Das Berlin-Münchener FakePad

Tja, schade. Das WePad, dieses – aus meiner Sicht – »iPad done right«, ist wohl nichts, auf das man heute bauen kann als Couchsurfing-Alternative zum stalinistischen Cupertino-Produkt.
Ja, ich bin schon ziemlich enttäuscht; naja, nicht wirklich. Diese Salamitaktik, die, wie auch immer die-Firma-dahinter heißt, da auf Facebook abgezogen hat, stimmte schon nachdenklich. Jedenfalls alte »Ankündigungsopfer« wie mich …
Gestern wurde also nun ein – zugegeben schickes – Pad in die Kameras gehalten, … auf dem Windows wohl bildschirmfüllend endlos ein Video abspielte, bei dem jemand per Maus oder Touchpad – keinesfalls aber per Touchscreen – über etwas einen weißen Kreis bewegte, was wohl die WePad-UI darstellen soll.
Mager.
Sehr mager, denn entwickelt wird seit 2006 daran:

Da laut tiitoo schon in 2009 ein Feldtest mit 150 End-Usern durchgeführt wurde und die Firma seit 2006 daran arbeitet (das sagt zumindest das gerade aktuelle Textsnippet in den Google-Suchergebnissen das bei einer Suche nach 4tiitoo angezeigt wird ist folgendes wahrscheinlicher:
das tiitoo wurde als eigenes Linuxderivat mit eigener Oberfläche entwickelt. Vielleicht wurde ja auch eine Flash-SourceLizenz erworben (wie es z.B. bei dem Chumby der Fall ist) und die komplette Oberfläche ist Flash.

 
Oder, um den nun auch offiziellen Partner zu zitieren:

4tiitoo was founded in 2007 to bring the best of the Internet and modern information technologies intuitively closer to everyone. The WePad OS was build as an intelligent and intuitive usage system for touch screens while focusing on personal Internet usage. The widget based user interface enables quick access to a comprehensive world of applications, news and multimedia content.
The WePad combines lifestyle design with powerful technology optimized for mobile use in the entire living environment. After three years of development and a successful home use test with 150 users in 2009, we are now preparing the launch in mid 2010.

 
In 2009 wurde also ein Test des WePad mit 150 Leuten durchgeführt. Selbst wenn man annähme, daß jeder Tester nur 1 Tag das Pad hatte und somit nur genau 1 Exemplar (150 Tage Test, 150 Tage Transport von Tester n zu Tester n+1) existiert: jenes hätte man gestern in Berlin vorführen können. Nein, streiche können, setze müssen. Was aber vorgeführt wurde, war eher peinlich, insbesondere hinsichtlich der, auch geweckten, Erwartungen im Netz:

Kaufen kann man die Hardware übrigens (noch nicht ;)): sie heißt ExoPC Slate, so wird zumindest auf Facebook spekuliert, und rennt wohl hervorragend unter Windows 7. Warum man, wie Spiegel Online berichtet, das Pressekonferenzgerät frisch aus den Klauen des Zolls entreißen mußte, wenn doch 150 Leute es schon getestet haben, bleibt denn auch unklar:

Das Gerät, das auf der Pressekonferenz gezeigt wird, sei erst zehn Minuten vor dem Termin eingetroffen – “es hing beim Zoll in Köln fest”, sagt einer der Männer, die für die chaotische Pressearbeit verantwortlich scheinen. Einem TV-Team hatte man versprochen, es schon zwei Stunden zuvor abfilmen zu dürfen. Daraus ist nun offensichtlich nichts geworden.

 
Letztlich irgendwie peinlich ist denn auch die Geschichte mit dem Verkaufsstart; sollte es erst im April losgehen (siehe auch Marcus Schwarzes Artikel in der HAZ) …

Freitag 19. März 2010 01:56
WePad: Der deutsche iPad-Rivale
iPad, iPad, iPad. Noch bis Ende April müssen sich die Apple-Fans gedulden. Dann kommt Jobs’ Tablet auch in Deutschland in den Handel. Doch ein mittelständisches Berliner Unternehmen prescht noch vor dem Verkaufsstart auf den Markt. Der deutsche Suchmaschinen-Experte Neofonie will sein WePad getauftes Tablet schon Mitte April in den Handel bringen. Es unterstützt Flash, läuft mit Android, soll weitaus günstiger als das iPad und für Verlage individuell zu branden sein.

