Goldrausch?

Hmm, bin ich nur pingelig, oder herrscht in der »Energieverbrauchszählerbranche« wirklich noch eine Art Goldrauschmentalität? Ich gucke mich nun schon länger um, wie ich meinen Energieverbrauch denn – verhältnismäßig – günstig erfassen kann. Die ELV-Lösung mit der IR-Diode (und so vermutlich weitere, prinzipgleiche Lösungen) scheitert am rauchglasfarbigem Zählergehäuse, also bleibt wohl nur der Wechsel zu Yello-Strom (wo dann, angeblich, ein digitalSTROM-Chip meinen Verbrauch mißt — und ihn Yello und Google schickt, nicht aber mir direkt AFAIK) oder eben ein Zwischenzähler. (Nein, mein Energieversorger bietet keinen Endkundenauslesbaren Zähler an.)
Ein Zwischenzähler also, mit wenigstens Impulsausgang; andere gibt’s auch, so mit M-Bus und allem Trallalla, aber sie liegen dann auch bei über 300,– EUR; da der Zähler keine Einsparung bringt (eher im Gegenteil, durch seinen Eigenverbrauch), muß durch geänderte Nutzung eingespart werde; aber das Wissen um die aktuelle Netzspannung oder -frequenz spart nichts, das wäre nur spannend zu sehen …
Also ein Drehstrohmzähler mit dem fröhlichen, normierten S0-Impulsausgang. Da mein Zähler der Stadtwerke Gütersloh eh’ »nur« 75 Umdrehungen pro kWh macht, erscheinen mir 800 Impulse/kWh schon ganz gut (1000 wäre natürlich ein runderer Wert; 3200 hingegen erscheint mir fast übertrieben?).
Gut, womit also dann die Impulse zählen; jeden morgen um 6 den Zählerstand abzulesen, das war ja nicht der Plan, auch wenn das in meiner Wohnung dann natürlich eine Webcam übernehmen könnte …
Nein. Ich will einen S0-Impulszähler. Und hier kommt für mich jetzt der richtige Eindruck der Goldrauschstimmung.
Denn da gibt es beispielsweise den kWh-Logger, wo man für die Teilnahme am Betatest mit Leihstellung eines Gerätes 199,– bezahlt:

Der Energiezählershop darf den Logger nicht ohne CE Zertifizierung an den Endverbraucher verkaufen. Es gibt auch kein Handbuch oder Beschreibung der Funktionen. Die Informationen können dem Forum unter http://www.kwh-logger.de/forum entnommen werden.
Johann Stark Elektronik stellt jedem Betatester einen oder mehrere Logger zu Verfügung für einen Beitrag von 199 € inkl. Umsatzsteuer je Logger, zzgl. Versand und Nachnahmegebühren (wenn Nachnahme gewählt worden ist).
[…]
Nach dem der kWh Logger nicht verkauft wird, besteht kein Anspruch auf Erfüllung irgendeiner Funktion. Die Funktionen sind auf den oben genannten Internetseiten beschrieben, werden aber in keiner Weise garantiert. Sie benutzen den Logger auf eigene Gefahr und informieren sich im Forum über Funktions- oder Anschlussmöglichkeiten. Johann Stark Elektronik haftet nicht für Schäden durch unsachgemäße Handhabung. Das Gerät hat keine Garantie. […]

