Nummer 6 lebt: Yahoo röhrt nun auch deutsch.

Super. Mir ist zwar noch immer unklar, wie sich diese lustigen Video-Upload-for-free-Portale finanzieren (wollen), aber gut, bei so großen Namen wie Google oder Yahoo ist das dann vielleicht auch nebensächlich.
Begrüßen wir also nun auch Yahoo in der illustren Runde derer mit deutschsprachigem Videoportal — heise online schreibt dazu:

Yahoo ist mit seinem Angebot keinesweigs allein im Internet: Neben Yahoo bieten bereits Google, Sevenload, Clipfish, MyVideo und Dailymotion deutschsprachige Video-Seiten an.

 

StayFriends — Kommunikation nur gegen Cash

Geld verdienen mit der aufgebauten Community — tendenziell ist dagegen ja nichts einzuwenden. Bei openBC konnte man mich zum Upgrade auf einen zahlenden »Premium«-Account bewegen, indem man es dem kostenlosen Basisaccount verwehrte, eigene neue Nachrichten zu schreiben; lesen hingegen konnte ich die an mich geschickten Nachrichten.
Ganz anders hingegen StayFriends; dort kann man munter Nachrichten verschicken, der Betreff allerdings ist nur aus einer Liste vorgefertigter Texte auswählbar — zugegebenermaßen mit Hinweis auf die potentielle Unlesbarkeit beim Empfänger:

Hinweis:
Ihre Nachricht wird beim Empfänger hinterlegt. Ihr Name als Absender und der gewählte Kurzgruß sind sofort sichtbar.
Die ganze Nachricht kann $EMPFÄNGER erst lesen, wenn einer von Ihnen die Gold-Mitgliedschaft erworben hat.

 
Schön — gelesen, vergessen. Klickt der mit einer solchen Nachricht Beglückte dann im Posteingang auf Betreffszeilen wie »Laß mal was von dir hören!«, kommt die große Enttäuschung:

Leider können Sie diesen kostenpflichtigen Service nicht im vollen Umfang nutzen.
Damit Sie Nachrichten lesen und beantworten können, muss einer der beiden Teilnehmer eine Gold-Mitgliedschaft besitzen.
Sobald Sie oder $ABSENDER Gold-Mitglied sind, können Sie bereits empfangene Nachrichten lesen und weitere Nachrichten austauschen.

 
Und da dieses Konzept konsequent durchgehalten wird, …

Spitzname:
[Der Spitzname wird ihnen als Gold-Mitglied angezeigt]
Meine Hobbys:
[Die Hobbys werden ihnen als Gold-Mitglied angezeigt]

 
… ist Kommunikation der Mitglieder untereinanger nur möglich, wenn wenigstens einer der beiden sich diese tolle »Gold-Mitgliedschaft« kauft.
Gretchenfrage: bleibe ich als Karteileiche drin oder lasse ich meine Daten lieber komplett löschen? Vom Ansatz her finde ich StayFriends ja nett, auch verstehe ich den Wunsch, die Ausgaben für das Angebot mit Einnahmen kompensieren zu können (Bannerwerbung o. ä. sehe ich jedenfalls keine) — aber diese Art der Nötigung, doch mal bitte sich ‘nen Gold-Account zu kaufen, geht mir prinzipiell gegen den Strich …

Kamikazekommunikatoren und Domaingrabber — Harte Bandagen bei den Studentenverzeichnissen

Irgendwie ist es ja fast witzig. Wie dittes.info berichtet, wurde die Domain unister.at nicht, wie man erwarten würde, auf den Studivz-Konkurrenten unister.de, sondern auf »Dennis Bemmann« von der »Studivz Ltd.« eingetragen:

So habe ich heute eine E-Mail bekommen mit folgendem Inhalt:

“Momentan fragt man uns noch nach der Konkurrenz. In ein paar Monaten wird das nicht mehr der Fall sein, dann wird es nämlich keine mehr geben.” (Zitat des StudiVZ-Gründers Dariani publiziert in sueddeutsche.de, 23.10.2006) – StudiVZ gibt sich gegenüber der Öffentlichkeit gern siegessicher.
So lässig, wie sich die Crew von StudiVZ gibt, ist sie anscheinend nicht. Unter anderem fürchtet man offensichtlich das mittlerweile inhaltlich und funktional gut aufgestellte Studentennetzwerk Unister.de, sonst hätte StudiVZ nicht die österreichische Domain unister.at gekauft, um uns in unserer Erreichbarkeit für österreichische Studenten zu beschränken. Indes melden sich Studenten österreichischer Hochschulen bei unister.de an.

 

