Eckhart – die G8er kommen!

Nun ist es soweit, nicht nur am Hindukush verteidigt die Bundeswehr also unsere FDGO — auch im weiteren G8-Umfeld bedarf es Deutscher Soldaten, um die Sicherheit zu gewährleisten. (Und endlich dürfen sie auch mal gelangweilt den Demonstrantenfeind beobachten, anstatt immer nur zu nah ans Wasser gebaute Altstädte mit Sandsäcken zu bewerfen …)

(Quelle: G8-TV)

Man beachte den dezenten Verweis auf die Polizei bei der Frage nach dem Pressesprecher. Da wurde wohl jemand nicht genug gebrieft …
Etienne Rheindahlen schreibt über die vordergründige Unsinnigkeit eines solchen Einsatzes:

Am Rande bemerkt: der Einsatz landgestützter Bundeswehr-Aufklärungskomponenten ist an sich unnötig. Denn sowohl Zoll als auch Bundespolizei verfügen über entprechende FLIR-/IR-Kameras zur Flächenüberwachung. Hinzu kommen die weitreichenden FLIR-Kameras ausgestatteten Helikopter der Polizeihubschrauber-Staffeln der Länderpolizeien. Mit den voll nachtflugtauglichen Helikoptern lassen sich aus Entfernungen von einigen Tausend Metern auch in völliger Dunkelheit hochauflösende Bewegtbilder in real time in die Einsatzstäbe übertragen. Wozu also sind Bundeswehr-Kräfte nötig?

 
Und wieder ein Punkt, wo die Einsatzleitung dringend sich erklären müßte. Kennt noch jemand den Film »Das fliegende Auge«?
[Update, 20070607 23:15] ddp berichtet über den Umfang (via netzpolitik.org), ferner existert ein PDF einer Antwort zur Kleinen Anfrage zum Einsatz der Bundeswehr anläßlich des G8-Gipfels. Demnach wird der Einsatz der Bundeswehr alleine ca. 10 Millionen Euro verschlungen haben, eingesetzt werden diverse Boote, ein Schiff, … Insgesamt demnach rd. 1100 Soldaten, die rein »technisch-logistische Amtshilfe nach Art. 35 Abs. 1 GG« leisten.
Interessant fände ich eine Untersuchung, ob durch Nutzung ziviler Dienste – wo möglich; bei der See- und Luftsicherung wird das wohl schwierig, aber die »6 Verkehrsboote als Transportmittel« erscheinen mir, zumal in einer Küstenregion, nicht zwingend – die Kosten hätten gesenkt werden können. Überhaupt bin ich gespannt, auf welche Summe die Abschlußrechnung lauten wird …
[/Update]

4 Replies to “Eckhart – die G8er kommen!”

  1. Interessanterweise wird im Video davon gesprochen, dass es sich um Panzerspähwagen der “Feldjäger” – also der Militärpolizei – handelt.
    Man meint auch die Aufschrift “Feldjäger” auf der Seite der
    Fahrzeuge erkennen zu können (leider nicht sehr deutlich).
    Laut ergooglebarer Informationen ist der “Fennek” aber als
    Ersatz für den “Luchs” an die Panzeraufklärer und zur vorgeschobenen Beobachtung an die Ari geliefert worden.
    Die Besatzungen der Fahrzeuge, die in dem Video auftauchen und korrekterweise eine Kopfbedeckung tragen, scheinen ebenfalls das schwarze Barett der Panzeraufklärer zu tragen.
    Laut der “210”, die in dem taktischen Zeichen des einen Fahrzeugs zu sehen ist, könnte es sich um Angehörige des 210. Panzeraufklärungsbatallions gehandelt haben.
    Fragt sich nur, warum man die zu “Feldjägern” umgelabelt hat…

  2. Kurzes Update:
    Seit 2007 werden die verschiedenen Truppenteile des Heeres, die sich mit “Aufklärung” im weitesten Sinne beschäftigen zur “Heeresaufklärungstruppe” zusammengefasst: Panzeraufklärungstruppe, Fernspähtruppe, Feldnachrichtenkräfte und Luftlandeaufklärer.
    Die in dem Video gefilmten Soldaten gehören also der Aufklärungskompanie 210 an (Panzerbrigade 21 “Lipperland” der ersten Panzerdivision), die in der General-Feldmarschall Rommel Kaserne in Augustdorf stationiert ist.
    Die Aufklärungskompanie 210 gehört zur Kategorie der “Eingreifkräfte” (im Gegensatz zu den “Stabilisierungskräften”) und ist deswegen wahrscheinlich im Zuge des Weltwirtschaftsgipfels in Heiligendamm im Einsatz gewesen.

  3. Vorläufig letztes Update:
    Dank dieses Dokumentes Vortrag Brigadegeneral Feldmann wissen wir dann auch, was die BW dem Land Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der Amtshilfe an Land mindestens zur Verfügung gestellt hat:
    Drei Züge mit jeweils vier Spähpanzern “Fennek”,
    ein “abgesessener” Zug für die Aufklärung,
    ein Zug mit der Aufklärungsdrohne LUNA und ein Feldnachrichtenzug.
    Leider kann man über die Aufklärungskompanie 210 im Netz (und auch auf den Seiten der Bundeswehr) noch nicht allzuviel lesen.
    Der Wikipedia-Artikel zum Fennek gibt aber nochmal ein paar interessante Informationen zur eingesetzten Aufklärungselektronik.
    Hat die Aufklärungskompanie 210 eigentlich eine Pressestelle? Könnte man ja mal anrufen …

  4. Inzwischen liegen auch Informationen von “Insidern” vor.
    In der Drucksache 16/1284 wird im Rahmen einer kleinen Anfrage zur Fussball-WM 2006 auch die Haltung der Bundesregierung dazu schön dokumentiert:
    “Unterhalb der Einsatzschwelle leisten die Streitkräfte allen Behörden des Bundes
    und der Länder sowie den Gemeinden Technische Amtshilfe nach den allgemeinen Grundsätzen des Artikels 35 Abs. 1 GG, da hierbei keinerlei Eingriffs- und Zwangsbefugnisse wahrgenommen werden. Dabei stellt die Bundeswehr ihre Fähigkeiten, Personal und Sachmittel zur Unterstützung der anderen Behörden
    subsidiär insbesondere im technisch-logistischen Bereich zur Verfügung.”
    Der Einsatz zum G8-Gipfel war dann wahrscheinlich auch “unterhalb der Einsatzschwelle”‽

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