comBOTS — das Kommunikationswunder, nach der Eigendarstellung »E-Mail Programm, Instant Messaging und VoIP in einem – ganz einfach, mit Spaß und sicher!«, ist nun in der public beta.
Also irgendwie jedenfalls, denn lt. Pressemitteilung vom 01.09.2006 war es das schon seit der IFA 2006 — wie auch immer, mittlerweile kann jeder sich die Software runterladen, installieren und … erst einmal staunen. Sofern er/sie/es denn auch einem Rechner mit Windows XP inkl. Service Pack 2
hat, denn »über die Gerätegrenzen hinweg eine einheitliche Anwendung« bietet comBOTS nur bei großzügiger Auslegung dieser Aussage (sprich: indem man Geräte, die nicht mit Microsoft Windows XP und installiertem Service Pack 2 laufen, gedanklich ausblendet). Ob meine tapferen PocketPCs, mit WLAN oder via UMTS-Handy durchaus kommunikativ, wohl jemals comBOTS‐würdig sein werden?
Zeit also, eine Windowsinstanz mal zum Testen dieses Wunders herzurichten. Ein Wunder übrigens, das von langer Hand vorbereitet wurde und mit einiger Verspätung – »Neues Produkt spätestens am 12. Juli 2006« hieß es noch am 22.11.2005, zum Juli‐Termin wurde der Start dann auf den 1. September 2006 terminiert – nun langsam sich materialisiert. Dies tut es, ganz zeitgemäß, als BETA — wir schreiben nun einmal das Jahr 1 im deutschen Web2.0.
Was steht uns bevor? Die VDI-Nachrichten schrieben dazu:
Es gibt auf dem Markt kein Unternehmen, das über die Gerätegrenzen hinweg eine einheitliche Anwendung anbietet und das mit dem Anspruch, den Kunden ihre Privatsphäre zu 100 % zu garantieren. ComBOTS springt da in die Bresche!
Ok, das ist derzeit vielleicht wenigstens noch in der Planung, die Wirklichkeit sagt »XP SP2 or bust«. Und dabei, so die Stuttgarter Zeitung, geht es doch um’s »Rundumsorglospaket der Kommunikation im Internet«. Starker Tobak.
Vorweg: die Oberfläche ist raumgreifend und eher als Kommunikationszentrale denn als unauffälliges Tool im Hintergrund ausgelegt.
Die Effekte sind schön anzusehen, aber auch rechenintensiv — auf einem 1-GHZ-Pentium 3 ist es noch flüssig im rdesktop, aber grade wenn viele Aktionen laufen, spürt man sehr schnell, daß es nichts umsonst gibt. Chats mit ulkig animierten Avataren sind schon lustig, ein dem User einen Vogel zeigendes Huhn kommt lustiger als ein entsprechendes Emoticon — keine Frage.
Auch beim Dateiversand kann man diese animierten Emoticons anhängen. Lustig, aber eigentlich entbehrlich — Attachments an eMails sind seit über 10 Jahren plattformübergreifend kein Thema mehr.
Selbst animierte Grafiken gibt es sein etlichen Jahren — vielleicht nicht ganz so schön wie bei comBOTS, aber die gefühlte Innovation liegt hier auf dem Niveau der Neuerungen der Vista‐Oberfläche im direkten Vergleich zu MacOS X: wesentlich nichts wirklich Neues.
comBOTS bietet keine neuartige Kommunikation — allerdings wird alles lange bekannte unter einer einfachen
Oberfläche und mit gewissen Garantien zusammengefaßt:
Kann ich bei ComBOTS sicher sein, dass alles auch zuverlässig übertragen wird?
Ja, ComBOTS sorgt dafür, dass alles, was Sie schicken, zuverlässig zum Empfänger übertragen wird – egal, ob nur eine kleine Textnachricht oder große Dateien. Wir nennen das „Guaranteed Delivery“.
Schick. Nett. Aber ein Kracher? Wenn mein comBOTS‐Gesprächspartner nicht online ist, nützt mir die Telefoniefunktion innerhalb comBOTS nichts; für eine Weiterleitung des Gesprächswunsches auf eine hinterlegte Telefonnummer oder VoIP‐Kennung (hier müßte neben SIP auch Skype hinterlegbar sein) fehlt es sichtbar schon an der Option, eine Rufnummer zu hinterlegen …
Aber ok, ich hätte auch nie gedacht, daß man mit vollmundigen Aussagen, rottiger Systemperformance, Propaganda im besten NS‐Stil und der, auf Phantasie‐ fantastischen Alexawerten basierenden, gefühlten Besteigung des Internetolymps in Deutschland …, ja, daß man damit sowohl Millionen von Studenten – zukünftige Elite des Landes und so, remember? – fangen als auch VC-Millionen ködern kann. I stand corrected, studiVZ ist verkauft und Ehssan Dariani, der Gründer mit der allzeit bereiten Kamera, kauft sich neue Kleider (eine neue Kamera – wie im Blog nicht mehr nachzulesen, hat er seine in 2006 verloren – hat er wahrscheinlich schon).
Immerhin: die comBOTS‐Oberfläche ist sehr bunt und man kann sich neue Avatare gegen Geld besorgen — wird spannend sein zu sehen, ob sich ein Boom wie bei Klingeltönen hier wiederholen läßt. Ausschlaggebend für Erfolg oder Mißerfolg der Unternehmung wird sein,
wie und insbesondere wie schnell die comBOTS AG eine Bedarfsweckung einerseits wird erzeugen und andererseits gleichzeitig die Versprechen bezüglich der Stabilität und Sicherheit der Plattform wird einlösen können.
Warten wir also ab, auf wieviele BOOs es comBOTS vor dem FINAL bringt — oder bis Holtzbrinck auch dieses Startup schluckt? Nette Idee, aber über sechs Monate nach der Vorstellung noch immer Beta …