 
Der aktuelle Status der Domain unister.at kann online abgerufen werden.
Ich finde, das ist schon ziemlich starker Tobak. Sei es, wie es den Anschein hat, daß Studivz der unliebsamen Konkurrenz — funktioniert dort eigentlich die Technik und die Vertragsabwicklung? — die österreichische Domain abspenstig machte, sei es, daß ein Dritter durch Falschangaben bei der Anmeldung genau diesen Anschein erwecken wollte: was müssen da für Investorensummen im Raum stehen, daß jemand beim doch mittlerweile eher gefestigten Richterrecht bzgl. Domains solchen Unfug anzettelt?
Randnotiz: studivz.eu hält eine Frau aus Berlin (»Hier entsteht eine neue Internetpräsenz«), unister.eu endet bei text-koenig.de. Für Studentenportale mit europäischen Ambitionen in meinen Augen ein recht schwaches Ergebnis.
[UPDATE 23:05] Wie www.basicthinking.de berichtet, ist auch ein weiterer Konkurrent, StudyLounge, mit der Domain StudyLounge.co.uk Opfer der Domainsammelwut der Studivz-Gründer geworden. Während bei unister.at Dennis Bemmann als Domaininhaber fungiert, tut dies für studylounge.co.uk »Non-UK Individual« Michael Brehm (Anmeldung bei openBC erforderlich; pikante Alternative). Nennt man das Arbeitsteilung?
Bemerkenswert sind die Daten, die studylounge.co.uk-Entführung datiert auf den 02.05.2006 (»Renewal date: 02-May-2008«!), unister.at hingegen sogar erst auf den 31.08.2006 — angesichts dieser Daten fällt es mir unwahrscheinlich schwer, darin etwas anderes zu sehen als den, ggf. kostspieligen und letzten Endes fehlschlagenden, aber für die Gegenseite derweil zeitraubenden, Versuch, der Konkurrenz Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
Vielleicht hätte sich der Verantalter des »Online Stars« sich vorab gründlicher über die Kandidaten informieren sollen — Aberkennung ob solcher Geschäftspraktiken wäre aber mal ein offensiver, wenngleich später, Schritt. YMMV …

/ignore this …

*seufz* Warum finde ich nicht einmal Software, die einfach so tut? (Dies ist eine rhetorische Frage.)
Ok, so be it. Simple PHP Blog, was ich hier einsetzte – da es auch im Header steht, verrate ich damit hoffentlich keinen Angriffspunkt … –, hat augenscheinlich ein Problem mit Trackbacks; initial wurde immer ein ‹?› an den Querystring gepappt, was u. a. WorldPress mit einem Fehler quittierte.
Nachdem ich dieses Problem im Code fixte, stolpere ich nun über Bloger, die den »n Trackbacks«-Link als Trackback-URI speichern — leider scheint das mein SPHPBLOG nicht zu fressen …
Dieser Artikel dient als Trackback-Target, bitte ignorieren ;)

Hype2.0 — YouTube, MyVideo, WessenKohle.

Kohle, Zaster, Geld. Geschäftsmodell. Dinge, die im Hype2.0 eine Rolle spielen.
Ungeachtet aktueller BOOs (»youtube: Jetzt wirds schmutzig«), wonach es beim YouTube-Google-Deal noch ein paar Details am Rande gegeben haben soll: warum zahlt irgendwer für etwas wie YouTube oder auch (ProSiebenSat.1) für MyVideo richtig Geld?
Anders gefragt: was ist das Geschäftsmodell von YouTube oder dessen deutschen »Adpationen«? Die aktuellen »Top 100« von MyVideo spricht für sich:

  1. Porn Wars. ;-)
  2. Adolf allein in Berlin
  3. Auto-Sex
  4. La Bomba
  5. Manga X
  6. Voll Assi Toni die Wahrheit …
  7. dumme schülerin
  8. Gelbe Karte
  9. Schneller Hamster
  10. Geile Optik
  11. geile Sau!!! sooooo fe…
  12. Schwuler Schirie
  13. Stark
  14. Ehe kann so schön s…
  15. bi ba bumse biene
  16. The Lion sleeps tonight VOLL…
  17. The Sweetest Thing
  18. ICE AGE 3
  19. Xavier Naidoo Danke Deutschl…
  20. …

Diese »hier eingestellten Inhalte« »von privaten Nutzern« sind entweder TV-Werbesports bzw. sonstige TV-Mitschnitte aus dem In- (RTL-Freitag Nacht News, TV total, …) und Ausland, Musikvideos mit und ohne Senderlogo — oder, wenn das Videomaterial »privat« sein sollte, mit handlesüblicher, d. h. nicht zur Aufführung bzw. Sendung im Internet freigegebener, Musik unterlegt. Die wenigstens »Top«-Clips erscheinen nicht erst auf den zweiten Blick rechtlich unproblematisch; bei selbstgedrehten Szenen, z. B. mit den höllisch unscharfen Kamerahandys, stellt sich u. a. die Frage, ob alle Personen der Veröffentlichung der meist peinlichen Szenen zugestiimt haben. Jugensschutz ist ein weiteres Thema — ohne Zugangskontrolle erscheint es mir fraglich, ob alle Bestimmungen des Jugendschutzes eingehalten werden können.
Streichen wir im Geiste mal alle rechtlich fragwürdigen Clips auch bei MyVideo, was bleibt dann noch? Auch Bundesliga-Schnipsel soll es, nach dem Willen der DFL, auf YouTube, clipfish usw. bald nicht mehr geben.
Fragt sich nur, ob die Rechnung gegen die Rechteinhaber für die Samwer-Brüder noch aufgehen wird. heise online schreibt in dem Zusammenhang:

[…] MyVideo soll seinen Hauptsitz in Bukarest haben. Vermutlich ist das besser so, denn ähnlich wie bei YouTube flimmert hier auch allerhand urheberrechtlich geschütztes Material über den Computerbildschirm. Gesteuert wird das Unternehmen aber vermutlich eher aus der Berliner Rosenthaler Straße. Im berufs-hippen Bezirk Mitte sitzt die Magic Internet GmbH, die laut offizieller Version MyVideo in Deutschland als Mediaagentur “betreut”. […]
Der Focus ist diesen Hinweisen nachgegangen und hat einmal recherchiert, was in der deutschen Blogosphäre schon seit Monaten gemunkelt wird. Vollmanns magische Internetbude soll drei Gesellschaften als Teilhaber haben, Aragon, Aramid und Troja. Hinter jeder der drei Firmen soll den Focus-Angaben zufolge ein Samwer-Bruder stecken. MyVideo bestätigte gegenüber dem Magazin lediglich, dass neben der ProSiebenSat.1 Media, die vor Kurzem mit einem Drittel bei dem Videoportal eingestiegen war, noch ein “Business Angel” beteiligt sei, der aber anonym bleiben wolle.

