»Rest assured with the most secure OS on the planet.«

Sun ist ja sehr stolz auf Solaris 10 und spart nicht mit Superlativen.
Sicher, es ist nach einer längeren Phase der primären Produktpflege (Solaris 7, 8, 9) ein System mit etlichen Neuerungen (wobei ich noch kein Freund der SMF bin), aber das ist offensichtlich auch ein Grund dafür, daß Solaris 10 immer wieder mit teils gravierenden Bugs auffällt; sicherheitsrelevanten Bugs, die die Vorgängerversionen oft eben nicht betreffen. Vor diesem Hintergrund von Solaris 10 als dem »most secure OS on the planet« zu sprechen, ist da schon gewagt.
Alleine in 2007, und das Jahr ist ja gar nicht mal so alt, gab es zwei Klopper, die eben Solaris 10, nicht aber ältere Versionen von Suns Betriebssystem, betrafen. »Most secure«?
heise Security vom 31.01.2007:

Ein Ping – und Solaris gerät in Panik
Der Empfang eines Ping-Paketes genügt nach Angaben des Herstellers Sun, um auf einem Solaris-10-System eine Kernel Panic zu provozieren. […]
Betroffen sind sowohl Sparc- als auch x86-Systeme. […] Solaris 8 und 9 sind nicht verwundbar.

 
heise Security vom 12.02.2007:

Root-Zugang durch Fehler in Solaris-Telnet
Durch einen Programmierfehler in Solaris’ telnetd können Angreifer Zugang mit root-Rechten erhalten. […] Betroffen sind Solaris 5.10 und 5.11.
Wenn der Benutzer einen Kontonamen als USER-Umgebungsvariable (Schalter -f beim Telnet-Befehl) angibt, übergibt telnetd der Routine login die Daten und verlässt sich darauf, dass login die Zugangsdaten prüft. Übergibt der Angreifer aber einen Kontonamen mit root-Rechten, findet keine weitere Prüfung statt und der Benutzer erhält Zugang zu dem Rechner.
[…]

 
YMMV; in meiner kleinen Welt sind das für ein modernes, weiterentwickeltes OS schon sonderbare Fehler. Kann alles passieren — aber wenn’s passiert, ist der Titel »most secure OS on the planet« einfach nicht haltbar. Und es ist passiert …

(Web-)Services und Antwortzeiten

Gestern abend war’s mal wieder soweit, beim Surfen hingen kurzzeitig Verbindungen zu Web-2.0-AddOns, in diesem Fall count.blogscout.de beim Aufruf von YAMB.BETA² …
Nun kann das natürlich verschiedenste Gründe haben — lokales Netzwerk, lokaler Proxy, (DSL-)Anbindung, Internet … oder tatsächlich Probleme auf Seiten des Services. Ein paar Sekunden nach dem Screenshot ging’s dann auch weiter. No big deal, eigentlich.
Trotzdem erinnerte mich dies mal wieder dran, wie fragil die Web‐2.0‐Welt im Grunde ist. Hier auf blogdoch führen Seitenaufrufe per Javascript‐Einbindung zu weiteren Zuriffen auf – derzeit – Google (Google Analytics), Technorati und ggf. zu mehrfachen Verbindungen zu snap.com (Thumbnails von Links, wenn man mit der Maus drüber fährt). Da auch während des Editierens alle diese Links geladen werden, kommt es schon mal vor, daß das Schreiben eines Artikels wg. Timeouts zu den Services (die nicht alleine im Einflußbereich des Service liegen müssen, s. o.) länger als geplant dauert.
Technorati und/oder Google Analytics haben scheinbar diverse Blogs aktiviert — was ich als Sitebetreiber mir wünschte, das wäre eine Kontrolle über die maximale Ladezeit solcher externen Links. Z. B. in Form eines Wrappers, der einen externen Aufruf, der grade hängt, nach wenigen Sekunden automatisch abzubricht.
Naja, Zukunftsmusik; normalerweise funktioniert ja alles. Man sollte als Sitebetreiber dennoch nicht außer Acht lassen, daß die Einbindung externer Services ganz neue Probleme mitbringen kann — und aufgrund der dezentralen Natur des Internets auch durchaus Probleme, die nur einen Teil der Nutzer betrifft und mithin schwer festzustellen und zu debuggen ist. Adserver sind auch Dienste, die in der Browserstatuszeile gerne mal mit »Waiting for« oder laaaaangem »Receiving from« auffallen …