 
Schickes Gerät, 4 S0-Eingänge, Milroprozessor drauf und mit Ethernetanschluß; aber 199,– finde ich schon für ein zu kaufendes, nur Impulse zählenden, Gerät viel, für ein nicht verkauftes, ohne jegliche Garantie ist das doch etwas happig — oder? Ja, rechtlicher Rahmen hin oder her; aber Betatester das Gerät ohne Gegenleistung bezahlen zu lassen, ich weiß nicht. Ist ja fast schon wie bei Software …
Wobei, das muß man dann auch zugeben, 199,– für 4 S0-Eingänge und Ethernetanschluß ist relativ günstig, schaut man sich ipcas’ Metering Network an: 479,– plus MwSt für 6x S0-Impulseingang, da sind 199,– für »erhoffte 4« schon bahnbrechend … Oder liegt das an den Kosten der CE-Zertifizierung?
Nein, irgendwie kann ‘ne CE-Zertifizierung soo teuer nicht sein, denn man bekommt ja schon Marken-Einphasenzwischenzähler mit S0 für unter 40,–, in der Bucht dann mit lustigen Namen ab 9,99 … Und an der Hardware kann’s irgendwie auch nicht liegen, einen Microprozessor samt Ethernet gibt’s fertig für 28,–; ein Lantronix XPort-Pro-Modul (Ethernetchip mit 32-bit CPU, 8MB SDRAM und 16MB Flash, auf dem auch Linux laufen kann) kostet allerdings schon rd. 60,– …
Aber zurück zum Zählen der S0-Impulse. Die Geräte mit Ethernet sind mir schlicht zu teuer, zumal ich auch nicht wirklich Ethernet im Stromkasten habe (gut, wäre ein lösbares Problem). Also, was gibt’s da noch?
Ah ja, das gute alte 1-Wire mit seinen 2-4 wirklich benötigten Leitungen. Ja, auch da gibt es Angebote, mit schon 50,– für 2 S0-Zähler ist man dabei … Umm, Netzteil brauch’s dann aber auch noch; ich habe jetzt nicht nach dessen Preis geschaut — sondern nach Alternativen, günstigeren Alternativen. Und wurde bedingt fündig; 5,– gespart, immerhin.
Daß es auch noch günstiger geht, wenn man nur sucht, belegt für mich den Verdacht, daß hier schon ganz gut Gewinn gemacht wird in dieser Nische. Schlußendlich werde ich wohl bei Wärme Fuchs zwei Unterputz-Module mit je 2 S0-Eingängen, die auf einem 1-Wire-Zähler enden, zuschlagen; 29,– pro Stück, da lohnt sich das Anheizen des Lötkolbens wohl nicht wirklich. Das Hutschienengerät für 38,– sähe zwar schicker aus, aber da ich nur noch 7 freie Plätze habe, ein Wechselstromzähler mindestens 3 davon veranschlagt und ich gerne 3 Stromkreise dediziert messen will, ist auf der Hutschine im Sicherungskasten eh’ nicht mehr Platz … Ich hoffe, ich kann die UP-Module unterhalb der Abdeckung verstecken (geht, wenn die nicht zu sehr auftragen; sonst muß da halt ein Loch rein ;)), dann muß nur der 1-Wire-Bus als Telefonkabel in den Sicherungskasten rein, das sollte auch optisch gut gehen. (1-Wire habe ich schon für 2 Thermometer laufen, mal sehen, wie ich da die Schlaufe in die Abstellkammer lege. Aber das ist Pillepalle.)
Jetzt ist nur noch die Frage: Voltcraft-Zähler zu ~120,– (Drehstrom (80A); 1000 Imp/kWh) und ~40 (Wechselstrom (5(32)A; 2000 Imp/kWh) oder doch lieber die Geräte vom eBay-Powerseller zu ~40,– (Drehstrom (10(63)A); 800 Imp/kWh) bzw. 9,99 (Wechselstrom (5(32)A); 1000 Imp/kWh), »nach CE – EN61036 ausgelegt und erfüllt die CE Anforderungen sowie EN61010 und EN61326«? Und was kostet dann wohl der Einbau in den Sicherungskasten? Ich fürchte, nochmal ein Vermögen, kostete eine zus. Steckdose vom Elektriker beim Bau doch schon 20,– EUR (wohlgemerkt, neben einer schon geplanten, also nur weiteres UP-Loch und paralleler Anschluß) …
Irgendwie ist das alles doof. Und teuer. Und von außen ist auch nirgends ersichtlich, ob ich nun 63A oder 80A brauche (12 Sicherungsautomaten á 16A; 3 Phasen a 240 V; bei gleichmäßiger Verteilung wären das (12/3), also 4 * 16A, die auf einer Phase lasten. Damit ist 63A schon raus, was? Aber das hieße andererseits ja auch, daß pro Haushalt nicht mehr als 15 16A-Stromkreise möglich wären (15/3=5; 5*16A=80A) — Drehstromzähler für mehr als 80A sind mir jedenfalls keine untergekommen …