 
Der offensichtliche Reiz dieser Videoportale liegt bei der Masse der Nutzer wahrscheinlich nicht darin, sich sonderbare Interviews in der S-Bahn anzusehen — Videoclips sind auch bei YouTube deutlich höher im Kurs.
Ohne atraktivem Content aber werden die Nutzer wegbleiben, die registrierten, ggf. später mal für einen monatlichen Obulus zu gewinnenden, Nutzer aber sind doch das einzige Kapital die dieser sog. »Communities«?
http://www.gugelproductions.de/blog/ schreibt:

[…] Bisher gibt es auch noch kein Beispiel, das zeigen könnte ob ein Videohoster eine lohnende Akquisition für einen Fernsehsender ist. Ich bin gespannt wie lange noch RTL-Inhalte auf MyVideo zu sehen sind und vise versa. Natürlich lohnt es sich prinzipiell immer traffic-starke Seiten zu kaufen, wie Murdochs Schritt mit MySpace eindrucksvoll bewiesen hat, aber ob das Publikum mit zwei Millionen Videoaufrufen bei MyVideo schon groß genug ist werden wir sehen.

 
Es bleibt also spannend; rettet jemand den »business angel« oder sind die Rechteverwerter ausnahmsweise mal schneller?

Zensor — die Dunkle Seite des Ehssan Dariani?

Hmm, Meinungsvielfalt ist kein Kernanliegen bei Studivz, oder wie anders sind Ehssans Ergüsse zu begreifen?

3) Kommentare von ungeeignetem (z.B. beileidigen Dritter) Inhalt oder absurde Spekulationen nach dem Muster des Herrn Peter Turi haben keinen Mehrwert für die Leser dieses Blogs, verärgern bloss die Leute und mich und führen zu schlechter Laune oder weiteren unsachlichen oder falschen Spekulationen. Diese und andere Themen können auf anderen Seiten/Blogs/Foren ausgetauscht werden.

 
Latent spannend dabei ist, daß Ehssan noch am 24.10., als er den Hoster vorführen wollte, keine Angst vor »unsachlichen oder falschen Spekulationen« verspürte.
Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, gezielte Unschärfen erscheinen mehr als ein Stilmittel denn als ein Versehen.
»Bitte nehmt nicht alles, was ihr in der Presse lest für wissenschaftlich fundiert!« heißt es in einem vorangegangenen Ehssan-Blog-Eintrag.
Mit mindestens genausoviel des sprichwörtlichen Salzes sind dann auch die Beiträge im bewußten Blog zu werten — selektiv und subjektiv wird die einzige Wahrheit rübergebracht, die nicht »zu schlechter Laune oder weiteren unsachlichen oder falschen Spekulationen« über das einem Finanzierungskonzept harrende Projekt Studiverzeichnis führen.
Wo früher kritische Stimmen hätten final draußen bleiben müssen, greift heute die weltweit vernetzte Blog-Community und sorgt für einen Ausgleichsansatz:
Kommentar auf http://www.henningschuerig.de/blog/:

[…] Die Selbstbeweihräuchrung der man sich von Seiten des StudiVZ für einen größtenteils 1:1 Klon einer US Seite hingibt und die unerträgliche bis ätzende Öffentlichkeitsarbeit die Herr Dariani auf dem StudiVZ Blog betreibt ist einfach nur fraglich. Die technische Realisation ist offenbar ein Desaster – die Seite ja offensichtlich kaum zu erreichen. Und auf der Wikipedia geht die PR Schlammschlacht wohl weiter.
Schade, schade.

 
http://customerofhell.twoday.net/:

[…] Dazu ist zu sagen, dass es für mich sehr unprofessionell wirkt, wenn ein Unternehmen, dass Studi VZ ohne Zweifel ist, in einem Weblog öffentlich über Geschäftsbeziehungen berichtet und Geschäftspartner massiven Beschuldigungen aussetzt. Egal ob die Anschuldigungen stimmen oder nicht, Ehssan Dariani blogt nicht als Privatperson, sondern im Namen von StudiVZ. An Stelle des Hosters hätte ich ernsthaft überlegt meine Anwälte loszuschicken. […]

 
http://www.basicthinking.de/blog/:

Willkommen in der Unternehmenswelt 1.0, StudiVZ-Blog verkündet das Kontrollieren der Heilsbotschaft: […] Nicht nur, dass Ihr offenkundig eine Copycat seid, ohne den Anstand zu haben, auf Eurer Seite den Usern mitzuteilen, wo Eure tolle Idee herkommt, nicht nur, dass Ihr in Interviews arrogant seid, nicht nur, dass ihr haarscharf an einer braunen Katastrophe vorbeigeschliddert seid, nicht nur, dass ihr nicht davor zurückschreckt, andere Blogger gegen Eure Konkurrenten vorzuschicken, nicht nur, dass ihr den Usern irgendeinen Schmarrn von “Ziel dieses Projektes ist es […]” erzählt (glaube kaum, dass Euch die Anliegen der Studenten am Herzen liegen, seien wir mal ehrlich, Euer Lebensinhalt ist eine Zahl mit vielen Nullen), nun das. very, very bad style

 
http://www.sichelputzer.de/:

