Nun reden ja Politiker, frei sprechend, nicht immer ins Reine. Und in Wahl(kampf)zeiten mag auch das eine oder andere dabei sein, was, äh, sagen wir: bei gründlicherem Nachdenken vor dem Sprechen – wozu natürlich keine Gelegenheit war – so nicht gesagt hätte werden können.
Wie es allerdings zu der Überschrift im DerWesten-Artikel, »Rüttgers: Nokia will Teil der Stellen erhalten«, gekommen ist, läßt sich wohl nicht mit der typischen Wahrheitsliebe von Politikern erklären.
Durch die Kombination »Rütgers:« mit der folgenden Feststellung wird mir suggeriert, der NRW-Ministerpräsident hätte von Nokia eine Aussage dieses Inhaltes – Nokia wolle, anders als bislang geplant, nun doch Stellen im zu schließenden Werk Bochum erhalten, also weder abbauen noch verkaufen – erhalten.
Der Artikeltext allerdings läßt für eine solche Interpretation nicht einmal wage Verdachtsmomente (siehe Screenshot):
Ministerpräsident Rüttgers (CDU) begrüßte die Bereitschaft des Nokia-Chefs Kallasvuo zu einem Gespräch, wie sich Nokia im Raum Bochum mit “innovativen Lösungen” engagieren kann. “Wir wollen diese Chance nutzen, mit ihm darüber zu reden, für wie viele Menschen das am Standort Bochum eine Zukunft bedeutet”, sagte Rüttgers im Landtag.
Äh. Hallo, liebe Redaktion? Wo ist aus dieser Bereitschaft zum Gespräch auch nur unter-unterschwellig zu entnehmen, daß Nokia von der vollständigen Schließung des Werkes Bochum abrücken wolle? Bzw. inwiefern ist dies noch eine Neuigkeit am 23.01.2008? Schon die ersten Berichte am 15.01.2008 wiesen darauf hin, daß eventuell 280 Beschäftigte in »zum Verkauf stehenden Betriebseinheiten« Hoffnung auf Erhalt ihres Arbeitsplatzes haben könnten.
Also, irgendwie lese ich die in der Überschrift suggerierte Wende da nicht so wirklich raus?