Studivz pausiert nach Passwortklau

Studivz, das Studentenportal des Holtzbrinck‐Verlags, ist heute abend wohl Opfer einer erfolgreichen Ausspähung von Nutzerdaten geworden, dies berichten jedenfalls einerseits Golem.de wie auch mehrere Blogs. Golem.de schreibt:

Einem Unbekannten ist es gelungen, E-Mail-Adressen, Zugangsdaten und Freundschaftsverbindungen illegal aus der Datenbank der […] Studentenplattform studiVZ auszulesen, teilten die Betreiber am Abend mit. Wie viele Profile davon betroffen sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.
Die Passwörter in der studiVZ-Datenbank sind verschlüsselt abgelegt. Um die Nutzer zu schützen, hat das Unternehmen alle Passwörter zurückgesetzt. schülerVZ und die internationalen Seiten von studiVZ sollen nicht betroffen sein.
[…]
Möglich war das Auslesen der Daten durch einen Software-Fehler, der nach Angaben von studiVZ aber bereits identifiziert und behoben werden konnte.

 
Nachdem das svz-eigene Blog seit Januar abgeschaltet ist, sind direkte Informationen nur schwer zu kommunizieren — die URL http://www.studivz.net/press.php jedenfalls endet auf der gleichen »Gegen 0.00 Uhr sind wir wieder für Euch da!«-Meldung wie die normale URL.
Dies ist nicht der erste Vorgang, bei der die Datenbank gemolken wurde, erst Ende Januar informierten gelangweilte Neugiernasen über einen Crawler und zwei Bots, die sie im Studivz laufen liessen.
Bei den bisher bekannt gewordenen Vorgängen wurden allerdings überwiegend »nur« die sowieso verfügbaren Daten verarbeitet — Zugriff auf Passwörter klingt nach einem anderen Ansatz.
Wenn man davon ausgeht, daß das jüngst gestartete Schwesterportal für Schüler auf dem gleichen Code aufbaut, könnte die Zukunft noch weitere medienwirksame Nennungen der *VZ-Portale mit sich bringen …
[B]Update, 2007-02-28 01:05: Seit kurz nach ein Uhr nachts ist die Site wieder erreichbar:

Sicherheit geht vor:
Bitte erstellt euch ein neues Passwort NUR für studiVZ!
Es kann bis zu 24h dauern bis ihr die angeforderte eMail mit dem Bestätigungslink erhaltet.
Danke für eure Geduld.
VG ,
Ehssan Dariani.
(Tipp für die Wartezeit: Besser Lernen!)

 
Ahja. Man ist fast geneigt, ein »sicherer coden« zu erwidern, oder?

Chartbreaker

Die deutschen Blogcharts listen derzeit das nun seit über einem Monat – nach erfolgreicher, äh, Übernahme – nicht mehr existente und aus wohl zumindest teilweise auch vorgeschobenen[sup]*[/sup] Gründen auch nicht mehr wiederkehrende studiVZ-Blog auf Platz 69.
Höchte Zeit, sich mal Gedanken über diese Statistik zu machen. Und/oder ihren Sinn?
Sehen wir uns mal Lyssas Lounge an. Sicherlich ein nicht totes Blog, wenngleich der Platz 82 für »eine der bekanntesten Bloggerinnen Deutschlands« nicht sonderlich schmeichelhaft ist. fimpern.de charakterisierte Lyssa schon am 6. November 2006 wie folgt:

Eine Bloggerin, die im wesentlichen dazu bloggt, dass sie in ihrem neuen Dienst-TT weder Fensterheber noch Tankdeckelöffnungstaste findet. Ausserdem ist sie nach eigener Aussage zu leicht für die Waage der Schranke in der Tiefgarage(wtf??), weswegen sie dort schonmal eingesperrt verharren muss. Mädchen, dass sind Induktionsschleifen – und die heissen nicht so, weil man darauf auch kochen könnte – wobei das natürlich die Zeit in der Tiefgarage vertreiben könnte.

