Demagogie, der Leyensche Politikstil

Narf. Von der Leyen verunglimpft mal wieder Internetnutzer:

“Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft”, erklärte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen dem Berliner Radiosender Radio Eins […].

 

Zum nachhören: Radio Eins

Widerwärtig und unerträglich ist meines Erachtes derzeit primär eines: die von gefährlichem Halbwissen gefärbten Äußerungen der Demagogin von der Leyen.
Nicht alles, was hinkt, Frau von der Leyen, ist ein Vergleich. Zunächst einmal sind »Sperren im Internet« mal wie mobile, unbewachte »Durchfahrt verboten«-Absperrschranken auf einsamen Landstraßen, aber auch mal wie der biometrisch gesicherte Zugang zu Hochsicherheitsbereichen ausgeführt. Das Umfahren einer »Durchfahrt auf Wunsch Frau von der Leyens verboten«-Schranke auf einer einsamen Landstraße dürfte jedem Ihrer sich fragen sollenden Zuhörer gelingen — und exakt so verhält es sich erst einmal auch mit Ihrem vertraglichen Zaubertrick zur Unsichtbarmachung des fortgesetzten, durch Ihr Handeln nicht beeinträchtigten, Kindesmißbrauchs.
Es ist bei weitem nicht ungewöhnlich, daß ein Provider auf DNS-Ebene (genau, Frau von der Leyen, das »ist was Technisches«) Probleme hat, die Eintragung alternativer Nameserver dürfte selbst dem typischen CDU-Wähler BILD-Leser heute keine schlaflosen Nächte bereiten — in anderen Ländern haben landesweite Zeitschriften (vgl. Eintrag »December 13, 2006«) entsprechende Hinweise publiziert. Sie bezeichnen also, werte Frau von der Leyen, die gemeinen italienischen Internetnutzer, die zufällig den besagten »La Repubblica«-Artikel gelesen haben, als »schwer Pädokriminelle«. Das nenne ich … gewagt.
Frau von der Leyen, Sie propagieren leider derzeit ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, bei dem – auf dem argumentativen Rücken geschundener Kinder – nicht weniger als die Grundlage geschaffen werden soll, um im deutschen Internet generelle Zensurmöglichkeiten, vergleichbar denen in China, zu etablieren — und die Einführung chinesischer Zensurtechnik forderte man denn auch jüngst gleich mal im hessischen Innenministerium, wie berichtet wird.
Hören Sie, Frau von der Leyen, bitte auf, willkürlich Internetnutzer als »schwer Pädokriminelle« zu verunglimpfen, kaufen Sie endlich technischen Sachverstand ein — und falls Sie nach wie vor darauf bestehen, chinesische Zustände nach Deutschland zu bringen, seien Sie gefälligst konsequent und kassieren diese hirnrissige Beschränkung auf nur wenige große Provider. Es ändert an der Unwirksamkeit gegen das Grundübel des Kindesmißbrauchs zwar so wenig wie Ihre Sperrphantasien per se, aber es nähme der unheiligen Aktion den Makel des puren Populismus.

One Reply to “Demagogie, der Leyensche Politikstil”

  1. Das sie ahnungslos ist ist offensichtlich.
    Dann stellt sich die Frage warum sie dieses Programm dennoch durchdrückt – offenbar will man eine Wählerschicht ansprechen die selbst keine Ahnung davon hat, aber Politikern glauben möchte.
    Ich denke wenn diese Wähler diese Personen auch wählen, sind sie selbst Schuld – leidtragende sind alle Internetbenutzer. Daher ist es das beste wenn man der Propaganda der Frau v.d.L mit Informationen entgegentritt. Also aktiv informieren.

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