Gummipunkte

Es gibt Tage, da wünschte ich mir ganz viel von dem Kraut, was andere vor dem Texten geraucht haben müssten — heute ist so ein Tag und Golems Lobhudelei auf OpenSolaris, konkret »Project Indiana«, ist so ein Artikel.

[Dank] Gnome-Desktop und die gut integrierten GNU-Programme können Linux-Nutzer so weiterarbeiten, wie sie es gewohnt sind. Obendrauf bekommen sie dann noch Solaris-Techniken wie das Dateisystem ZFS, die Virtualisierungstechnik Zones und das dynamische Tracing-Framework DTrace.

 
Hmm, wozu brauche ich Zones, wenn ich mit UML (Usermode-Linux) weitgehend unabhängige Linux-Kernels auf einem Linux fahren kann, mit Xen mit und ohne Hardwareunterstützung weitgehend autarke virtuelle Maschinen bilden oder mit vserver bzw. OpenVZ auf dem Hostkernel basierende Linux-Instanzen laufen lassen, die Solaris-Zonen nicht unähnlich sind? Vom meinem Standpunkt hinsichtlich der Wartbarkeit aus gesehen, brauchen alle vorgenannten Methoden, Solaris’ Zonen eingeschlossen, noch einige Mannjahre, bis sie ein Managementframework bieten, wie man es bei VMware heute kaufen kann. But, as always: your mileage may vary.

Überdies wird der Caiman-Installer die Installation langfristig so einfach machen, wie dies von Linux-Varianten wie Ubuntu bekannt ist. Hier fehlt derzeit die Möglichkeit, selbst zu partitionieren, um auf einem System ohne vorhandene Solaris-Partitionen nicht die gesamte Festplatte opfern zu müssen.

 
Wirklich, diese Glaskugel hätte ich gerne — wobei ich nur die Lottozahlen von morgen mir holen würde. Der »Caiman-Installer wird« also die Installation »langfristig« so einfach machen, wie sie es bei nahezu jeder Linux-Distribution schon heute ist? Hamma! Leider hat der Autor nicht näher spezifiziert, in welchem Jahr der Zukunft er dieses beobachten konnte; dem Leser bleibt nur zu raten, daß, weil »langfristig«, weniger in Monaten denn in Jahren gezählt werden darf.
Abgesehen davon, daß es das zumindest näherungsweise schon gibt – nennt sich Nexenta (»NexentaOS is a complete GNU-based open source operating system built on top of the OpenSolaris kernel and runtime.«); ich muß allerdings gestehen, daß ich nicht mehr weiß, ob ich die Platte partionieren konnte, was in der VMware-Instanz aber auch ohne Bedeutung war –, warum läßt Sun nicht sein angejahrtes OS so friedlich dahinscheiden wie die ebenso angejahrte Sparc-Architektur, die, wie vorher schon MIPS, vielleicht im Embedded-Umfeld noch eine Zukunft hat?
Statt sich mit Solaris aufzuhalten, könnte Sun sich lieber der Erfüllung des, bis heute meines Erachtens leeren, Versprechens »write once, run anywhere« für Java widmen; stattdessen stürmen die Versionsnummern von Java nun auch schnellen Schrittes auf die 10 (oder X?) zu, mit mehr und mehr als Kollateralschäden auf der Strecke bleibenden Java-Anwendungen. (Jene mögen bescheiden gecodet sein, ok. Aber in der User-Experience scheint es mir im Jahr 2007 wahrscheinlicher, daß eine Flash-Anwendung auf einem Linux daß tut, was der Programmierer mal intendierte, als daß ich dies für eine Java-Anwendung auch nur zu hoffen wagen würde.)

Technisch könnte Suns Vorhaben gelingen und zudem durch Vorteile von Solaris wie die Abwärtskompatibilität sowie die lange Unterstützung durch Sun punkten – genügend Treiber für aktuelle x86-Hardware vorausgesetzt.