 
Die Probleme mit rundlichen kleinen Flitzern scheint sie in den Griff bekommen zu haben, aber seit mindestens September 2006 ist es in Lyssas Lounge mit max. 4 Artikeln pro Monat doch eher still geworden. Fast so still wie bei WestEins, wo seit dem 29.01.2007 die Baustellenbegehung stattfindet — bis heute kommentiert von immerhin zwei Besuchern.
Aber im Web 2.0 zählen ja nicht die Inhalte an sich; es ist wichtig, wer sie liest und, noch viel wichtiger weil einfacher zu zählen, wer auf sie verlinkt. Das muß man bedenken bei der Betrachtung der »Blogcharts«, denn hier ist eben ausdrücklich nicht die Nutzeranzahl oder »Reichweite« relevant, sondern die Anzahl derer, die auf den fraglichen Content verlinken sowie die Häufigkeit der Links auf den verlinkenden Content …
Und klar, verlinkt hat die Blogosphäre reichlich. Trotzdem, Platz 69 für eine verscharrte Leiche? Platz 82 für eine, Zeichen der Entvölkerung zeigende, Lounge? Strange, wie ich finde.
Gibt es eigentlich das Blog-Äquivalent zu »Google-Bombs«?

[sup]*[/sup] Für studiVZ kann es nur von Vorteil sein, wenn die Öffentlichkeit die gesammelten Peinlichkeiten der Gründer und aus der Gründungsphase nicht mehr zu Gesicht bekommt — wohl dem, der sich nicht auf die Nachhaltigkeit von Blogservern verlassen und daher Screenshots angefertigt hat …

SchmuddelVZ reloaded? SchülerVZ startet …

Das verheißt nichts Gutes:

Ehssan Dariani, auch für die Konzeption von schülerVZ verantwortlich, über das neue Projekt: “Mit schülerVZ bieten wir jetzt genau das, was Schüler wollen. Ein eigenes Netzwerk mit den Funktionen, die auch studiVZ zu einem großartigen Erfolg gemacht haben.”

 
Was darf man also erwarten, wieder ein Blog mit einschlägigen filmischen Gemmen und eine braun gefärbte Einladung zum VZ‐Führergeburtstag? Domaingrabbing zumindest wird hoffentlich unter dem neuen Eigner Holtzbrinck nicht mehr praktiziert.
Daß für das intern »pvz« gelabelte neue »VZ« die erfolgreich geexite facebook.com–Copycat »StudiVZ«, sagen wir, Model stand, ist nicht zu übersehen — Banner gibt es trotz anders lautender Links noch keine, die Links auf diese hingegen ergeben Fehlermeldungen mit StudiVZ-Icon (blau statt schwarz) …

“Wir planen und implementieren stets neue Funktionen und ermöglichen es unseren Mitgliedern, gemeinsam mit ihren bestehenden Freunden ihr eigenes Netzwerk aufzubauen”, erklärt studiVZ-Gründer Dennis Bemmann [zu SchülerVZ].

 
Irgendwie habe ich den Eindruck, daß das noch ganz interessant werden kann …

Microsoft Excel 2007: Pimp my flatline

Vor kurzem drüber gestolpert worden: Excel 2007 kann auch aus relativ schlechten Zahlen Diagramme malen, die diese schlechten Zahlen, relativ, gut aussehen lassen (Hervorhebung durch mich):

The size of the data bar for the last value – 170 – is too big given the relative size of 170 to the other numbers in the range (hundreds of thousands). Why would that be – the data bar should technically be 0 pixels wide? The answer is that when we were doing usability testing of this area in Excel, we found that users preferred not to see blank data bars, so Excel’s default was set to a 10% minimum width. While there is no UI to tweak that setting, there is an OM property – percentmin – that you can use to set the minimum width to whatever you like. Accordingly, if I select the range, open VBE and type “activecell.formatconditions(1).percentmin = 1” in the immediate window, […]

 
Excel 2007 paßte also hervorragend zur aktuellen Blase, selbst schlechteste Vorhersagen müssen nun in der Excel‐generierten Grafik – ein Bild sagt mehr als tausend Worte – nicht mehr nach nichts aussehen. Ein echtes NEF (New Economy Feature) …
P.S.: Kann mir bitte jemand bestätigen, daß sie diesen Unsinn nicht wirklich in die Finale Version aufgenommen haben? Bitte‽

