Der Kunde als Goldesel

Arcor melkt lieber ein bißchen länger falsch als richtig:

Erst auf Nachfrage von teltarif.de klärte Arcor auf: Es gab und gibt einen Abrechnungsfehler, der alle im Ausland ankommenden Gespräche auf den Arcor-SIM-Karten betrifft. […] Der berechnete Minutenpreis ergibt sich aus dem tatsächlichen Tarif für das ankommende Gespräch im Ausland, dem fälschlicherweise auch noch die Kosten für ein Gespräch von Deutschland in das betreffende Land zugeschlagen wurden.
Michael Peter betonte auf Nachfrage, dass die Kunden mit der nächsten oder spätestens übernächsten Rechnung automatisch eine Erstattung für die zu viel berechneten Kosten bekommen. […] Des Weiteren müsse man aus technischen Gründen noch einige Tage die falschen Preise berechnen, da die Fehlerbehebung nur durch ein Update der Software möglich sei. Dies sei für Anfang September vorgesehen.

Quelle: teltarif.de, 24.08.2007; Hervorhebung blogdoch.net

 
Noch Fragen, Kienzle?
Um es sich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen: Arcor baut bei seien Kunden – denen, die offensichtlich neben Festnetz- auch noch Mobilfunkdienste bei Arcor gebucht haben – Abrechnungsmist, erwidert auf die Reklamation weiteren Mist und erdreistet sich dann noch, diesen Fehler nicht unverzüglich nach Feststellung zu beheben.
Nein, vielmehr wartet man lieber noch ein bißchen auf das nächste planmäßige Wartungsfenster und verschafft sich so einen zinslosen Zwischenkredit zu Lasten der ahnungslosen Kundschaft; und natürlich kein Wort von Schadensersatz (auch ein Girokonto wird heutzutage vielerorts guthabenverzinst, ganz zu schweigen von Abbuchungen in den Dispo-Bereich), gnädigerweise gibt’s immerhin die unrechtmäßig angeeigneten Beträge als Gutschrift — Monate später.
Schon faszinierend, was »König Kunde« sich alles bieten lassen muß im Telekommunikationssektor. Ich stelle mir grade den Bäcker um die Ecke vor, wie er mir das erklären möchte:

Klar, da steht zwar 39 Cent für ein Brötchen, aber trotzdem muß ich Ihnen pro Brötchen 1,24 € berechnen, weil ich mich beim Programmieren der Tasten vertan habe — macht dann also 4,96 € für Ihre vier Brötchen. Nächste Woche suche ich mal das Handbuch und korrigiere meinen Fehler; wir verrechnen das dann einfach bei ihren zukünftigen Einkäufen.

 
Ja, ich bin mir sicher, es gäbe beim Bäcker keinerlei Verbalinjurien und alle Kunden zahlten klaglos 1,24 statt 0,39 pro Brötchen. Ganz sicher würden die Kunden diesen seriösen Geschäftsmann auch wärmstens weiterempfehlen … Sie doch auch, oder?