Wie einfach es doch ist. Da schmeißt Nokia 2300 Leute raus und schließt in Zeiten von Rekordgewinnen deutsche Produktionsstätten — und was machen unsere Politiker? Da sie hilflos sind, mangels rechtlicher Handhabe in dieser reali-existierenden, globalisierten Arbeitswelt, geben Sie – nach Ablauf der jenem anhängenden Vertragsdauer – ihr Nokia-handy ab und schwenken auf die Marke eines heute in Deutschland keine Stellen abbauenden Mitbewerbers:
Bundesverbraucherminister Horst Seehofer, der bisher ein Nokia-Mobiltelefon verwendet hatte und darauf nun aus Protest gegen die geplante Werksschließung verzichtet, verriet dem Magazin Focus die Marke seines neuen Geräts: “Ich habe jetzt ein Handy von Sony Ericsson.” In seinem Ministerium werde Zug um Zug umgestellt, damit keine zusätzlichen Kosten entstehen.
Gesten, so rührend hilf- und sinnlos: rund 600 Stellen hat Ericsson Deutschland 2006 abgebaut, die im Ex-Marconi-Standort Backnang mal mit eingerechnet. Ein Klacks gegen die 6000 Stellen, die Sony seit 2006 außerhalb Japans abbaute (den Anteil für Deutschland habe ich auf die Schnelle nicht gefunden), aber jetzt auch nicht grade kein Abbau … Daß man nach dem Fußtritt für 700 Mitarbeiter bei Motorola jene Marke nicht nehmen kann, leuchtet mir ein — und zu Benq/Siemens muß ich wohl erst gar kein Wort verlieren.
Was sind die Kriterien für ein politisch korrektes Mobiltelefon heute, 1Q2008? Muß der Hersteller in Deutschland Mobiltelefone herstellen? (Korrigiert mich, aber in dem Falle können die Netze nach der Schließung von Nokias Bochumer Werk abgeschaltet werden, oder?) Darf der Hersteller in den letzten 6, 12, 18, 24 oder gar 60 Monaten keine Stellen in Deutschland abgebaut haben? (Korrigiert mich, aber … bleibt dann noch wer?) Oder welches Kriterium kennzeichnet einen »guten« Mobilfunkhersteller für Deutschland im Januar 2008?
Die Begleitumstände (Art der Kommunikation; Schließung eines angeblich profitablen Werkes mit sehr flexiblen Arbeitnehmern; Schließung zu Zeiten von Rekordgewinnen und zugunsten der Produktion in jungen EU-Mitgliedsstaaten) sind aus meiner Sicht nicht grade schmeichelhaft für Nokia. Aber nicht Nokia ermöglicht Nokia diese Art der Gewinnmaximierung — ein, zwei nationale wie auch EU-Richtlinien dürften hier maßgebend sein und der zunehmend mangelhafte (und von den letzten Regierungen kontinuierlich weiter geschwächte) Arbeitnehmerschutz in Deutschland seinen Teil dazu beitragen, daß nicht nur schlechtes Management oder unflexible Arbeitszeitgestaltung den Weg in die Arbeitslosigkeit ebnen, sondern auch weitgehende Zugeständnisse der Arbeitnehmervertretungen unternehmerische Entscheidungen gegen einen Standort nicht mehr verhindern können.
Würden Politiker wirklich etwas gegen die vielzitierten Heuschrecken unternehmen wollen, dann wären Taten zu verzeichnen, gesetzgeberisch würden sie handeln — und nicht hilflos, um Öffentlichkeit heischend, gut funktionierendes Arbeitsgerät durch ggf. schlechter funktionierendes ersetzen … Aber das kapiert ja leider der Souverän das Stimmvieh nicht :(

http://www.koeln-nachrichten.de/Wirtschaft/Artikel2005/Meldung_16112005_Sony_Stellenabbau.html
“Nun trifft es rund 200 Beschäftigten der Deutschland-Zentrale von Sony in Köln-Ossendorf.”
2004 haben sei schon mal zugeschlagen:
http://www.media.nrw.de/media2/site/index.php?id=73&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=48908&cHash=a79dde7843