Fundstücke und Gedanken zu comBOTS

Nach der Neuerfindung der Kommunikation durch comBOTS ist natürlich nichts mehr wie früher. Klar, was sind heute schon 64 MB Hauptspeicher oder 10% Auslastung einer 1,4‐GHz‐CPU? Locker zu verschmerzen, wo der Standard für Laptops zumindest in Richtung 2,x‐GHz-DualCore und 512 bis 1024 MB geht. Auf den Systemen geht der comBOTS‐Client vielleicht tatsächlich im Rauschen unter — wobei weiter spannend wäre, die Laufzeitverkürzung durch den comBOTS‐Client beim Einsatz ohne externe Stromversorgung zu ermitteln …
Anyway, nutzen wir die Taktzyklen und MB, die uns der maßlos hungrige maßvoll mit den Systemresourcen umgehende Chat‐Client‐Deluxe läßt für eine kleine, nicht repäsentative Blogschau zum Thema comBOTS:
_notizen aus der provinz nennt neben comBOTS, »(das m.E. eher in der Kategorie “too little, too late” läuft)«, z. B. den Dienst IMVU, der zumindest das Avatar‐Chatting auch zu beherrschen scheint. Spannend; falls ich irgendwann mal statt Textzeilen in der screen‐Session dringend Avatare, die in Sprechblasen kommunizieren benötige, werde ich mir auch IMVU angucken. Vorher erschiesse ich mich aber vielleicht auch …
Bei dsltarife.net hat man sich auch des Themas angenommen:

Kenner beschreiben diese Software als einen optisch und technisch aufgerüsteten Instant-Messaging-Dienst, der auch netzinterne Telefonate ermöglicht.

 
Interessant auch der Ausblick auf die finanzielle Lage:

Die jetzt veröffentlichten Quartalszahlen zeigen, dass die ComBOTS AG noch weiter in die roten Zahlen gerutscht ist. Der Verlust stieg im dritten Quartal von 9,3 Millionen auf 12,5 Millionen Euro. Die liquiden Mittel der Gesellschaft sanken im dritten Quartal um vier Prozent auf 432,5 Millionen Euro. Das Unternehmen rechnet im vierten Quartal mit geringeren Kosten als im dritten Quartal. “Weiterhin erwartet die Gesellschaft im kommenden Quartal reduzierte Investitionen, da die Infrastruktur im dritten Quartal fertig gestellt wurde”, hieß es.

 
Das liest sich so, als könnte man durchaus einen verzögerten Run durchstehen — lt. ARD erwartet man Gewinne sowieso nicht vor 2008.
Wenn man z. B. Paddy liest, könnte man der Meinung sein, daß die Revolution nicht stattgefunden hätte:

Aber das wird alles gar nicht so lange dauern. Die Combots bleiben nur so lange auf meiner Platte, wie ich brauche, um die Screenshots für diesen Artikel zu machen.
[…]
Combots können sich scheinbar nicht selber freuen, sondern brauchen dafür ein Substitutions-Küken. Dass der Hersteller nicht in der Lage ist, 3D-Figuren individuell zu animieren, sondern auf Videos zurückgreift, erklärt die herunter zu ladende Datenmenge und die elend lange Ladezeit. Schade, dass nicht zumindest ein Satz Standard-Emotionen je Avatar drin waren.
[…]
Was bleibt ist ein meiner Meinung nach drittklassiger Chat-Client mit einer miesen Performance, […]

 
Nunja, ganz so weit würde ich nicht gehen — Profi‐Chatter werden das Ding eh’ nicht anrühren, für das spaßige Sätzchen zwischendurch mit sich übergebendem Avatar (die Animationen sind schon schön; aber wenn man nach dem sechsten Mal schon genau weiß, wann er die Flasche rausgöbelt … dann ist der Witz nicht mehr so richtig der Schenkelklopfer) ist es ganz nett. Kostete dann aber rd. 64 MB Hauptspreicher und wenige Euro Nutzungsentgelt im Monat. Da verschicke ich doch lieber weiter Dateien als Mail‐Attachment und Jabber mir einen …
Eine nette Anektdote findet sich bei Batzlog:

PS: Lustige Anmerkung nebenbei: Als ich das erste mal von Combots hörte, war meine erste Assoziation das es sich dabei um irgendwelche Kampfroboter handeln müsse. Da lag ich gar nicht mal so falsch. www.combots.net

 
Namen. Schall und Rauch …
Letztlich, das stimme ich mit der Einschätzung der netzhure.de zu, hat comBOTS durch die Niedlichkeit und die als integraler Produktbestandteil aufgesetzte Nachkaufoption zumindest theoretisch das Zeug, vielleicht in deutlich kleinerem Umfang, den wohl abebbenden Klingentonwahnsinn ins Instant Messaging rüberzuretten:

Es wirkt lächerlich, wenn sich Erwachsene Leute sich wie kleine Kinder über blinkende lärmende Animationen freuen und passt garnicht zum seriösen sonstigen Businessgetue. Auch mit der Finanzierung, das ganze macht mir mehr den Eindruck eines Internet-Jambas für pubertierende Kinder als den einer ernsthaften Kommunikationssoftware.