 
Treiber sind das eine — verläßliche Produktpolitik ist das andere. Und letzteres kann man Sun weder bei Solaris x86 noch bei Suns Linux vorwerfen. Berechenbarkeit ist mit dieser Historie ebenfalls kein Pfund, mit dem Sun für Solaris x86 wuchern könnte.
Solaris x86 ist, und da beißt die Maus keinen Faden ab, ein anderes Betriebssystem als Solaris/SPARC. Wahrscheinlich ist es das zukünftige Betriebssystem der Server von Sun — außer einer gewissen Solidität vermag ich nicht mehr viel Vorzüge an den sparcbasierten Angeboten Suns zu finden, als hochperformanter Datenbankserver im Web2.0-Umfeld jedenfalls eignen sich 1,x GHz-Sparc-Dickschiffe nicht so sehr wie kleine rote Flitzer mit Dual- oder QuadCores aus Intel- oder AMD-Schmiede; Single-Thread-Performance darf man heute auch nicht vernachlässigen, genauso wie die Auswirkung fehlender FPUs …
Inwiefern greift dann aber das angeführte Argument der »Vorteile von Solaris wie die Abwärtskompatibilität sowie die lange Unterstützung durch Sun«?
Welche 1999 geschriebene kommerzielle Solaris-x86-Anwendung muß man heute auf Solaris 10 x86 umziehen, damit dies Argument greift?
Wie sieht es mit der Unterstützung von Hardware aus, die seinerzeit mit Solaris 8 x86 installiert wurde — liefert Sun hier Treiber für jede damals unterstützte Hardware auch bei Solaris 10 x86 mit?

Damit das gelingen kann, muss Sun aber noch eine andere Aufgabe erfüllen, die auf Ian Murdocks Plan steht: Es muss eine Community rund um OpenSolaris entstehen, so wie es sie bei Debian, Fedora oder Ubuntu gibt.

 
Und xas wird Sun nur schwerlich erreichen, allem Schönblogging zum Trotze; schon deshalb nicht, weil Sun eben nicht in der gleichen Liga und gleicher Intention spielt:

Für die Vorschau verwendet Sun die nicht freie OpenSolaris Binary License.

 
Es wird Anhänger geben, Protagonisten; ob sich eine Community bilden wird, die signifikant die Entwicklungsleistung übernehmen kann – sofern Sun dies überhaupt zuliesse, was nicht ersichtlich ist –, ist aus meiner Sicht mehr als fraglich. Für Geeks ist und bleibt es eine weitere Option — oder, wie es Steven J. Vaughan-Nichols in eweek schrieb: »I don’t get it. I mean, yes, I like [Solaris x86]. But then, I also like BeOS, OS/2 and CP/M-80. What can I say? Some people collect baseball cards, I collect operating systems.«

7 Replies to “Gummipunkte”

  1. Hallo Kai,
    möchte hier auch einen Komentar abgeben:
    Ja wir wissen, dass Solaris in der Vergangenheit nicht einfach zu installieren war, also für den Desktop-Anwender nicht unbedingt die erste Wahl. Aber in der kommerziellen IT ist Solaris die Nummer eins in Bezug auf Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit, um nur einige Vorteile zu nennen.
    Linux hat den Support unserer 8-Kerne-System bereits vor mehr als einem halben Jahr in den Linuxkernel aufgenommen.
    Was ist hier falsch daran Solaris, ein seit 25 Jahren anerkannten OS der Community zur Verfügung zu stellen und sich gleichzeitig die Aufgabe zu stellen, die sehr guten Ansätze aus der Community aufzunehmen und umzusetzen?
    Würde das gerne verstehen.
    Frank Selbach