3 Replies to “Goldrausch?”

  1. Hallo Leute.
    ich muß etwas zu meiner Verteidigung sagen:
    Der kWh-Logger ist ein Gerät, den es in der Form, auf dem Markt noch gar nicht gibt. Wenn sich jemand die Mühe macht und die Bilder auf http://www.kwh-logger.de anschaut, dann sieht man im Vergleich zu anderen hier erwähnten Module das “Made in Germany” richtig raus stechen.
    Der kWh-Logger ist von Dipl. Ing. Dirk Tostmann in vielen Stunden Arbeit entwickelt worden.
    Zu den Funktionen zählen:
    -aufnehmen und speichern von 4 S0-Schnittstellen oder Reed Kontakte
    Hintergrund (wie im Energiezählershopgebäude) ist das erfassen von z.B 2x Stromverbrauch, einmal Wärmemenge und einmal Wasserverbrauch.
    – speichern der Daten auf Micro SD Karte (kein Netzwerk notwendig)
    Das heist, jeder der eine oder mehr Zähler mit Impulsausgang hat, schlisst den Logger an und der loggt. Da braucht man kein Handbuch.
    – Daten über Netzwerk oder Internet abrufbar. Weltweit, in ca. 10 Minuten zu installieren.Wenn man was davon versteht! Mit integriertem Webserver.
    – dazu noch mit Timestamp (Zeitstempel). Was das bringt? Damit kann man mit W=Pxt und Excel Leistungsdiagramme erzeugen.
    Weitere Funktionen:
    -DHCP
    -DHCP abschaltbar und feste IP einstellbar
    -ein NTP Server kann als Zeitbasis definiert werden
    – etc.etc.etc…
    Dieses Gerät ist kein Spielzeug. Da steht kein Unternehmen mit 3-4 stellige Gewinne dahinter.
    Solche Unternehmen bekommen im Moment, so ein Gerät, zu dem Preis nicht auf die Reihe.
    Wir arbeiten 7 Tage Woche a viele Stunden. Ich habe aufgehört zu zählen.
    Da will ich nichts von Goldrausch hören. Man sollte so ein chinesisches Teil zerlegen, es anschauen warum es ein CE Zeichen bekommen hat.
    Wir haben für den kWh-Logger ein Kostenvoranschlag von Testlab für eine CE Prüfung von ca. 10 000 €. Egal ob wir 5 Stück oder 50 000 Stück verkaufen.
    Der Energiezählershop ist ein kleines Familienunternehmen das mit viel Arbeit und Unternehmergeist was bewegen will. Nicht Aufträge auf dem Golfplatz abschliessen sonder Entwicklung und Inovation “Made in Germany” von unten heraus auf dem Markt bringen.
    Bitte geht hin und schaut euch http://www.stark-elektronik.de und http://www.kwh-logger im Detail an.
    Seht euch das Team und die Produkte an. Alles Markenartikel, Lösungen und Service in einem.
    Und wenn mal ein paar Rechtschreibefehler dabei sind, dann bitte ich um Verständniss.
    So mancher Text kommt 2 Uhr morgens zu Stande. So wie jetzt. Samstag Abend 21.25!
    Vielen Dank für das Lesen! Wir werden weitermachen.
    Viele Grüße
    Johann Stark und der Energiezählershop
    [

  2. Moin Johann,
    danke für Deinen aufschlußreichen Beitrag. Die Idee des kWh-Logger ist schon schick, keine Frage; und wenn er auch nicht einzigartig ist – wie im Beitrag dargelegt –, so wäre er, wäre es ein normaler Verkaufspreis, relativ günstig. »Relativ«, da die Kosten für Einbau des kWh-Loggers und eines impulsgebenden Drehstromzwischenzählers hinzu kommen …
    Zur CE-Kennzeichnung kann ich nicht viel sagen, nur wiedergeben, was ich las, und demnach bestätigt der Hersteller mit dem Zeichen die Konformität — und muß dies nur im Zweifelsfall beweisen. Ich denke, da kommen die vielen Geräte mit dem Logo her … Ich als Endanwender verlasse mich drauf, daß das schon stimmen wird; klar ist das für einen Hersteller eher unbefriedigend, zumal wenn der »die Chinaware mal aufmacht«.
    Mich »stört« am Beta-Programm des kWh-Loggers der generelle Ansatz, daß der Kunde/Tester zwar Geld transferieren darf, dafür aber nur die zeitlich unbestimmte Nutzung eines Gerätes bekommt, dessen Funktion nicht garantiert wid und auf daß es keine Garantie gibt. Also – ich gehe ja immer vom worst-case-Szenario aus – bezahlte ich 199,– dafür, daß ich ein nicht funktionierendes oder nach 4 Wochen kaputt gegangenes Gerät auf der Hutschiene sitzen habe — und/oder der Hersteller den Test für beendet erklärt und das Gerät zurückfordert. (Es wird nicht verkauft, nur unbestimmt überlassen; kein Eigentumsübergang mangels Verkauf.) Klar, Ihr seid damit optimal abgesichert; als Kunde/Tester allerdings finde ich die Verteilung der Lasten etwas arg; vielleicht könnt Ihr das ja noch irgendwie anders lösen.
    Ansonsten wünsche ich Euch ehrlich viel Erfolg mit dem Gerät!

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