Wow! Web 2.0, Kommunikation, Community, Meinungsäußerung… Darf man soetwas schreiben, wenn man in der respektvollen Hochschullandschaft innerhalb der Kernzielgruppe “Studenten” mit einem (kopierten) Businessmodell auch Fuß fassen möchte? […]

 
http://fimpern.de/:

Talk to the hand – keiner hatte das besser raus als Schwarzenegger in Terminator III. Keiner? Vielleicht doch einer. Jedenfalls muss ich mich offensichtlich an die neuen Kommunikationsformen unter Gründern gewöhnen. Scheinbar kommuniziert man lieber nach aussen – eingehende Kommunikation ist da eher sekundär und kann auch mal unter den Tisch fallen: […] Das ist dann aber schon nicht mehr Kommunikation, sondern eher ein Kommuniqué. Auch wenn Zensur dafür ein grosses Wort ist.

 
http://fx3.org/blog/:

[…] Selbst bei uns im Medienlabor, fraglos ein Kulminationspunkt wissenschaftlichen Strebens nach Erkenntnis und Weisheit, dürfte der Facebook-Clone StudiVZ inzwischen nach GMX und der Wikipedia zu den meistbesuchten Webseiten gehören.
Ist ja grundsätzlich auch kein Problem, solange man kurz darüber nachdenkt, welche persönlichen Daten man mit dem Internet teilen möchte (Nichts gegen ein Bekenntnis zu radikalideologischen Theorien, Bilder vom letzten Eimersaufen oder engagierte Diskussionen über effizienten Drogengebrauch. Personaler wissen gerne, woran sie sind). […]
Schaut man sich Kommentar-IDs der letzten Beiträge mal etwas genauer an, sieht man, dass es zur Zeit weniger als 50% der abgegeben Kommentare bis ins Blog schaffen. Mag sein, dass ein Großteil davon Spam ist, aber ich bin nicht der einzige, der sich über eine „Zensur“ wundert.

 
http://www.unfehlbar.net/index.php:

[…] Nachtrag:
Die Betreiber des StudiVZ reagieren offenbar empfindlich auf Darstellungen, die nicht ins gewünschte Selbstbild passen. Im StudiVZ-Infoblog heißt es heute jedenfalls, dass Leser-Kommentare sowie Trackbacks von anderen Blogs zur Vermeidung “absurder Spekulationen” zensiert werden.
Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf die folgenden beiden lesenswerten Artikel:
* Buch Blog: Verletzlichkeit der Geschäftsmodelle im Web 2.0
* Basic Thinking Blog: Das Wachstumsgeheimnis von StudiVZ

 
Sicherlich kein repräsentativer Querschnitt — ein schneller Klick zu http://www.technorati.com/ ist sicher angebracht.
Zwischenzeitlich hat sich auch Ehssan Dariani geäußert:

[…]- blogger gegen konkurrenten vorschicken?? das ist eine behauptung im unschönen stil der boulevard presse und nicht fair, da es keine möglichkeit gibt sich gegen tendenziöses sachlich zu wehren. […]

 
Komisch, daß die Unfairness erst auffällt, wenn es die eigene Person betrifft. Fraglich bleibt, ob diese Erkenntnis sich in der weiteren Einwegkommunikation seitens »Projektpusher« Dariani niederschlägt – oder er sich weiter als kamikazekommunizierender Gründer zeigen wird.

Mein Hut, der hat sechs Ecken …

Ach herrje, man sollte nicht mehr googlen:. Da findet man sonst Dinge heraus, die man eigentlich gar nicht wissen will — wie zum Beispiel das Mainpost-Interview zu Studivz: »Plattform-Betreiber Dariani ist überzeugt: “Jeder kennt die ganze Welt über maximal sechs Ecken”.«
Scheibenkleister, diese “6 Ecken” sind mir heute doch schon mal über den Weg gelaufen? *grübel*
Ah, ja! Bei openBC steht das auch: »openBC basiert auf der Idee, die Kontakte der Kontakte sichtbar zu machen und diese wiederum mit dem eigenen Netzwerk zu verknüpfen. Die Theorie “Jeder kennt jeden über sechs Ecken”, findet hier ihre praktische Übersetzung.«
Hmm. Studivz ist »nur« ein openBC-Klon? Zumal Studivz selbst ein Klon (von Facebook) ist — wenn das Klon-Schaf Dolly noch erlebt hätte …

Süßes oder Saures? Studivz und die kommunizierten Nutzerzahlen.

Die Anfänge

May 28th, 2006 at 03:03: Man startet mit »bald 100.000 Studenten im Europäischen Raum (Schweiz, Österreich, Maastricht, [Äh, Maastricht? Ist das ein eigener Uni-Staat oder was?] Dänemark…) und einem atemberaubenden TÄGLICHEN Wachstum von neuen Mitgliedern im 4-stelligen(!) Bereich…«
July 4th, 2006 at 04:29: »geschafft! am sonntag haben wir die 100000er marke gesprengt! das studiVZ wächst momentan mit rund 5000 nutzer täglich, tendenz steigend! mehr als jeder zweite, an vielen hochschulen auch zweidrittel der mitglieder sind täglich online! damit ist das studi neben email und sms im alltag etabliert. f**** unser server…«
Hmm, »unsere« oder »unseren«? Wie auch immer, es scheint dabei eine erste Schallmauer erreicht worden zu sein, denn erste Nörgeleien an der Geschwindigkeit tauchen auf:

Kuhni Says:
July 15th, 2006 at 17:59
Hey, wann gibts denn endlich mal ne runde neuer performanter server-hardware? eure seite wird von tag zu tag langsamer…

 
Das mag man als Indiz für ein tatsächliches Wachstum werten; in Ermangelung von Alternativen tue ich das dann auch mal.