  2. Der von “Fachwissen” strotzende Vergleich zeigt wieder einmal welch eingeschränkte Sichtweise manche Leute aus dem Linux-Lager, insbesondere Big Blue nahestehenden Personen, gegenüber Neuerungen haben, die nicht die eigene Community hervorgebracht hat.
    Project Indiana hat als Ziel-Einsatzgebiet den Entwickler- und Systemadministrator-PC im Auge und eben nicht DAU-kompatible Arbeitsplätze. Es geht darum potentiell Interessierten aus dem Linux/BSD-Umfeld einen möglichst einfachen Einstieg in eine OpenSolaris-basierte Umgebung zu bieten.
    Falls sich dann z.B. ein Applikationsentwickler darauf einlässt wird er wohl selbst entscheiden welche Umgebung ihm besser behagt. Das OpenSolaris-basierte System bietet jedenfalls Alleinstellungsmerkmale, die derzeit nicht unter Linux zur Verfügung stehen. Ob dies bei der Zielgruppe ankommt wird die Zukunft zeigen.
    Von der Preview-Version bis zum Release 03/08 gibt es noch Zeit unschöne Dinge wie z.B. die noch fehlende Möglichkeit zur Partitionierung nachzurüsten.
    Otmanix

  3. Hallo Kai,
    ich akzeptiere dein Schweigen auf meine Frage. Würde mir freuen, wenn Du mir Deine Kontaktdaten zukommen lassen würdest, damit wir uns vielleicht mal persönlich treffen. Sun kann und will der Opensource-Community helfen, es ist schade, wenn das nicht genutzt oder falsch verstanden wird.
    Gruß aus dem Rheinland,
    Frank
    PS: Du hast meine eMail-Adresse oder über Xing.

  4. Salve,
    Mädels, es ist (ok, war) Samstag …
    @Frank:

    Aber in der kommerziellen IT ist Solaris die Nummer eins in Bezug auf Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit, um nur einige Vorteile zu nennen.

     
    Unterschreibe ich sofort für Solaris auf Sparc; meine Erfahrungen mit Solaris x86 in eben dieser kommerziellen IT lassen eine solche Aussage für diese Plattform-OS-Kombination derzeit zumindest nicht zu.

    Linux hat den Support unserer 8-Kerne-System bereits vor mehr als einem halben Jahr in den Linuxkernel aufgenommen.

     
    Beziehst Du Dich auf die Integration der T1-Unterstützung seinerzeit? (Kam, IIRC, zuerst in Ubuntu und die T1000 war ersten Blogs damals zufolge sogar flinker unter Ubuntu als unter Solaris ;))

    Was ist hier falsch daran Solaris, ein seit 25 Jahren anerkannten OS der Community zur Verfügung zu stellen und sich gleichzeitig die Aufgabe zu stellen, die sehr guten Ansätze aus der Community aufzunehmen und umzusetzen?

