Rabattschlacht

(Blogged via flickr)

2 Cent/Liter Kundenrabatt, 1 Cent/Liter ADAC-Rabatt – und es ist immer noch sauteuer :(

Kamera: Nokia N900 (Brennweite 5.2mm, f/2.8)

Bauernopfer [Update]

Spannenden Einblicke in die Denkweise der japanischen Tepco-Verantwortlichen bietet N-TV:

+++ 02.17 Strahlenbelastung für Nothelfer steigt stark +++
Die Arbeiter am havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 bekommen bei ihrem Einsatz immer mehr radioaktive Strahlung ab. AKW-Betreiber Tepco erhöht die Obergrenze erneut auf nun 150 Millisievert pro Noteinsatz. Vorher waren 100 Millisievert pro Schicht das Limit gewesen, von den Arbeitern aber regelmäßig überschritten worden. Die neue Vorgabe von 150 Millisievert entspricht so viel Strahlung, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde.

 
Vielleicht sind wir Deutschen etwas übervorsichtig; daß die »Nothelfer« da sprichtwörtlich verheizt werden, der Eindruck drängt sich mir hier unwillkürlich auf.
Eine Technik, die es erforderlich macht, daß Humanmaterial reihenweise zu Todesmissionen abkommandiert (Tschernobyl 1986) oder in Form von Freiwilligen angeheuert (Fukushima 2011) werden muß, um faktisch durch Menschenopfer die Schäden für Mensch und Umwelt durch außer Kontrolle geratene Technik abzumildern, paßt nicht mehr in die heutige Zeit.

+++ 05.50 Neue Helfer unterwegs nach Fukushima +++
Eine zweite Gruppe Feuerwehrleute ist auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1, um ihre Kollegen bei dem gefährlichen Kühleinsatz an den Reaktoren abzulösen. Das zweite Kontingent stammt ebenfalls aus Tokio und ist 100 Mann stark. Der Wechsel geschieht, um die ersten Feuerwehrleute nicht noch stärker der radioaktiven Strahlung auszusetzen. Die neuen Kollegen sollten den Angaben zufolge noch am Samstag am AKW ankommen. Sie sind mit 14 Feuerwehrfahrzeugen unterwegs.

 
Ich zolle diesen Menschen, die hoffentlich wissen, in welche Stahlenhölle sie sich jetzt schon begeben, meinen Respekt. Was ich in den Nachrichten allerdings vermisse, ist die, wenn auch nur symbolisch wirken könnende, Teilnahme von Verantwortlichen aus Industrie und Politik für das atomare Desaster am verzweifelten Versuch, die Apokalypse abzuwenden. Traurig dreinzublicken allein finde ich doch etwas wenig, liebe Tepco-Führungsspitze …
[Update:] Derlei bekommt man ja wirklich nur in den Tickern, nicht den TV-Berichten, mit:

+++ 17.21 Sechs Helfer bekommen hohe Strahlendosis ab +++
Bei den Rettungsarbeiten am Atomkraftwerk Fukushima bekommen sechs Arbeiter zu viel radioaktive Strahlung ab. Bei den Männern wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Erst vor wenigen Stunden war der Grenzwert auf 250 Millisievert erhöht worden.

 
Würde man da nicht Menschenleben auf’s Spiel setzen – wobei, vielfach geäußerten Meinungen nach haben die »Nothelfer« dort Ihr Lebensglück eh’ verspielt –, würde ich jetzt sarkastisch hinterfragen, ob die ersten Würfel für die Höhe des Grenzwertes wohl karpott waren. So bleibt aber nur festzuhalten, was für eine Sauerei da im Gange ist, wie die Menschen, wie Zivilisten, wieder einmal, belogen und betrogen werden.
Bezeichnend auch, um mal den Schauplatz zu wechseln, die Fragen nach dem »wer macht das bei uns?« in der aktualisierten Fassung des »45-Minuten«-Beitrags »Die Atomlüge«, der diese Woche unter dem Titel Risiko Atomkraft in der ARD (und heute auf Phoenix, wo ich zufällig ihn gesehen habe) lief und wenige Tage auch noch online abrufbar ist.
Antwort, wie erwartet: letztlich niemand; zuständig für das, was im AKW geschehe, der Betreiber — beziehungsweise »der kerntechnische Hilfszug aus Karlsruhe« (»Risiko Atomkraft«, um Minute 23). Wohlgemerkt, auch für norddeutsche AKW-Störfälle ein Zug, also vermutlich V[sub]max.[/sub] eher 70 denn 200 km/h, aus Karlsruhe,
Und ich schätze, niemand dürfte in Deutschland dieser Strahlung ausgesetzt werden; eigentlich müßte der Zutritt in die Strahlungszone sogar weitflächig abgesperrt werden (viel Spaß …) — wie gesagt, ich bewundere die »Freiwilligen« in Japan, kann aber nur nochmal feststellen, daß eine Technik mit einem solchen »Restrisiko« nicht mehr in die Zeit paßt. (Und nein, letztlich ist das keine neue Erkenntnis. Aber Tschernobyl habe ich damals in Norddeutschland letztlich nur als »mehrere Jahre ohne Pilze sammeln im Herbst« erlebt. Es war halt auch medial eine andere Zeit.)
Wer sich die Parallelen Deutschlands zu Japan ansehen will, dem sei der Spiegel-Artikel »Auf kürzestem Weg in die nächste Kirche« empfohlen — er stammt übrigens aus dem Jahr 1977.[/Update]