Wachstum2.0 — The Sky should be the limit …

July 17th, 2006 at 11:52: »Hilfe, unsere Server leiden! Was ist passiert? Warum ist das studiVZ zu Spitzenzeiten so langsam?
Sorry, wir haben nicht damit gerechnet, dass wir SO gestürmt werden. Am 2./3. Juli hatten wir 100.000 aktive Nutzer (nicht nur Registrierungen!). Jetzt haben wir fast 200.000 und erwarten bis Ende des GLEICHEN Monats eine VIERTELMILLION (in Zahlen 250.000!) Studis auf der Seite. […] Allerdings muss Dennis Bemmann jetzt eine ganz neue Serverstruktur aufsetzen, die diesem Anstrum gewachsen ist. Und das braucht seine Zeit. In 1-2 spätestens 4 Wochen könnt ihr euch auf das komfortabelste, schnellste studiVZ aller Zeiten einstellen. […]
PS: Wir haben Spitzenwerte von rund 10k neuen Studis täglich…
«
Wow! So kann das kommen. Wobei man schon sagen muß, daß das sehr beachtlich ist, bedenkt man, daß lt. KMK-Statistik im Jahre 2006 es 1.934.800 Studenten in der BR Deutschland geben soll (SPIEGEL online bestätigt diese Zahlen), mit lt. Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamts, in 2004, 377.400 Studienanfängern (in den Folgejahren sanken die Zahlen leicht, lt. SPIEGEL online knapp 352.000 im Jahr 2005). Davon ein Achtel mal eben auf eine niegelnagelneue Plattform zu ziehen, die zudem nicht durch die Bildungseinrichtungen gefördert wird, das verdient ganz sicher Respekt.
Wo aber Licht ist, ist auch Schatten:

Hey Ehssan, langsam bin ich ziemlich angekotzt! Andauernd diese Versprechungen, von wegen die seite wird bald schneller sein.langsam reichts mir,ich flieg andauernd raus.etwas so langsames wie diese seite hab ich lang nicht mehr gesehen. es wird langsam echt mal zeit das was an den servern gemacht wird.und ich kenne eine menge leute,denen der geduldsfaden auch bald reichts.das wollt ich hier mal sagen,also mach was!

 
Irgendwie scheint da die zweite Juli- und die erste Augusthälfte aus technischer Sicht verloren gewesen zu sein. Naja, Shit happens.
05.09.2006 – 09:58 Uhr, studiVZ Ltd.: Seit Juli gab es keine neuen Nutzerzahlen mehr im Blog, im Gedächtnis mag man den 24. August 2006 behalten, als der Serverumzug (vermutlich zur später geschmähten Telefonica bzw. O2?) lt. Blog abgeschlossen wurde. Mit Datum vom 5. September 2006 allerdings existiert eine Studivz-Pressemitteilung: »In nur wenigen Monaten haben sich über 400.000 Studenten im Studiverzeichnis registriert und täglich kommen mehr als 6.000 Neuanmeldungen hinzu.«
Demnach ebbt der Zustrom dann doch langsam ab, aber in rd. 8 Wochen wurde auch die Nutzerzahl nochmals verdoppelt …
October 26th, 2006 at 10:34: »PS: Ein kleines Detail, das viel über die Gründlichkeit offenbart: studiVZ hat aktuell nicht 500.000 Studis, sondern knapp 900.000.«
Holla, die Waldfee, da geht’s aber nun richtig ab! Eine erneute Verdoppelung der Nutzerzahlen in nicht mal acht Wochen!

Realitycheck

Ein bißchen abenteuerlich erscheinen die Zahlen ja — rechnen wir also nach:

02.07.2006 - 17.07.2006: von 100.000 auf 200.000 => ca. 6700 Registrierungen/Tag
17.07.2006 - 05.09.2006: von 200.000 auf 400.000 => ca. 4000 Registrierungen/Tag
05.09.2006 - 26.10.2006: von 400.000 auf 800.000+ => ca. 7800 Registrierungen/Tag

Mit anderen Worten: sofern die kolportierten Daten von ca. 2,1 Millionen Studenten in D, A, CH stimmten, wären, bei einem konservativen Wachstum (4000 Neuanmeldungen pro Tag) in 300 Tagen, beim derzeitigen Wachstum von 7800 Neuanmeldungen in 154 Tagen alle Studenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Studivz angemeldet. RESPEKT. Stand heute wären demnach fast 50% dort angemeldet — das sind fürwahr Traumwerte für ein Portal.
Was ich dann aber partout nicht verstehe: seit spätestens Mai kennt und zelebriert man diese Wachstumsraten. Dennoch krebst man noch Ende Oktober mit vollkommen überforderter Software rum und versucht stattdessen, sich mit mehr Hardware zu behelfen?
Letztlich wächst auch in der Leidensgemeinschaft der Nutzer das Unverständnis:

sag mal wieso nehmt ihr die Seite nicht einfach mal für eine Woche vom Netz und baut in der Zeit in aller Ruhe dran. So kann das ja nicht bleiben und diese kleinen Verbesserungen im Hintergrund bringen euch doch eher nur sehr langsam voran. Würde mir ja auch schwer fallen eine Woche ohne StudiVZ, aber wenn wir danach einen Performance-Schub erwarten können, können wir doch sicher damit leben…

