Ich würde ja wirklich gerne sipgates neueste Schöpfung, satellite, nutzen — leider schließt man stumpf 80% der mobilen Endgeräte von Start weg aus: die »satellite«-App gibt es nur für iOS-Geräte von Apple :sadpanda:.
Das ist alles schon schwierig. Einerseits bin ich ein sipgate-Fanboy, ich mag grundsätzlich, was die Truppe da treibt. Ich bin auch früher simquadrat-Kunde – simquadrat ist sipgates erster(?) Anlauf, als (virtueller) Mobilfunkanbieter in Deutschland Fuß zu fassen – und verstehe, vielleicht deshalb, einige satellite-Ansätze überhaupt nicht. Unter anderem, warum man jetzt an den Markt gehen muß, während einzig die App für i-Geräte vom Apple bereit steht, nicht alle Features rund laufen und die Erreichbarkeit der satellite-Nummer aus anderen Netzen auch noch auf sich warten läßt?
Wer noch fehlt? Ein paar Festnetzanbieter und leider auch das Netz von @vodafone_de. Da Düsseldorfer aber grundsätzlich zusammenhalten, vertrauen wir fest auf die Zusicherung, dass man schnell an einer Lösung arbeite. Von daher: #gogovodafone#getsatelliteapp 💪💪💪 2/2
— satellite (@satelliteDE) February 22, 2018
sipgate ist »reines SIP-Geschäft«, relativ langweilig von meiner Warte aus. (SIP-Anbieter gibt es halt mehr als ich Finger habe, von kostenlos bis gar nicht mal so kostengünstig, von nur mit rein interner VoIP-Rufnummer bis zum Mehrwertdienstanbieter. Ich bin noch immer »sipgate basic«-Kunde, AFAIR mit Guthaben — bei irgendeiner Umstellung hat es meinen Kundenaccount erwischt, aber der SIP-Zugang tut noch. Aber einen wirklichen Produktivnutzen konnte ich jahrelang nicht darstellen: hauptsächlich, da alle meine primären Kontakte in meinem Einflußbereich lagen und somit niemand auf externe Services zurückgreifen mußte, die mein Asterisk quasi ebenbürtig intern leisten konnte.)

(Regulatorische) Kehrseite der Medaille: regionale Rufnummern werden in Deutschland von der Regulierungsbehörde (BNetzA) stark reglementiert sowie auch kontrolliert. Zieht man z. B. ortsnetzübergreifend um, darf man die bisherige Ortsnetznummer nicht behalten — anders als eine Mobilfunk- oder nicht-lokale Rufnummer.
Aber die ehemalig »innovativen« Nummern (die »lebenslangen« Nummer aus der 012er-Gasse) wurden auch stumpf entzogen – mittlerweile dient die Gasse 012 nur noch als »Reserve« –, und bei den »nationalen Rufnummern« der Gasse 032 hat die RegTP/BNetzA vollumfänglich verkackt: weder wurde festgeschrieben, daß »032« einem Ortsnetz gleich zu stellen wäre, noch, daß Anrufe dorthin überhaupt zu ermöglichen wären. Die 032-Gasse ist somit tot, da die Erreichbarkeit nicht sichergestellt ist – traurigerweise auch und gerade von sipgate aus – und die Kosten einen Anrufes – sofern er denn möglich wäre – nicht vorhersehbar sind.
Mittlerweile ist das Telefonnetz zwar vollständig digitalisiert — aber im Innovationsbremserland Deutschland sind mittlerweile Kfz-Kennzeichen mobiler als Telefonnummern. Da wundert auch kein #Bundeshack mehr — IT kann Deutschland einfach nicht, weil die Politik dies nicht versteht, ja, nicht verstehen will. Anyway …
Dies Problem von simquadrat – die fehlende »räumliche Portabilität« der (primären) Rufnummer – adressiert satellite durch eine Mobilfunknummer. (Die gibt’s bei simquadrat auf Wunsch zwar auch, zusätzlich; aber die Mobilfunknummer läuft dort, anders als die Festnetznummer, nicht auf den SIP-Account.) Anders als bei simquadrat nutzt man aber gar kein »eigenes« Mobilfunknetz mehr (simquadrat ist Mobile Virtual Network Operator (MVNO) auf dem ehemaligen e+-, d. h. heutigen o2-Netz), sondern setzt wohl auf SIP-über-mobile-Daten. Das ist aus zwei Gründen interessant. Erstens: SIP benötigt ggf. etwas mehr Bandbreite als native Telefonie bei 2G & 3G (ab dem 4G-Netz geht Sprache nur noch per Voice-over-LTE (VoLTE), und das ist technisch wieder SIP) — dem Vernehmen nach umschifft satellite dies durch einen »innovativen Codec«. Zweitens: viele Anbieter/Tarife schließen Sprach- als auch Videotelefonie über ihrem IP-Dienst aus und blockieren z. B. SIP per Deep-Packet-Inspection (DPI); sofern satellite also auf nacktem SIP (ohne VPN- oder Verschlüsselungskomponente) aufsetzt, wird es nur bedingt nutzbar sein. (DPI-basierte SIP-Blockade funktionierte z. B. bei der Telekom erschreckend gut, auch auf non-standard Ports und z. T. sogar trotz VPN.)

Und da im satellite-Team lt. Homepage zwar 3 iOS-, aber 0 Android-Entwickler aktiv sind, stellt sich natürlich die Frage, wie man denn ohne dedizierte Entwickler zeitnah eine Android-App auf die Beine stellen will. Da die Versions- und Gerätevielfalt bei Android bekanntlich »marginal« größer ist, erscheint die Aussage, daß man noch in 2018 mit einer Android-App um die Ecke kommen will, wenig realistisch.
Womit ich wieder bei der Ausgangfrage bin: wieso startet sipgate satellite jetzt, 80% der potentiellen Nutzer mangels App aussperrend und trotz Unzulänglichkeiten in der Basisfunktionalität für die 20% iOS-Nutzer?
Vielleicht ist es eine Art Torschlußpanik; nachdem man mit sipgate one nicht weiter kam und aufgeben mußte, hat man nun die Infrastruktur und will zeigen, was möglich wäre? Kommerzielles Interesse jedenfalls scheidet aus: aktuell gibt es nur ein Produkt mit kostenlosem ausgehenden Minuten-Kontingent, mit großen Anrufzahlen an die satellite-Nummern (und damit eingehenden Interconnection-Gebühren) kann kaum gerechnet werden.
Was immer der Grund: ich finde es ziemlich doof, aufgrund meiner Gerätewahl ausgeschlossen zu sein; vor Ende 2018 ist nach den vorliegenden Daten keine Android-Unterstüzung realistisch zu erwarten und ob satellite 2019 noch interessant ist?
