Nach der Bahn, wo Schaffner Minderjährige ohne gültigen Fahrschein typischerweise aus dem Zug schmeißen, machen nun die Nahverkehrsbusse Schlagzeilen. Lt. eines Berichts bei Spiegel Online nahm jüngst ein Busfahrer sämtliche Fahrgäste, darunter wohl ein hoher Anteil minderjähriger Schülerinnen und Schüler, mal eben in Geiselhaft, um in Selbstjustiz ein Attentat auf sein Leib und Leben mit einer Mandarinenschale zu ahnden:
Mittag, Schulschluss am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium und an der Hauptschule in Neufahrn bei München: Die Kinder drängen in den Bus der Linie 691, der Fahrer gibt Gas, dann fliegt eine Mandarinenschale durch den Bus und prallt an die Frontscheibe.
Zu viel für den Busfahrer – 20 Meter vor der nächsten Haltestelle fährt er an den Straßenrand, baut sich vor seinen minderjährigen Fahrgästen auf und brüllt die Schulkinder an. Der Bus fahre nicht weiter, bis der Mandarinenschalenwerfer sich stelle, diktiert der Fahrer seine Bedingungen. […]
Eltern, die von ihren eingeschüchterten Kindern per Handy alarmiert wurden, hätten den Wutausbruch des Fahrers am Telefon mit angehört. Nachdem eine Mutter mit ihrem Auto zu dem stehenden Bus gefahren war, um die Tochter wegen eines wichtigen Arzttermins abzuholen, habe der Mann sich geweigert, das weinende Kind aussteigen zu lassen. Der Mann hat sie laut “tz” durch ein Fenster angeschrien: “Ich lass mich doch nicht beschmeißen! Hier kommt keiner raus!” Daraufhin habe der Fahrer Gas gegeben und die Kinder erst an der übernächsten Haltestelle aussteigen lassen.
Richtig so. Aus dem Zug werfen ist böse, das hat der Busfahrer, dessen Leib und Leben ich durch diese Mandarinenschale ganz klar bedroht sehe, verinnerlicht; und bei keifenden Weibsbildern ergreift man besser die Flucht, das wird er von zu Hause kennen …
Mal ernsthaft, geht’s noch? Schulkinder im Bus, das ist imho generell nicht unproblematisch; aber wie kann der MVV als Betreiber dieser Buslinie diese, meiner nicht-Juristen-Meinung nach, Freiheitsberaubung und Nötigung in zig Fällen durch einen augenscheinlich vollkommen überforderten Busfahrer auch noch gutheißen?
Die “tz” hingegen erfuhr vom MVV, die Schüler hätten Scheibenvorhänge heruntergerissen und die Mandarinen-Schale “gezielt” auf den Mann geworfen. Der Busfahrer habe durch sein Verhalten eine Verkehrsgefährdung verhindert.
Eines ist mir jedenfalls jetzt klar: sobald meine Kinder sich dem ÖPNV anvertrauen müssen, werden sie u. a. für solche Fälle mit einem Handy ausgestattet werden. Vorzugsweise mit einem »anpeilbaren« bzw. trackenden, denn wer sagt mir denn, daß der nächste durchtickende Busfahrer nicht in einen Wald fährt, fernab von seiner eigentlichen Linie? Außerdem: Nicht munter weiterziehen lassen; festnehmen den Typ und dann direkt an die alarmierten grün blau-weißen übergeben!