 
Businesskommunikation braucht aus meiner Sicht grade keine Möglichkeit des Datenversands – z. B. des letzten Meeting‐Protokolls – mit kotzenden, küssenden oder kopulierenden

(FTR: letzteres gibt es m. W. derzeit zumindest nicht — aber ohne Pixelsex fehlt eigentlich was)

Kommentaranimationen. Abgesehen davon, daß Unternehmen gerne ihre internen Daten auch im eigenen Netz behalten wollen und eher kein Interesse daran haben, daß Mitarbeiter X via comBOTS beliebige Dateien durch den comBOTS‐Tunnel zu seinem privaten Account oder einem Mittäter senden kann. Nein, im Unternehmen hat comBOTS nichts verloren.
Bleibt der Heimanwender. Einer, der ein paar Euro im Monat dafür zahlen will, nur mit anderen, die ebenfalls so spendabel sind, zu chatten, Files auszutauschen (bis 200 MB am Stück wohlgemerkt – aber moderne Kompressionstechnik bewirkt da auch bei Videomaterial ja schon fast Wunder) und ggf. auch mal eien VoIP-Verbindung aufzubauen. Alles Dinge, die noch nie dagewesen bislang unheimlich komplex auch schon relativ unumständlich und kostenfrei möglich sind. Hmmm …
Ein das Thema comBOTS hier nicht abschließender Hinweis auf die Anmahnungs‐Affäre (siehe auch bei Der Dwarslöper oder Oliver Gassner: Digitale Tage) sei noch gestattet:

Kurzfassung: Chef regt sich über einen kritischen Blogeintrag auf, lässt Juristen dem Blogger einen bösen Brief schicken. Der Blogger nimmt den Text vom Blog, dutzende andere republizieren ihn und schreiben über den Fall. Klassiker.

 
Jene Kommunikation war meines Erachtens eher old school, fernab von revolutionär. Aber sie ging ja auch über comBOTS …

Blog und Gegen‐Blog — Meinungsfreiheit 2.0

Ich geb’s ja zu, ich bin etwas hintendran mit meiner Blogsichtung und dem Bloggen darüber.

(Daß studiwatch.wordpress.de (»studiWATCH! Freiheitlich demokratische Grundwerte sichern, solange wir sie noch haben«) hier allerdings bislang nicht gefeatured wurde, hat einen relativ simplen Grund: IANAL. Ganz im Gegensatz zum Verantwortlichen auf jener Site. Der Selbsterhaltungstrieb sollte jeden Netznutzer entsprechend konditionieren.)

Heute bin ich allerdings über das Ping‐Pong‐Spiel zwischen fimpern.de und *.* gestolpert.
fimpern.de über *.*:

Über diese Suche stolperte ich in eine neue Dimension des bloggens zu einem Thema – ich nenne das mal Flash-bloggen. Folgende Textwüste erwartete mich:

studivz
Donnerstag, 7. Dezember 2006 at 15:24:44
…es geht weiter…

 
enthalten war unter “es geht weiter” nur ein Link auf das YAMB.BETA Blog von Jörg-Olaf Schäfers. Ich fühlte mich ein bischen wie ein Teilnehmer einer Stempelaktion (Multiples) von Joseph Beuys. Ein oder zwei Wörter und ein unschuldiger Link werden aus ihrem Weballtag gerissen, virtuell ge-blog-stempelt und starren mich, nachdem Technorati sie web-zwo-nullifiziert hat, als Dada-Objekt aus einem Gebrauchsblog an.

 
Ziemlich genau zwei Monate später (die von fimpern.de und blogdoch.net eingesetzte Software hat’s nicht so mit WordPress‐Trackbacks sondern folgt der MovableTpye‐Innovation des Pingbacks — dafür sind die IsExploitableWordpress(URL)‐Wellen auch bislang an diesen Blogs vorbeigegangen …) stolpert *.* darüber:

fimper-mich! hat über mich geschrieben.

