Mobilfunk: o2 baut aus; Vodefone nimmt die Roamingsaison 2008 noch mit

Daß ich derlei noch einmal sagen würde, habe ich mir ja auch nicht träumen lassen: o2++. Gestern, mal wieder familiär begründet in Olderdissen unterwegs, hatte ich zum ersten Mal seit Jahren eine weitgehend funktionierende Netzabdeckung. Aber nicht mit meinem – noch – präferierten Anbieter D2 privat Vodafone D2, sondern mit meiner, aufgrund der indiskutablen Datenangebote Vodafones – entweder lange Mindeslaufzeit oder deutlich höherer Preis als o2/e+ – angeschafften o2 Genion-SIM mit 5 GB-»Flatrate«.
Und mit »Netzabdeckung« meine ich nicht nur Sprache via GSM, sondern Daten — zwar leider noch nur GPRS, aber lieber 56k statt 0 Bit/sec wie bei Vodafone an gleicher Stelle. Sofern o2 also die Ansage wahr macht, daß EDGE im gesamten GSM-Netz bis Ende 2009 nachgerüstet sein wird, wäre o2 tatsächlich eine valide (Daten-)Alternative zu T-Mobile (die, dem rückständigen iBrick sei Dank, EDGE flächendeckend schon eingeführt haben) oder Vodafone D2 — zu, zumindest aktuell, deutlich attraktiveren Konditionen.
Und nachdem o2 Germany endlich Anfang des Jahres erkannt hat, daß lückenhafte Versorgung mit rückständiger Technik kaum tauglich ist, den Nachteil des Spätstarters (VIAG Interkom, heute Telefónica o2 Germany, startete als bislang letzer bundesdeutscher Netzbetreiber ins Rennen um die güldenen GSM-Minuten) auszumerzen, die Trennung der Frequenzen zwischen den initialen D-Netz- (D1, D2) und den folgenden E-Netzbetreibern (e+, o2) nicht mehr vollständig ist und damit Reichweite (D- besser als E-Frequenzen im ländlichen Raum) und Sprachqualität (EFR-Codecs sind in D- wie E-Netz einsetzbar) mittlerweile nicht mehr das alleinige technische Unterscheidungsmerkmal hergeben (alle Betreiber haben Frequenzbänder in sowohl D- als auch E-Netzbereichen), könnte sich o2 vielleicht wirklich noch zu einem gewichtigeren Player im deutschen Markt aufschwingen, als die derzeitige Nummer Vier (von 4 Netzbetreibern insgesamt).
Jetzt würde es einer Telefónica o2 Germany natürlich gut zu Gesicht stehen, böte man seine nationalen Tarife dem Spanien-Urlauber bei Nutzung des spanischen Telefónica-Netzes z. B. mit einem mehr symbolischen Aufschlag von z. B. 5 Euro/Monat an — leider überlassen die Platzhirsche dies innovativeren Anbietern und befördern so den Erwerb von weiteren SIMs, die nur kurzzeitig genutzt werden. (Fährt jemand nach Italien? Ich hätte da noch die TIM-SIM vom letzten Jahr …) Ich jedenfalls finde die Summe von 50 Euro [für] ein Datenvolumen von 100 Megabyte pro Monat jetzt nicht so das tolle Urlaubsschnäppchen, für welches ich meine o2-SIM auch im Urlaub im Handy lassen würde; aber es läuft ja auch unter »Business«, da mag sich das rechnen.
Apropros Konzerne und ihre so roamingkostenträchtige Parzellierung in Europa: Vodafone hält wenig von Preissenkungen für SMS und startet neue Datentarife pünktlich zum Ende der diesjährigen Urlaubssaison zum 20. Juli — zur Halbzeit der Sommerferien in NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Ein Schelm, der da an einen Zufall glaubt — mal ganz abgesehen davon, daß auch »19 Cent pro 50 Kilobyte im gesamten EU-Ausland«, also rd. 4 EUR pro MB, nun nicht schnäppchenverdächtig sind.
Liebe EU-Kommissare, was ist denn so schwierig? Wenn die großen multinationalen Konzerne meinen, wie im Mittelalter an den Grenzen Zölle und Abgaben (hier: Rominggebühren plus Bearbeitungsaufschlag für Roaming) von einem Konzernkunden, der Dienste bei einer Konzerntocher im EU-Ausland nutzt, kassieren zu können, so, als wäre das noch immer ein horrender Aufwand und die Konzerntöchter im Kundenheimatland und im Kundendienstenutzungsland wären sich spinnefeind und die schärfsten Konkurrenten — gut, dann behandelt das doch auch finanztechnisch einfach so: Keine Anrechnung von Gewinnen, Verlusten und Umsatz der Konzerntöchter beim Konzern. Keine Listung einer Vodafone, T-Mobile, Telefónica, KPN, France Telecom und wie sie alle heißen an den internationalen Börsen mit den Ergebnissen aller Konzerngesellschaften; jede Landesgesellschaft rechnet für sich ab (und geht für sich an die Börse, ober eben auch nicht), der Konzern kann keine Verluste aus Landesgesellschaft A ergebnismindernd mit Gewinnen aus Landesgesellschaft B verrechnen …
Ich bin mir sicher, daß hätte einen massiven Effekt. Vielleicht die Reduktion auf weniger als drei Anbieter pro Land, weil Subventionszahlungen der Konzerne entfielen, aber gut; Schwund ist überall, wenn sich ein Unternehmen nicht trägt, warum sollten das Kunden/Steuerzahler in anderen Ländern mitfinanzieren? Bei vollkommen getrennten Entitäten sind diese horrenden Aufschläge ja durchaus in Maßen nachvollziehbar; warum ein Telefónica-Kunde im Land A aber viel höhere Kosten verursachen soll als in Land B, das leuchtet nicht wirklich ein. Zumal, IIRC, zumindest (bei Vodafone) der Internetverkehr nicht ins Heimatnetz getunnelt wird … Und die Sprachtelefonie läuft auch technisch über das Netz des Betreibers, in dem das Telefon eingebucht ist. Bandbreite eines GSM-Telefonats lag bei horrenden 9,6 kBit/sec, richtig? 160 Zeichen pro SMS, unglaubliche Datenmengen. Man kann förmlich die Datenleitungen erkalten hören …