     
    Solaris ist, auf Sparc, meiner Ansicht nach ein erprobtes, recht stabiles Betriebssystem. Die Portierung auf die x86-Architektur allerdings ist in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt worden, dies ging bis zur Abkündigung. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus.
    Gut, Sun hat die Strategie geändert und bringt mehr und mehr x86-basiertes Blech raus, neuerdings auch wieder Intel-getriebenes. Ob das, wie seinerzeit die V650x(?), wieder Sun-gelabelte Intel-Barebones sind oder eher eine Eigenentwicklung, entzieht sich meiner Kenntnis; bei einer installierten Basis von mehreren hundert x86-Servern (Linux, Windows) mit einer seit 1999 konsistenten und funktionalen Remotemanagementlösung sucht man nicht ohne Not Schmerzen in Form einer neuen Plattform. (Quizfrage zur späten Stunde: welche der folgenden Sun-Systeme nutzen beim LOM ein identisches Userinterface (Look-and-Feel bzw. identische Kommandos auf dem CLI): V650x, V40z, X4200, X4450?)
    Solaris x86 muß also auf den eingeführten Systemen laufen; und Solaris x86 auf non-Sun-Hardware ist … lange Zeit alles andere als trivial gewesen. Mittlerweile finde ich, z. B. bei HP, Listen, in denen Standardhardware als »zertifiziert« für Solaris x86 ausgewiesen wird. Das ist ein klarer Fortschritt.
    Meine Vorbehalte gegen Solaris x86 bleiben; da ist nachwievor die Frage nach der Nachhaltigkeit der aktuellen Strategie und insbesondere die Frage des Supports von Solaris x86 auf nicht-Sun-Hardware durch Sun (oder meinethalben vom Hardware-Vendor).
    Ich habe eine ungefähre Ahnung, wieviel Aufwand es für die kommerziellen Linux-Distributoren bedeutet, aktuelle Hardwareentwicklungen mit der von Linux in Einklang zu bringen; und auch, wieviel Ärger es einem Anwender bringen kann, wenn durch kleine Hardwareänderungen in der Serie die Treiber nicht mehr sauber funktionieren. Da wird, für mich zumindest, Sun am Markt erst noch zeigen müssen, inwiefern dieser Spagat funktionieren wird.
    Solaris, für Sparc, ist eine gänzlich andere Geschichte, hier zieht wirklich z. B. die Binärkompatibilität; nur sehe ich derzeit nicht wirklich eine Zukunft für die Sparc-Architektur, von Niagara abgesehen. (Andeutungen über eine Zukunft, die jemand schon intern gesehen hat, wegen NDA aber nicht kommunizieren darf – nur soviel sei gesagt, es werde Milch und Honig regnen!!11! – lese ich gerne — aber warte auf die real-existierende Hardware, bevor auch ich mich, vielleicht, naß mache.)
    Kommen wir zu OpenSolaris, zur Community. Zurück zu einem Teil Deiner Frage »Was ist hier falsch daran Solaris […] der Community zur Verfügung zu stellen?«
    Ist gar nichts schlechtes dran, geschenkt ist immer gut – ich gewährte auch einer T2-basierte Maschine in meinen privaten Hardwarezoo Asyl, sollte sie an meine Tür klopfen ;)
    Aber: Cui bono? Oder konkret: was hat Sun davon? Von Großherzigkeit alleine lassen sich keine Rechnungen bezahlen.
    @Otmanix:

    Der von “Fachwissen” strotzende Vergleich zeigt wieder einmal welch eingeschränkte Sichtweise manche Leute aus dem Linux-Lager, insbesondere Big Blue nahestehenden Personen, gegenüber Neuerungen haben, die nicht die eigene Community hervorgebracht hat.

     
    Weißt Du was über »Big Blue«, was ich wissen sollte? Sollte mich wundern; aber FUD ist ja ein probates Mittel, andere Meinungen in Mißkredit zu bringen — insbesondere, wenn man mit Argumenten grade nicht glänzen kann.
    Ich nehme gerne zur Kenntnis, daß »Project Indiana […] als Ziel-Einsatzgebiet den Entwickler- und Systemadministrator-PC im Auge [hat] und eben nicht DAU-kompatible Arbeitsplätze. Es geht darum potentiell Interessierten aus dem Linux/BSD-Umfeld einen möglichst einfachen Einstieg in eine OpenSolaris-basierte Umgebung zu bieten«. Fein. Hast Du das auch Golem geschrieben? Warte, mal in die Kommentare schauen … Hmm, scheinbar nicht. Das ist komisch, denn Golem schreibt nämlich folgendes: »Suns Vorhaben ist klar: OpenSolaris – und damit dann auch Solaris – soll Linux-Nutzern vertraut erscheinen, um so attraktiver für sie zu werden.«
    Die Fokussierung auf (primär) Entwickler- und Systemadministrator-PCs scheint auch Golem nicht soo klar zu sein — wenn Du also bitte auch dort dies richtigstellen würdest, wäre ich Dir sehr verbunden. TIA.
    @Frank: Mea culpa, hätte ich auch nur geahnt, wie wichtig mein kleiner Artikel im diesem abseitigen Blog ist … ich hätte natürlich die Tastatur nicht verlassen und schneller geantwortet ;)

    Kontaktdaten siehe Impressum, whois, Google, … oder, natürlich, openBC.