[…] stolperte ich in eine neue Dimension des bloggens zu einem Thema – ich nenne das mal Flash-bloggen.

 
cool ich hab was erfunden :-)
dann kommts aber knüppeldick:

studivz
Donnerstag, 7. Dezember 2006 at 15:24:44
…es geht weiter… [selbstzitat]

 
[…] enthalten war unter “es geht weiter” nur ein Link auf das YAMB.BETA Blog von Jörg-Olaf Schäfers. Ich fühlte mich ein bischen wie ein Teilnehmer einer Stempelaktion (Multiples) von Joseph Beuys. Ein oder zwei Wörter und ein unschuldiger Link werden aus ihrem Weballtag gerissen, virtuell ge-blog-stempelt und starren mich, nachdem Technorati sie web-zwo-nullifiziert hat, als Dada-Objekt aus einem Gebrauchsblog an.

 
erstens war dieser eintrag der letzte einer ganzen folge von einträgen zum thema studivz und im kontext durchaus als nachtrag zu verstehen.
zweitens: was ist bitte ein gebrauchsblog? […]

 
Hmm. Backblogging/Zurückbloggen ist ja auch meine Profession — aber das »Gebrauchsblog« scheint gesessen zu haben. Muß ich mir merken, scheint ja eine brauchbare Beleidigung für Blogger zu sein :->
Aber der Fimpanator lenkt per Kommentar ein:

El Burro sagt:
9. Februar 2007 um 18:29:33
Heee, ich will doch nur spielen und meinem Gehirn geht es mit Einschränkungen wieder gut. Also, blogg-on, dude

 
Werden sich die zwei Liebenden finden? Werden Sie sich ein Nest bauen können oder entzweit Sie die gemeinsame Blogvergangenheit endgültig? Wait and see …

comBOTS (BETA) — talk(1) 3.0

comBOTS — das Kommunikationswunder, nach der Eigendarstellung »E-Mail Programm, Instant Messaging und VoIP in einem – ganz einfach, mit Spaß und sicher!«, ist nun in der public beta. Also irgendwie jedenfalls, denn lt. Pressemitteilung vom 01.09.2006 war es das schon seit der IFA 2006 — wie auch immer, mittlerweile kann jeder sich die Software runterladen, installieren und … erst einmal staunen. Sofern er/sie/es denn auch einem Rechner mit Windows XP inkl. Service Pack 2 hat, denn »über die Gerätegrenzen hinweg eine einheitliche Anwendung« bietet comBOTS nur bei großzügiger Auslegung dieser Aussage (sprich: indem man Geräte, die nicht mit Microsoft Windows XP und installiertem Service Pack 2 laufen, gedanklich ausblendet). Ob meine tapferen PocketPCs, mit WLAN oder via UMTS-Handy durchaus kommunikativ, wohl jemals comBOTS‐würdig sein werden?
Zeit also, eine Windowsinstanz mal zum Testen dieses Wunders herzurichten. Ein Wunder übrigens, das von langer Hand vorbereitet wurde und mit einiger Verspätung – »Neues Produkt spätestens am 12. Juli 2006« hieß es noch am 22.11.2005, zum Juli‐Termin wurde der Start dann auf den 1. September 2006 terminiert – nun langsam sich materialisiert. Dies tut es, ganz zeitgemäß, als BETA — wir schreiben nun einmal das Jahr 1 im deutschen Web2.0.
Was steht uns bevor? Die VDI-Nachrichten schrieben dazu:

Es gibt auf dem Markt kein Unternehmen, das über die Gerätegrenzen hinweg eine einheitliche Anwendung anbietet und das mit dem Anspruch, den Kunden ihre Privatsphäre zu 100 % zu garantieren. ComBOTS springt da in die Bresche!

