Mangels Abonnement (bekommt man die WAZ eigentlich in OWL?) kann ich nicht sagen, ob die WAZ darüber schon berichtete – eine Suche
Lt. einem Bericht der »Berliner Zeitung« (vgl. auch Golem) plädiert der Vorsitzende der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg, Hans Hege, für die Verschlüsselung digitaler Fernsehprogramme — aus der vielbeschworenen »Grundversorgung«, für die seit Januar nun auch jeder Besitzer eines PCs (mit Internetzugang) oder auch nur eines GPRS/UMTS‐fähigen Handys GEZ‐pflichtig geworden ist, auch ohne Radio oder Fernseher zu besitzen, aus der vormaligen »Grundversorgung« also wird flugs das »Basisangebot«, verteilt über DVB‐T …
In dem Zusammenhang interessant erscheint der Bericht der Landesmedienanstalten zur DVB‐T‐Akzeptanz:
DVB-T verzeichnet „eine wachsende Akzeptanz vor allem in Ballungsräumen und eine unterdurchschnittliche dort, wo private Anbieter nicht verbreitet werden.“ […] Der Bericht fasst Statistiken zusammen und umreißt die sich daraus ergebenden Anforderungen an die Regulierung.
Hans Hege, Direktor der MABB, nutzte die Vorstellung des Berichts zu einem Statement zur Grundverschlüsselung: Die Medienwächter stehen der Adressierbarkeit und Grundverschlüsselung nicht „grundsätzlich im Weg“. Sie erwarten jedoch einen „digitalen Mehrwert mit neuen Angeboten“. Wer einfach nur für bisher freie Programme Geld verlange („Pay-TV Light“), werde eine klare Ablehnung erfahren.
Gegenüber dem Vorjahr sei der Digitalisierungsgrad von 25,7 auf 31,6% gestiegen. Die DVB-T-Nutzung wird mit 9,2% (Kabel: 51,8%, Sat 42,0%) der Fernsehhaushalte angegeben. Er ist in der DVB-T-Region Berlin/Brandenburg mit 19,4% am höchsten, gefolgt von Norddeutschland (14,9%) und dem Köln/Ruhr-Raum (14,1%). Der Durchschnitt in den „Kerngebieten“ mit Privatprogrammen liege bei 12,8%. In Mittel- und Südwestdeutschland mit nur öffentlich-rechtlichen Programmen hingegen bei nur jeweils 4,8%. [Quelle: dehnmedia.de]
Versucht man also der Totgeburt DVB‐T, wo außerhalb der Pilotregionen die privaten Sender eben nicht mehr mit dabei sind, wo der Technologiewechsel ganz klar zu einem schlechteren Angebot geführt hat, durch die kalte Küche doch noch eine Daseinsberechtigung zu geben?
Offiziell nicht; die Begründung für dieses Plädoyer pro Grundverschlüs- selung – wie sie die RTL‐Gruppe ja schon beschlosen hat –, lautet offiziell, den Markt ankurbeln zu wollen:
Die Vielfalt der Übertragungswege der TV-Programme und die neuen Sparten-Kanäle würden sich auf Dauer nur finanzieren lassen, wenn neue Geschäftsmodelle realisiert werden könnten, sagte Hege weiter. Für solche Geschäftsmodelle sei eine Adressierbarkeit der Empfänger, die technisch mit einer Verschlüsselung einhergehe, nötig. Eine verschlüsselte Ausstrahlung der Fernsehprogramme bedeutet, dass die Zuschauer diese nur noch nach entsprechender Freischaltung über ein digitales Empfangsgerät (Set-Top-Box) empfangen können. [Quelle: Berliner Zeitung]
Warum bedarf es doch gleich einer (seit DVB-T noch stärker nicht wirklich) flächendeckenden Bestrahlung des Landes mit multiplen Rundfunk- diensten? DVB-T im Auto, noch dazu im fahrenden — was ist doch gleich der volkswirtschaftliche Nutzen, weswegen dies von Staats wegen forciert wird? Hörfunk als Basismedium zur schnellen Information der Bevölkerung halte ich für zweckmäßig, hierfür sollte ein bundesweites Sendernetz für Indoor- wie Outdoorempfang unterhalten werden. Aber für’s Fernsehen? Mit zig TV-Satelliten und DVB-S — benötigt man da noch terrestrische TV-Ausstrahlung für die, die keinen Kabelanschluß haben? Eben. Somit hat sich das Problem der »Vielfalt der Übertragungswege der TV-Programme« also grade erledigt. (Da Kabelfernsehanbieter mindestens ein so starkes Interesse an der Einspeisung der Sender haben dürften wie die Sender, daß Ihr Programm in den Kabelnetzen empfangen werden kann, ist mir gelinde gesagt unklar, warum hier größere Verhandlungen einerseits notwendig sein sollen und andererseits nennenswerte Geldbeträge von einer zur anderen Seite fließen sollten — ein TV-Kabel ohne Programme wird kein Erfolg, ein in hinreichend vielen Haushalten über Kabel nicht zu empfangender Sender keiner mit Massenwirkung und entspr. Wert auf dem Werbemarkt. Oder habe ich grundsätzlich was übersehen?)