    @batschul, auch wenn ich bezweifle, daß Deine Mailadresse stimmt und Dein Eintrag somit nie veröffentlicht wird: vom Verhalten her ist Solaris x86 an vielen Stellen anders als Solaris Sparc. Du kämpfst mit anderen – imho suboptimalen, aber Sun wird dafür Gründe gehabt haben – Bootkonzepten, mit Features, die unter Solaris x86 anders als in Solaris Sparc, oder auch gar nicht, implementiert sind. Ja, klar, Solaris’ /usr/bin/grep kann weder unter x86 noch Sparc »-A5« — das ist zwar lästig, aber auch nicht der Punkt. Mit wievielen Solaris-Möhren welcher Architektur schlägst Du Dich tagtäglich herum?

  5. Zum Thema Big Blue: Wenn man man OpenVz und Solaris Container/Zones vergleicht, nur weil als Nebenprodukt lx-branded Zones entstand, vergleicht man nun mal Äpfel und Birnen. Außer von IBM-Vertretern hab ich diesen sehr hinkenden Vergleich noch nie gehört. Der Haupteinsatzzweck von Zones ist Solaris-Applikationen in voneinander abgeschotteten Bereichen aber auf einem Solaris-Kernel zu betreiben und damit eine hochperformante virtualisierte Umgebung zu schaffen.
    Das Durcheinanderwürfeln unterschiedlicher Virtalisierungstechniken und dann als Ergebnis “VMware ist besser dank GUI/Tools” zeugt für mich nicht gerade von Fachkenntnis. Auch wenn ich VMware ESX klasse finde, die Konkurrenz holt gewaltig auf und es gibt auch unter VMware noch durchaus Optimierungspotential.
    Mit Alleinstellungsmerkmalen meine ich z.B. dtrace und zfs. dtrace zeigt im BSD und MacOsX berreits, daß es auch außerhalb von OpenSolaris Entwickler gibt, die auf solche Debugging-Möglichkeiten gewartet haben. ZFS als Root-Filesystem mit Snapshots und NFSv4-ACLs (Windows-binärkompatibel > interessant für Samba) ist eine tolle Sache. Regelmäßige Snapshots von Home-Verzeichnissen sind ein echter Mehrwert. Noch in Arbeit befindlich ist snapupgrade, das Upgrades den Schrecken nehmen wird, wenn man einfach auf den alten Stand zurück will. Ähnlich funktioniert das heute schon (aber auf Basis einer seperaten Partition) mit Liveupgrade unter SXCE. Ich denke, damit sind schon einige Möglichkeiten genannt, die das System deutlich von Linux abgrenzen.
    Bei dem Golem-Kommentar habe ich mich nicht präzise genug ausgedrückt. Eine Möglichkeit zur Kommentarbearbeitung habe ich aber nicht gefunden. Nach allem was ich bis dato zu Indiana vernommen habe liegt der Fokus darauf Entwickler und Admins dafür zu begeistern um eine Verbreiterung der Code-Basis für OS/Apps zu erreichen. Falls dies klappt, könnte das System langfristig auch ähnlich interessant für Endanwender werden wie heute Linux.

  6. Der Haupteinsatzzweck von Zones ist Solaris-Applikationen in voneinander abgeschotteten Bereichen aber auf einem Solaris-Kernel zu betreiben und damit eine hochperformante virtualisierte Umgebung zu schaffen.

