Graswurzel vs. Rhetorikseminar

In der Zwangspause, die ein Medion-Vista erzwingt, während die 190-GB-Partition defragmentiert wird (in Vorbereitung einer Partitionsverkleinerung, die Vista bislang nur um 88 GB ermöglicht, trotz nur 30 GB benutzten Platzes), hatte ich mal wieder Zeit, meinen Feedreader zu checken: Isotopp führt gestern in Langform aus, was ich mit …

http://is.gd/1cSR3 – ein Lehrstück in Sachen Rhetorik. #zensursula

2:29 AM Jun 25th from twhirl

 
… schon antwitterte:

Wenn Leute kritisieren, daß wir rethorisch schlecht sind, wenn Leute kritisieren, daß wir unsere Meinung nicht aggressiv genug vortragen und wenn Leute kritisieren, daß wir uns zu oft unterbrechen lassen, dann meinen sie das.
Das da oben ist die Message, die die Piraten, der AK Zensur und alle anderen hätten kommunizieren müssen. Der Fehler ist nicht, daß wir nicht auf die Argumente der Gegenseite eingehen. Der Fehler ist genau, daß wir es tun. Das ist kein Diskurs, der mit uns geführt wird und es ist kein Diskurs, den wir führen müssen. Wir reden nicht mit einer Gegenseite, wir reden mit einer Öffentlichkeit, auch wenn Interview drauf steht. Und wir müssen denen unsere Thesen füttern – Frau von der Leyen hört sowieso nicht zu. Das hat sie ja oft genug bewiesen.

 
Da kann ich ihm nur voll und ganz zustimmen. Die Sendung auf Phoenix ruht bis zur nächsten Platzknappheit noch auf meinem VDR; ich habe nach Alvars erstem Statement, was nun mit dem konkreten Gesetz in D mehr so nichts zu tun hatte, dann abgeschaltet … Und ohne »Internetaktivistin Franziska Heine« (Zeit) zu Nahe treten zu wollen – oder gar behaupten zu wollen, ich könne derlei besser –, das Zeit-Interview war eine saubere PR-Aktion für Albrechts Tochter, leider.
Es wird sich zeigen, ob – unabhängig vom nächsten Gang nach Kalrsruhe – die Graswurzeln gegen Internetsperren, mit ihrem sich angebotenen politischen Piraten-Arm, was bewegen werden können. Mit dem edlen Ansinnen, auf Moderatortenfragen auch konkret zu antworten oder vermeintliche Argumente der Gegenseite in den 15 Sekunden Redezeit zerpflücken zu wollen, werden weder Schlacht noch Krieg gewonnen — abgesehen davon, daß Detailinformationen nicht aus Äther oder Druckerschwärze sich ins Hirn der Massen übertragen lassen. Auch hier kann, ja muß man von von der Leyen lernen, die mit blutigen Vergewaltigungen Neugeborener ein klares, abscheuliches Bild der Öffentlichkeit gegeben hat, gegen welches diese überwiegend – »Pädokriminelle« (und Sperrgegner nach Ansicht der sperrwütigen Kaste) ausgenommen — denn auch Abscheu empfinden mag.
Was »der Bewegung«, also dem lose organisierten, breiten Querschnitt durch die Gesellschaft derer, die sich auch als Netzbürger sehen – auch hierzu hat »Isotopp« nett zusammengefaßt, was mindestens problematisch an der deutschen Politik der Jetztzeit ist –, fehlt, ist ein rhetorisch geschulter, unnerdiger Redner oder, besser noch, eine entsprechende Rednerin, der/die einerseits internetaffin ist und andererseits öffentlichkeitserfahren, als Sprechen/-in. So ‘ne Westerwelle halt, nur nicht ganz so abstoßend-arrogant vielleicht … Verheiratet, zwei Kinder, angestellt, vielleicht aktiv in der Kommunalpolitik, bislang aber in der breiten Öffentlichkeit unauffällig. Irgendwie »aus der Mitte« eben — um »die Mitte« zu überzeugen …