Wobei, ich bin ganz klar für die Grundverschlüsselung der öffentlich- rechtlichen Programme; einerseits, weil dann über Satellit endlich auch der Mehrkanalton oder sportliche Großereignisse gesendet werden, die heute wegen der fehlenden Abgrenzung des Empfangsgebietes und der Empfänger aus Lizenzgründen über Satellit unter den Tisch fallen. Andererseits, weil damit das Thema GEZ ein für alle Mal gestorben ist — keine Empfangsbereitschaft der Geräte (weil: keine Smartcard) für ARD und/oder ZDF bedeutet den Wegfall der Zahlungen.
Daß das die Finanzierung dann mittels einer Art »Steuer für die Rundfunkgrundversorgung« erfolgen wird, ist unabwendbar, solange am lustigen deutschen System festgehalten wird. Aber es wird letztlich fairer (jeder Haushalt, jedes Unternehmen zahlt, durch die höhere Anzahl sinkt die absolute Höhe der einzelnen Zahlungen) und effizienter (es bedarf keiner IMs, Wegelagerer und Hausierer zur Überprüfung mehr, keiner Imagekampagnen und auch nicht mehr des Verwaltungswasserkopfs in Köln).
Ich gebe zu, IPTV hat es in Deutschland mit einem umfangreichen FTA‐Angebot natürlich ungleich schwerer als in anderen Ländern — und IPTV erscheint zumindest derzeit eine der wenigen legalen Anwendungen zu sein, Bandbreiten jenseits 6 MBit/sec überhaupt zu benötigen.
Ohne den, vorzugsweise ersatzlosen, Wegfall des üppigen (wenngleich meines Erachtens oftmals wenig gehaltvollen) FTA‐Angebotes gibt es weder einen Grund für einen Endkunden, die Strapazen der Verbindung seines DSL‐Zuganges vom Flur zur IPTV-SetTopBox am Fernseher im Wohnzimmer in Angriff zu nehmen – zumal Kabelanschluß oder Sat-Receiver oder DVB‐T‐SetTopBox schon dastehen und TV‐Genuß relativ unkompliziert und technisch ausgereift beherrschen – noch einen Grund, dieses Angebot überhaupt zu buchen, da es keinen Mehrwert wie exklusive Inhalte oder Bedienvorteile bietet.
Sicher, der Markt für IPTV in Deutschland würde sicher davon profitieren, wenn dies ein gleichwertiger Zugang wäre anstelle einer teuren, technisch nicht immer ausgereiften und im Privathaushalt netztopologisch ggf. anspruchsvollen Spielerei. Fraglich beleibt, ob dem Kunden durch IPTV Vorteile entstünden, die den Wegfall des umfangreichen Free‐To‐Air‐Angebotes rechtfertigten …
Aber es wird soweiso anders kommen: die Grundverschlüsselung in der Variante »PayTV light« (Null Mehrleistung zu ungleich Null Mehrkosten) unter fadenscheinig begründeter Ausnahme der öffentlich‐rechtlichen Sender von selbiger. Worst of both worlds.
IPTV wird sich weiter nicht durchsetzen können, da sich die Sender und die DSL‐Anbieter nicht auf einen Preis, den letztere für die Aufnahme des Programms ins Portfolio ersteren zahlen, und/oder die jeweiligen Einschränkungen der Nutzung (adzapping ist z. B. etwas, was RTL gar nicht gerne sieht, auch die anderen privaten Sender hegen Vorbehalte) einigen können. Selbst Arcors IPTV-Angebot ist Mitte Januar 2007 noch nicht in trockenen Tüchern:
Diese Verhandlungen sind unter anderem notwendig, weil Arcor in seinem IPTV-Angebot Zusatzdienste vorgesehen hat. Dabei geht es zum einen um das so genannte Timeshifting, bei dem eine Sendung nach einer Unterbrechung später weitergesehen werden kann. Außerdem will Arcor den Kunden aber auch erlauben, mit “Timeshift Restart” sich eine bereits laufende Sendung von Beginn an anzusehen, oder eine knapp verpasste aus einem Archiv abzurufen. Dies alles soll ohne eine Festplatte beim Benutzer funktionieren, würde also ein Aufzeichnen bei Arcor benötigen. Solche Dienstleistungen sind nach mehreren Gerichtsurteilen rechtlich umstritten. Es sei wahrscheinlich, dass diese Dienste zumindest zum Start “nicht über alle Sender hinweg” verfügbar sein werden, räumte Wirnitzer ein. [Quelle: heise]
Danke, Hans. Ich wünschte, Deine Reden wären schon jetzt grundver- schlüsselt.

