Mitbewerber bislang anmieten können (umstecken der Kupferdoppelader in mein Haus von Telekom-Vermittlungstechnik auf jene von Anbieter X; Telekom bekommt Pauschalbetrag von X für die exklusive Nutzung der Doppelader), nicht mehr möglich wären, hat augenscheinlich jemanden in Pankow auf den Plan gerufen:

https://twitter.com/wusel/status/282262220602232833

Ich kann zu den angeblich heilsbringenden Eigenschaften des Vectorings nur auf einem Artikel der »Net« verweisen:

Nur wenige Teilnehmeranschlussleitungen innerhalb weniger hundert Meter werden diese sehr hohen Bitraten nutzen können. Bislang haben sich auch nur sehr wenige Anbieter zu dieser Investition durchringen können (nach [26]). Aufgrund der erwarteten Kosten und der hohen Bitraten, die derzeit jedoch von kaum einem Haushalt akut benötigt werden, wird die Vectoring-Technik für den privaten Nutzer in nächster Zeit noch nicht interessant sein.

Sprich: statt an 21 MBit zu darben kann ich vielleicht doch bei rd. 900m Leitungslänge mal auf knapp 50 MBit/sec hoffen — oder auch nicht, denn ich werde in Gütersloh »indoor« (DSLAM in der Vermittlungsstelle) versorgt, aber outdoor schlägt indoor und für indoor steht Vectoring gar nicht auf der Agenda …

Ein neuerer Artikel bringt es auf den Punkt:

Durch den Ausbau von Vectoring VDSL können vor allem ehemalige Monopolinhaber ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Betreibern von Breitbandkabelnetzen wie Kabel Deutschland oder Unitymedia KabelBW erhöhen, die Endkunden zum Teil bereits höhere Übertragungsgeschwindigkeiten anbieten, als sie über traditionelle VDSL2-Technik möglich sind.

Qui bono? Die Deutsche Telekom hat, leider aus meiner Sicht, bei der Privatisierung das zuvor mit staatlichen Mitteln (mit-) aufgebaute Telefonnetz geschenkt bekommen, anstatt es in eine Betriebsgesellschaft auszugliedert. Warum das ein Problem ist, beschreibt jener Artikel auch sehr schön, weshalb ich auf ihn verweise:

Dabei wird oft gar nicht oder nur am Rande erwähnt, dass Vectoring komplexe regulatorische Fragen aufwirft. Nach heutigem Stand der Technik ist nämlich davon auszugehen, dass die genannten Erhöhungen der Empfangsbandbreiten auf 50 – 100 Mbit/s und die erhofften Sendedatenraten von bis zu 40 Mbit/s lediglich dann erreicht werden können, wenn alle Kupferdoppeladerleitungen, die von einem KVz gemeinsam in einem Kabelbündel abgehen, von einem Netzbetreiber technisch kontrolliert werden.

Und hier liegt eben der Hase im Pfeffer: heute kann mehr oder weniger jedermann eine Telco gründen, sich neben ausgesuchte Kabelverzweiger Strom und IP-Anbindung legen lassen und dann ausgewählte Doppeladern, sprich die seiner Kunden, auf sein Equipment nebenan schalten lassen. Ab dann kontrolliert dieser Anbieter alles, was über die Doppelader geht. Mit dem Einsatz von G.vector ist dieser Ansatz nicht mehr kompatibel; die G.vector-Wolke würde die Doppeladern dieses Anbieters stören, und seine die G.vector-Wolke.

Jener Artikel geht im weiteren auf mögliche Szenarien an Regulierungsoptionen ein, die ich direkt mit einem »wenn Du merkst, Du reitest ein totes Pferd: steige ab!« kontern möchte. Ich sehe nicht, daß G.vector in Deutschland zielführend in irgendeiner gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise ist. G.vector pusht die Lebensdauer von Kupferdoppeladern, die vor 50+ Jahren für ganz andere Dienste verbuddelt wurden, noch mal 10, 15 Jahre; aber, in Deutschland, um welchen Preis? Und dann die Bandbreiten: wir reden von 100 MBit/sec bis vielleicht 300 MBit/sec auf kurzen Distanzen. Bis G.vector also ausgerollt ist, sind diese Bandbreiten auch wieder zu knapp — der Wettbewerb aber auf dem Kupfernetz der Telekom komplett ausgeschaltet.

Natürlich verstehe ich die Telekom; aber mit etwas Abstand sehe ich auch, daß G.vector, wie zuvor die Evolution ADSL -> ADSL2+ -> VDSL2, das generische Problem nicht löst: Kupfer ist tot.

Kabel-TV: Upstream Mangelware
Interessanter Nebenkriegsschauplatz: die Angebote der Kabelnetzanbieter prahlen gerne mit 50, 100, 150 MBit/sec — im Downstream. Im Upstream habe ich selten mehr als 6 MBit/sec gesehen, und je nach Anwendungsfall — und sei es die Musiksammlung zuhause statt bei Spotify, oder eine »Home-Cloud« á la Pogoplug — sind 50 bis 100 Mbit/sec mehr im Downstream weniger wert als die 10 MBit/sec im Upstream, die xDSL bietet, Kabel derzeit nicht. (Und da VDSL2 im Prinzip 100/100 definiert, sollte da eigentlich auch noch Luft sein.)