 
Man darf jedenfalls gespannt sein, wie diese Story weitergeht und wer als nächster Sündenbock an den Blog-Pranger gestellt wird ;-)

Wegen des großen Erfolges: Pennerverzeichnis

Unter pennervz.de bricht sich die nächste große Web2.0-Community Bahn. Frei nach dem Motto »Stadtstreicher aller Bundesländer – Vereinigt Euch!« wurden die Zeichen der Zeit erkannt und nach openBC, Stay Friends sowie dem jüngst noch wackeligen Studivz — alles Community-Verzeichnisdienste für kleine, überschaubare gesellschaftliche Gruppen (Business-Leute, Ex-Schüler bzw. Studenten) — nun eine Web2.0-Community für den Wachstumsbereich in der bundesdeutschen Bevölkerung geschaffen: dem Prekariat.
Details über den Fortschritt kann man im PennerVZ-Blog verfolgen.
Mittelfristig halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß die Bundesregierung das Portal übernimmt und in die staatliche Arbeitsplatzmangelverwaltung integriert.

Meinungshabe, Meinungsmache und ein bißchen Rufschädigung — Studivz

Onlinestar isser nu, der Ehssan. Vielmehr sein Baby, das Studivz ist es. Aber egal, denn:

Wenn mich nicht alles irrt, hat es noch nie eine Seite gegeben, die nur einige Monate alt diesen “Internet-Oscar” verliehen bekam.

 
Also: »Applaus! Applaus! Applaus!!!« für den Internet-Oscar-Gewinner. (Guck, und ich dachte, »Oscar« wäre auch ein geschützter Begriff. So kann man sich irren.) Gut, die ewigen Nörgler gibt es natürlich auch, heißen sie Hannes,

Ich checks net. Wieso kann ne Seite die mehr off- als online ist gewinnen?

 
Sebass,

Schon beeindruckend, dass eine Seite, die praktisch nur noch sporadisch zu erreichen ist, den Online – Star gewinnt.

 
gerhard,

Aber ich finde die Auszeichnung schmeichelt doch ein wenig. Was ist der Mehrwert, den diese Seite erzeugt? Was die Innovationen, die mit Ihr ins Leben getreten sind?Aber ich finde die Auszeichnung schmeichelt doch ein wenig. Was ist der Mehrwert, den diese Seite erzeugt? Was die Innovationen, die mit Ihr ins Leben getreten sind?
Zugegeben ich kann mir jetzt leichter anschauen, welche Nasen auf meiner FH studieren, welche Interesse sie haben und ob die hübschen Mädels noch zu haben sind. Aber im ernst, das grenzt doch fast an eine Dating Community, von denen es schon massig auf diesem Planeten gibt.
Außerdem möchte ich meinen Vorkommentatoren recht geben, wo liegt die Kunst darin ein Community-Portal zu schaffen, dass die Hälfte der Zeit down ist. Aussagen wie,”Die Technik ist komplex und wir bekommen bald neue Bauteile”, wirken eher unbeholfen, ja gerade zu ahnungslos. …

 
oder anita

unglaublich, hier funzt gar nix und ihr gewinnt den preis… lächerlich

 
Ich denke, andi faßt es am besten zusammen:

tja kann den Gewinn zwar auch nicht nachvollziehen aber war im Endeffekt abzusehen. Das ist eben wie bei den MTV-Awards – die nicht immer besten Bands mit den meisten Fanboys und -girls gewinnt eben…

 
Aber nachdenklich stimmt es mich Tor schon, wenn eine Seite, die von ein paar Hobbycodern (»Die Software von Dennis entstand im November letzten Jahres und wurde inkrementel weiterentwickelt.«) aus der Taufe gehoben und bei einem völlig unkooperativen Hostingprovider (»Unser Hoster O2 (Telefonica), so mutmassen wir, nimmt unser Projekt leider nicht ernst.«) untergestellt wurde, derzeit nach Nutzerberichten überwiegend offline (s. o.) ist, daß also eine solche Seite nun als »Online Star« gehandelt wird. Toll, was virales Marketing so alles bewirkt. »Millionen Fliegen können nicht irren«, heißt es ja …
Wenngleich die eine oder andere Stimme sich erhebt und zaghaft einen Realitycheck bei den Usern einfordert,

Das Problem ist die Art wie die Probleme hier erst versucht worden auf andere Abzuschieben obwohl die Probleme zu einem guten Teil auf dem Code und nicht auf der Hardware basieren.
Andere schlecht machen zeugt da von ganz schlechter Kinderstube, ein ehrliches “Unsere Seite ist überlastet, weil soviele Leute hier Surfen” wäre von Anfang an besser gewesen…

 
Ehssan bleibt dabei, nur der Hoster hat’s verbockt, siehe Blogeintrag vom 24.10.2006:

In der Vergangenheit hatten wir schon mal enttäuschende Erfahrungen mit der Telefonica & O2 gemacht. Meine Berichte hier im Blog wurden auf massiven Druck hin von mir entfernt. Leider haben wir neulich erfahren, dass Telefonica auch und gerade in Spanien, wie so viele Exmonopolisten in Europa, nicht gerade den aller besten Ruf geniesst.

