The unbuyable WePad

Nach der durchwachsenen Vorstellung des Entwicklungsstandes von WePad-Hard- und -Software gestern, macht es die WePad GmbH noch einmal spannend — der für heute angekündigte Start der Vorbestellmöglichkeit hat bis 12 Uhr MEST noch nicht stattgefunden.
Daran interessieren mich primär die Konditionen des »Pre-Orderings«; ist es ein unverbindliches Vormerken oder möchte der Anbieter vielleicht gar eine Voraus-/Anzahlung haben? Letzteres sollte man sich meines Erachtens sehr gut überlegen, denn, wie gestern klar wurde, von einer Produkt- oder gar Marktreife bezogen auf das Gesamtpaket »WePad« zu sprechen, wäre deutlich verfrüht.
Bislang gibt es nur defekte Vorseriengeräte der angeblichen »finalen Hardware«; eines hat nicht nur einen, sondern gleich mehrere »Wackler« – praktisch, so muß man nicht die fehlende Portrait-/Landscape-Umschaltung vor laufenden Kameras wegzudiskutieren versuchen, da das Pad ja wegen des unspezifizierten »Wacklers« im Ständer verblieb –, das zweite glänzt mit »defektem Touchscreen« – dies soll jenes gewesen sein, welches auf der Pressekonferenz vor zwei Wochen noch unter Windows die UI-Demo präsentierte und bei dem auf Nachfrage versichert wurde, es würde natürlich wunderbar »touchen«, man habe nur den Touchscreen deaktiviert, im Code, damit nicht jeder damit »rumspiele«, so zumindest mobicroco.de – und mehr zumindest grob funktionsfähige Exemplare der angeblich noch handgefertigten finalen Hardware scheinen es bislang nicht in die Hauptstadt geschafft zu haben.
Ganz gut zusammen faßt den Stand wie ich finde der Kommentar von »Flinx« bei netbooknews — wenngleich er teilweise stark verfeinfacht:

Ich zähle mal auf, was in diesen Videos alles noch nicht richtig funktionierte oder absichtlich nicht gezeigt wurde:
– Flash (Youtube in geringer Quali ruckelt wie Sau)
– Adobe Air (“dürfen wir noch nicht, hat Stern.de verboten”)
– Touchbedienung (“Touchdisplay ist noch nicht ganz plan”)
– Multitouch (“hat Apple aber verboten wegen Patent…”)
– Ambient light (ist da, funktionierte aber nicht)
– für Touchbedienung angepasster E-Mail-Client
– für Touchbedienung angepasster Dateibrowser
– für Touchbedienung angepasster MP3-Player
– für Touchbedienung angepasster Kalender und Adressverzeichnis
– Android-Unterstützung
– GPS zusammen mit Google Maps
– Bewegungssensor
– an den Bewegungssensor angepasster Browser, etc.
– funktionierender HDMI-Ausgang (mit Ton)
– Web-Cam
– tatsächliche Akkulaufzeit (stets war das Netzteil angeschlossen)
Kein Zweifel, dass die Hardware vorhanden ist. Das ist aber kein Verdienst von Neofonie. Die Geräte kann jeder Computer-Shop um die Ecke in wenigen Wochen aus China importieren und sein Logo draufkleben.
Von dem was Neofonie an Eigenleistung erbringen will (Treiberanpassung, angepasste Apps, einfach zu bediende GUI, App-Shop) sind momentan nur Baustellen zu sehen.
Über die Art der Präsentation schweigen wir mal lieber.

 

Man kann es natürlich auch wohlwollender formulieren, exemplarisch am Beispiel von stern.de, die allerdings wohl Kunde und/oder Partner von neofonie/WePad sind:

Als das auch noch schlapp machte und eine Windows-Fehlermeldung zeigte, war alles zu spät. Blogger und später auch Journalisten stürzten sich mit Häme auf das PR-Desaster. Zweifel wurden laut: Gibt es gar kein funktionierendes Teutonen-iPad? […] Seitdem ist der Neofonie-Chef unterwegs, seine eigene Glaubwürdigkeit, die seiner Firma und des Produkts namens WePad wiederherzustellen.
Um mit den Vorwürfen, es gebe gar kein funktionierendes Produkt, aufzuräumen, hat Neofonie eine Handvoll Journalisten sowie zwei IT-Blogger […] ins Hauptquartier nach Berlin gebeten, um ein Vorserienmodell aus der Nähe zu begutachten. […]
Während bei der Multitouch-Bedienung zwischen iPad und WePad nur geringe Unterschiede zu bestehen scheinen, […]
Das zentrale Steuerungselement für das WePad ist eine Leiste an der rechten Seite des Bildschirms, die mit dem Daumen bedient wird. […] Dieses Bedienkonzept muss sich im Alltag erst noch bewähren. […]
Nach dem Erstkontakt mit einer frühen Version des WePad lässt sich sagen: Es existiert und es funktioniert. […]

 

Bis auf die komplett unwahre Aussage »Während bei der Multitouch-Bedienung zwischen iPad und WePad nur geringe Unterschiede zu bestehen scheinen« – derzeit existiert doch noch gar kein Multitouch beim WePad und wenn es dermaleinst, nur für Europa, existieren wird, so die Aussage, hängt es von der Anwendung ab, ob sie es unterstützte; das dürfte ein gravierender Unterschied zum iPad sein – und von der für jeden objektiven Betrachter der Aufzeichnungen des Events extrem-optimistischen Aussage »es existiert und es funktioniert« abgesehen – von der Produktdefinition »WePad« ist das, was gezeigt wurde, ungefähr so weit entfernt wie jedes andere Touchscreen-Gerät –, kann man das sicher auch so schreiben …
Sofern das Produkt wirklich auf den Markt kommt, hat das WePad aus meiner Sicht, schon ob des späten Starts aber auch ob der unklaren Zuordnung (keine iPad-Anwendungen laufen; ob und wie Android-Apps auf das Gerät kommen und dort performen, ist unklarer denn je; ich kenne nur eine AIR-Anwendung bislang, und das ist der twitter-Client twhirl – AIR ist heute auch eher eine Desktop-Domäne, oder?; sonstige Stores, was mögen die zu bieten haben?) sowie des – seit dem iPad jedenfalls – ungewöhnlichen Bedienkonzeptes, nur eine Chance, wenn es z. B. durch Verlage massenhaft – subventioniert – unter’s Volk gebracht wird und exklusive, stark nachgefragte Inhalte bringt. Inhalte, die auf dem iPad dann nicht verfügbar sein dürften, um überhaupt eine Konkurrenzsituation zu schaffen …
Das iPad hingegen verkauft sich derweil wie geschnitten Brot von selbst. Ist ja auch weithin konkurrenzlos.

One Reply to “The unbuyable WePad”

  1. Hey, Alda! Da WeeeeePad kannst Du seit heude nachmiddach voll konkret kraß bei Amazon vorbestellen…
    …man bekommt zwar beim Suchbegriff WePad nicht das WePad als ersten Treffer, aber wer etwas tiefer runterscrollt findet es dann doch.

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