 
Ok, das ist derzeit vielleicht wenigstens noch in der Planung, die Wirklichkeit sagt »XP SP2 or bust«. Und dabei, so die Stuttgarter Zeitung, geht es doch um’s »Rundumsorglospaket der Kommunikation im Internet«. Starker Tobak.
Vorweg: die Oberfläche ist raumgreifend und eher als Kommunikationszentrale denn als unauffälliges Tool im Hintergrund ausgelegt.
Die Effekte sind schön anzusehen, aber auch rechenintensiv — auf einem 1-GHZ-Pentium 3 ist es noch flüssig im rdesktop, aber grade wenn viele Aktionen laufen, spürt man sehr schnell, daß es nichts umsonst gibt. Chats mit ulkig animierten Avataren sind schon lustig, ein dem User einen Vogel zeigendes Huhn kommt lustiger als ein entsprechendes Emoticon — keine Frage.
Auch beim Dateiversand kann man diese animierten Emoticons anhängen. Lustig, aber eigentlich entbehrlich — Attachments an eMails sind seit über 10 Jahren plattformübergreifend kein Thema mehr. Selbst animierte Grafiken gibt es sein etlichen Jahren — vielleicht nicht ganz so schön wie bei comBOTS, aber die gefühlte Innovation liegt hier auf dem Niveau der Neuerungen der Vista‐Oberfläche im direkten Vergleich zu MacOS X: wesentlich nichts wirklich Neues.
comBOTS bietet keine neuartige Kommunikation — allerdings wird alles lange bekannte unter einer einfachen Oberfläche und mit gewissen Garantien zusammengefaßt:

Kann ich bei ComBOTS sicher sein, dass alles auch zuverlässig übertragen wird?
Ja, ComBOTS sorgt dafür, dass alles, was Sie schicken, zuverlässig zum Empfänger übertragen wird – egal, ob nur eine kleine Textnachricht oder große Dateien. Wir nennen das „Guaranteed Delivery“.

 
Schick. Nett. Aber ein Kracher? Wenn mein comBOTS‐Gesprächspartner nicht online ist, nützt mir die Telefoniefunktion innerhalb comBOTS nichts; für eine Weiterleitung des Gesprächswunsches auf eine hinterlegte Telefonnummer oder VoIP‐Kennung (hier müßte neben SIP auch Skype hinterlegbar sein) fehlt es sichtbar schon an der Option, eine Rufnummer zu hinterlegen …
Aber ok, ich hätte auch nie gedacht, daß man mit vollmundigen Aussagen, rottiger Systemperformance, Propaganda im besten NS‐Stil und der, auf Phantasie‐ fantastischen Alexawerten basierenden, gefühlten Besteigung des Internetolymps in Deutschland …, ja, daß man damit sowohl Millionen von Studenten – zukünftige Elite des Landes und so, remember? – fangen als auch VC-Millionen ködern kann. I stand corrected, studiVZ ist verkauft und Ehssan Dariani, der Gründer mit der allzeit bereiten Kamera, kauft sich neue Kleider (eine neue Kamera – wie im Blog nicht mehr nachzulesen, hat er seine in 2006 verloren – hat er wahrscheinlich schon).
Immerhin: die comBOTS‐Oberfläche ist sehr bunt und man kann sich neue Avatare gegen Geld besorgen — wird spannend sein zu sehen, ob sich ein Boom wie bei Klingeltönen hier wiederholen läßt. Ausschlaggebend für Erfolg oder Mißerfolg der Unternehmung wird sein, wie und insbesondere wie schnell die comBOTS AG eine Bedarfsweckung einerseits wird erzeugen und andererseits gleichzeitig die Versprechen bezüglich der Stabilität und Sicherheit der Plattform wird einlösen können.
Warten wir also ab, auf wieviele BOOs es comBOTS vor dem FINAL bringt — oder bis Holtzbrinck auch dieses Startup schluckt? Nette Idee, aber über sechs Monate nach der Vorstellung noch immer Beta …

xn--schlervz-85a, the Next Big Thing?

Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern, StudiVZ, die gruschelige Studentencommunity das 100%ige Tochterunternehmen der Holtzbrinck‐Gruppe (mittlerweile also mit viel Geld ausgestattet und aus gegebenem Anlaß jetzt wieder ohne Blog, vgl. auch die Blogbar), plant den Sprung in die Schule.
schülervz.de — grandiose Idee. Ich will gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber geht es nur mir so? Ich jedenfalls sehe einen gravierenden Unterschied zwischen einem Schüler und einem Studenten — und zwar einen rechtlich relevanten, nämlich das üblicherweise erreichte Lebensalter. Ich sehe da viele neue Arbeitsplätze in Berlin entstehen, Arbeitsplätze im direkten Zusammenhang mit dem Thema Jugendschutz — und vielleicht greifen dann endlich die versprochenen Maßnahmen bei der Wurzel allen Übels StudiVZ selbst? Wünschenswert wäre es, aus mehr als einem Grund …