 
Nachgekartet wird im Blogeintrag vom 26.10.2006:

Nun werden wir durch einen “neuen Vertrag” hier “Rahmenvertrag” genannt gezwungen die Order, in kürzester Zeit in grossen Brocken selbst zu bezahlen! Meiner Laienansicht nach ist dieser Rahmenvertrag ein Trick…pardon Weg für Te.e-finca / 0h0h2 aus dem alten, geltenden Vertrag und den damit verbundenen Verpflichtungen irgendwie zu entkommen, es aber dennoch nicht ganz offensichtlich nach Vertragsbruch aussehen zu lassen und für die Konsequenzen aufzukommen (Vertragsstrafen). […] Mündliche suggerierte Versprechen nicht eingehalten. Schriftliches m.E. auch nur sehr mangelhaft. Aus Kulanz hätte man erwarten können, dass DIESE Firma in VORLEISTUNG tritt und UNS besonders interessante Konditionen macht. Leider ist das Gegenteil der Fall und wir müssen jetzt entgegen aller Erwartung sehr viel Geld aufbringen. […] Ich möchte alle WHU-ler, HHL-er, HSG-ler, und alle anderen Projektpusher, die erwägen ein tolles Internet-Projekt zu starten ermahnen, nicht zu vernachlässigen sich von vornherein Gedanken über Partner zu machen, mit denen sie einmal angebandelt lange Zeit in Abhängigkeit zusammenarbeiten müssen. Falls ihr nicht von der ersten Sekunde an, dicke Umsätze und Profit erwirtschaftet (wer macht das schon‽), aber dennoch erfolgreich sein solltet, könnte euch paradoxerweise das gleiche ereilen wie uns: Ihr benötigt dann als zu guter Kunde so viel – zu viel – so dass euer Partner plötzlich Angst bekommt und zu bocken beginnt…

 
Naja. Willkommen in wirklichen Leben würde ich mal sagen – da, wo man die Zeche am Ende auch bezahlen muß.
Was lehrt man eigentlich an WHU, HHL oder HSG, daß es einen »Projektpusher« aus den Socken haut, wenn ein kommerzielles Unternehmen (hier: der Hostingprovider) von seinem Kunden, einem ebenfalls kommerziellen Unternehmem (hier: das von Holtzbrink-Ventures schon umarmte Studivz), welches kein erkennbares Einnahmekonzept hat, finanzielle Sicherheiten erwartet? Ehssan schrieb dazu Mitte Oktober noch:

Zudem müssen wir zugeben, dass die Kosten uns schneller über den Kopf steigen als erwartet und wir deshalb mit verschiedenen Sponsoren und Partnern verhandeln. Ziel: Die Seite ist und bleibt für die Zukunft kostenlos! Wir sind uns auch sicher, dass wir das hinbekommen. Wie? Nennen wir es Mezänatentum oder etwas obszön-neu-undeutscher ausgedrückt: Sponsoring. […] Wir benötigen weitere Kapazitäten! In jeder Hinsicht! Aber seid beruhigt: Es wird keine nervigen Popups oder ähnlich einfallsloses, störendes geben.

 
Immerhin, ganz langsam rudert auch Ehssan andeutungsweise schon zurück, am 26.10.2006 heißt es:

Die Probleme mit der Performanz sind z.T. auch unsere Schuld. Uns sind einige Fehler unterlaufen. Diese sind bei einem Projekt wie dem VZ jedoch normal und immer zu erwarten. Daher ist es wichtig rechtzeitig über so viel Kapazitätsressourcen zu verfügen, dass in diesen Fällen genügend Puffer zur Kompensation besteht und die Performanz nicht zu leiden braucht. Dieses Sicherheits- oder Auffangnetz als zweite Ebene fehlte in diesem Fall wegen den geschilderten Problemen.

 
Am 27.10. ist die Erkenntnis noch etwas weiter gediehen:

Es tut uns leid. Dennis und die anderen Jungs, wir haben die Technik unterschätzt. […] Keiner ist über die technischen Schwierigkeiten und der Langsamkeit mehr frustriert als wir. […] Die Software von Dennis entstand im November letzten Jahres und wurde inkrementel weiterentwickelt. Es war auf einige Hundert oder Tausend Nutzer Pro Tag ausgelegt. […]
Selbst eine Seite wie eBay war m.E. schon mal für 2 Wochen offline. Seiten wie Yahoo oder Google […] Wir wollen auch nicht so grössenwahnsinng werden, uns mit diesen Seiten auf eine Ebene zu stellen. […] Die Optimierung kann jedoch noch Tage bis einige Wochen beanspruchen. Wir bitten dies zu berücksichtigen.
[…] Nun liegt es zu einem grossen Teil an uns, die Applikation schlank und rank zu bekommen. Eine Arbeit, die Tage oder gar Wochen beanspruchen kann und nicht von heute auf morgen geht.