     
    Solaris’ Zonen haben sicherlich Ihren Sinn und auch einen gewissen Charme; mir gehen sie nicht weit genug. Für meinen Geschmack bieten sie nicht genug Unabhängigkeit für eine allgemeine Virtualisierungsmethode und bürden dem Systemadministrator zu viele zu beachtende Abhängigkeiten auf. (Detais, die der auf Zoneneinsatz hinarbeitende Entwickler vielleicht gar nicht kennt/sieht.)
    Wie immer: YMMV; der Stand heute mag auch ein anderer sein als der vor Jahr und Tag mit dem Depoyment begonnen wurde …

    Das Durcheinanderwürfeln unterschiedlicher Virtalisierungstechniken und dann als Ergebnis “VMware ist besser dank GUI/Tools” zeugt für mich nicht gerade von Fachkenntnis.

     
    Vielleicht solltest Du den Abschnitt dann nochmal im Kontext lesen; ich stelle im Kontext des Golem-Artikels, der laufend Parallelen zu Linux zieht, die Frage warum ein User sich (Open-)Solaris in Form der Indianapreview antun sollte, um ‘nen Gnome-Desktop und eine eingeschränkte Virtualisierungsoption zu bekommen — wenn er auf der gleichen Hardware dies, und im Falle x86 auch deutlich mehr, schon seit längerem mit Linux kann. Und das Ergebnis ist nicht »VMWare ist besser«; die Aussage war und ist, daß ich für das zentrale Management zur Zeit neben den Lösungen von und für VMware nicht viel sehe — Pointer werden gerne genommen. Meine UML-Instanzen laufen seit Jahren (nach SKAS-Patch für den Host) angenehm unauffällig …
    Nochmal: bitte den Kontext nicht außer Acht lassen; ich beziehe mich explizit auf den Golem-Artikel. Golem schreibt: »Dies möchte Sun ändern: Solaris soll gegenüber Linux aufschließen und OpenSolaris soll sich einfacher einsetzen lassen. Das heißt vor allem, dass eine Binärdistribution geschaffen wird, die Anwender herunterladen, auf eine CD brennen und installieren können – genauso, wie man es von Linux-Distributionen kennt.« Kann man machen, doch da es Solaris 10 x86 kostenlos gibt, erlaube ich mir schon ein »Warum?«. Der vormals als »Ziel-Einsatzgebiet« angesprochene »Entwickler- und Systemadministrator-PC« benötigt kaum so eine Distribution; zumindest beim Entwickler, der auf seinem PC testet, kann und IMHO sollte ein traditionelles Solaris installiert werden — nicht jede IT-Abteilung fährt the latest and greatest OpenSolaris auf Produktionssystemen …
    Für mich zielt Indiana darauf ab zu versuchen, über breit gestreute, kostenlos verfügbare Linux-like Distribution(en) den Bedarf an Solaris wieder zu erwecken; letztlich dürfte die Durchdringung von Linux auf Entwickler- und Systemadministratorrechnern zumindest zu einem Teil zum Run auf Linux als (Web-)Server-OS beigetragen haben. Und daß Sun versucht, dieses Pferd auch mal zu satteln und zu reiten … ist aus meiner Sicht durchaus legitim. Ich sehe da zwar einen noch geringeren »Markt« als bei den BSDen, aber Wettbewerb im OSS-Umfeld befruchtet ja auch ;)
    Ohne Anwendungen kein Geschäft, mag das OS/die HW auch noch so Klasse sein — das hat die Geschichte wiederholt gezeigt. Bei kostenlosem OS, zumal, anders als bei Apple, auf Fremdhardware einsetzbar, sehe ich nur den Businesscase nicht …
    DTrace, ZFS, alles tolle Entwicklungen — deren Zweckmäßigkeit auf dem Arbeitsplatz ich allerdings (derzeit?) nicht sehe. ZFS werde ich mir, im Standardsolaris, wie es im DC zum Einsatz käme, in 2008 wieder mal ansehen; wenn es einerseits stabiler weiter gereift ist und andererseits hoffentlich das Hyping nachgelassen hat.

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