Die Telekom und das DSL-Volumen

Da liefert @Telekom_hilft mit dem Verweis auf bit.ly/WYPVoy aber mal ‘ne Steilvorlage, warum jeder DSL-Nutzer gegen Vectoring auf die Barrikaden gehen müßte.

Der Telekom wird also der Netzausbau zu teuer:

Eine Lösung wäre tatsächlich, das in den Tarifen enthaltene Datenvolumen zu begrenzen. Der Vorteil ist, dass nur die Kunden mehr zahlen müssten, die tatsächlich mehr Volumen beanspruchen. Bisher ist es so, dass sämtliche Nutzer die intensivere Nutzung einiger quersubventionieren.

Ganz neu ist die Idee nicht, die schnelleren Call&Surf-Tarife haben in den AGB schon seit längerem eine Drosselung drin stehen:

Bei Call & Surf Comfort VDSL und Call & Surf Comfort Plus VDSL wird ab einem übertragenen Datenvolumen von

  • 200 GB bei Überlassung mit einer Übertragungs-geschwindigkeit bis zu 51 300 kbit/s für den Download und bis zu 10 000 kbit/s für den Upload bzw.
  • 100 GB bei Überlassung mit einer Übertragungs-geschwindigkeit bis zu 25 000 kbit/s für den Download und bis zu 5 000 kbit/s für den Upload

jeweils in einem Monat die Übertragungsgeschwindigkeit des Internet-Zugangs für den Rest des Monats auf 6 016 kbit/s für den Download und 576 kbit/s für den Upload begrenzt.

Bislang scheint es aber nur in den AGB zu stehen, ohne konkret auch umgesetzt zu werden. Da bei Entertain dies bislang nicht zur Debatte stand, war mir — als VDSL-Entertain-Kunde — das bislang auch eher egal. Nun aber sollen angeblich selbst langsame ADSL2- sowie Entertain-Tarife von einem Flatrate- zu einem Volumentarif umgearbeitet werden.

Sofern bei Entertain die IPTV-Volumen nicht rausgerechnet werden, werde ich Entertain kündigen müssen, da das Volumen nicht mehr bezahlbar ist:

  Online-Zeit (hh:mm) Daten gesamt (GB) gesendet (GB) empfangen (GB) Verbindungen
Gestern 24:01 26,96 2,71 24,24 1
Aktuelle Woche 110:18 133,50 11,84 121,66 5
Aktueller Monat 516:09 580,17 49,44 530,72 25
Letzter Monat 672:00 599,91 64,44 535,46 29

Wahrscheinlicher ist aber, daß — wie im Mobilfunk mit Spotify vorgemacht — Entertain-Verkehre dann aus der Berechnung draußen bleiben — nur: wie weist die Telekom mir die Richtigkeit ihrer Berechnung denn nach? Einzelverbindungsnachweis für IP-Verbindungen?

Und worum dieser Schritt in die Internet-Steinzeit? Die Begründung aus dem Telekom.Blog vermag nich so recht zu überzeugen:

Wie alle Netzbetreiber steht auch die Telekom vor einer großen Herausforderung: Auf der einen Seite wächst das Datenvolumen exponentiell. Die Netze müssen also massiv ausgebaut werden und das kostet Milliarden. Auf der anderen Seite kennen die Telekommunikationspreise seit Jahren nur eine Richtung: abwärts und das rasant.

Mit anderen Worten: die Telekom ist sich zu fein dafür, ehrlich zu sagen, was ein pauschalabgerechneter Internetzugang der Bandbreite X kostet und möchte statt dessen lieber über Fußangelnnoten dem Kunden »Flatrates« verkaufen, die gar keine sind — klappt ja im Mobilfunk schon seit Jahren super.
Im Endeffekt ist dies nur der »Plan B«, mehrfach zu kassieren: von den Anbietern im eigenen Netz als auch den Kunden im eigenen Netz läßt man sich schon bezahlen für den Netzzugang. Nun möchte man die eigenen Kunden nochmals melken, wenn sie denn Dienste außerhalb des eigenen Netzes nutzen, sei es YouTube, maxdome, Google Play, und damit, natürlich, Datenverkehr erzeugen. Es ist die Vorstufe des dienstabhängigen Internetzuganges; in Jahrenfrist wird es Angebote geben, YouTube oder andere Dienste »flat« zu bezahlen, und effektiv nutzbar werden diese Dienste auch nur mit der Zusatzoption sein, denn im normalen Routing werden sie gedrosselt werden. Der VDSL-Anschluß mag dann zwar 50 MBit/sec schnell sein, ohne die YouTube-Option aber kommen nur 2 MBit/sec von YouTube-Servern an — Videoload hingegen wird mit voller Geschwindigkeit erreicht werden.

Schöne neue Welt.

Der Markt wird zeigen, ob diese geplante gezielte Täuschung der Kunden Erfolg hat; dieses Vorhaben zeigt aber deutlich, warum der Wettbewerb im Festnetz intensiviert werden muß und nicht durch eine Remonopolisierung, z. B. durch die regulatorische Erlaubnis von DSL-Vectoring, geschwächt werden darf.