 
Klingt das nicht irgendwie bekannt? JA! Das »Backstage Blog« strotzt nur so von Hinhalteparolen! Seit mindestens 8 Wochen weiß Ehssan um die Probleme und blogt Besserungsversprechen:

August 25th, 2006
1.) Aktuelles zur OP:
Wir kommen gut voran. Das VZ ist schnell. Und beschleunigt stetig weiter.
Aber: Solange die Jungs an den Datenbanken spielen, passieren manchmal noch komische Sachen mit den Gruppen usw. Macht euch keine Sorgen. Es wird alles rekonstruiert und ihr bekommt alle eure alten Gruppen samt Forenbeiträge zurück.[…]

 
»Wir sind für manche einen Augenblick offline«:

August 28th, 2006
Trotz aller technischer Fortschritte, kann es manchmal vorkommen, dass ein kleiner Teil der Studis kurz unsere (nostalgisch veraltete) Offline-Nachricht eingeblendet bekommt. Unsere Datenbank ist überlastet, da sie noch nicht richtig konfiguriert ist. Wir arbeiten daran.

 
Später dann:

September 6th, 2006
[…]Technische Infos: Die alten Funktionen wie das “Kennst Du schon?” mussten wegen der Systemumstellung einigen Anpassungen unterworfen werden. Wir arbeiten daran, damit sie schnell wieder am Start sind.
Die neuen Funktionen testen wir noch und gelegentlich kann man sie schon sehen.

 
Mitte September, rund sechs Wochen vor der aktuellen Blog-Attacke gegen die Geschäftspartner hieß es:

September 19th, 2006
[…]PS: “Kennst Du schon” ist bald zurück. Ehrlich.

 
Selbst Anfang Oktober bestehen die Probleme fort, von Besserung eher keine Spur:

Es ist viel los. […] Und zugleich müssen wir einiges neu optimieren. Bitte habt Verständnis, wenn manche Dinge nach dem Ausblenden wieder erscheinen etc. Oder wenn manche Seiten manchmal länger laden als gewohnt. Wir arbeiten daran.

 
Der Offenbarungseid kommt schließlich am 17. Oktober 2006:

Ruckelei! Das VZ ist ungewohnt langsam und erinnert euch an längst vergangen gedachte, düstere Tage im Juli? Es ist manchmal im Layout verschoben? Die Super-Suche ist weg? Du kannst niemanden ausserhalb deiner Hochschule in deine Gruppen einladen? Es loggt euch aus oder es dauert 2-3 Klickversuche bis Nachrichten, Gruscheleien, Gruppenmitgliedschaften, Anträge etc. gelöscht oder bearbeitet sind?
Das kann nicht sein! Alles Einbildung! Das geht vorbei! Einfach lieber aufs Lernen und den Semesterstart konzentrieren und nicht die Nerven verlieren! Ihr tut es nicht für uns, nicht für eure Eltern, nicht für Berlin, sondern für… für die Sache! […]
Und während alledem rackern wir für euch, um die Ursache eurer Sinnestäuschungen zu eliminieren. […]
Kennst du schon: Wir haben uns verschätzt! Das passiert bei allen technischen Projekten. Man denke da nur an das Konsortium aus der Deutschen Telekom und Daimler-Chrysler, das den Start des Mautsystems um weit über 1 Jahr (‽) verspätetet erst beginnen konnte.
“Kennst Du schon?” muss leider bis auf weiteres ausgeschaltet bleiben, damit wir die Seite / Server nicht zusätzlich belasten und Kosten verursachen. Versprochen: Wir haben sie nicht vergessen! Irgendwann kommt sie wieder…irgendwann…wir müssen alle nur fest daran glauben…

 
Da der Glaube bekanntlich Berge versetzen kann, wird also wohl irgendwann alles wieder gut. Aber es ist schon bezeichnend, wie plötzlich die alleinige Schuld öffentlichkeitswirksam auf einen Geschäftspartner geschoben wird, der sich in diesem Medium nicht wirklich verteidigen kann.
Nach über zwei Monaten, in denen Ehssan und die anderen vom Studivz sich »abrackerten«, die offensichtlichen Probleme zu lösen, lieg die Site, die sich mit eBay oder Google nicht vergleichen will aber genau diese Vergleiche immer wieder aufstellt, noch immmer und vielleicht sogar mehr denn je am Boden.
In Ehssans Beiträgen wird immer nur auf Hardwarelieferungen, die, nennen wir es »gefühlt unzeitig« nur ankommen sollen, abgestellt. Probleme bestehen nachweislich seit einigen Monaten und selbst die Softwareanpassungen bereiten lt. Ehssan den Studivz-Leuten Probleme.
Ein echter vertrauensbildender Schritt – im übrigen auch mehrfach in den Blog-Kommentaren eingefordert – wäre nun die Offenlegung der Geschäftsbeziehung: welche Leistungen hat Studivz eingekauft? Daraus ergibt sich, für welchen Teil der Performanceprobleme der Geschäftspartner wirklich verantwortlich zeichnet genauso, wie für welche alleine Studivz verantwortlich ist.
Ohne diese Transparenz muß man Ehssan als Sprachrohr von Studivz schon die Frage stellen, ob die losgetretene Schlammschlacht nicht vielmehr den Hintergrund hat, Investoren wie Holtzbrinck Ventures Sand in die Augen zu streuen. Zeitlich paßt das meines Erachtens erstaunlich gut (»Holtzbrinck Ventures beteiligte sich im August 2006 an studiVZ«). Oder, um es mit Alexander Hüsing zu sagen: »Mit den Samwer-Brüdern, Spreashirt-Gründer Lukasz Gadowski und Holtbrinck Ventures sind bei “StudiVZ” zumindest Geldgeber an Bord, die ihr Handwerk verstehen. Und klappern gehört nunmal dazu.«.
Foto von Ehssan Dariani: © Kolja Hebenstreit via flickr.