Reine Nervensache

Wer dieser Tage Protest gegen G8 macht, darf sich einer verstärkten Aufmerksamkeit der Ordnungshüter gewiß sein.
Schon letztes Jahr, bei Merkels Grillparty mit Bush in Trinwillershagen bei Stralsund – Kostenpunkt wohl lt. Spiegel Online 15 Millionen Euro, Dieter Hildebrandt sprach am 29.05.2007 in der Sendung »JBK« gar von 25 Millionen –, gab es deutliche Einschränkungen für die von Merkels Einladung betroffenen Anwohner. Verglichen mit Heiligendamm war das aber ein Kindergeburtstag, zumindest lt. Berichterstattung (ich lebe dort nicht und war auch nicht aus Spaß dort, um meine Körperöffnungen inspizieren zu lassen).
In Hamburg traf die Nervosität einen Licht-Aktivisten; ob man dazu schon »Wilkür« sagen darf? Einen faden Beigeschmack jedenfalls hat die vorläufige Festnahme, sofern es sich denn wie berichtet abgespielt hat.
Hintergundinfos und Story auf Indymedia, Zusammenschnitt des verhaftungsrelevanten Materials hier:

Abschrift:

Aktivist: Was ist denn loos?
Polizist: Die ganze Beschriftung hier, der G8-Gipfel, ich weiß nicht was, was, ist das für’n Hintergrund, was Sie hier machen wollen?
Aktivist: Na ja, es ist… Aber das ist…
0Polizist: Sagen Sie’s doch, was ist das für’n Hintergrund? G8-Gipfel?
Aktivist: Protest, ja.
Polizistin: Genau, ja! Sie sind vorläufig festgenommen!
Polizist: … sind Sie vorläufig festgenommen.
Polizistin: Ganz genau.
Polizist: Genau wegen diesem Hintergrund. Deswegen kontrolliere ich Sie jetzt, deswegen guck’ ich nach. Nur für Sie zur Begründung. Ich sag’s, ich sag’s zu Ihnen, weil Sie haben ja gefragt …

 
G8 + Protest = Verhaftung. Da fackelt man nicht lange, könnte ja jeder kommen, mitten in der Nacht, und mit Photonen gegen G8 kämpfen. Da ist Gefahr mit dem Kommen in Verzug …
Mag der Pressesprecher der Bundesregierung noch so wettern; das sind schmeckt nach russischen Verhältnissen. Vielleicht ist die Behandlung in polizeilicher Obhut hier besser; das Tondukument aber erweckt den Eindruck, daß derzeit in Hamburg schon die Erwähnung der Worte »G8, Protest« zur sofortigen vorläufigen Festnahme führen kann.
(Immerhin muß man festhalten, daß die Aktion am Bunker Feldstraße ein paar Tage später ohne Verhaftung über die Bühne ging …)

Mi, 23. Mai 2007 – Gedächtnisprotokoll
[…]
gegen 03:00
Ich schneide ein S/W-Bild vom Zaun um Heiligendamm aus und projiziere dieses auf den Turm.
2 Streifenwagen kommen an. Ein Polizist fragt mich, was ich hier mache. Ich antworte: „Eine Projektion“. Ich werde aufgefordert sofort alles auszumachen und mich auszuweisen. Ich schalte den Projektor sofort aus und suche meinen Pass in meinem Jackett. Ich werde aufgefordert meine Hände aus den Taschen zu nehmen. Ein Polizist will den Ausweis selbst aus der Tasche nehmen. […]
gegen 04:30
Ich werde informiert, dass ich gehen kann. Es wird keine Anzeige geben, jedoch wird ein Bericht geschrieben. Meine Ausrüstung kann ich sofort wieder zurück haben. Es wird mir verboten wieder zum Fernsehturm zu gehen und heute Nacht nochmals zu projizieren. Dann würde die Ausrüstung beschlagnahmt werden.
Ein Grund der Festnahme wurde nicht genannt.
Ich erhalte mein Fahrrad, Anhänger und Ausrüstung zurück, überprüfe sie kurz und zeichne sie gegen. Ich lasse mir noch von einem Polizisten die Vorgangsnummer geben und mache mich auf den Heimweg.

 
Auch eine Camp-Aufbau-Kolonne hatte so Ihre liebe Not mit der Polizei — ich habe im Folgenden Material von www.g8-tv.org als auch graswurzel-tv.de zusammengeschnitten. Man beachte insbesondere die Begründungen für den Einsatz …

»Es liegt der Verdacht nahe, daß die Gipfelkritiker diese Fahrräder benutzen, um in Heiligendamm mobil zu sein.« Verschwörungstheoretisch interessant ist sicherlich, wieso ein angeblich gestohlenes Fahrrad tatsächlich auftaucht — wer hat dort Gestohlenes gespendet, war das Zufall? Aber ich denke, der Aufwand ist gerechtfertigt, denn schließlich werden Fahrräder ja häufig eingesetzt bei kriminellen Handlungen wie z. B. schwerem Einbruchdiebstahl:

(Nur für Nachahmer: Flutlichtbeleuchtung, zusätzliche IR-Cams und bessere Blickwinkel dürften für bessere Bilder nächstes Mal sorgen. Just don’t try …)