 
… so wird der April nun in den Spätsommer verlagert, siehe SpOn oder auch das Video:

Zweifel werden diskutiert, ob das Gerät überhaupt schon ansatzweise marktreif ist. Immerhin hatte die Neofonie angekündigt, mit dem WePad auf den Markt zu kommen, noch bevor die ersten iPads in Deutschland ausgeliefert werden. Daraus wird nichts werden, so viel ist jetzt klar. Vorbestellungen sollen ab dem 27. April angenommen werden, ein sogenannter Soft-Launch, also die Auslieferung in homöopathischen Dosen, ist für den Juli geplant. Erst im August rechnen die Entwickler damit, WePads in nennenswerten Stückzahlen liefern zu können.

 
Tja; und die Ankündigung »billiger als das iPad«, auch diese wird ggf. von der Realität noch eingeholt, zumindest aber fällt der Unterschied nur mathematisch beweisbar aus.
Tja, schade. Viel Rauch um … ein Windows-Gerät. Nicht, daß Windows zwingend schlecht wäre, an dieser Stelle, wo ein Android-basiertes Tablett für den Verkauf im April 2010 avisiert war, ist das aber mehr so der Beweis, daß neofonie und deren Partner eines nicht können: ein Android-Pad liefern, geschweige denn ein Gerät mit all den sagenhaften Features, die dem WePad mal nachgesagt wurden.
Wenn man Mitte April als Verkaufstermin den kommenden August nennt und die Produktpräsentation aus einem Video besteht, kann man mit durchaus Zweifel haben an der Marktreife des virtuellen Produktes. Und womit? Mit Recht. Denn wäre die Hardware nach den Spezifikationen der Wepad-Macher entwickelt worden, was hinderte denn dann daran, das Image des/der »Heimwerkermodelle« auf das fertige Gerät zu spielen und all die tollen Features vorzuführen?
Wie auch immer; neofonie GmbH/WePad GmbH, ich würde nach wie vor gerne ein WePad kritisch unter die Lupe nehmen. Allerdings nicht erst im August; im Laufe des Mai sollte auf der Hardware die Software weitgehend lauffähig sein nach allem, was bisher verlautbart wurde – schließlich muß »nur« noch der Linux-Unterbau angepaßt werden, was mit Intel als Technologiepartner ja kein Problem sein dürfte. Adresse siehe Impressum ;)

2 Replies to “Das Berlin-Münchener FakePad”

  1. AngeloFeiertag commented on YouTube:

    Not fake, they are starting pre-ordering on tuesday, and they have numerous videos on youtube and facebook where they show their wepad in action.

     
    I still suggest seeing the WePad as a fake, since what was shown about a week ago was far from production quality; hey, not even the touchscreen on the final hardware was working, how ridiculous is that?
    As long as there isn’t real evidence, read: multiple fully working-as-spec’d evaluation devices, I will consider the WePad as PR stunt; taking (pre-) orders actually means nothing regarding the readyness for production of the device.

  2. L0vesickMelodyX3 on YouTube wrote:

    wetab is way better than ipad.. ipad doesn’t support flash, thats fucking annoying.. but wetab supports flash.. and its better than this apple stuff for show-offs.
    & you can use things like “open office” on the wetab..
    oh, and…. “blogdoch”, you look like a 12-year-old boy.. XDDDD

     
    Funny that you state the not-yet existing, name-chinging pad is better than the existing iPad … I’ll make my mind when the We$whatever is available in stores, as there are many promises made but not much has been delivered. (Integration of Android? Not yet ready. Flash playback? Will be improved – see http://www.youtube.com/watch?v=RuhlA2cFU0g on how (bad) flash performs on similar hardware)
    BTW, I’m nowhere seen on the video …

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