Als ich vor einem Jahr im Rahmen einer Developer-Promotion ein Nokia N810 Internet-Tablet günstig erstehen konnte, fand ich das Konzept eines Geräts mit noch hosentaschentauglichem Formfaktor, deutlich über VGA liegender Auflösung, Touchscreen, ausziehbarer Tastatur und, nicht zuletzt, GPS, WLAN und Bluetooth eingebaut, sehr charmant.
Wie oft, so hielt auch hier die Realität nicht ganz, was „man“, also konkret ich, sich erhoffte. Tastatur, Display und Touchscreen sind ok; schon bei moderaten JavaScript-Seiten allerdings macht die ARM(e)-CPU schnell schlapp; wenngleich durch das Displayformat (800×480) das Browsen passabel möglich ist, mangelnde CPU-Leistung und fehlende (aktuelle) Plugins lassen doch so manches, was für „ausgewachsene“ Browser angeboten wird, auf dem „Internet Tablet“ unbenutzbar, unbrauchbar werden.
So landete das N810 nach wenigen Monaten doch in der Schublade untauglicher Versuche hinsichtlich der mobilen Internetnutzung — da, wo schon meine PocketPCs mit Windows Mobile 2002 und 2003 und erste Smartphones wie das Nokia 6630 auf einen zweiten Frühling harren …
Zum Urlaub in Tunesien packte ich es dann, neben dem Netbook HP Mininote 2133, mit ein — ich hoffte, es würde mit Kismet oder MaemoMapper ein praktischer GPS-Logger sein können … Handlich ist es ja, GPS und Software sind dabei … Großer Denkfehler!![]()
Das Linux auf dem N810 an sich ist ene feine Sache; leider krankt die „Firmware“ an mittelprächtiger Unausgereiftheit und offensichtlich dem Rotstift beim Komponentenkauf. Beispiel GPS: wo N95 und E71 – unassisted, mangels mobilem Datentarif in/für Tunesien – binnen vielleicht 5 Minuten ‘nen Fix errechnen, stümpert das N810 locker 15 Minuten ergebnislos Daten vom Himmel. Konsequenterweise auch unbeleckt von Positionsdaten von vor 5 Minuten mit jedem (Warm-) Start wieder neu. Und warm-/durchstarten tut mein N810 gerne, wenn MaemoMapper läuft und dann chronisch ca. 50% der CPU-Zyklen verbrät. Es greift dann irgendein dämlicher Wachhund, den die Nokianer in die Firmware gebaut haben — natürlich läuft nach dem Neustart aber keine Tracking- bzw. Mapping-Applikation mehr, so daß der Track unvermittelt früh endet, guckt man nicht alle 5 Minuten auf das – immerhin ausgezeichnete – Display.
Dank des CPU-Bedarfs von MaemoMapper allerdings ist nach rd. 3h sowieso der Akku am Ende — irgendwie hätte ich mir das anders gewünscht. Die Krönung aber ist der gpsd, der – was Wunder – natürlich mit meinem externen Bluetooth-GPS-Empfänger nicht sprechen mag; trotz Anzeige eines Fixes am Empfänger vermelden sämtliche N810-Programme tapfer die Suche nach einem Fix bei 1 Satelliten in Sicht. Gut, das Problem kenne ich ja schon — nur ist der gpsd im N810 augenscheinlich in die GPS-Infrastruktur verwoben und ein Austausch gegen eine normale Linux-Version erscheint „schwierig“.
Zum ExtGPS-Programm auf N95 oder E71 verliert das N810 leider unregelmäßig den Kontakt — und wartet dann hochintelligent mit einem Requester auf, fragend, ob die Verbindung erneut versucht werden solle. Manchmal frage ich wirklich, wo die Coder ihr Hirn versetzt hatten, als sie derlei Dummfug kodeten :(
Nun denn, so wurde es also nichts mit einem kompletten Tracking, welches eigentlich die fehlenden GPS-Möglichkeiten der eingesetzten Digitalknipsen kompensieren sollte, indem später anhand von Trackingpositionen und -zeitspempeln die Bilder nachverortet werden sollten. Technologisch war der Urlaub mithin ein Griff ins Klo, zumal am vorletzten Tag min N95 begann, während Videoaufnahmen kommentarlos zu rebooten — die laufende Aufnahme natürlich nirvanisierend. Nur die noch laufende Vodafone-Gewährleistung bewahrte es vor einen heftigen Zusammenprall mit tunesischer Bausubstanz. (Und ja, eingehende SMS als auch BT-Verbindungen oder defekte SD-Karten wurden in Testreihen ausgeschlossen — das N95 ist einfach im Eimer :()
Bleibt mir also die – nicht neue — Erkenntnis, das nicht alles, wo Linux drin ist, gut ist; Dreckssoftware bleibt Dreckssoftware auch unter Linux, Kackhardware (oder unzureichend unterstützte, kommt hier auf’s selbe raus) bleibt auch Linux-driven Kackhardware. Und es bleibt die Bestellung eines autarken GPS-Loggers, vorzugsweise wäre dieser voll unter Linux (i386; armv6l wäre ein Plus) nutzbar und als i-Tüpfchelchen auch noch parallel zum Datenloggen als USB-, alternativ BT-, -GPS-Empfänger nutzbar … Any ideas?
2 Replies to “N810, das Nicht-Ubertool”
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Die CPU-Last bei der Nutzung von maemo mapper hält sich stark in Grenzen, wenn man eine externe GPS-Mouse nutzt:
http://www.n800wiki.de/pmwiki.php?n=Main.GPS-Maeuse
Ich habs mit meinem N800 + Holux M-1200 + maemo mapper locker über 8h tracken können. Und dabei auch noch alle paar Minuten aufs Display geguckt wo ich gerade bin…
Cool, danke für den Link; lt. einem anderen Artikel existiert, entgegen der Aussage im N800-Wiki, mit MTKBabel ein perl-Tool zum Auslesen der Tracks des i-Blue 747 GPS data loggers. Jener scheint demnach das zu sein, was ich suche – mal gucken, wo’s den günstig und schnell gibt ;)